Orbitalmodell: Orbitale und Elektronen verstehen
Das Orbitalmodell beschreibt Elektronen nicht auf festen Kreisbahnen. Es ordnet ihnen Orbitale zu: räumliche Zustände, die sich vereinfacht als Bereiche hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit darstellen lassen. Damit kannst du erklären, wie Elektronen in einem Atom verteilt sind.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Orbit zum Orbital
Im Bohrschen Modell bewegen sich Elektronen auf fest gedachten Bahnen, den Orbiten. Das Orbitalmodell ersetzt diese klassische Bahnvorstellung durch eine Wahrscheinlichkeitsbeschreibung.
Orbital
Ein Orbital ist ein quantenmechanischer Zustand eines Elektrons. Anschauliche Darstellungen zeigen meist einen räumlichen Bereich, in dem das Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen ist. Sie zeigen keine Flugbahn.
Ein Atomorbital gehört zu einem einzelnen Atom. Seine Darstellung beschreibt eine räumliche Elektronenverteilung. Der genaue Ort eines Elektrons lässt sich nicht gleichzeitig mit seiner Bewegung beliebig genau festlegen.
Eine Elektronenschale fasst Zustände mit derselben Hauptquantenzahl zusammen. Eine Schale ist daher nicht dasselbe wie ein einzelnes Orbital: Sie kann mehrere Orbitale enthalten.
Ein Orbit ist eine gedachte Bahn. Ein Orbital ist keine Bahn, sondern ein quantenmechanischer Zustand mit einer räumlichen Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Orbitalbezeichnungen entschlüsseln
Bezeichnungen wie $1s$, $2s$, $2p$ oder $3d$ bestehen aus einer Zahl und einem Buchstaben.
- Die Zahl gibt die Hauptquantenzahl und damit das Energieniveau an.
- Der Buchstabe bezeichnet die Orbitalart beziehungsweise das Unterniveau.
$s$-Orbitale werden vereinfacht kugelförmig dargestellt. Zu einem $s$-Unterniveau gehört ein Orbital. $p$-Orbitale werden häufig hantelförmig dargestellt; zu einem $p$-Unterniveau gehören drei gleichwertige Orbitale. Ihre räumlichen Orientierungen können als $p_x$, $p_y$ und $p_z$ bezeichnet werden.
| Unterniveau | Zahl der Orbitale | Höchste Elektronenzahl |
|---|---|---|
| $s$ | 1 | 2 |
| $p$ | 3 | 6 |
| $d$ | 5 | 10 |
Die Kapazität folgt daraus, dass jedes Orbital höchstens zwei Elektronen aufnehmen kann. Ein $p$-Unterniveau enthält zum Beispiel drei Orbitale und damit höchstens $3 \cdot 2=6$ Elektronen.
Die Schreibweise $2p^4$ bedeutet:
- $2$: zweite Schale beziehungsweise Hauptquantenzahl $n=2$;
- $p$: drei zusammengehörige $p$-Orbitale;
- Hochzahl $4$: insgesamt vier Elektronen in diesen drei Orbitalen.
Die Hochzahl nennt also nicht die Anzahl der Orbitale.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein $p$-Unterniveau besteht aus Orbitalen. Jedes Orbital enthält höchstens Elektronen. Deshalb passen insgesamt höchstens Elektronen in ein $p$-Unterniveau.
Drei Regeln bestimmen die Besetzung
Elektronen werden nicht beliebig verteilt. Für die schulische Elektronenkonfiguration brauchst du drei Entscheidungen.
Zuerst die energieärmeren Zustände
Im Grundzustand werden zunächst die energetisch günstigeren Orbitale besetzt. Für die hier behandelten Beispiele gilt die Reihenfolge:
$1s,\ 2s,\ 2p,\ 3s,\ 3p,\ 4s,\ 3d$
Darum wird $4s$ beim Aufbau vor $3d$ besetzt, obwohl die Zahl 4 größer ist als 3.
Energiegleiche Orbitale erst einzeln besetzen
Die drei $p$-Orbitale oder fünf $d$-Orbitale eines Unterniveaus werden zunächst jeweils einfach besetzt. Erst danach beginnt die Doppelbesetzung. Das ist die Hundsche Regel.
Für $2p^4$ ergibt sich daher vereinfacht:
$[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]$
Die Verteilung $[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow\downarrow]\ [\ ]$ wäre nicht die energieärmere Grundzustandsverteilung, weil ein Orbital leer bliebe, obwohl ein anderes bereits doppelt besetzt wäre.
Pro Orbital höchstens zwei Elektronen
Nach dem Pauli-Prinzip können höchstens zwei Elektronen in demselben Orbital liegen. Dann müssen ihre Spins entgegengesetzt sein, dargestellt durch $\uparrow\downarrow$.
Arbeite in dieser Reihenfolge: Energieordnung beachten, gleichwertige Orbitale zuerst einzeln besetzen, pro Orbital höchstens zwei Elektronen eintragen.
Elektronenkonfigurationen aufbauen
Die Ordnungszahl gibt bei einem neutralen Atom zugleich die Zahl der Elektronen an. Eine Elektronenkonfiguration verteilt diese Elektronen auf die Orbitale.
Beispiel Sauerstoff
Sauerstoff besitzt acht Elektronen.
- $1s$ nimmt zwei Elektronen auf: $1s^2$.
- $2s$ nimmt weitere zwei auf: $2s^2$.
- Vier Elektronen bleiben für das $2p$-Unterniveau: $2p^4$.
Damit lautet die Elektronenkonfiguration:
$$1s^2\,2s^2\,2p^4$$
Kontrolle: $2+2+4=8$. In den drei $2p$-Orbitalen sitzen die vier Elektronen nach der Hundschen Regel als $[\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]$.
Beispiel Eisen
Eisen besitzt die Ordnungszahl 26 und als neutrales Atom 26 Elektronen.
- $1s^2+2s^2+2p^6$ enthalten zusammen 10 Elektronen.
- $3s^2+3p^6$ ergänzen 8; damit sind 18 verteilt.
- $4s^2$ erhöht die Summe auf 20.
- Die verbleibenden 6 Elektronen kommen in die fünf $3d$-Orbitale: $3d^6$.
$$1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^2\,3d^6$$
Mit dem vorhergehenden Edelgas Argon lässt sich das kürzer schreiben:
$$[\mathrm{Ar}]\,4s^2\,3d^6$$
Bei $3d^6$ werden zunächst alle fünf $d$-Orbitale einfach besetzt. Das sechste Elektron beginnt die Doppelbesetzung.
Ein einfaches Orbitalmodell kann sich bewusst nur auf die Valenzelektronen der höchsten besetzten Energiestufe beschränken. Das schafft Übersicht, ist aber keine vollständige Elektronenkonfiguration. Prüfe daher immer, welches Modell eine Darstellung verwendet.
Vertiefung: Vier Quantenzahlen unterscheiden
Vier Quantenzahlen beschreiben den Zustand eines Elektrons genauer. Du kannst sie wie eine abgestufte Adresse lesen.
| Quantenzahl | Grundbedeutung |
|---|---|
| Hauptquantenzahl $n$ | Energieniveau und grobe räumliche Ausdehnung |
| Nebenquantenzahl $l$ | Orbitalart, vereinfacht die Form |
| Magnetquantenzahl $m_l$ | räumliche Orientierung eines Orbitals |
| Spinquantenzahl | eine von zwei möglichen Spinrichtungen, $+\frac{1}{2}$ oder $-\frac{1}{2}$ |
Für eine gegebene Nebenquantenzahl gilt:
$$\text{Anzahl der Orbitale}=2l+1$$
Beim zweiten Energieniveau sind $l=0$ und $l=1$ möglich:
- Für $l=0$ erhältst du $2\cdot0+1=1$ Orbital: das $2s$-Orbital.
- Für $l=1$ erhältst du $2\cdot1+1=3$ Orbitale: die drei $2p$-Orbitale.
- Für diese drei $p$-Orbitale kann $m_l$ die Werte $-1$, $0$ und $+1$ annehmen.
Zwei Elektronen im selben Orbital stimmen in $n$, $l$ und $m_l$ überein. Ihre Spinrichtungen müssen sich jedoch unterscheiden. So wird das Pauli-Prinzip in der Quantenzahlensprache sichtbar.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Orbitalmodell
- ersetzt feste Bahnen durch Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen
- gliedert die Elektronenhülle in Schalen, Unterniveaus und Orbitale
- bezeichnet Zustände mit Zahl und Buchstabe
- verteilt Elektronen nach Energieordnung, Hund und Pauli
- beschreibt Elektronenzustände mit vier Quantenzahlen
- ermöglicht vollständige und bewusst vereinfachte Darstellungen
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