Chemie

Atomökonomie berechnen und richtig bewerten

Atomökonomie berechnen und richtig bewerten
Atomökonomie berechnen und richtig bewerten
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Die Atomökonomie zeigt, welcher Massenanteil aller stöchiometrisch eingesetzten Reaktanten im gewünschten Produkt landet. Ein hoher Wert bedeutet wenig theoretisch unvermeidbare Nebenproduktmasse – aber noch keine insgesamt nachhaltige Reaktion.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du Atomökonomie?
Definition

Atomökonomie

Die Atomökonomie, auch Atomeffizienz genannt, ist eine theoretische Massenkennzahl. Sie gibt in Prozent an, welcher Anteil der stöchiometrisch eingesetzten Reaktantenmasse zum gewünschten Produkt gehört.

Die Grundformel lautet:

$$AE = \frac{\text{stöchiometrisch gewichtete Molmasse des gewünschten Produkts}}{\text{Summe der stöchiometrisch gewichteten Molmassen aller Reaktanten}} \cdot 100\,\%$$

Stöchiometrisch gewichtet bedeutet: Du multiplizierst jede Molmasse mit dem Koeffizienten vor dem Stoff in der ausgeglichenen Reaktionsgleichung.

Bei $AE=100\,\%$ befinden sich alle Atome der Reaktanten im gewünschten Produkt. Eine Diels-Alder-Reaktion kann diesen Idealfall erreichen, weil alle Eduktatome in das Produkt eingehen.

Merke

Die Atomökonomie beurteilt den Bauplan einer Reaktion, nicht das Ergebnis eines realen Versuchs.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Atomökonomie ist eine Kennzahl. Im Zähler steht die gewichtete Molmasse des . Ein Wert von $100\,\%$ bedeutet, dass alle Reaktantenatome im vorkommen.

Lösungen: Lücke 1: theoretische; Lücke 2: gewünschten Produkts; Lücke 3: Zielprodukt. Prüfe zuerst, welches Produkt ausdrücklich gewünscht ist. Erst danach legst du Zähler und Nenner fest.
Wie berechnest du die Atomökonomie?

Gehe immer in vier Schritten vor:

  1. Gleiche die Reaktionsgleichung aus.
  2. Markiere das gewünschte Produkt.
  3. Multipliziere jede Molmasse mit ihrem stöchiometrischen Koeffizienten.
  4. Setze die gewichtete Produktmasse in den Zähler und alle gewichteten Reaktantenmassen in den Nenner.
Beispiel

Beim Hock-Verfahren werden Benzol, Propen und Sauerstoff eingesetzt. Es entstehen Phenol und Aceton. Hier soll nur Phenol bewertet werden.

Die stöchiometrischen Koeffizienten sind jeweils $1$. Gegeben sind:

  • Benzol: $78{,}11\,\mathrm{g\,mol^{-1}}$
  • Propen: $42{,}08\,\mathrm{g\,mol^{-1}}$
  • Sauerstoff: $31{,}98\,\mathrm{g\,mol^{-1}}$
  • Phenol: $94{,}11\,\mathrm{g\,mol^{-1}}$

Zuerst addierst du alle Reaktantenmassen:

$$78{,}11 + 42{,}08 + 31{,}98 = 152{,}17\,\mathrm{g\,mol^{-1}}$$

Dann setzt du die Molmasse des gewünschten Phenols in den Zähler:

$$AE = \frac{94{,}11}{152{,}17} \cdot 100\,\% = 61{,}85\,\%$$

Gerundet beträgt die Atomökonomie für Phenol etwa $62\,\%$. Aceton entsteht zwar ebenfalls, zählt in dieser Rechnung aber nicht als gewünschtes Produkt.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Rechnung bewertet beim Hock-Verfahren ausschließlich Phenol?
Lösung: $\frac{94{,}11}{78{,}11+42{,}08+31{,}98}\cdot100\,\%$ — Der Zähler enthält nur das festgelegte Zielprodukt Phenol. Der Nenner enthält alle stöchiometrisch eingesetzten Reaktanten.
Was gilt bei mehrstufigen Synthesen?

Eine Synthese kann über Zwischenprodukte laufen. Entscheidend ist dann die Gesamtbilanz von den extern eingesetzten Ausgangsstoffen bis zum gewünschten Endprodukt.

Für die Reaktionsfolge

$$\nu_A A+\nu_B B\rightarrow\nu_P P+\nu_X X$$

$$\nu_P P+\nu_C C\rightarrow\nu_Q Q+\nu_Y Y$$

$$\nu_Q Q+\nu_D D\rightarrow\nu_R R+\nu_Z Z$$

gilt:

$$AE = \frac{M(\nu_R R)}{M(\nu_A A)+M(\nu_B B)+M(\nu_C C)+M(\nu_D D)}\cdot100\,\%$$

$P$ und $Q$ sind Zwischenprodukte: Sie entstehen innerhalb der Reaktionsfolge und werden dort weiterverarbeitet. Deshalb zählst du sie nicht noch einmal als externe Reaktanten. Die Ausgangsstoffe $A$, $B$, $C$ und $D$ gehören dagegen in den Nenner.

Gut zu wissen

Der Massenerhaltungssatz hilft beim Prüfen: Die gewichtete Masse der Ausgangsstoffe entspricht der Masse von Ziel- und Nebenprodukten. Atome in $X$, $Y$ und $Z$ fehlen daher im Zielprodukt und senken seine Atomökonomie.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Stoffe gehören im gezeigten mehrstufigen Syntheseweg in den Nenner?
Lösung: $A$, $B$, $C$ und $D$ — Bilanziert werden alle extern eingesetzten Ausgangsstoffe. Intern gebildete Zwischenprodukte sind bereits durch diese Stoffe erfasst.
Was sagt die Kennzahl aus – und was nicht?

Eine hohe Atomökonomie zeigt, dass wenig Reaktantenmasse stöchiometrisch in Nebenprodukten landet. Das kann Entsorgungsaufwand und Kosten senken. Die Kennzahl ist deshalb ein wichtiges Prinzip der Grünen Chemie.

Sie bleibt jedoch eine theoretische Betrachtung. Sie erfasst nicht automatisch:

  • die tatsächlich erreichte Ausbeute,
  • Lösungsmittel, Filterhilfen und andere Hilfsstoffe,
  • die wirkliche Abfallmenge des Prozesses,
  • Toxizität, Sicherheit und biologische Abbaubarkeit,
  • Energiebedarf, Rohstoffherkunft und Produktlebenszyklus.

Drei Kennzahlen beantworten deshalb verschiedene Fragen:

KennzahlZentrale Frage
AtomökonomieWelcher Anteil der Reaktantenmasse kann theoretisch im Zielprodukt landen?
AusbeuteWie viel Zielprodukt wurde tatsächlich im Verhältnis zur theoretisch möglichen Menge erhalten?
E-FaktorWie viel Nebenprodukt und Abfall fällt im Verhältnis zur real erhaltenen Produktmasse an?

Auch die Festlegung des Zielprodukts beeinflusst die Bewertung. Beim Hock-Verfahren ist Aceton ein Kuppelprodukt. Wird es sinnvoll genutzt und als gewünschtes Produkt des Produktsystems betrachtet, fällt die Bewertung günstiger aus als bei der alleinigen Betrachtung von Phenol.

Merke

Hohe Atomökonomie ist ein Vorteil, aber kein vollständiges Nachhaltigkeitsurteil.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Syntheseweg besitzt eine hohe Atomökonomie. Welche Schlussfolgerung ist sicher?
Lösung: Ein großer Anteil der Reaktantenmasse kann theoretisch im Zielprodukt landen. — Aus der Atomökonomie folgt nur eine Aussage über die stöchiometrische Massenverteilung. Für eine Gesamtbewertung brauchst du weitere Prozess- und Stoffdaten.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Atomökonomie
    • Berechnung: Zielproduktmasse geteilt durch Reaktantenmassen
    • Voraussetzung: ausgeglichene Reaktionsgleichung
    • Gewichtung: stöchiometrische Koeffizienten beachten
    • Mehrstufig: nur externe Ausgangsstoffe zählen
    • Idealfall: alle Reaktantenatome im Zielprodukt
    • Aussage: theoretische Massenverteilung
    • Grenze: kein vollständiges Nachhaltigkeitsurteil
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas steht im Nenner der Atomökonomie?
Lösung: Die Summe der stöchiometrisch gewichteten Molmassen aller Reaktanten — Die Atomökonomie wird aus der ausgeglichenen Reaktionsgleichung berechnet. Der Nenner umfasst alle stöchiometrisch gewichteten Reaktanten.
Frage 2 von 3MittelWarum darfst du ein intern gebildetes Zwischenprodukt nicht noch einmal in den Nenner aufnehmen?
Lösung: Seine Atome sind bereits über die extern eingesetzten Ausgangsstoffe erfasst. — Eine Gesamtbilanz zählt jeden externen Stoffeinsatz einmal. Das erneute Zählen eines Zwischenprodukts würde dieselben Atome doppelt erfassen.
Frage 3 von 3SchwerZwei Reaktionswege haben unterschiedliche Atomökonomien. Was darfst du allein daraus beurteilen?
Lösung: Welcher Weg die Reaktantenmasse theoretisch stärker im gewünschten Produkt bündelt — Die Atomökonomie vergleicht nur die theoretische stöchiometrische Massenverteilung. Eine Nachhaltigkeitsbewertung braucht zusätzliche Kriterien.

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