Chemie

Atommodelle verstehen: Dalton bis Orbitalmodell

Atommodelle verstehen: Dalton bis Orbitalmodell
Atommodelle verstehen: Dalton bis Orbitalmodell
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Ein Atommodell ist kein Foto eines Atoms. Es ist eine vereinfachte Vorstellung, mit der Forschende Beobachtungen erklären und Vorhersagen treffen. Neue Experimente zeigten immer wieder Grenzen älterer Modelle – deshalb entstanden genauere Modelle.

Auf dieser Seite verfolgst du den Weg von Dalton über Thomson, Rutherford und Bohr bis zum Orbitalmodell. Dabei lernst du, welches Modell welche Frage beantworten kann.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Modelle sind Werkzeuge, keine Abbilder

Atome lassen sich nicht einfach wie Alltagsgegenstände betrachten. Forschende untersuchen deshalb messbare Wirkungen: Wie reagieren Stoffe? Wie werden geladene Teilchen abgelenkt? Welche Strahlung senden Atome aus?

Definition

Atommodell

Ein Atommodell ist eine begründete, vereinfachte Beschreibung des Atombaus. Es hebt die Merkmale hervor, die für eine bestimmte Erklärung wichtig sind.

Ein gutes Modell muss nicht jedes Merkmal eines Atoms darstellen. Es muss für seinen Zweck brauchbar sein. Ein Stadtplan zeigt beispielsweise Straßen, aber keine einzelnen Blätter an den Bäumen. Ähnlich konzentriert sich jedes Atommodell auf ausgewählte Eigenschaften.

Merke

Modelle werden nicht allein danach beurteilt, ob sie anschaulich sind. Entscheidend ist, welche Beobachtungen sie erklären und welche Vorhersagen sie ermöglichen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWarum gibt es mehrere Atommodelle?
Lösung: Neue Beobachtungen erforderten Modelle mit anderer oder größerer Erklärungskraft. — Verschiedene Modelle entstanden, weil ältere Vorstellungen bestimmte Versuchsergebnisse nicht erklären konnten oder für neue Fragen zu grob waren.
Frage 2 von 2MittelEin einfaches Modell erklärt die Neuordnung von Atomen bei einer chemischen Reaktion, aber nicht ihre elektrische Ladung. Wie ist es zu bewerten?
Lösung: Es ist für die Neuordnung nützlich, besitzt aber eine erkennbare Grenze. — Die Brauchbarkeit eines Modells hängt von der Fragestellung ab. Seine Erklärungskraft und seine Grenzen gehören zusammen.
Von Dalton zum teilbaren Atom

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieb John Dalton Stoffe mithilfe kleinster Teilchen. Sein Modell wird oft als Kugelteilchenmodell bezeichnet.

Definition

Dalton-Modell

Nach Dalton besteht jedes Element aus einer eigenen Atomsorte. Atome eines Elements sind untereinander gleich; Atome verschiedener Elemente unterscheiden sich unter anderem in ihrer Masse. Bei chemischen Reaktionen werden Atome nicht erzeugt oder vernichtet, sondern neu angeordnet.

Damit lässt sich erklären, warum bei einer chemischen Reaktion jede Atomsorte erhalten bleibt. Das Modell eignet sich auch dazu, feste ganzzahlige Anzahlverhältnisse in Verbindungen zu deuten.

Daltons Annahme unteilbarer Atome erwies sich jedoch als Grenze. Versuche mit Kathodenstrahlen zeigten kleine, negativ geladene Teilchen: die Elektronen. Atome mussten also innere Bestandteile besitzen.

Joseph John Thomson entwickelte daraufhin das Rosinenkuchenmodell. Darin ist positive Ladung gleichmäßig im Atom verteilt. Die negativen Elektronen liegen darin wie Rosinen in einem Kuchen. Gleich große positive und negative Ladungen machen das Atom insgesamt neutral.

Beispiel

Dalton kann beschreiben, dass Atome bei einer chemischen Reaktion neu gruppiert werden. Er kann aber nicht erklären, wie ein Atom Elektronen abgeben oder aufnehmen kann. Thomson ergänzt deshalb innere negative Teilchen und eine positive Ladungsverteilung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Beobachtung widersprach der Vorstellung vom unteilbaren Atom?
Lösung: In Kathodenstrahlversuchen traten kleine, negativ geladene Teilchen auf. — Die Entdeckung der Elektronen zeigte, dass ein Atom kleinere Bestandteile enthält.
Frage 2 von 2MittelWarum ist ein Atom im Thomson-Modell insgesamt neutral?
Lösung: Positive und negative Ladung gleichen sich aus. — Neutral bedeutet: Die Summe der positiven und negativen Ladungen ist ausgeglichen.
Rutherfords Versuch enthüllt Kern und Hülle

Ernest Rutherford und seine Mitarbeiter untersuchten, wie Alphateilchen eine dünne Metallfolie durchqueren.

Die entscheidenden Beobachtungen waren:

  1. Die meisten Alphateilchen flogen nahezu ungehindert durch die Folie.
  2. Einige wurden abgelenkt.
  3. Sehr wenige wurden stark abgelenkt oder zurückgeworfen.

Aus diesen Beobachtungen entstand das Kern-Hülle-Modell.

Definition

Kern-Hülle-Modell

Ein Atom besitzt einen sehr kleinen, positiv geladenen Kern und eine ausgedehnte Elektronenhülle. Im Kern befindet sich fast die gesamte Atommasse. Die negativ geladenen Elektronen gehören zur Hülle.

Beispiel

Wäre positive Ladung wie bei Thomson gleichmäßig im ganzen Atom verteilt, wären die seltenen starken Ablenkungen schwer zu erklären. Rutherford deutete sie als Begegnungen mit einem kleinen Bereich, in dem positive Ladung und fast die gesamte Masse konzentriert sind.

Dass die meisten Alphateilchen die Folie durchquerten, sprach zugleich dafür, dass dieser Kern nur einen winzigen Teil des Atomvolumens einnimmt. Der übrige Raum ist im Vergleich dazu weitgehend leer.

Merke

Beim Auswerten eines Experiments musst du Beobachtung und Deutung trennen: „Die meisten Teilchen gehen hindurch“ ist eine Beobachtung. „Das Atom besitzt eine weitgehend leere Hülle“ ist die daraus entwickelte Modellvorstellung.

Das Rutherford-Modell konnte den kleinen Atomkern erklären. Es ließ aber eine wichtige Frage offen: Warum fallen die negativ geladenen Elektronen nicht in den positiven Kern?

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Schlussfolgerung passt zu den Beobachtungen des Folienversuchs?
Lösung: Die positive Ladung und fast die gesamte Masse sind in einem sehr kleinen Kern konzentriert. — Meist ungehinderter Durchgang und seltene starke Ablenkung führen gemeinsam zur Vorstellung eines kleinen, massereichen, positiven Kerns.
Frage 2 von 2SchwerAngenommen, fast alle Alphateilchen wären stark zurückgeworfen worden. Welche Aussage Rutherfords wäre dadurch nicht gestützt?
Lösung: Dass der größte Teil des Atomvolumens für die Alphateilchen nahezu ungehindert durchquerbar ist. — Rutherfords Deutung des weitgehend leeren Atomvolumens stützt sich gerade darauf, dass die meisten Teilchen die Folie fast ungehindert durchquerten.
Bohr erklärt Energien, Orbitale ersetzen Bahnen

Niels Bohr ergänzte das Kern-Hülle-Modell um festgelegte Energien. In seinem Modell dürfen sich Elektronen nur auf bestimmten Bahnen beziehungsweise Schalen befinden.

Definition

Bohr-Modell

Im Bohr-Modell gehört jede erlaubte Elektronenbahn zu einer bestimmten Energie. Ein Elektron kann nur dann auf eine energiereichere Bahn wechseln, wenn es genau die benötigte Energiedifferenz aufnimmt.

Beim Rücksprung auf eine energieärmere Bahn gibt das Elektron die Energiedifferenz als Strahlung ab, zum Beispiel als Licht. So konnten Energieaufnahme und Lichtaussendung anschaulich miteinander verbunden werden.

Beispiel

Ein Elektron nimmt eine passende Energiemenge auf und wechselt auf eine weiter vom Kern entfernte, energiereichere Bahn. Beim Rücksprung wird die entsprechende Energiedifferenz als Licht abgegeben. Eine beliebige Energiemenge würde für diesen festgelegten Übergang nicht passen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Für den Wechsel auf eine energiereichere Bahn muss ein Elektron Energie . Beim Rücksprung wird Energie . Im Bohr-Modell sind nur Energien erlaubt. Das ausgesandte Licht hängt mit der zwischen den Zuständen zusammen.

Lösungen: Lücke 1: aufnehmen; Lücke 2: abgegeben; Lücke 3: bestimmte; Lücke 4: Energiedifferenz. Der Wechsel nach außen benötigt die passende Energiedifferenz. Beim Rücksprung wird diese Energie als Strahlung frei.

Das Bohr-Modell ist anschaulich, doch feste klassische Kreisbahnen beschreiben Elektronen nicht ausreichend. Das modernere Orbitalmodell ersetzt die genaue Bahn durch Aufenthaltswahrscheinlichkeiten.

Definition

Orbital

Ein Orbital ist ein dreidimensionaler Aufenthaltsbereich eines Elektrons, der mathematisch durch eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit beschrieben wird. Es ist keine feste Flugbahn.

Beim Wasserstoffatom wird beispielsweise ein kugelförmiges s-Orbital beschrieben. Seine Kugelform bedeutet nicht, dass das Elektron auf einer kugelförmigen Schale entlangläuft. Sie beschreibt die räumliche Verteilung der Aufenthaltswahrscheinlichkeit.

Schulische Modelle vereinfachen diese Vorstellung:

  • Das Schalenmodell ordnet Elektronen verschiedenen Energiestufen zu. Die äußerste besetzte Schale heißt Valenzschale.
  • Das Kugelwolkenmodell stellt Aufenthaltsräume innerhalb von Schalen als vereinfachte Elektronenwolken dar. Eine Kugelwolke kann höchstens zwei Elektronen enthalten.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage unterscheidet ein Orbital von einer Bahn im Bohr-Modell?
Lösung: Ein Orbital beschreibt eine räumliche Aufenthaltswahrscheinlichkeit und keine feste Kreisbahn. — Das Orbitalmodell macht Wahrscheinlichkeitsaussagen über Aufenthaltsbereiche, nicht über einen jederzeit festgelegten Weg.
Frage 2 von 2MittelEin Bild zeigt Elektronen als Punkte auf Kreisen um den Kern. Welche vorsichtige Deutung ist richtig?
Lösung: Das Bild kann Energieniveaus vereinfachen, darf aber nicht als Nachweis realer Kreisbahnen verstanden werden. — Schalenbilder sind nützliche Vereinfachungen. Sie zeigen vor allem eine Zuordnung zu Energiestufen, nicht den genauen Bewegungsweg eines Elektrons.
Für jede Frage das passende Modell wählen

Kein einzelnes anschauliches Modell ist für alle Fragen gleich geeignet. Beginne deshalb mit der Frage: Was soll erklärt werden?

FragestellungGeeignetes ModellWichtige Grenze
Neuordnung von Atomen bei chemischen ReaktionenDalton-Modellerklärt keine Elektronen oder Ladungen
Nachweis innerer negativer Teilchen und NeutralitätThomson-Modellbesitzt keinen kleinen massereichen Kern
Aufbau aus Kern und HülleRutherford-Modellerklärt die Stabilität der Elektronenhülle nicht
Bestimmte Energien und LichtaussendungBohr-Modellfeste Bahnen sind eine begrenzte Vorstellung
Räumliche Aufenthaltswahrscheinlichkeit von ElektronenOrbitalmodellist weniger anschaulich und mathematisch anspruchsvoll
Vereinfachte Elektronenverteilung im UnterrichtSchalen- oder Kugelwolkenmodellbildet die Quantenmechanik nur vereinfacht ab
Beispiel

Du sollst erklären, warum fast alle Alphateilchen eine dünne Folie durchdringen und nur wenige stark abgelenkt werden. Das Rutherford-Modell ist geeignet, weil es den weitgehend leeren Raum und den kleinen positiven Kern verbindet. Das Dalton-Modell wäre zu grob: Es kennt weder Kern noch Hülle.

So begründest du eine Modellwahl

  1. Nenne die Beobachtung oder Frage.
  2. Nenne das Merkmal des Modells, das dazu passt.
  3. Erkläre den Zusammenhang.
  4. Nenne eine Grenze des Modells.
Teste dich
Frage 1 von 2MittelDu möchtest erklären, dass bei einer chemischen Reaktion die Zahl jeder Atomsorte erhalten bleibt. Welches Modell genügt dafür zunächst?
Lösung: Das Dalton-Modell — Daltons Modell beschreibt chemische Reaktionen als Neuordnung unveränderter Atome und passt deshalb zu dieser Frage.
Frage 2 von 2SchwerEine Schülerin sagt: „Das Orbitalmodell ist neuer, deshalb sind alle älteren Modelle nutzlos.“ Welche Antwort ist fachlich angemessen?
Lösung: Ältere Modelle können für begrenzte Fragestellungen weiterhin nützlich sein, wenn ihre Grenzen beachtet werden. — Ein genaueres Modell ist nicht automatisch für jede Aufgabe das praktischste. Entscheidend sind Fragestellung, Erklärungskraft und Modellgrenze.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Atommodelle
    • sind vereinfachte Werkzeuge für bestimmte Fragen
    • Dalton erklärt Atomsorten und Atomneuordnung
    • Thomson ergänzt negative Elektronen
    • Rutherford trennt Kern und Hülle
    • Bohr ordnet Elektronen bestimmte Energien zu
    • Orbitale beschreiben Aufenthaltswahrscheinlichkeiten
    • Schalen und Kugelwolken vereinfachen für den Unterricht
    • Experimente zeigen Erklärungskraft und Grenzen

Die Entwicklung der Atommodelle folgt einem wiederkehrenden Muster: Eine Beobachtung passt nicht vollständig zum bisherigen Modell. Ein neues Modell übernimmt brauchbare Gedanken, verändert andere und erklärt dadurch mehr.

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 5LeichtWelche Aussage beschreibt den Charakter eines Atommodells richtig?
Lösung: Es ist eine zweckgebundene, vereinfachte Beschreibung. — Ein Atommodell hebt ausgewählte Merkmale hervor. Seine Qualität zeigt sich an seiner Erklärungskraft für eine bestimmte Fragestellung.
Frage 2 von 5MittelWelche Zuordnung von Beobachtung und Modellrevision ist richtig?
Lösung: Seltene starke Ablenkungen im Folienversuch führten zur Annahme eines kleinen, positiv geladenen Kerns. — Rutherfords Folienversuch verband überwiegend ungehinderten Durchgang mit seltenen starken Ablenkungen und führte so zum Kern-Hülle-Modell.
Frage 3 von 5MittelWas geschieht im Bohr-Modell beim Übergang eines Elektrons auf eine energiereichere Bahn?
Lösung: Das Elektron nimmt genau die passende Energiedifferenz auf. — Für den Wechsel zwischen zwei erlaubten Energien muss die passende Energiedifferenz aufgenommen werden.
Frage 4 von 5SchwerEin Modell soll sowohl die Ergebnisse des Folienversuchs als auch feste Elektronenbahnen darstellen. Welche Bewertung ist angemessen?
Lösung: Das Kern-Hülle-Bild erklärt die Streuung, aber feste Bahnen sind eine zusätzliche, begrenzte Modellannahme. — Trenne experimentell gestützte Schlussfolgerungen von späteren Modellannahmen. Der Folienversuch spricht für einen kleinen Kern und eine ausgedehnte Hülle, nicht für einen bestimmten Elektronenweg.
Frage 5 von 5SchwerDu sollst zwischen Schalen- und Orbitalmodell wählen, um den genauen Weg eines Elektrons anzugeben. Was ist die richtige Reaktion?
Lösung: Keines der beiden liefert einen jederzeit genau festgelegten Elektronenweg. — Das Schalenmodell ordnet Elektronen vereinfacht Energiestufen zu. Das Orbitalmodell beschreibt räumliche Wahrscheinlichkeiten. Ein genauer klassischer Weg ist damit nicht angegeben.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du zu jedem Modell eine Erklärungskraft und eine Grenze nennen? Wenn ja, behandelst du Atommodelle bereits so, wie sie in der Chemie gebraucht werden – als begründete Werkzeuge für unterschiedliche Fragen.

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