Chemie

Orbitalmodell: Orbitale und Elektronen verstehen

Orbitalmodell: Orbitale und Elektronen verstehen
Orbitalmodell: Orbitale und Elektronen verstehen
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Das Orbitalmodell beschreibt Elektronen nicht auf festen Kreisbahnen. Es ordnet ihnen Orbitale zu: räumliche Zustände, die sich vereinfacht als Bereiche hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit darstellen lassen. Damit kannst du erklären, wie Elektronen in einem Atom verteilt sind.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Orbit zum Orbital

Im Bohrschen Modell bewegen sich Elektronen auf fest gedachten Bahnen, den Orbiten. Das Orbitalmodell ersetzt diese klassische Bahnvorstellung durch eine Wahrscheinlichkeitsbeschreibung.

Definition

Orbital

Ein Orbital ist ein quantenmechanischer Zustand eines Elektrons. Anschauliche Darstellungen zeigen meist einen räumlichen Bereich, in dem das Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen ist. Sie zeigen keine Flugbahn.

Ein Atomorbital gehört zu einem einzelnen Atom. Seine Darstellung beschreibt eine räumliche Elektronenverteilung. Der genaue Ort eines Elektrons lässt sich nicht gleichzeitig mit seiner Bewegung beliebig genau festlegen.

Eine Elektronenschale fasst Zustände mit derselben Hauptquantenzahl zusammen. Eine Schale ist daher nicht dasselbe wie ein einzelnes Orbital: Sie kann mehrere Orbitale enthalten.

Merke

Ein Orbit ist eine gedachte Bahn. Ein Orbital ist keine Bahn, sondern ein quantenmechanischer Zustand mit einer räumlichen Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt ein Orbital richtig?
Lösung: Es ist ein Elektronenzustand, der räumlich als Bereich hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit dargestellt werden kann. — Das Orbitalmodell ersetzt die feste Bahn durch eine Wahrscheinlichkeitsbeschreibung.
Frage 2 von 2MittelWarum kann eine Schale nicht mit einem einzelnen Orbital gleichgesetzt werden?
Lösung: Eine Schale kann mehrere Orbitale mit derselben Hauptquantenzahl umfassen. — Schale und Orbital beschreiben unterschiedliche Gliederungsebenen der Elektronenhülle.
Orbitalbezeichnungen entschlüsseln

Bezeichnungen wie $1s$, $2s$, $2p$ oder $3d$ bestehen aus einer Zahl und einem Buchstaben.

  • Die Zahl gibt die Hauptquantenzahl und damit das Energieniveau an.
  • Der Buchstabe bezeichnet die Orbitalart beziehungsweise das Unterniveau.

$s$-Orbitale werden vereinfacht kugelförmig dargestellt. Zu einem $s$-Unterniveau gehört ein Orbital. $p$-Orbitale werden häufig hantelförmig dargestellt; zu einem $p$-Unterniveau gehören drei gleichwertige Orbitale. Ihre räumlichen Orientierungen können als $p_x$, $p_y$ und $p_z$ bezeichnet werden.

UnterniveauZahl der OrbitaleHöchste Elektronenzahl
$s$12
$p$36
$d$510

Die Kapazität folgt daraus, dass jedes Orbital höchstens zwei Elektronen aufnehmen kann. Ein $p$-Unterniveau enthält zum Beispiel drei Orbitale und damit höchstens $3 \cdot 2=6$ Elektronen.

Beispiel

Die Schreibweise $2p^4$ bedeutet:

  • $2$: zweite Schale beziehungsweise Hauptquantenzahl $n=2$;
  • $p$: drei zusammengehörige $p$-Orbitale;
  • Hochzahl $4$: insgesamt vier Elektronen in diesen drei Orbitalen.

Die Hochzahl nennt also nicht die Anzahl der Orbitale.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein $p$-Unterniveau besteht aus Orbitalen. Jedes Orbital enthält höchstens Elektronen. Deshalb passen insgesamt höchstens Elektronen in ein $p$-Unterniveau.

Lösungen: Lücke 1: drei; Lücke 2: zwei; Lücke 3: sechs. Multipliziere die Zahl der Orbitale mit der Höchstzahl von zwei Elektronen pro Orbital.
Drei Regeln bestimmen die Besetzung

Elektronen werden nicht beliebig verteilt. Für die schulische Elektronenkonfiguration brauchst du drei Entscheidungen.

Zuerst die energieärmeren Zustände

Im Grundzustand werden zunächst die energetisch günstigeren Orbitale besetzt. Für die hier behandelten Beispiele gilt die Reihenfolge:

$1s,\ 2s,\ 2p,\ 3s,\ 3p,\ 4s,\ 3d$

Darum wird $4s$ beim Aufbau vor $3d$ besetzt, obwohl die Zahl 4 größer ist als 3.

Energiegleiche Orbitale erst einzeln besetzen

Die drei $p$-Orbitale oder fünf $d$-Orbitale eines Unterniveaus werden zunächst jeweils einfach besetzt. Erst danach beginnt die Doppelbesetzung. Das ist die Hundsche Regel.

Für $2p^4$ ergibt sich daher vereinfacht:

$[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]$

Die Verteilung $[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow\downarrow]\ [\ ]$ wäre nicht die energieärmere Grundzustandsverteilung, weil ein Orbital leer bliebe, obwohl ein anderes bereits doppelt besetzt wäre.

Pro Orbital höchstens zwei Elektronen

Nach dem Pauli-Prinzip können höchstens zwei Elektronen in demselben Orbital liegen. Dann müssen ihre Spins entgegengesetzt sein, dargestellt durch $\uparrow\downarrow$.

Merke

Arbeite in dieser Reihenfolge: Energieordnung beachten, gleichwertige Orbitale zuerst einzeln besetzen, pro Orbital höchstens zwei Elektronen eintragen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Regel begrenzt ein Orbital auf höchstens zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin?
Lösung: Pauli-Prinzip — Das Pauli-Prinzip betrifft die Besetzung eines einzelnen Orbitals.
Frage 2 von 2MittelWie werden vier Elektronen im $2p$-Unterniveau im Grundzustand verteilt?
Lösung: Ein Orbital wird doppelt und zwei Orbitale werden einfach besetzt. — Drei Elektronen besetzen zunächst drei verschiedene $p$-Orbitale. Das vierte beginnt die Doppelbesetzung.
Elektronenkonfigurationen aufbauen

Die Ordnungszahl gibt bei einem neutralen Atom zugleich die Zahl der Elektronen an. Eine Elektronenkonfiguration verteilt diese Elektronen auf die Orbitale.

Beispiel Sauerstoff

Sauerstoff besitzt acht Elektronen.

  1. $1s$ nimmt zwei Elektronen auf: $1s^2$.
  2. $2s$ nimmt weitere zwei auf: $2s^2$.
  3. Vier Elektronen bleiben für das $2p$-Unterniveau: $2p^4$.

Damit lautet die Elektronenkonfiguration:

$$1s^2\,2s^2\,2p^4$$

Kontrolle: $2+2+4=8$. In den drei $2p$-Orbitalen sitzen die vier Elektronen nach der Hundschen Regel als $[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]$.

Beispiel Eisen

Eisen besitzt die Ordnungszahl 26 und als neutrales Atom 26 Elektronen.

  1. $1s^2+2s^2+2p^6$ enthalten zusammen 10 Elektronen.
  2. $3s^2+3p^6$ ergänzen 8; damit sind 18 verteilt.
  3. $4s^2$ erhöht die Summe auf 20.
  4. Die verbleibenden 6 Elektronen kommen in die fünf $3d$-Orbitale: $3d^6$.

$$1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^2\,3d^6$$

Mit dem vorhergehenden Edelgas Argon lässt sich das kürzer schreiben:

$$[\mathrm{Ar}]\,4s^2\,3d^6$$

Bei $3d^6$ werden zunächst alle fünf $d$-Orbitale einfach besetzt. Das sechste Elektron beginnt die Doppelbesetzung.

Gut zu wissen

Ein einfaches Orbitalmodell kann sich bewusst nur auf die Valenzelektronen der höchsten besetzten Energiestufe beschränken. Das schafft Übersicht, ist aber keine vollständige Elektronenkonfiguration. Prüfe daher immer, welches Modell eine Darstellung verwendet.

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Frage 1 von 2MittelEin neutrales Sauerstoffatom besitzt acht Elektronen. Welche Konfiguration ist richtig?
Lösung: $1s^2\,2s^2\,2p^4$ — Besetze zuerst $1s$, danach $2s$ und schließlich $2p$. Die Hochzahlen müssen zusammen acht ergeben.
Frage 2 von 2SchwerEin Modell zeigt bei Eisen nur die Elektronen der äußersten Energiestufe. Warum ersetzt es nicht die vollständige Konfiguration?
Lösung: Es lässt innere besetzte Orbitale bewusst weg. — Eine Modellreduktion kann eine bestimmte Frage übersichtlich beantworten, enthält aber weniger Informationen als die vollständige Konfiguration.
Vertiefung: Vier Quantenzahlen unterscheiden

Vier Quantenzahlen beschreiben den Zustand eines Elektrons genauer. Du kannst sie wie eine abgestufte Adresse lesen.

QuantenzahlGrundbedeutung
Hauptquantenzahl $n$Energieniveau und grobe räumliche Ausdehnung
Nebenquantenzahl $l$Orbitalart, vereinfacht die Form
Magnetquantenzahl $m_l$räumliche Orientierung eines Orbitals
Spinquantenzahleine von zwei möglichen Spinrichtungen, $+\frac{1}{2}$ oder $-\frac{1}{2}$

Für eine gegebene Nebenquantenzahl gilt:

$$\text{Anzahl der Orbitale}=2l+1$$

Beim zweiten Energieniveau sind $l=0$ und $l=1$ möglich:

  • Für $l=0$ erhältst du $2\cdot0+1=1$ Orbital: das $2s$-Orbital.
  • Für $l=1$ erhältst du $2\cdot1+1=3$ Orbitale: die drei $2p$-Orbitale.
  • Für diese drei $p$-Orbitale kann $m_l$ die Werte $-1$, $0$ und $+1$ annehmen.

Zwei Elektronen im selben Orbital stimmen in $n$, $l$ und $m_l$ überein. Ihre Spinrichtungen müssen sich jedoch unterscheiden. So wird das Pauli-Prinzip in der Quantenzahlensprache sichtbar.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Quantenzahl kennzeichnet hauptsächlich das Energieniveau?
Lösung: Hauptquantenzahl $n$ — Die Zahl in $1s$, $2p$ oder $3d$ entspricht der Hauptquantenzahl.
Frage 2 von 2MittelWie viele Orbitale gehören nach $2l+1$ zu $l=1$?
Lösung: Drei — Einsetzen ergibt $2\cdot1+1=3$. Diese drei Orbitale können zusammen höchstens sechs Elektronen aufnehmen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Orbitalmodell
    • ersetzt feste Bahnen durch Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen
    • gliedert die Elektronenhülle in Schalen, Unterniveaus und Orbitale
    • bezeichnet Zustände mit Zahl und Buchstabe
    • verteilt Elektronen nach Energieordnung, Hund und Pauli
    • beschreibt Elektronenzustände mit vier Quantenzahlen
    • ermöglicht vollständige und bewusst vereinfachte Darstellungen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 5LeichtWas bedeutet die Hochzahl 6 in $2p^6$?
Lösung: Im $2p$-Unterniveau befinden sich insgesamt sechs Elektronen. — Die Hochzahl zählt Elektronen im angegebenen Unterniveau.
Frage 2 von 5MittelWelche Besetzung entspricht für drei Elektronen in drei gleichwertigen $p$-Orbitalen dem Grundzustand?
Lösung: $[\uparrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]$ — Jedes der drei Elektronen besetzt zunächst ein anderes gleichwertiges Orbital.
Frage 3 von 5MittelEin neutrales Atom hat die Konfiguration $1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2$. Wie viele Elektronen besitzt es?
Lösung: Zwölf — Addiere die Hochzahlen: $2+2+6+2=12$.
Frage 4 von 5SchwerEine Zeichnung zeigt nur vier besetzte Valenzorbitale und fasst alle inneren Elektronen zusammen. Welche Aussage ist angemessen?
Lösung: Die Zeichnung ist ein reduziertes Modell für Valenzelektronen, keine vollständige Elektronenkonfiguration. — Beurteile ein Modell nach seinem Zweck: Eine Vereinfachung kann nützlich sein, beantwortet aber nicht jede Frage.
Frage 5 von 5SchwerWarum kann $3d$ in der Aufbaufolge nach $4s$ erscheinen?
Lösung: Die Besetzungsfolge richtet sich nach der Energie der Orbitale und nicht allein nach der vorangestellten Zahl. — Beim Aufbau der hier behandelten Konfigurationen wird $4s$ vor $3d$ besetzt, weil die Energieordnung maßgeblich ist.

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