Chemie

Komplexion: Aufbau, Ladung und Eigenschaften

Komplexion: Aufbau, Ladung und Eigenschaften
Komplexion: Aufbau, Ladung und Eigenschaften
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Ein Komplexion ist ein geladenes Teilchen aus einem Zentralteilchen und gebundenen Liganden. Die Liganden stellen freie Elektronenpaare bereit; das Zentralteilchen nimmt sie auf. Aus Aufbau und Ladungen kannst du die Gesamtladung bestimmen und Farb- oder Löslichkeitsänderungen durch Komplexbildung deuten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

So ist ein Komplexion aufgebaut

Stell dir ein Metallion vor, das von mehreren Teilchen umgeben ist. Das Metallion ist meist das Zentralteilchen. Die umgebenden Moleküle oder Ionen heißen Liganden.

Definition

Koordinative Bindung

Bei einer koordinativen Bindung stellt der Ligand zunächst beide Bindungselektronen als freies Elektronenpaar bereit. Er ist Elektronenpaardonator. Das Zentralteilchen nimmt das Elektronenpaar auf und ist Elektronenpaarakzeptor.

In einer Formel steht die gesamte Koordinationseinheit in eckigen Klammern. Die Ladung rechts außerhalb der Klammer gehört zum ganzen Komplexion.

Beispiel

Im Komplexion $[Ag(NH_3)_2]^+$ ist $Ag^+$ das Zentralteilchen. Zwei neutrale Ammoniakmoleküle $NH_3$ sind die Liganden. Jedes Ammoniakmolekül bindet über ein freies Elektronenpaar am Silberion. Die Einheit trägt insgesamt die Ladung $+1$.

Merke

Ein Ligand muss mindestens ein freies Elektronenpaar an einer geeigneten Donorstelle besitzen. Die Bindung ist koordinativ; nach ihrer Bildung gehört sie zum gesamten Komplexteilchen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt $[Ag(NH_3)_2]^+$ richtig?
Lösung: $Ag^+$ ist das Zentralteilchen, und zwei $NH_3$-Moleküle sind Liganden. — Die eckige Klammer fasst eine Koordinationseinheit zusammen. Ihre Ladung steht rechts außerhalb der Klammer.
So bestimmst du die Ladung

Für ein Komplexion addierst du die Oxidationszahl des Zentralteilchens und die Ladungen aller Liganden:

$$Komplexladung = Oxidationszahl\ des\ Zentrums + Summe\ der\ Ligandenladungen$$

Neutrale Liganden wie $H_2O$ und $NH_3$ tragen dabei $0$ bei. Chlorido- und Cyanidliganden tragen jeweils $-1$ bei.

Beispiel

Gesucht ist die Oxidationszahl von Eisen in $[Fe(CN)_6]^{4-}$.

  1. Das Komplexion hat die Gesamtladung $-4$.
  2. Sechs Cyanidliganden tragen zusammen $6 \cdot (-1) = -6$ bei.
  3. Mit $x$ als Oxidationszahl des Eisens gilt: $x + (-6) = -4$.
  4. Daher ist $x = +2$.

Eisen besitzt in diesem Komplexion die Oxidationszahl $+2$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin $Cr^{3+}$-Ion bindet vier neutrale Wassermoleküle und zwei $Cl^-$-Liganden. Welche Gesamtladung hat $[CrCl_2(H_2O)_4]$?
Lösung: $+1$ — Die Ladungsbilanz lautet $+3 + 4 \cdot 0 + 2 \cdot (-1) = +1$. Die vollständige Formel ist daher $[CrCl_2(H_2O)_4]^+$.
Koordinationszahl und Form gehören zusammen

Die Koordinationszahl gibt an, wie viele Donoratome unmittelbar an das Zentralteilchen gebunden sind. Sie ist nicht immer gleich der Zahl der Liganden.

Koordinationszahlhäufige GeometrieBeispiel
2linear$[Ag(NH_3)_2]^+$
4tetraedrisch oder quadratisch-planar$[NiCl_4]^{2-}$ oder $[Ni(CN)_4]^{2-}$
6oktaedrisch$[Cr(H_2O)_6]^{3+}$

Ein einzähniger Ligand bindet über ein Donoratom. Ein mehrzähniger Ligand bindet über mehrere Donoratome gleichzeitig. Solche mehrzähnigen Liganden heißen Chelatliganden.

Beispiel

Im Komplexion $[Co(en)_3]^{3+}$ gibt es drei Ethylendiamin-Liganden, kurz $en$. Jeder Ligand ist zweizähnig und bindet über zwei Stickstoffatome. Deshalb gilt: drei Liganden, aber Koordinationszahl $3 \cdot 2 = 6$. Die Anordnung ist oktaedrisch.

Merke

Zähle für die Koordinationszahl die direkt gebundenen Donoratome, nicht einfach die Ligandenmoleküle.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum besitzt $[Co(en)_3]^{3+}$ die Koordinationszahl 6?
Lösung: Drei zweizähnige Liganden liefern zusammen sechs gebundene Donoratome. — Die drei Liganden bleiben drei Teilchen. Entscheidend sind ihre insgesamt sechs direkt gebundenen Donoratome.
Komplexbildung verändert beobachtbare Eigenschaften

Bei einer Komplexbildungsreaktion lagern sich Liganden an ein Zentralteilchen an. Bei einem Ligandenaustausch ersetzen neue Liganden bereits gebundene Liganden. Beides sind Gleichgewichtsreaktionen.

Ein Ligandenaustausch kann die Energien der Elektronen im Metallzentrum verändern. Dadurch absorbiert der Komplex anderes Licht und erscheint oft in einer anderen Farbe. Eine Farbänderung ist deshalb ein möglicher Befund für ein neues Komplexteilchen, beweist allein aber noch nicht jede Einzelheit seines Aufbaus.

Beispiel

Eine wässrige Kupfer(II)-Lösung enthält blaue Aquakomplexe. Bei einem geeigneten Ammoniakangebot entstehen dunkelblaue Amminkomplexe. Der Farbwechsel zeigt, dass Ammoniakmoleküle Wasserliganden am Kupferzentrum ersetzen.

Komplexbildung kann auch die Löslichkeit beeinflussen. Schwer lösliches Silberchlorid steht im Gleichgewicht mit wenigen $Ag^+$- und $Cl^-$-Ionen. Ammoniak bindet $Ag^+$ als Diamminsilber(I)-Komplex:

$$AgCl + 2NH_3 \rightleftharpoons [Ag(NH_3)_2]^+ + Cl^-$$

Weil freies $Ag^+$ gebunden wird, kann sich weiteres Silberchlorid lösen. Ob es vollständig verschwindet, hängt von den beteiligten Gleichgewichten und vom Ligandenangebot ab.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine feste Ionenverbindung löst sich erst nach Zugabe eines passenden Liganden. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Der Ligand bindet ein gelöstes Metallion in einem stabilen Komplex; dadurch kann weiteres Salz in Lösung gehen. — Ein stabiler Komplex senkt die Konzentration des freien Metallions. Das Löslichkeitsgleichgewicht kann dadurch zur gelösten Seite verschoben werden.
So unterscheidest du ähnliche Teilchenarten

Ein Komplexion ist eine geladene Koordinationseinheit. Ein neutraler Komplex besitzt denselben Grundaufbau, aber insgesamt keine Ladung. Ein Ionengitter ist dagegen die regelmäßige Anordnung vieler Kationen und Anionen in einem festen Salz.

Ein hydratisiertes Ion ist in Wasser von Wassermolekülen umgeben. Sind Wassermoleküle direkt koordiniert, lässt es sich als Aquakomplex beschreiben. Der Ausdruck hydratisiert betont die Umgebung in Wasser; der Ausdruck Aquakomplex betont die koordinative Bindung.

Beispiel

Beim Teilchen $[PtBr_2(NH_3)_2]$ hat Platin die Oxidationszahl $+2$. Zwei Bromidliganden tragen zusammen $-2$ bei, zwei Amminliganden sind neutral. Die Summe ist $+2-2=0$. Das Teilchen ist daher ein neutraler Komplex und kein Komplexion.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Im Teilchen $[Ag(NH_3)_2]^+$ ist Silber das . Ammoniak wirkt als . Die Ladung der ganzen Koordinationseinheit beträgt . Zwei einzähnige Ammoniakliganden ergeben die Koordinationszahl .

Lösungen: Lücke 1: Zentralteilchen; Lücke 2: Ligand; Lücke 3: +1; Lücke 4: 2. Achte nacheinander auf die Position in der Formel, die Rolle des freien Elektronenpaars, die Ladung außerhalb der Klammer und die Zahl der direkt gebundenen Donoratome.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Komplexion
    • Aufbau
      • Zentralteilchen als Elektronenpaarakzeptor
      • Liganden als Elektronenpaardonatoren
    • Kennzahlen
      • Gesamtladung aus der Ladungsbilanz
      • Koordinationszahl aus gebundenen Donoratomen
    • Struktur
      • häufig linear, tetraedrisch, quadratisch-planar oder oktaedrisch
    • Reaktionen
      • Komplexbildung
      • Ligandenaustausch
    • Befunde
      • Farbänderung
      • veränderte Löslichkeit
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du in $[CuCl_4]^{2-}$ die Ladung des gesamten Komplexions?
Lösung: Am Exponenten $2-$ rechts außerhalb der eckigen Klammer — Die eckige Klammer begrenzt die Koordinationseinheit. Der Exponent dahinter nennt ihre Gesamtladung.
Frage 2 von 3MittelWelche Oxidationszahl hat Kupfer in $[CuCl_4]^{2-}$?
Lösung: $+2$ — Vier Chloridliganden tragen zusammen $-4$ bei. Das Kupferzentrum muss $+2$ beitragen, damit die Gesamtladung $-2$ entsteht.
Frage 3 von 3SchwerEine Lösung ändert nach Zugabe eines Liganden ihre Farbe. Welche Schlussfolgerung ist fachlich angemessen?
Lösung: Die Farbänderung spricht für Komplexbildung oder Ligandenaustausch; für die genaue Struktur sind weitere Informationen nötig. — Neue Liganden können die Elektronenenergien am Metallzentrum und damit die Lichtabsorption verändern. Der Befund stützt eine Komplexdeutung, ersetzt aber keine vollständige Strukturbestimmung.

Passend dazu