Chemie

Redoxtitration: Konzentration sicher berechnen

Redoxtitration: Konzentration sicher berechnen
Redoxtitration: Konzentration sicher berechnen
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Bei einer Redoxtitration bestimmst du die unbekannte Konzentration eines Stoffes mithilfe einer Redoxreaktion. Dazu gibst du eine Maßlösung bekannter Konzentration zur Probe, misst das verbrauchte Volumen und wertest die Reaktionsgleichung stöchiometrisch aus.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie funktioniert eine Redoxtitration?

Bei einer Redoxreaktion werden Elektronen übertragen:

  • Oxidation bedeutet Elektronenabgabe.
  • Reduktion bedeutet Elektronenaufnahme.
  • Das Oxidationsmittel nimmt Elektronen auf und wird selbst reduziert.
  • Das Reduktionsmittel gibt Elektronen ab und wird selbst oxidiert.
Definition

Redoxtitration

Eine Redoxtitration ist eine volumetrische Konzentrationsbestimmung auf der Grundlage einer stöchiometrischen Redoxreaktion. Eine Maßlösung bekannter Konzentration wird zur Probelösung gegeben, bis der Analyt entsprechend der Reaktionsgleichung vollständig umgesetzt ist.

Der Stoff in der Maßlösung kann das Oxidationsmittel oder das Reduktionsmittel sein. Entscheidend ist nicht eine feste Rolle des Stoffes, sondern sein jeweiliger Reaktionspartner.

Damit sich eine Redoxreaktion für eine Titration eignet, muss sie schnell, stöchiometrisch eindeutig und praktisch vollständig ablaufen. Außerdem muss sich der Endpunkt zuverlässig erkennen lassen.

Beispiel

Bei der Bestimmung von Sulfit mit Iod wirkt Iod als Oxidationsmittel und Sulfit als Reduktionsmittel. Ein Iodmolekül und ein Sulfition reagieren im Verhältnis $1 : 1$. Deshalb entspricht am Äquivalenzpunkt die Stoffmenge des verbrauchten Iods der Stoffmenge des Sulfits.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas kennzeichnet jede Redoxreaktion?
Lösung: Elektronen werden zwischen Reaktionspartnern übertragen. — Bei einer Redoxreaktion laufen Elektronenabgabe und Elektronenaufnahme gekoppelt ab.
Frage 2 von 2MittelWelche Reaktion eignet sich am besten für eine quantitative Redoxtitration?
Lösung: Eine schnelle, stöchiometrisch eindeutige und praktisch vollständige Reaktion mit erkennbarem Endpunkt. — Für die Berechnung brauchst du ein festes Stoffmengenverhältnis und für die Messung einen zuverlässig bestimmbaren Endpunkt.
Vom Bürettenvolumen zur Stoffmenge

Die Maßlösung besitzt eine bekannte Stoffmengenkonzentration $c$. An der Bürette liest du das bis zum Endpunkt verbrauchte Volumen $V$ ab. Daraus berechnest du zunächst die Stoffmenge des Titranten:

$$n = c · V$$

Dabei gilt:

  • $n$ ist die Stoffmenge in Mol,
  • $c$ ist die Stoffmengenkonzentration in Mol pro Liter,
  • $V$ ist das Volumen in Litern.

Milliliter musst du vor dem Einsetzen in Liter umrechnen:

$$V\text{ in L} = \frac{V\text{ in mL}}{1000}$$

Erst danach nutzt du das Stoffmengenverhältnis aus der ausgeglichenen Reaktionsgleichung. Sind die stöchiometrischen Koeffizienten des Analyten und des Titranten $ν_A$ und $ν_T$, gilt am Äquivalenzpunkt:

$$\frac{n_A}{ν_A} = \frac{n_T}{ν_T}$$

Bei einem Verhältnis $1 : 1$ vereinfacht sich das zu $n_A = n_T$. Bei anderen Koeffizienten darfst du die Stoffmengen nicht einfach gleichsetzen.

Für die Konzentration des Analyten teilst du seine Stoffmenge durch das Volumen der untersuchten Probe:

$$c_A = \frac{n_A}{V_A}$$

Merke

Rechne immer in dieser Reihenfolge: Volumen umrechnen, Titrantstoffmenge berechnen, Stoffmengenverhältnis anwenden und erst danach die Analytkonzentration bestimmen.

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Frage 1 von 1MittelEine Maßlösung hat $c = 0{,}010\,\mathrm{mol/L}$. Verbraucht werden $15\,\mathrm{mL}$. Welcher Ansatz ist richtig?
Lösung: $n = 0{,}010\,\mathrm{mol/L} · 0{,}015\,\mathrm{L}$ — In $n = c · V$ muss das Volumen in Litern eingesetzt werden. $15\,\mathrm{mL}$ sind $0{,}015\,\mathrm{L}$.
Ein vollständiges Rechenbeispiel

Eine Weinprobe wird im Modell der Aufgabe mit einer Iod-Kaliumiodid-Lösung titriert.

Gegeben sind:

  • Probenvolumen: $V_A = 50\,\mathrm{mL} = 0{,}050\,\mathrm{L}$
  • Iodkonzentration: $c(I_2) = 0{,}005\,\mathrm{mol/L}$
  • Iodverbrauch: $V(I_2) = 8{,}6\,\mathrm{mL} = 0{,}0086\,\mathrm{L}$
  • Stoffmengenverhältnis: $n(H_2SO_3) : n(I_2) = 1 : 1$
  • molare Masse: $M(H_2SO_3) = 82{,}07\,\mathrm{g/mol}$

Die Gesamtreaktion lautet:

H2SO3 + I2 + H2O → H2SO4 + 2 HI

Schritt 1: Stoffmenge des Iods

$$n(I_2) = c(I_2) · V(I_2)$$

$$n(I_2) = 0{,}005\,\mathrm{mol/L} · 0{,}0086\,\mathrm{L} = 0{,}000043\,\mathrm{mol}$$

Schritt 2: Stoffmenge des Analyten

Das Verhältnis beträgt $1 : 1$. Daher gilt:

$$n(H_2SO_3) = n(I_2) = 0{,}000043\,\mathrm{mol}$$

Schritt 3: Konzentration in der Probe

$$c(H_2SO_3) = \frac{0{,}000043\,\mathrm{mol}}{0{,}050\,\mathrm{L}}$$

$$c(H_2SO_3) = 0{,}00086\,\mathrm{mol/L}$$

Schritt 4: Masse pro Liter

Für einen Liter gilt $n = c · 1\,\mathrm{L} = 0{,}00086\,\mathrm{mol}$. Mit $m = n · M$ folgt:

$$m = 0{,}00086\,\mathrm{mol} · 82{,}07\,\mathrm{g/mol}$$

$$m \approx 0{,}0706\,\mathrm{g} = 70{,}6\,\mathrm{mg}$$

Beispiel

Die Rechnung ergibt für das Aufgabenmodell eine Konzentration von $0{,}00086\,\mathrm{mol/L}$ und rund $70{,}6\,\mathrm{mg}$ schweflige Säure pro Liter Wein. Die Einheitenprobe bestätigt den Weg: Bei $c · V$ kürzt sich Liter heraus, bei $n · M$ kürzt sich Mol heraus.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum darf hier $n(H_2SO_3) = n(I_2)$ gesetzt werden?
Lösung: Die ausgeglichene Reaktionsgleichung zeigt das Stoffmengenverhältnis $1 : 1$. — Das Stoffmengenverhältnis wird ausschließlich aus der ausgeglichenen Reaktionsgleichung abgeleitet.
Frage 2 von 2SchwerEine Reaktion besitzt das Verhältnis Analyt zu Titrant $2 : 1$. Was folgt aus $n_T = 0{,}001\,\mathrm{mol}$?
Lösung: $n_A = 0{,}002\,\mathrm{mol}$ — Beim Verhältnis $2 : 1$ gehören zu einem Mol Titrant zwei Mol Analyt. Deshalb wird $n_T$ mit $2$ multipliziert.
Wie erkennst du den Endpunkt?

Der Äquivalenzpunkt ist der theoretische Punkt, an dem Analyt und Titrant genau im Verhältnis der Reaktionsgleichung umgesetzt wurden. Der Endpunkt ist das beobachtete oder gemessene Signal, bei dem du die Zugabe beendest. Beide Punkte sollen möglichst nahe beieinanderliegen.

Typische Endpunktmethoden sind:

  • Eigenindikation: Ein farbiger Titrant zeigt seinen ersten bleibenden Überschuss selbst an. Bei einer Permanganattitration bleibt nach vollständigem Verbrauch des Reduktionsmittels eine schwache violette Färbung bestehen.
  • Chemischer Indikator: Stärke bildet mit vorhandenem Iod eine auffällige Färbung.
  • Redoxindikator: Der Indikator wird selbst oxidiert oder reduziert und ändert dabei seine Farbe.
  • Potentiometrische Messung: Das gemessene Potential wird gegen das zugegebene Volumen aufgetragen. Der Äquivalenzpunkt liegt im Bereich des stärksten Potentialsprungs beziehungsweise am Wendepunkt der Kurve.

Ein Blindversuch ohne Analyt kann helfen, die erwartete Endpunktfarbe kennenzulernen. Eine Vortitration zeigt ungefähr, bei welchem Volumen der Endpunkt erreicht wird. Bei der anschließenden Messung gibst du die Maßlösung in diesem Bereich besonders vorsichtig zu.

Gut zu wissen

Eine Farbänderung ist nicht automatisch der Äquivalenzpunkt. Sie ist ein Endpunktsignal, dessen Eignung davon abhängt, ob es den stöchiometrischen Umsatz zuverlässig und möglichst ohne Verzögerung anzeigt.

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Frage 1 von 2LeichtWas zeigt bei einer Permanganattitration mit Permanganat als Maßlösung typischerweise den Endpunkt an?
Lösung: Eine erste schwache violette Färbung bleibt bestehen. — Sobald der Analyt vollständig umgesetzt ist, bleibt ein kleiner Überschuss des farbigen Permanganats sichtbar.
Frage 2 von 2SchwerWarum ist eine potentiometrische Messung für gefärbte oder schwer beobachtbare Lösungen nützlich?
Lösung: Sie bestimmt den Endpunkt aus einer messbaren Potentialänderung statt nur aus einem Farbeindruck. — Die Potentialkurve liefert das Äquivalenzvolumen; Konzentration und Stöchiometrie werden weiterhin für die quantitative Auswertung gebraucht.
Welche Fehler solltest du vermeiden?

Prüfe eine Auswertung systematisch:

  1. Reaktionsgleichung: Ist sie ausgeglichen und liefert sie ein eindeutiges Stoffmengenverhältnis?
  2. Volumen: Wurden Milliliter in Liter umgerechnet?
  3. Zuordnung: Wurde zuerst die Stoffmenge des Titranten und dann die des Analyten bestimmt?
  4. Einheiten: Hat $n$ die Einheit Mol und $c$ die Einheit Mol pro Liter?
  5. Formelwahl: Für eine Masse gilt $m = n · M$, nicht $m = c · M$.
  6. Endpunkt: Wurde das richtige Signal erkannt und nicht deutlich übertitriert?
  7. Plausibilität: Passt das Ergebnis zur Größenordnung der eingesetzten Volumina und Konzentrationen?
Merke

Ein korrekt abgelesenes Volumen genügt nicht. Das Ergebnis ist nur zuverlässig, wenn Reaktion, Stöchiometrie, Endpunkterkennung und Einheiten ebenfalls stimmen.

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Frage 1 von 2MittelIn einer Rechnung erhält die Größe $n$ die Einheit $\mathrm{mol/L}$. Was ist daran falsch?
Lösung: $n$ ist eine Stoffmenge und muss die Einheit Mol besitzen. — Die Stoffmengenkonzentration $c$ wird in Mol pro Liter angegeben. Die Stoffmenge $n$ wird in Mol angegeben.
Frage 2 von 2SchwerDas berechnete Ergebnis ist hundertmal größer als erwartet. Welcher erste Kontrollschritt ist besonders sinnvoll?
Lösung: Volumenumrechnung, Stoffmengenverhältnis und eingesetztes Probenvolumen prüfen. — Große Abweichungen entstehen häufig durch falsche Volumeneinheiten, ein vertauschtes Verhältnis oder ein falsch eingesetztes Probenvolumen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Redoxtitration
    • Grundlage
      • gekoppelte Oxidation und Reduktion
      • eindeutige Stöchiometrie
    • Messung
      • Maßlösung bekannter Konzentration
      • verbrauchtes Volumen am Endpunkt
    • Auswertung
      • $n_T = c_T · V_T$
      • Stoffmengenverhältnis anwenden
      • $c_A = n_A / V_A$
    • Endpunkterkennung
      • Eigenfarbe oder Indikator
      • Potentialkurve
    • Qualitätskontrolle
      • Einheiten und Plausibilität
      • langsame Reaktion und Übertitration vermeiden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe liest du bei der Titration unmittelbar an der Bürette ab?
Lösung: Das verbrauchte Volumen der Maßlösung. — Die Bürette liefert das Titrantvolumen am Endpunkt.
Frage 2 von 3MittelBei einer $1 : 1$-Reaktion werden $0{,}00020\,\mathrm{mol}$ Titrant verbraucht. Wie groß ist die Analytstoffmenge?
Lösung: $0{,}00020\,\mathrm{mol}$ — Das ausgeglichene Verhältnis $1 : 1$ erlaubt die direkte Gleichsetzung der Stoffmengen.
Frage 3 von 3SchwerZwei Gruppen verwenden dieselbe Probe und Maßlösung. Eine Gruppe überschreitet den Endpunkt deutlich. Welches Ergebnis ist zu erwarten?
Lösung: Sie liest ein zu großes Titrantvolumen ab und berechnet dadurch meist eine zu große Analytmenge. — Nach dem Endpunkt zugesetzter Titrant gehört nicht mehr zum stöchiometrischen Umsatz des Analyten. Er verfälscht deshalb die quantitative Auswertung nach oben.

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