Beim Backen reicht es nicht, einfach irgendwie Mehl, Wasser und Hefe zusammenzuwerfen. In der Chemie ist es ähnlich: Stoffe reagieren in festen Mengenverhältnissen.
Mit Stöchiometrie findest du heraus, wie viel von einem Stoff gebraucht wird und wie viel Produkt entstehen kann. Danach kannst du Reaktionsgleichungen als Rechenplan benutzen statt als Rätsel aus Formeln.
- Ich kann erklären, warum eine Reaktionsgleichung ausgeglichen sein muss.
- Ich kann Stoffmenge, Masse und molare Masse sicher miteinander verbinden.
- Ich kann aus einer gegebenen Masse die Masse eines Reaktionsprodukts berechnen.
- Ich kann Gasvolumen mit dem molaren Volumen berechnen.
- Ich kann erkennen, welcher Ausgangsstoff eine Reaktion begrenzt.
Warum Stöchiometrie Mengen sichtbar macht
Eine Reaktionsgleichung sagt nicht nur, welche Stoffe reagieren. Sie sagt auch, in welchem Teilchenverhältnis sie reagieren.
Stöchiometrie
Stöchiometrie ist das Rechnen mit den Mengenverhältnissen in chemischen Reaktionen. Die Verhältnisse stehen in der ausgeglichenen Reaktionsgleichung. Aus ihnen berechnest du Stoffmengen, Massen oder Gasvolumen.
Bei einer chemischen Reaktion verschwinden Atome nicht und neue Atome entstehen nicht einfach. Sie werden nur neu angeordnet. Deshalb muss links und rechts von der Reaktionsgleichung jedes Element gleich oft vorkommen.
Koeffizient
Ein Koeffizient ist die Zahl vor einer Formel in der Reaktionsgleichung. In \(2 H_2 + O_2 \rightarrow 2 H_2O\) bedeutet die 2 vor \(H_2\): Es reagieren zwei Wasserstoff-Moleküle.
Wasser entsteht aus Wasserstoff und Sauerstoff.
Unvollständig: \(H_2 + O_2 \rightarrow H_2O\)
Links stehen 2 H-Atome und 2 O-Atome. Rechts stehen 2 H-Atome und nur 1 O-Atom. Sauerstoff passt also noch nicht.
Ausgeglichen: \(2 H_2 + O_2 \rightarrow 2 H_2O\)
Probe:
- H: links 4, rechts 4
- O: links 2, rechts 2
Die Koeffizienten 2 : 1 : 2 sind jetzt der Mengenplan der Reaktion.
Erst ausgleichen, dann rechnen. Eine nicht ausgeglichene Gleichung liefert falsche Mengenverhältnisse.
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Die drei Grundgrößen: Masse, Stoffmenge, molare Masse
In Aufgaben bekommst du oft eine Masse in Gramm. Reaktionsgleichungen arbeiten aber mit Teilchenverhältnissen. Die Brücke dazwischen ist die Stoffmenge.
Stoffmenge
Die Stoffmenge \(n\) gibt an, wie viele Teilchenpakete eines Stoffes vorliegen. Die Einheit ist Mol. Ein Mol ist eine sehr große festgelegte Teilchenanzahl.
Molare Masse
Die molare Masse \(M\) gibt an, wie viel Gramm ein Mol eines Stoffes wiegt. Die Einheit ist \(\frac{g}{mol}\). Du berechnest sie aus den Atommassen im Periodensystem und der Summenformel.
Die wichtigste Formel ist:
Daraus folgen auch:
Berechne die Stoffmenge von 5,0 g Natriumhydroxid \(NaOH\).
- Molare Masse bestimmen:
\(M(NaOH) = 23 \frac{g}{mol} + 16 \frac{g}{mol} + 1 \frac{g}{mol} = 40 \frac{g}{mol}\)
- In die Formel einsetzen:
\(n = \frac{m}{M} = \frac{5,0 g}{40 \frac{g}{mol}} = 0,125 mol\)
Antwort: 5,0 g \(NaOH\) entsprechen 0,125 mol \(NaOH\).
Warum rechnet man über Mol? Eine Waage zählt keine einzelnen Teilchen. Die Stoffmenge übersetzt eine messbare Masse in die Teilchenpakete, die zur Reaktionsgleichung passen.
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Der Standardweg für stöchiometrische Rechnungen
Fast jede Schulaufgabe folgt demselben Muster. Du musst nur sauber durch die Schritte gehen.
Der Rechenweg lautet: Gleichung ausgleichen, gegebene Stoffmenge berechnen, Verhältnis ablesen, gesuchte Stoffmenge berechnen, in Masse oder Volumen umrechnen.
Aufgabe: 5,0 g Natriumhydroxid reagieren mit Salzsäure. Wie viel Natriumchlorid entsteht?
Reaktionsgleichung:
\(NaOH + HCl \rightarrow NaCl + H_2O\)
Die Gleichung ist bereits ausgeglichen. Alle Koeffizienten sind 1.
Gegeben: \(m(NaOH) = 5,0 g\)
Gesucht: \(m(NaCl)\)
- Stoffmenge des gegebenen Stoffes:
\(M(NaOH) = 40 \frac{g}{mol}\)
\(n(NaOH) = \frac{5,0 g}{40 \frac{g}{mol}} = 0,125 mol\)
- Verhältnis aus der Gleichung:
\(NaOH : NaCl = 1 : 1\)
Also gilt:
\(n(NaCl) = 0,125 mol\)
- In Masse umrechnen:
\(M(NaCl) = 23 \frac{g}{mol} + 35,5 \frac{g}{mol} = 58,5 \frac{g}{mol}\)
\(m(NaCl) = 0,125 mol \cdot 58,5 \frac{g}{mol} = 7,31 g\)
Antwort: Es entstehen ungefähr 7,31 g Natriumchlorid.
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Gasvolumen berechnen
Bei Gasen fragt eine Aufgabe oft nicht nach der Masse, sondern nach dem Volumen. Dann hilft das molare Volumen.
Molares Volumen
Das molare Volumen \(V_m\) ist das Volumen, das 1 mol eines Gases bei festgelegten Bedingungen einnimmt. In vielen Schulaufgaben wird bei Raumtemperatur näherungsweise \(V_m = 24 \frac{L}{mol}\) verwendet.
Die Formel lautet:
Aufgabe: Calciumcarbonat zerfällt beim Erhitzen:
\(CaCO_3 \rightarrow CaO + CO_2\)
Wie viel Liter \(CO_2\) entstehen aus 10,0 g \(CaCO_3\)? Verwende \(V_m = 24 \frac{L}{mol}\).
- Stoffmenge von \(CaCO_3\):
\(M(CaCO_3) = 40 + 12 + 3 \cdot 16 = 100 \frac{g}{mol}\)
\(n(CaCO_3) = \frac{10,0 g}{100 \frac{g}{mol}} = 0,100 mol\)
- Verhältnis:
\(CaCO_3 : CO_2 = 1 : 1\)
Also:
\(n(CO_2) = 0,100 mol\)
- Volumen:
\(V(CO_2) = 0,100 mol \cdot 24 \frac{L}{mol} = 2,4 L\)
Antwort: Es entstehen ungefähr 2,4 L Kohlenstoffdioxid.
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Wenn ein Stoff zu wenig vorhanden ist
Manchmal sind zwei Edukte gegeben. Dann kann ein Stoff übrig bleiben. Der Stoff, der zuerst vollständig verbraucht ist, begrenzt die Produktmenge.
Begrenzender Stoff
Der begrenzende Stoff ist das Edukt, das im Vergleich zum stöchiometrischen Verhältnis zu wenig vorhanden ist. Sobald er verbraucht ist, stoppt die Reaktion, auch wenn andere Edukte noch übrig sind.
Aufgabe: 4,0 g Wasserstoff reagieren mit 16,0 g Sauerstoff zu Wasser.
\(2 H_2 + O_2 \rightarrow 2 H_2O\)
- Beide Stoffmengen berechnen:
\(M(H_2) = 2 \frac{g}{mol}\)
\(n(H_2) = \frac{4,0 g}{2 \frac{g}{mol}} = 2,0 mol\)
\(M(O_2) = 32 \frac{g}{mol}\)
\(n(O_2) = \frac{16,0 g}{32 \frac{g}{mol}} = 0,50 mol\)
- Prüfen, was das Verhältnis verlangt:
Die Gleichung verlangt \(H_2 : O_2 = 2 : 1\).
Für 0,50 mol \(O_2\) braucht man 1,0 mol \(H_2\). Vorhanden sind 2,0 mol \(H_2\).
Also ist \(O_2\) der begrenzende Stoff. Wasserstoff bleibt übrig.
- Produkt berechnen:
\(O_2 : H_2O = 1 : 2\)
\(0,50 mol O_2\) ergeben \(1,0 mol H_2O\).
\(m(H_2O) = 1,0 mol \cdot 18 \frac{g}{mol} = 18,0 g\)
- Rest prüfen:
Verbraucht werden 1,0 mol \(H_2\). Übrig bleiben 1,0 mol \(H_2\), also 2,0 g Wasserstoff.
Antwort: Es entstehen 18,0 g Wasser. Sauerstoff begrenzt die Reaktion.
Bei zwei gegebenen Edukten reicht es nicht, nur eins umzurechnen. Prüfe immer, ob ein Edukt im Verhältnis zu knapp ist.
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Prüfungsmodus: typische Fallen vermeiden
In Tests wird selten nur eine Formel abgefragt. Oft musst du entscheiden, welcher Weg passt.
Fehler finden:
Eine Schülerin rechnet für \(2 H_2 + O_2 \rightarrow 2 H_2O\):
"Aus 0,50 mol \(O_2\) entstehen 0,50 mol \(H_2O\), weil Sauerstoff und Wasser beide Sauerstoff enthalten."
Der Fehler liegt im Verhältnis. In der Gleichung steht \(O_2 : H_2O = 1 : 2\). Aus 0,50 mol \(O_2\) entstehen daher 1,0 mol \(H_2O\), wenn genug Wasserstoff vorhanden ist.
Entscheidungsaufgabe:
Gesucht ist eine Masse. Gegeben ist ein Gasvolumen. Welcher Start ist sinnvoll?
Du gehst zuerst vom Volumen zur Stoffmenge:
\(n = \frac{V}{V_m}\)
Dann nutzt du das Verhältnis aus der Reaktionsgleichung. Erst am Ende rechnest du mit \(m = n \cdot M\) in eine Masse um.
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Alles auf einen Blick
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Abschluss-Check
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Zusammenfassung
Stöchiometrie bedeutet: Du liest die Mengenverhältnisse aus einer ausgeglichenen Reaktionsgleichung ab und rechnest damit weiter. Die Koeffizienten gelten für Stoffmengen, nicht direkt für Gramm.
Der wichtigste Weg ist immer ähnlich: Masse in Stoffmenge umrechnen, Verhältnis nutzen, gesuchte Stoffmenge bestimmen und danach in Masse oder Volumen umrechnen. Wenn mehrere Edukte gegeben sind, prüfst du zuerst, welcher Stoff die Reaktion begrenzt.
Sobald du diesen Ablauf beherrschst, werden Reaktionsgleichungen zu einem klaren Rechenplan.
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