Gefahrstoffsymbole sicher lesen und anwenden
Gefahrstoffsymbole warnen dich vor chemischen Gefahren. Ein Symbol allein nennt jedoch noch nicht alle nötigen Schutzmaßnahmen: Lies immer auch das Signalwort, die Gefahrenhinweise und die Sicherheitshinweise auf dem Etikett. Bei Schulversuchen gelten zusätzlich die Versuchsanleitung und die Anweisungen der Lehrkraft.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was verrät ein Gefahrstoffetikett?
Die heutigen GHS-Piktogramme sind schwarze Symbole auf weißem Grund mit einem roten, rautenförmigen Rahmen. GHS steht für „Global harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien“.
Gefahrenpiktogramm
Ein Gefahrenpiktogramm macht eine bestimmte Art chemischer Gefahr schnell sichtbar. Es kann zum Beispiel vor Entzündbarkeit, Ätzwirkung oder akuter Giftigkeit warnen.
Ein vollständiges Etikett enthält mehr als das Piktogramm:
- Die Gefahrenklasse bezeichnet die Art der Gefahr.
- Die Gefahrenkategorie stuft die Gefahr innerhalb dieser Klasse ab.
- H-Sätze beschreiben die Gefahren genauer.
- Das Signalwort Gefahr oder Achtung kennzeichnet den Schweregrad.
- P-Sätze nennen Sicherheitsmaßnahmen.
Gefahr steht für schwerwiegendere Gefahrenkategorien, Achtung für weniger schwerwiegende. Ist „Gefahr“ vorgeschrieben, steht „Achtung“ nicht zusätzlich auf dem Etikett.
Lies nicht nur das Bildzeichen. Für sicheres Handeln brauchst du die gesamte Kette: Gefahr erkennen, Gefahrenhinweise lesen, Sicherheitshinweise beachten und die konkrete Tätigkeit prüfen.
Welche neun GHS-Piktogramme gibt es?
Die Codes GHS01 bis GHS09 helfen dabei, die Piktogramme eindeutig zu benennen.
| Code | Bezeichnung | Wovor wird gewarnt? |
|---|---|---|
| GHS01 | Explodierende Bombe | Stoffe oder Gemische können explodieren oder heftig verpuffen. |
| GHS02 | Flamme | Stoffe können sich leicht entzünden; auch Selbstentzündung oder entzündbare Gase können eine Rolle spielen. |
| GHS03 | Flamme über einem Kreis | Oxidierende Stoffe können die Verbrennung anderer Materialien auslösen oder verstärken. |
| GHS04 | Gasflasche | Gase stehen unter Druck; Erwärmung kann gefährlich sein. Tiefgekühlt verflüssigte Gase können Kälteverletzungen verursachen. |
| GHS05 | Ätzwirkung | Stoffe können Metalle angreifen, die Haut verätzen oder die Augen schwer schädigen. |
| GHS06 | Totenkopf mit gekreuzten Knochen | Schon geringe Mengen können durch Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt akut giftig sein. |
| GHS07 | Ausrufezeichen | Möglich sind unter anderem Reizungen, Hautallergien, gesundheitsschädliche Wirkungen oder Benommenheit. |
| GHS08 | Gesundheitsgefahr | Möglich sind besonders schwere Gesundheitswirkungen, etwa Krebs, Veränderungen des Erbguts oder Schäden an der Fortpflanzung. |
| GHS09 | Umwelt | Der Stoff kann Wasserorganismen akut oder langfristig schädigen. |
Auf einem Behälter ist GHS03 angegeben. Der Stoff muss nicht selbst brennen. Er kann aber die Verbrennung anderer Materialien fördern. Deshalb wäre die Schlussfolgerung „nicht brennbar bedeutet ungefährlich bei einem Brand“ falsch.
Wie unterscheidest du die Gesundheitsgefahren?
Drei Zeichen werden besonders häufig verwechselt:
- GHS06 – Totenkopf: starke akute Toxizität. Akut bedeutet, dass eine schädliche Wirkung nach einer kurzen oder einmaligen Aufnahme auftreten kann.
- GHS07 – Ausrufezeichen: unter anderem Reizung, Hautsensibilisierung, Benommenheit oder weniger starke akute Toxizität.
- GHS08 – Gesundheitsgefahr: besonders schwere oder längerfristige Wirkungen wie Krebs, Erbgutveränderungen, Fortpflanzungsschäden, Atemwegssensibilisierung oder Schäden an bestimmten Organen.
Totenkopf: starke akute Vergiftungsgefahr. Ausrufezeichen: unter anderem Reizung oder gesundheitsschädliche Wirkung. Gesundheitsgefahr: besonders schwere oder langfristige Gesundheitsschäden.
Auch GHS05 betrifft die Gesundheit: Es warnt vor Hautätzung und schweren Augenschäden. Dasselbe Zeichen kann außerdem auf die Korrosion von Metallen hinweisen.
Zwei Produkte tragen unterschiedliche Zeichen. Produkt A hat den Totenkopf, Produkt B das Ausrufezeichen. Daraus darfst du nicht schließen, Produkt B sei harmlos. Das Ausrufezeichen warnt weiterhin vor gesundheitlichen Gefahren; sie gehören nur zu anderen oder weniger schweren Kategorien als die starke akute Toxizität des Totenkopfs.
Wie leitest du sicheres Handeln ab?
Ein Piktogramm zeigt eine Gefahr, aber nicht automatisch das vollständige Risiko einer bestimmten Handlung. Dafür musst du auch betrachten, ob und wie du dem Stoff ausgesetzt sein könntest. Eine Aufnahme kann beispielsweise über Mund, Haut oder Atemwege erfolgen.
Gehe vor einer Tätigkeit so vor:
- Piktogramme erkennen: Welche Gefahrenarten sind gekennzeichnet?
- Signalwort lesen: Steht dort „Gefahr“ oder „Achtung“?
- H-Sätze lesen: Welche konkrete Wirkung wird beschrieben?
- P-Sätze lesen: Welche Schutz-, Lagerungs- oder Entsorgungsmaßnahmen werden verlangt?
- Tätigkeit prüfen: Können Hitze, Flammen, Druck, Hautkontakt oder Einatmen eine Rolle spielen?
- Anleitung beachten: Beginne einen Schulversuch nur mit eindeutiger Versuchsanleitung und den vorgegebenen Schutzmaßnahmen.
Ein Produkt ist als entzündbar gekennzeichnet. Das Piktogramm GHS02 zeigt die Gefahrenart. Daraus folgt als erste Maßnahme, Feuer, offene Flammen und andere Zündquellen fernzuhalten. Weitere Maßnahmen darfst du nicht erraten: Du liest die P-Sätze und beachtest die konkrete Anleitung.
Ein Produkt trägt GHS09. Es darf nicht einfach ins Abwasser oder achtlos in den Hausmüll gelangen. Du hältst dich an die angegebenen Entsorgungshinweise. Im Schulversuch sammelst du Reste so, wie es die Versuchsanleitung und die Lehrkraft vorgeben.
Mehrere Gefahren können gleichzeitig zutreffen. Trotzdem erscheinen nicht immer alle denkbaren Piktogramme: Die CLP-Verordnung enthält Rangfolgeregeln gegen überladene Etiketten. So entfällt beispielsweise das Ausrufezeichen bei bestimmten Gefahren, wenn bereits der Totenkopf vorgeschrieben ist. Ein fehlendes Ausrufezeichen beweist deshalb nicht, dass keine weitere Gesundheitsgefahr besteht.
Was bedeuten alte orangefarbene Symbole?
Auf älteren Restbeständen können noch orangefarbene, quadratische Gefahrensymbole vorkommen. Zu ihnen gehören die Kennbuchstaben E, F+, F, O, T+, T, Xn, Xi, C und N.
In der Europäischen Union wurde die CLP-Kennzeichnung schrittweise verpflichtend:
- für Stoffe ab 1. Dezember 2012,
- für Gemische ab 1. Juni 2015,
- mit einer Abverkaufsfrist für noch früher gekennzeichnete Gemische bis 1. Juni 2017.
Alte und neue Kennzeichnungen lassen sich nicht Zeichen für Zeichen übersetzen. Die Einstufungsregeln und Kategorien haben sich verändert. Das frühere Xn/Xi-Zeichen kann heute je nach genauer Gefahr beispielsweise durch GHS05, GHS07 oder GHS08 ersetzt sein.
Ein altes Symbol ist kein zuverlässiger Übersetzungsschlüssel für genau ein neues Piktogramm. Entscheidend ist immer die konkrete Einstufung nach dem geltenden System.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gefahrstoffkennzeichnung
- Gefahren erkennen
- neun GHS-Piktogramme
- Gefahrenklasse und Kategorie
- Schwere einordnen
- Signalwort Gefahr
- Signalwort Achtung
- Angaben verstehen
- H-Sätze beschreiben Gefahren
- P-Sätze nennen Maßnahmen
- Sicher handeln
- Tätigkeit und mögliche Aufnahmewege prüfen
- Anleitung und Entsorgungsvorgaben beachten
- Grenzen beachten
- Piktogramm allein reicht nicht
- alte und neue Zeichen nicht direkt gleichsetzen
- Gefahren erkennen
Abschluss-Check
Du kannst Gefahrstoffsymbole nun als ersten Warnhinweis nutzen. Sicher handelst du, wenn du zusätzlich Signalwort, H- und P-Sätze, die konkrete Tätigkeit und die Versuchsanleitung berücksichtigst.
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