Chemie

Komplexchemie: Aufbau, Ladung und Bindung

Komplexchemie: Aufbau, Ladung und Bindung
Komplexchemie: Aufbau, Ladung und Bindung
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Ein Komplex besteht aus einem Zentralteilchen und daran gebundenen Liganden. Die Liganden stellen freie Elektronenpaare für koordinative Bindungen bereit. Aus den Ladungen aller Bestandteile kannst du die Ladung des Komplexes und die Oxidationszahl des Zentralteilchens bestimmen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie ist ein Komplex aufgebaut?

Stell dir ein Metallion vor, das von mehreren Teilchen umgeben ist. Das Metallion bildet das Zentralteilchen. Die gebundenen Teilchen heißen Liganden.

Definition

Komplex

Ein Komplex ist ein zusammengesetztes Teilchen aus einem Zentralteilchen und daran koordinierten Liganden. Das Zentralteilchen ist meist ein Metallatom oder Metallion.

In der Formel steht die gesamte Koordinationseinheit in eckigen Klammern:

$$[M(L)_n]^q$$

Dabei bezeichnet $M$ das Zentralteilchen, $L$ einen Liganden, $n$ dessen Anzahl und $q$ die Gesamtladung.

Beispiele:

  • In $[Ag(NH_3)_2]^+$ ist $Ag^+$ das Zentralteilchen. Die beiden $NH_3$-Moleküle sind Liganden.
  • In $[Fe(CN)_6]^{4-}$ ist Eisen das Zentralteilchen. Sechs $CN^-$-Ionen sind Liganden.
  • In $[Cr(H_2O)_6]^{3+}$ ist Chrom das Zentralteilchen. Sechs Wassermoleküle sind Liganden.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

In $[Ag(NH_3)_2]^+$ ist Silber das . Die beiden Ammoniakmoleküle sind . Jeder Ammoniakligand stellt ein bereit. Das gesamte Komplexteilchen ist geladen.

Lösungen: Lücke 1: Zentralteilchen; Lücke 2: Liganden; Lücke 3: freies Elektronenpaar; Lücke 4: positiv. Lies eine Komplexformel von innen nach außen: Zuerst erkennst du das Zentralteilchen, dann die Liganden und zuletzt die Gesamtladung außerhalb der Klammer.
Wie entsteht die koordinative Bindung?

Ein Ligand besitzt mindestens ein freies Elektronenpaar. Er stellt dieses Elektronenpaar für die Bindung bereit und wirkt als Elektronenpaardonator. Das Zentralteilchen nimmt das Elektronenpaar in einem geeigneten unbesetzten Orbital auf und wirkt als Elektronenpaarakzeptor.

Definition

Koordinative Bindung

Bei einer koordinativen Bindung stammen beide Bindungselektronen ursprünglich vom Liganden. Nach der Bindungsbildung gehört das Elektronenpaar zur Bindung zwischen Ligand und Zentralteilchen.

Eine einfache Komplexbildung ist:

$$Ag^+ + 2NH_3 \rightleftharpoons [Ag(NH_3)_2]^+$$

Die Stoff- und Ladungsbilanz stimmt: Auf beiden Seiten stehen ein Silberteilchen, zwei Ammoniakmoleküle und insgesamt eine positive Ladung.

Merke

Ligand spendet, Zentrum nimmt an: Der Ligand ist Elektronenpaardonator, das Zentralteilchen Elektronenpaarakzeptor.

Die Elektronen werden dabei nicht vollständig vom Liganden auf das Metall übertragen. Deshalb ist eine Komplexbildung nicht automatisch eine Redoxreaktion.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt die Bindungsbildung in $[Ag(NH_3)_2]^+$ richtig?
Lösung: Jeder $NH_3$-Ligand stellt ein freies Elektronenpaar bereit. — Die koordinative Bindung entsteht durch ein freies Elektronenpaar des Liganden und ein geeignetes unbesetztes Orbital des Zentralteilchens.
Wie bestimmst du Ladung und Oxidationszahl?

Für jede Koordinationseinheit gilt die Ladungsbilanz:

$$q(M)+\sum q(L)=q(\text{Komplex})$$

Die Gesamtladung steht außerhalb der eckigen Klammer. Die Oxidationszahl beschreibt dagegen die formale Oxidationsstufe des Zentralteilchens. Beide Größen sind nicht dasselbe.

Beispiel

Bestimme die Oxidationszahl von Eisen in $[Fe(CN)_6]^{4-}$.

  1. Setze für die unbekannte Oxidationszahl $x$ ein.
  2. Jeder der sechs Cyanidliganden hat die Ladung $-1$.
  3. Der gesamte Komplex hat die Ladung $-4$.

$$x+6\cdot(-1)=-4$$

$$x-6=-4$$

$$x=+2$$

Eisen besitzt in diesem Komplex die Oxidationszahl $+II$.

Bei neutralen Liganden wie $H_2O$ und $NH_3$ trägt jeder Ligand mit $0$ zur Ladungsbilanz bei. Daher besitzt Kupfer in $[Cu(NH_3)_4]^{2+}$ die Oxidationszahl $+II$.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Größe steht bei $[Fe(CN)_6]^{4-}$ außerhalb der Klammer?
Lösung: Die Gesamtladung des Komplexions — Der hochgestellte Wert außerhalb der Klammer gibt die Gesamtladung der gesamten Koordinationseinheit an.
Frage 2 von 2MittelWelche Oxidationszahl hat Platin im neutralen Komplex $[PtBr_2(NH_3)_2]$?
Lösung: $+II$ — Es gilt $x+2\cdot(-1)+2\cdot0=0$. Daraus folgt $x=+2$.
Was verrät die Koordinationszahl?

Die Koordinationszahl ist die Zahl der Donoratome, die unmittelbar an das Zentralteilchen gebunden sind. Bei einzähnigen Liganden entspricht sie der Zahl der Liganden. Ein mehrzähniger Ligand kann dagegen über mehrere Donoratome gleichzeitig binden.

Koordinationszahlhäufige GeometrieBeispiel
2linear$[Ag(NH_3)_2]^+$
4tetraedrisch oder quadratisch-planar$[NiCl_4]^{2-}$ oder $[Ni(CN)_4]^{2-}$
6oktaedrisch$[Cr(H_2O)_6]^{3+}$
Gut zu wissen

Die Koordinationszahl grenzt mögliche räumliche Formen ein. Bei Koordinationszahl 4 reicht sie allein aber nicht aus, um zwischen tetraedrischer und quadratisch-planarer Geometrie zu entscheiden.

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Frage 1 von 1MittelWelche Koordinationszahl besitzt $[Cr(H_2O)_6]^{3+}$?
Lösung: 6 — Sechs Wassermoleküle sind jeweils über ein Donoratom direkt an Chrom gebunden. Daher beträgt die Koordinationszahl 6.
Wie deutest du einen Farbwechsel?

Komplexbildung und Ligandenaustausch sind Gleichgewichtsreaktionen. Ändert sich die Konzentration eines Liganden, kann sich das Gleichgewicht verschieben und eine andere Komplexart vorherrschen.

Beim Kupfer(II)-System kann vereinfacht folgendes Gleichgewicht betrachtet werden:

$$[Cu(H_2O)_4]^{2+}+4Cl^- \rightleftharpoons [CuCl_4]^{2-}+4H_2O$$

  • Bei niedriger Chloridkonzentration überwiegt der blaue Aquakomplex.
  • Eine hohe Chloridkonzentration begünstigt den grünen Chloridokomplex.

Die Farbe ist eine Beobachtung. Die Deutung lautet: Chloridliganden ersetzen Wassermoleküle am Kupferzentrum. Verlässlich ist diese Zuordnung nur, wenn die Chloridkonzentration gezielt verändert und andere Bedingungen möglichst konstant gehalten werden.

Merke

Eine Farbänderung kann einen Ligandenaustausch anzeigen. Begründe sie mit der veränderten Ligandenart und der Verschiebung des Komplexgleichgewichts.

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Frage 1 von 1SchwerZu einer blauen Kupfer(II)-Lösung wird bei sonst gleichen Bedingungen viel Chlorid gegeben. Die Lösung wird grün. Welche Deutung passt?
Lösung: Chloridliganden verdrängen Wassermoleküle; das Gleichgewicht verschiebt sich zum Chloridokomplex. — Die kontrolliert erhöhte Chloridkonzentration begünstigt $[CuCl_4]^{2-}$. Der Farbwechsel wird deshalb als Ligandenaustausch gedeutet.
Welche Teilchen darfst du nicht verwechseln?
BegriffKennzeichenBeispiel
Komplexiongeladene Koordinationseinheit$[Ag(NH_3)_2]^+$
Molekül / neutrales Komplexteilchenelektrisch ungeladene, abgegrenzte Koordinationseinheit$[PtBr_2(NH_3)_2]$
Ionengitterregelmäßige Anordnung von Kationen und Anionen in einem festen Salz$K_4[Fe(CN)_6]$ im festen Zustand
hydratisiertes IonIon, das in Wasser von Wassermolekülen umgeben istein gelöstes Kupfer(II)-Ion mit Wasserliganden

Ein neutrales Komplexteilchen ist ein Molekül und trägt keine Gesamtladung. Ein Komplexion ist dagegen geladen und kann zusammen mit Gegenionen ein Salz bilden. In $K_4[Fe(CN)_6]$ gleichen vier $K^+$-Ionen die Ladung des Komplexions $[Fe(CN)_6]^{4-}$ aus. Erst das feste Salz bildet ein Ionengitter.

Ein hydratisiertes Metallion ist nicht bloß ein nacktes Ion neben Wasser: Wassermoleküle umgeben das Ion. Sind sie direkt koordiniert, lassen sie sich als Aqua-Liganden eines Komplexes beschreiben.

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Frage 1 von 3LeichtWelches Beispiel ist ein neutrales Komplexteilchen und damit ein Molekül?
Lösung: $[PtBr_2(NH_3)_2]$ — Eine Koordinationseinheit ohne hochgestellte Gesamtladung kann neutral sein. $[PtBr_2(NH_3)_2]$ ist ein neutrales Komplexteilchen und damit ein Molekül.
Frage 2 von 3MittelWelche Aussage beschreibt ein hydratisiertes Kupfer(II)-Ion passend?
Lösung: Wassermoleküle umgeben das Ion; direkt gebundene Wassermoleküle wirken als Aqua-Liganden. — Beim Hydratisieren lagern sich Wassermoleküle an ein gelöstes Ion an. Direkt koordinierte Wassermoleküle gehören zu seiner Komplexumgebung.
Frage 3 von 3MittelWelche Aussage zu $K_4[Fe(CN)_6]$ ist richtig?
Lösung: Das Salz enthält $K^+$-Ionen und das Komplexion $[Fe(CN)_6]^{4-}$. — Nur der Teil in eckigen Klammern ist das Komplexion. Die Kaliumionen gleichen seine negative Ladung im Salz aus.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Komplexchemie
    • Aufbau
      • Zentralteilchen
      • Liganden
    • Bindung
      • Elektronenpaardonator
      • Elektronenpaarakzeptor
    • Beschreibung
      • Gesamtladung
      • Oxidationszahl
      • Koordinationszahl
    • Veränderung
      • Komplexbildung
      • Ligandenaustausch
      • Farbwechsel
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWas ist in $[Cu(NH_3)_4]^{2+}$ der Ligand?
Lösung: $NH_3$ — Die vier Ammoniakmoleküle stellen freie Elektronenpaare bereit und sind deshalb die Liganden.
Frage 2 von 4MittelWelche Gleichung stellt die Bildung des Diamminsilber-Komplexions korrekt dar?
Lösung: $Ag^+ + 2NH_3 \rightleftharpoons [Ag(NH_3)_2]^+$ — Atome und Gesamtladung müssen auf beiden Seiten übereinstimmen: ein Silberteilchen, zwei Ammoniakmoleküle und eine positive Ladung.
Frage 3 von 4SchwerEin Komplexion enthält ein Chromzentrum, zwei $Cl^-$-Liganden und vier neutrale $H_2O$-Liganden. Seine Gesamtladung beträgt $+1$. Welche Oxidationszahl hat Chrom?
Lösung: $+III$ — Die Ladungsbilanz lautet $x+2\cdot(-1)+4\cdot0=+1$. Daher ist $x=+3$.
Frage 4 von 4SchwerEine blaue Kupferlösung wird nach kontrollierter Zugabe von viel Chlorid grün. Welche vollständige Erklärung verbindet Beobachtung und Teilchenebene?
Lösung: Die höhere Chloridkonzentration begünstigt einen grünen Chloridokomplex; Chlorid ersetzt Wasser als Ligand. — Die gezielte Änderung der Ligandenkonzentration verschiebt das Gleichgewicht zwischen Aqua- und Chloridokomplex. So wird der beobachtete Farbwechsel auf Teilchenebene erklärt.

Du beherrschst den Kernweg, wenn du bei einer unbekannten einfachen Komplexformel zuerst Zentralteilchen und Liganden markierst, dann die Ladungsbilanz aufstellst und schließlich Beobachtungen mit einer möglichen Komplexbildung oder einem Ligandenaustausch verbindest.

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