Instrumentelle Analytik: Methoden sicher auswerten
Instrumentelle Analytik gewinnt chemische Informationen aus messbaren physikalischen Signalen. Ein Gerät kann dabei Stoffe identifizieren, ihre Konzentration bestimmen oder Bestandteile eines Gemisches trennen. Verlässlich wird das Ergebnis aber erst durch passende Probenvorbereitung, Referenzen, Kalibrierung und Qualitätskontrollen.
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Wie entsteht aus einer Probe ein Ergebnis?
Ein Messgerät zeigt nicht unmittelbar „die Wahrheit über die Probe“. Es erzeugt zunächst ein Signal, das fachgerecht ausgewertet werden muss.
Der typische Analyseweg besteht aus fünf Schritten:
- Fragestellung festlegen: Welcher Stoff oder welche Stoffmenge soll untersucht werden?
- Probe vorbereiten: Der gesuchte Bestandteil wird beispielsweise extrahiert, gelöst oder von störenden Stoffen getrennt.
- Wechselwirkung auslösen: Die Probe wird etwa bestrahlt, elektrisch beeinflusst, chromatografisch getrennt oder ionisiert.
- Signal erfassen: Ein Detektor misst zum Beispiel Lichtintensität, elektrische Leitfähigkeit oder die Stärke eines chromatografischen Peaks.
- Signal auswerten: Referenzdaten oder eine Kalibrierung verbinden das Signal mit der gesuchten Stoffart oder Konzentration.
Analyt
Der Analyt ist der Bestandteil einer Probe, über den du eine chemische Information gewinnen möchtest. In einem Lebensmittel könnte beispielsweise ein bestimmtes Pestizid der Analyt sein.
Ein Fertiggericht soll auf ein Pestizid untersucht werden. Dafür genügt die Angabe „mit einem Gaschromatografen gemessen“ nicht. Dokumentiert werden müssen unter anderem die Art und Menge der Probe, das Extraktionsmittel, verwendete Volumina, das Messgerät und die ausgewerteten Signale. Sonst lässt sich das Ergebnis weder eindeutig verstehen noch zuverlässig wiederholen.
Die Qualität einer Analyse beginnt vor dem Einschalten des Geräts. Fehler bei Probenahme und Probenvorbereitung können auch durch ein präzises Messgerät nicht nachträglich beseitigt werden.
Welche Methodengruppe passt zur Fragestellung?
Die passende Methode hängt davon ab, welche Information du brauchst und welche Eigenschaften der Analyt besitzt.
| Methodengruppe | Genutztes Prinzip | Typische Information | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Optische Verfahren | Brechung, Drehung oder Abschwächung von Licht | Stoffeigenschaft oder Konzentration | Refraktometrie, Polarimetrie, Fotometrie |
| Spektroskopische Verfahren | Wechselwirkung mit elektromagnetischer Strahlung | Zusammensetzung, Struktur oder Konzentration | UV/Vis-, IR- und Fluoreszenzspektroskopie, AAS |
| Chromatografische Verfahren | unterschiedliche Wechselwirkungen mit mobiler und stationärer Phase | Trennung und Vergleich von Gemischbestandteilen | GC, HPLC, Ionenchromatografie |
| Elektroanalytische Verfahren | elektrische Größen oder elektrochemische Reaktionen | Konzentration oder Stoffeigenschaft | Voltammetrie, Coulometrie, Leitfähigkeitsmessung |
| Massenspektrometrie | Ionisierung und Trennung nach Masse-Ladungs-Eigenschaften | molare Masse und charakteristische Fragmente | MS und gekoppelte GC-MS |
Massenspektrometrie wird nach ihrem Messprinzip nicht als spektroskopisches Verfahren verstanden: Sie nutzt keine elektromagnetische Strahlung zur spektroskopischen Anregung. In manchen institutionellen Übersichten wird sie dennoch gemeinsam mit molekülspektroskopischen Geräten aufgeführt.
Du möchtest wissen, welche Bestandteile ein komplexes Stoffgemisch enthält. Eine chromatografische Methode ist geeignet, weil sie die Komponenten zunächst trennt. Soll zusätzlich die Identität einzelner Komponenten abgesichert werden, kann die Trennung mit einer weiteren Methode gekoppelt werden.
Wie werden Stoffart und Konzentration bestimmt?
Eine qualitative Analyse beantwortet vor allem die Frage: Welcher Stoff ist vorhanden? Eine quantitative Analyse fragt: Wie viel davon ist vorhanden?
Ein Signal ist nur dann ein überzeugender qualitativer Hinweis, wenn es unter passenden Bedingungen mit Referenzdaten übereinstimmt und mögliche Störungen beachtet werden. Ein Peak allein beweist daher noch keine Stoffidentität.
Für eine quantitative Bestimmung wird häufig eine Kalibrierung verwendet. Dazu misst man Vergleichsproben mit bekannten Konzentrationen. Aus ihrer Beziehung zwischen Konzentration und Signal entsteht eine Kalibrierfunktion.
Kalibrierung
Bei einer Kalibrierung werden bekannte Referenzwerte mit den zugehörigen Messsignalen verknüpft. Anschließend kann aus dem Signal einer unbekannten Probe auf deren Konzentration geschlossen werden, sofern sie im geprüften Messbereich liegt.
Für eine Messung gilt im kalibrierten Bereich von 0 bis 8 mg/L:
$S = 0{,}08 · c + 0{,}02$
Dabei ist $S$ das Messsignal, $c$ die Konzentration in mg/L und $0{,}02$ das Signal der Blindprobe. Für die unbekannte Probe wird $S = 0{,}42$ gemessen.
- Zuerst wird das Blindprobensignal abgezogen: $0{,}42 - 0{,}02 = 0{,}40$.
- Danach wird durch die Steigung geteilt: $c = 0{,}40 / 0{,}08 = 5$.
- Das Ergebnis lautet: Die untersuchte Messlösung enthält nach dieser Kalibrierung 5 mg/L des Analyten.
- Der Wert liegt innerhalb des kalibrierten Bereichs. Eine unkontrollierte Extrapolation ist deshalb nicht nötig.
Das Ergebnis gilt zunächst für die Messlösung. Wurde die ursprüngliche Probe verdünnt oder extrahiert, müssen diese Vorbereitungsschritte zusätzlich berücksichtigt werden.
Wann ist ein Messergebnis verlässlich?
Ein großer oder deutlich sichtbarer Messwert ist nicht automatisch ein gutes Ergebnis. Mehrere Qualitätsmerkmale müssen getrennt beurteilt werden.
Richtigkeit
Richtigkeit beschreibt, wie nahe ein Messergebnis an einem anerkannten Referenzwert liegt. Ein systematischer Fehler kann viele Messungen in dieselbe falsche Richtung verschieben.
Präzision
Präzision beschreibt, wie eng wiederholte Messwerte beieinanderliegen. Eng beieinanderliegende Werte können trotzdem alle vom richtigen Wert abweichen.
Weitere wichtige Merkmale sind:
- Selektivität: Wie gut erfasst die Methode den gesuchten Analyten trotz anderer Probenbestandteile?
- Nachweisgrenze: Welche kleinste Menge oder Konzentration lässt sich unter den festgelegten Bedingungen noch zuverlässig nachweisen?
- Wiederfindung: Welcher Anteil einer bekannten, zur Probe gegebenen Analytmenge wird durch das gesamte Verfahren wiedergefunden?
- Messbereich: Für welchen Bereich wurde der Zusammenhang zwischen Signal und Konzentration geprüft?
Drei Wiederholungsmessungen liegen sehr dicht beieinander, aber deutlich über dem Referenzwert. Die Messung ist präzise, jedoch nicht ausreichend richtig. Eine mögliche Ursache ist ein systematischer Fehler, etwa eine fehlerhafte Kalibrierung oder ein gleichbleibender Beitrag der Probenmatrix.
Auch die Probenmatrix kann das Signal verändern. Als Matrix bezeichnet man alle Bestandteile der Probe außer dem gesuchten Analyten. Deshalb sollten Referenzen und Kalibrierproben den realen Messbedingungen möglichst gut entsprechen.
Warum werden Methoden gekoppelt?
Eine einzelne Methode kann bei komplexen Proben an Grenzen stoßen. Gekoppelte Verfahren verbinden deshalb unterschiedliche Stärken.
Bei GC-MS übernimmt die Gaschromatografie die zeitliche Trennung der Gemischbestandteile. Die getrennten Komponenten gelangen anschließend in das Massenspektrometer, das massenbezogene Signale und charakteristische Fragmente liefert. So werden Trennung und Identifizierung miteinander verbunden.
Ähnliche Arbeitsteilungen gibt es bei HPLC-MS oder HPLC-NMR.
Eine Kopplung ist sinnvoll, wenn ein Verfahren die Probe trennt und ein zweites zusätzliche Informationen zur Identität der getrennten Komponenten liefert.
Zwei Stoffe können in einer komplexen Probe ein schwer unterscheidbares Gesamtsignal verursachen. Werden sie chromatografisch zu verschiedenen Zeiten getrennt, lassen sich ihre nachfolgenden Signale einzeln untersuchen. Die Identifizierung stützt sich dann nicht nur auf die Retentionszeit, sondern zusätzlich auf die Information der gekoppelten Methode.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Instrumentelle Analytik
- Probe und Fragestellung
- Probenvorbereitung
- Wechselwirkung oder Trennung
- Detektion und Messsignal
- Referenz und Kalibrierung
- Identifikation oder Quantifizierung
- Qualitätsprüfung
- Aussagegrenzen
Abschluss-Check
Du kannst ein instrumentelles Ergebnis nun als begrenzte, prüfbare Aussage lesen: Die Methode muss zur Frage passen, das Signal braucht Referenz oder Kalibrierung, und die gesamte Kette von der Probe bis zur Auswertung bestimmt die Qualität.
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