Chemie

Gefahrstoffsymbole sicher lesen und anwenden

Gefahrstoffsymbole sicher lesen und anwenden
Gefahrstoffsymbole sicher lesen und anwenden
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Gefahrstoffsymbole warnen dich vor chemischen Gefahren. Ein Symbol allein nennt jedoch noch nicht alle nötigen Schutzmaßnahmen: Lies immer auch das Signalwort, die Gefahrenhinweise und die Sicherheitshinweise auf dem Etikett. Bei Schulversuchen gelten zusätzlich die Versuchsanleitung und die Anweisungen der Lehrkraft.

Deine Lernziele

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Was verrät ein Gefahrstoffetikett?

Die heutigen GHS-Piktogramme sind schwarze Symbole auf weißem Grund mit einem roten, rautenförmigen Rahmen. GHS steht für „Global harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien“.

Definition

Gefahrenpiktogramm

Ein Gefahrenpiktogramm macht eine bestimmte Art chemischer Gefahr schnell sichtbar. Es kann zum Beispiel vor Entzündbarkeit, Ätzwirkung oder akuter Giftigkeit warnen.

Ein vollständiges Etikett enthält mehr als das Piktogramm:

  1. Die Gefahrenklasse bezeichnet die Art der Gefahr.
  2. Die Gefahrenkategorie stuft die Gefahr innerhalb dieser Klasse ab.
  3. H-Sätze beschreiben die Gefahren genauer.
  4. Das Signalwort Gefahr oder Achtung kennzeichnet den Schweregrad.
  5. P-Sätze nennen Sicherheitsmaßnahmen.

Gefahr steht für schwerwiegendere Gefahrenkategorien, Achtung für weniger schwerwiegende. Ist „Gefahr“ vorgeschrieben, steht „Achtung“ nicht zusätzlich auf dem Etikett.

Merke

Lies nicht nur das Bildzeichen. Für sicheres Handeln brauchst du die gesamte Kette: Gefahr erkennen, Gefahrenhinweise lesen, Sicherheitshinweise beachten und die konkrete Tätigkeit prüfen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtAuf einem Etikett steht das Signalwort „Gefahr“. Was bedeutet das?
Lösung: Es kennzeichnet eine schwerwiegendere Gefahrenkategorie. — Das Signalwort hilft bei der Einstufung des Gefahrenausmaßes. Die genaue Gefahr und die nötigen Maßnahmen stehen in den weiteren Etikettangaben.
Welche neun GHS-Piktogramme gibt es?

Die Codes GHS01 bis GHS09 helfen dabei, die Piktogramme eindeutig zu benennen.

CodeBezeichnungWovor wird gewarnt?
GHS01Explodierende BombeStoffe oder Gemische können explodieren oder heftig verpuffen.
GHS02FlammeStoffe können sich leicht entzünden; auch Selbstentzündung oder entzündbare Gase können eine Rolle spielen.
GHS03Flamme über einem KreisOxidierende Stoffe können die Verbrennung anderer Materialien auslösen oder verstärken.
GHS04GasflascheGase stehen unter Druck; Erwärmung kann gefährlich sein. Tiefgekühlt verflüssigte Gase können Kälteverletzungen verursachen.
GHS05ÄtzwirkungStoffe können Metalle angreifen, die Haut verätzen oder die Augen schwer schädigen.
GHS06Totenkopf mit gekreuzten KnochenSchon geringe Mengen können durch Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt akut giftig sein.
GHS07AusrufezeichenMöglich sind unter anderem Reizungen, Hautallergien, gesundheitsschädliche Wirkungen oder Benommenheit.
GHS08GesundheitsgefahrMöglich sind besonders schwere Gesundheitswirkungen, etwa Krebs, Veränderungen des Erbguts oder Schäden an der Fortpflanzung.
GHS09UmweltDer Stoff kann Wasserorganismen akut oder langfristig schädigen.
Beispiel

Auf einem Behälter ist GHS03 angegeben. Der Stoff muss nicht selbst brennen. Er kann aber die Verbrennung anderer Materialien fördern. Deshalb wäre die Schlussfolgerung „nicht brennbar bedeutet ungefährlich bei einem Brand“ falsch.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Piktogramm warnt vor einem Stoff, der die Verbrennung anderer Materialien verstärken kann?
Lösung: GHS03 – Flamme über einem Kreis — Oxidierende Stoffe müssen nicht selbst brennen. Entscheidend ist, dass sie eine Verbrennung ermöglichen oder verstärken können.
Frage 2 von 2MittelEine Druckgasflasche steht unmittelbar neben einer starken Wärmequelle. Welche Information ist besonders wichtig?
Lösung: GHS04 warnt davor, dass starke Erwärmung eines Druckgasbehälters gefährlich werden kann. — Ein Druckgasbehälter darf nicht allein nach seinem Inhalt beurteilt werden. Auch Druck, Erwärmung und Lagerung bestimmen die Gefahr.
Wie unterscheidest du die Gesundheitsgefahren?

Drei Zeichen werden besonders häufig verwechselt:

  • GHS06 – Totenkopf: starke akute Toxizität. Akut bedeutet, dass eine schädliche Wirkung nach einer kurzen oder einmaligen Aufnahme auftreten kann.
  • GHS07 – Ausrufezeichen: unter anderem Reizung, Hautsensibilisierung, Benommenheit oder weniger starke akute Toxizität.
  • GHS08 – Gesundheitsgefahr: besonders schwere oder längerfristige Wirkungen wie Krebs, Erbgutveränderungen, Fortpflanzungsschäden, Atemwegssensibilisierung oder Schäden an bestimmten Organen.
Merke

Totenkopf: starke akute Vergiftungsgefahr. Ausrufezeichen: unter anderem Reizung oder gesundheitsschädliche Wirkung. Gesundheitsgefahr: besonders schwere oder langfristige Gesundheitsschäden.

Auch GHS05 betrifft die Gesundheit: Es warnt vor Hautätzung und schweren Augenschäden. Dasselbe Zeichen kann außerdem auf die Korrosion von Metallen hinweisen.

Beispiel

Zwei Produkte tragen unterschiedliche Zeichen. Produkt A hat den Totenkopf, Produkt B das Ausrufezeichen. Daraus darfst du nicht schließen, Produkt B sei harmlos. Das Ausrufezeichen warnt weiterhin vor gesundheitlichen Gefahren; sie gehören nur zu anderen oder weniger schweren Kategorien als die starke akute Toxizität des Totenkopfs.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Zeichen passt am besten zu starker akuter Giftigkeit durch Einatmen, Verschlucken oder Hautkontakt?
Lösung: GHS06 – Totenkopf mit gekreuzten Knochen — Der Totenkopf steht für die stärkeren Kategorien akuter Toxizität.
Frage 2 von 2MittelEin Stoff kann schwere Augenschäden und Hautverätzungen verursachen. Welches Piktogramm ist dafür vorgesehen?
Lösung: GHS05 – Ätzwirkung — GHS05 umfasst Ätzwirkung auf die Haut, schwere Augenschädigung und Korrosion von Metallen.
Wie leitest du sicheres Handeln ab?

Ein Piktogramm zeigt eine Gefahr, aber nicht automatisch das vollständige Risiko einer bestimmten Handlung. Dafür musst du auch betrachten, ob und wie du dem Stoff ausgesetzt sein könntest. Eine Aufnahme kann beispielsweise über Mund, Haut oder Atemwege erfolgen.

Gehe vor einer Tätigkeit so vor:

  1. Piktogramme erkennen: Welche Gefahrenarten sind gekennzeichnet?
  2. Signalwort lesen: Steht dort „Gefahr“ oder „Achtung“?
  3. H-Sätze lesen: Welche konkrete Wirkung wird beschrieben?
  4. P-Sätze lesen: Welche Schutz-, Lagerungs- oder Entsorgungsmaßnahmen werden verlangt?
  5. Tätigkeit prüfen: Können Hitze, Flammen, Druck, Hautkontakt oder Einatmen eine Rolle spielen?
  6. Anleitung beachten: Beginne einen Schulversuch nur mit eindeutiger Versuchsanleitung und den vorgegebenen Schutzmaßnahmen.
Beispiel

Ein Produkt ist als entzündbar gekennzeichnet. Das Piktogramm GHS02 zeigt die Gefahrenart. Daraus folgt als erste Maßnahme, Feuer, offene Flammen und andere Zündquellen fernzuhalten. Weitere Maßnahmen darfst du nicht erraten: Du liest die P-Sätze und beachtest die konkrete Anleitung.

Beispiel

Ein Produkt trägt GHS09. Es darf nicht einfach ins Abwasser oder achtlos in den Hausmüll gelangen. Du hältst dich an die angegebenen Entsorgungshinweise. Im Schulversuch sammelst du Reste so, wie es die Versuchsanleitung und die Lehrkraft vorgeben.

Gut zu wissen

Mehrere Gefahren können gleichzeitig zutreffen. Trotzdem erscheinen nicht immer alle denkbaren Piktogramme: Die CLP-Verordnung enthält Rangfolgeregeln gegen überladene Etiketten. So entfällt beispielsweise das Ausrufezeichen bei bestimmten Gefahren, wenn bereits der Totenkopf vorgeschrieben ist. Ein fehlendes Ausrufezeichen beweist deshalb nicht, dass keine weitere Gesundheitsgefahr besteht.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin unbekannter Stoff trägt GHS02, doch Versuchsanleitung und Sicherheitshinweise fehlen. Was ist richtig?
Lösung: Du beginnst nicht und klärst zuerst die fehlenden Angaben. — Gefahrstoffsymbole ersetzen weder die Gefährdungsbeurteilung noch eine eindeutige Versuchsanleitung.
Frage 2 von 2SchwerEin Produkt trägt GHS09. Welche Handlung passt zu dieser Information?
Lösung: Entsorgungshinweise beachten und verhindern, dass Reste ins Abwasser gelangen. — GHS09 warnt vor Gefahren für Wasserorganismen. Deshalb muss die vorgesehene Entsorgung eingehalten werden.
Was bedeuten alte orangefarbene Symbole?

Auf älteren Restbeständen können noch orangefarbene, quadratische Gefahrensymbole vorkommen. Zu ihnen gehören die Kennbuchstaben E, F+, F, O, T+, T, Xn, Xi, C und N.

In der Europäischen Union wurde die CLP-Kennzeichnung schrittweise verpflichtend:

  • für Stoffe ab 1. Dezember 2012,
  • für Gemische ab 1. Juni 2015,
  • mit einer Abverkaufsfrist für noch früher gekennzeichnete Gemische bis 1. Juni 2017.

Alte und neue Kennzeichnungen lassen sich nicht Zeichen für Zeichen übersetzen. Die Einstufungsregeln und Kategorien haben sich verändert. Das frühere Xn/Xi-Zeichen kann heute je nach genauer Gefahr beispielsweise durch GHS05, GHS07 oder GHS08 ersetzt sein.

Merke

Ein altes Symbol ist kein zuverlässiger Übersetzungsschlüssel für genau ein neues Piktogramm. Entscheidend ist immer die konkrete Einstufung nach dem geltenden System.

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Frage 1 von 1MittelWarum darfst du das alte Zeichen Xn/Xi nicht automatisch einem einzigen GHS-Piktogramm zuordnen?
Lösung: Weil die neuen Einstufungsregeln je nach Gefahr zu unterschiedlichen Piktogrammen führen können. — Das frühere und das heutige System verwenden unterschiedliche Kategorien. Eine schematische Eins-zu-eins-Übersetzung wäre daher irreführend.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gefahrstoffkennzeichnung
    • Gefahren erkennen
      • neun GHS-Piktogramme
      • Gefahrenklasse und Kategorie
    • Schwere einordnen
      • Signalwort Gefahr
      • Signalwort Achtung
    • Angaben verstehen
      • H-Sätze beschreiben Gefahren
      • P-Sätze nennen Maßnahmen
    • Sicher handeln
      • Tätigkeit und mögliche Aufnahmewege prüfen
      • Anleitung und Entsorgungsvorgaben beachten
    • Grenzen beachten
      • Piktogramm allein reicht nicht
      • alte und neue Zeichen nicht direkt gleichsetzen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Piktogramm steht für Gase unter Druck?
Lösung: GHS04 – Gasflasche — GHS04 weist auf verdichtete, verflüssigte, tiefgekühlt verflüssigte oder gelöste Gase hin.
Frage 2 von 3MittelIn welcher Reihenfolge wertest du ein Gefahrstoffetikett sinnvoll aus?
Lösung: Piktogramm erkennen, Signalwort sowie H- und P-Sätze lesen, Tätigkeit prüfen — Das Etikett dient der Vorbereitung sicheren Handelns. Deshalb prüfst du seine Angaben vor der Tätigkeit.
Frage 3 von 3SchwerEin Behälter trägt GHS06 und nicht zusätzlich GHS07. Welche Schlussfolgerung ist fachlich richtig?
Lösung: Der Totenkopf kennzeichnet starke akute Toxizität; das fehlende Ausrufezeichen kann auf einer Rangfolgeregel beruhen. — Mehrere Gefahren können zutreffen, obwohl wegen der Rangfolgeregeln nicht jedes mögliche Piktogramm auf dem Etikett steht.

Du kannst Gefahrstoffsymbole nun als ersten Warnhinweis nutzen. Sicher handelst du, wenn du zusätzlich Signalwort, H- und P-Sätze, die konkrete Tätigkeit und die Versuchsanleitung berücksichtigst.

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