Chemie

Chemische Experimente planen: Schritt für Schritt

Chemische Experimente planen: Schritt für Schritt
Chemische Experimente planen: Schritt für Schritt
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Ein gutes chemisches Experiment beginnt nicht mit Geräten, sondern mit einer prüfbaren Frage. Daraus entwickelst du eine Hypothese und einen Plan, in dem du Messgröße, Vergleich, Sicherheitsmaßnahmen und Auswertung vorab festlegst.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Von der Frage zur prüfbaren Hypothese

Die Frage „Was passiert mit Salz in Wasser?“ ist zu weit gefasst. Für ein Experiment brauchst du eine Frage, die eine gezielte Veränderung und eine messbare Beobachtung verbindet:

Wie beeinflusst die Menge des gelösten Salzes die Dichte einer Salzlösung?

Definition

Hypothese

Eine Hypothese ist eine begründete, prüfbare Vermutung. Sie sagt voraus, welches Ergebnis du unter bestimmten Bedingungen erwartest. Ein Versuch kann sie stützen oder widerlegen.

Eine passende Hypothese lautet:

Wenn mehr Salz vollständig im Wasser gelöst wird, dann besitzt ein gleich großes Volumen der Lösung eine höhere Masse und damit eine höhere Dichte.

Diese Aussage ist prüfbar: Du kannst Lösungen mit verschiedenen Salzmengen herstellen und jeweils die Masse desselben Volumens messen. Die Hypothese wäre widerlegt, wenn die erwartete Veränderung unter den festgelegten Bedingungen nicht auftritt.

Merke

Eine gute Hypothese darf falsch sein. Entscheidend ist, dass ein mögliches Messergebnis gegen sie sprechen kann.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage ist eine prüfbare Hypothese?
Lösung: Wenn mehr Salz vollständig gelöst wird, hat dasselbe Lösungsvolumen eine höhere Masse. — Eine prüfbare Hypothese verbindet eine Bedingung mit einer messbaren Erwartung.
Frage 2 von 2MittelEine Messreihe widerspricht deiner Hypothese. Was ist der richtige nächste Schritt?
Lösung: Durchführung, Messwerte und Bedingungen prüfen und das Ergebnis ehrlich auswerten. — Ein Experiment dient der Prüfung einer Hypothese und nicht ihrer nachträglichen Bestätigung.
Variablen machen den Vergleich fair

Bei einer kontrollierten Untersuchung veränderst du möglichst nur eine Größe gezielt. Andere Bedingungen hältst du gleich.

Definition

Unabhängige Größe

Die unabhängige Größe veränderst du bewusst. Im Salzversuch ist das die Menge des vollständig gelösten Salzes.

Definition

Abhängige Größe

Die abhängige Größe misst oder beobachtest du als mögliches Ergebnis der Veränderung. Hier ist das die Masse eines festgelegten Lösungsvolumens und damit dessen Dichte.

Definition

Konstant gehaltene Größen

Konstant gehaltene Größen bleiben in allen Ansätzen gleich. Dazu können Wassermenge, Temperatur, verwendetes Salz, Messgefäß und Messverfahren gehören.

Ein Kontrollansatz ist nicht dasselbe wie eine konstant gehaltene Größe. Er ist ein eigener Vergleichsansatz ohne den untersuchten Einfluss. Beim Salzversuch kann reines Wasser ohne zugesetztes Salz als Kontrollansatz dienen.

BestandteilFestlegung im Beispiel
Unabhängige Größegelöste Salzmenge
Abhängige GrößeMasse desselben Lösungsvolumens
Konstant gehaltenTemperatur, Salzsorte, Probenvolumen, Messgerät und Vorgehen
KontrollansatzWasser ohne zugesetztes Salz
Gut zu wissen

Ändern sich mehrere Bedingungen gleichzeitig, kannst du eine beobachtete Wirkung nicht eindeutig einer einzelnen Größe zuordnen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelZwei Salzlösungen werden verglichen. Bei der zweiten Lösung ändern sich Salzmenge und Temperatur. Warum ist die Auswertung problematisch?
Lösung: Eine Veränderung lässt sich nicht eindeutig der Salzmenge oder der Temperatur zuordnen. — Für einen fairen Vergleich sollte nur die untersuchte unabhängige Größe gezielt verändert werden.
So entsteht ein vollständiger Versuchsplan

Ein vollständiger Plan beantwortet vor Beginn diese Fragen:

  1. Fragestellung: Was soll untersucht werden?
  2. Hypothese: Welches messbare Ergebnis wird erwartet?
  3. Variablen: Was wird verändert, gemessen und gleich gehalten?
  4. Kontrollansatz: Welcher Vergleich zeigt den Zustand ohne den untersuchten Einfluss?
  5. Material und Aufbau: Welche Stoffe und Geräte werden benötigt, und wie werden sie angeordnet?
  6. Durchführung: Welche Schritte erfolgen in welcher Reihenfolge?
  7. Messung und Protokoll: Was wird womit und in welcher Einheit erfasst?
  8. Wiederholungen: Wie oft wird gemessen, damit einzelne Abweichungen sichtbar werden?
  9. Sicherheit: Welche Gefahren bestehen, und wie werden sie vermieden?
  10. Entsorgung: Wie werden Reste nach den für die verwendeten Stoffe geltenden Vorgaben behandelt?
  11. Auswertung: Welche Messwerte werden verglichen, und wann gilt die Hypothese als gestützt oder widerlegt?
Merke

Ein Versuch ist reproduzierbar geplant, wenn eine andere Person aus deinem Protokoll Aufbau, Bedingungen, Durchführung und Auswertung nachvollziehen und wiederholen kann.

Starker Zeitdruck kann zu ungenauem Arbeiten und vorschnellen Entscheidungen führen. Plane deshalb auch genügend Zeit für Aufbaukontrolle, Wiederholungen und Protokoll ein.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

In einem kontrollierten Experiment wird die Größe gezielt verändert. Die Wirkung wird an der Größe gemessen. Andere wichtige Bedingungen bleiben . Ein Ansatz ohne den untersuchten Einfluss heißt . Wiederholungen helfen, zu erkennen.

Lösungen: Lücke 1: unabhängige; Lücke 2: abhängigen; Lücke 3: konstant; Lücke 4: Kontrollansatz; Lücke 5: zufällige Abweichungen. Die Begriffe beschreiben verschiedene Aufgaben im Versuchsplan: verändern, messen, gleich halten, vergleichen und die Zuverlässigkeit prüfen.
Ein Versuchsplan am Beispiel Salzlösung

Du möchtest untersuchen, ob eine größere Menge gelösten Salzes die Dichte einer Lösung erhöht.

Beispiel

Fragestellung: Wie beeinflusst die Menge vollständig gelösten Salzes die Masse eines gleich großen Lösungsvolumens?

Hypothese: Mit steigender Salzmenge nimmt die Masse desselben Lösungsvolumens zu.

Plan:

  1. Bereite mehrere Ansätze mit derselben Wassermenge, aber unterschiedlichen Salzmengen vor. Ein Ansatz enthält kein Salz und dient als Kontrolle.
  2. Verwende überall dieselbe Salzsorte und halte die Temperatur gleich.
  3. Rühre jeden Ansatz, bis das zugegebene Salz vollständig gelöst ist. Nicht vollständig gelöste Ansätze werden nicht wie fertige Lösungen ausgewertet.
  4. Entnimm aus jedem Ansatz dasselbe Lösungsvolumen.
  5. Bestimme dessen Masse mit demselben tarierten Messgefäß und derselben Waage.
  6. Wiederhole die Messungen und protokolliere auch auffällige Abweichungen.
  7. Ordne die Ergebnisse nach der zugesetzten Salzmenge.

Auswertung: Steigt die gemessene Masse desselben Volumens mit der Salzmenge, stützt das die Hypothese für die untersuchten Bedingungen. Tritt dieser Zusammenhang nicht auf, prüfst du unter anderem vollständiges Lösen, Temperatur, Volumenmessung und Tarierung. Danach wertest du die Hypothese anhand der tatsächlich erhobenen Daten aus.

Der Versuch zeigt einen kontrollierten Einfluss nur innerhalb der geprüften Bedingungen. Er beweist nicht automatisch, dass jeder unbeobachtete Unterschied ebenfalls durch die Salzmenge verursacht wurde.

Jetzt du: einen fehlerhaften Plan verbessern

Eine Gruppe vergleicht eine kühle Lösung mit wenig Salz und eine warme Lösung mit viel Salz. Sie wiegt einmal den gesamten Inhalt verschieden großer Gefäße und führt keinen Kontrollansatz durch. Danach erklärt sie jeden Massenunterschied mit der Salzmenge.

Überarbeite diesen Plan. Notiere eine prüfbare Frage und Hypothese sowie unabhängige, abhängige und konstant gehaltene Größen. Ergänze Kontrollansatz, Wiederholungen, Sicherheits- und Entsorgungsplanung und ein Kriterium für die Auswertung.

Musterlösung zur Selbstkontrolle

  • Frage: Wie beeinflusst die Menge vollständig gelösten Salzes die Masse desselben Lösungsvolumens?
  • Hypothese: Mit steigender Salzmenge nimmt die Masse desselben Lösungsvolumens zu.
  • Unabhängige Größe: die gelöste Salzmenge.
  • Abhängige Größe: die Masse eines festgelegten Lösungsvolumens.
  • Konstant gehalten: Wassermenge, Salzsorte, Temperatur, Probenvolumen, Gefäß, Waage und Vorgehen.
  • Kontrollansatz: Wasser ohne zugesetztes Salz.
  • Wiederholungen: Jeder Ansatz wird mehrfach auf dieselbe Weise gemessen; alle Werte und Abweichungen werden protokolliert.
  • Sicherheit und Entsorgung: Vor Beginn werden die verwendeten Stoffe und Geräte geprüft. Schutzmaßnahmen und der Umgang mit Resten werden nach den Vorgaben der Lehrkraft festgelegt.
  • Auswertung: Die Messwerte werden nach Salzmenge geordnet und nur innerhalb der eingehaltenen Bedingungen verglichen. Abweichungen werden geprüft und nicht verschwiegen.

Andere Formulierungen sind richtig, wenn dein Plan nur die Salzmenge gezielt verändert, dieselbe Messgröße vergleicht und sicher wiederholt werden kann.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Probe enthält noch sichtbare Salzkristalle. Wie gehst du mit ihr um?
Lösung: Du löst das Problem vor der Messung oder kennzeichnest die Probe als nicht vergleichbar. — Vergleichbar sind die Ansätze nur, wenn die im Plan festgelegten Bedingungen tatsächlich eingehalten wurden.
Frage 2 von 2SchwerDie Masse steigt in der Messreihe mit der Salzmenge. Welche Aussage ist angemessen?
Lösung: Das Ergebnis stützt unter den untersuchten Bedingungen einen Zusammenhang zwischen Salzmenge und Dichte. — Ergebnisse werden immer zusammen mit Versuchsbedingungen, Kontrollen und möglichen Unsicherheiten beurteilt.
Sicherheit gehört bereits in die Planung

Sicherheitsentscheidungen werden nicht erst während der Durchführung getroffen. Prüfe vorab Stoffe, Geräte, mögliche Reaktionsprodukte, Temperatur, Druck und Entsorgung.

Das Beispiel mit Oxireiniger zeigt, warum das wichtig ist: Beim Erhitzen des im Ausgangsverfahren beschriebenen Oxireinigers über 50 °C kann Sauerstoff entstehen. Bei sehr starkem Erhitzen kann das aufgefangene Gas zusätzlich Kohlenstoffdioxid enthalten. Für andere Produktgemische wird vor Verpuffungsgefahr gewarnt.

Deshalb gehört ein solcher Versuch ausschließlich in ein geeignetes Schullabor. Produktwahl, Erhitzung, gasdichte Apparatur, Druckausgleich und Entsorgung müssen von einer fachkundigen Lehrkraft festgelegt werden. Der Aufbau wird vor der Durchführung besprochen und freigegeben.

Ein fachlich sinnvoller Plan trennt außerdem Gesamtgasvolumen und Sauerstoffvolumen. Das gesamte aufgefangene Gas darf nicht ohne Prüfung als reiner Sauerstoff behandelt werden. Zur Bestimmung des Sauerstoffanteils sieht das Ausgangsverfahren eine selektive Reaktion mit geeigneter Metallwolle und die Auswertung der Volumenabnahme vor.

Gut zu wissen

Messwerte hängen auch von Stoffzustand, Lagerung, Temperatur, Druck, Dichtheit und Messverfahren ab. Ein einzelner Wert ohne dokumentierte Bedingungen reicht daher nicht für eine verlässliche allgemeine Aussage.

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Frage 1 von 2LeichtWas muss vor einem Versuch mit erhitztem Oxireiniger geschehen?
Lösung: Eine fachkundige Lehrkraft prüft Stoff, Aufbau, Schutzmaßnahmen und Entsorgung. — Sicherheitsprüfung und Freigabe sind Bestandteile des Versuchsplans.
Frage 2 von 2SchwerBei einem Oxireiniger-Versuch wird ein Gasvolumen gemessen. Warum darf es nicht sofort vollständig als Sauerstoff gewertet werden?
Lösung: Bei starkem Erhitzen kann zusätzlich Kohlenstoffdioxid entstehen; die Gasbestandteile müssen unterschieden werden. — Gesamtgasvolumen und Volumen eines bestimmten Gasbestandteils sind verschiedene Messgrößen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Chemisches Experiment planen
    • prüfbare Frage und falsifizierbare Hypothese
    • unabhängige, abhängige und konstante Größen
    • Kontrollansatz und Wiederholungen
    • messbarer Aufbau und vollständiges Protokoll
    • Sicherheit, Freigabe und Entsorgung
    • Auswertung innerhalb der untersuchten Bedingungen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Größe wird in einem kontrollierten Experiment bewusst verändert?
Lösung: Die unabhängige Größe — Die unabhängige Größe ist der gezielt veränderte Einfluss.
Frage 2 von 4MittelWas macht einen Plan reproduzierbar?
Lösung: Aufbau, Bedingungen, Schritte, Messung und Auswertung sind so dokumentiert, dass sie wiederholt werden können. — Wiederholbarkeit verlangt eine vollständige Beschreibung; kleine Messabweichungen können trotzdem auftreten.
Frage 3 von 4SchwerZwei Gruppen erhalten verschiedene Ergebnisse. Welche Untersuchung ist am sinnvollsten?
Lösung: Sie vergleichen Stoffmengen, Temperatur, Aufbau, Messverfahren, Wiederholungen und protokollierte Abweichungen. — Eine Fehleranalyse sucht systematisch nach unterschiedlichen Bedingungen, Messunsicherheiten und Durchführungsschritten.
Frage 4 von 4SchwerEin Versuch zeigt, dass zwei Größen gemeinsam ansteigen. Was darfst du daraus zunächst schließen?
Lösung: Es besteht unter den untersuchten Bedingungen ein Zusammenhang; für einen kontrollierten Einfluss müssen andere Erklärungen geprüft sein. — Aussagekraft entsteht durch kontrollierte Variablen, Kontrollansatz, Wiederholungen und eine auf die geprüften Bedingungen begrenzte Auswertung.

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