Chemie

Ionenbindung: Entstehung, Eigenschaften, Formeln

Ionenbindung: Entstehung, Eigenschaften, Formeln
Ionenbindung: Entstehung, Eigenschaften, Formeln
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eine Ionenbindung ist die elektrostatische Anziehung zwischen positiv geladenen Kationen und negativ geladenen Anionen. Sie hält viele Ionen in einem räumlichen Ionengitter zusammen. Du lernst, wie Ionen entstehen, wie das Gitter typische Salzeigenschaften erklärt und wie du aus Ionenladungen eine Verhältnisformel ableitest.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie aus Atomen Ionen werden

Warum werden aus neutralen Atomen geladene Teilchen? Im schulischen Grundmodell überträgt ein Metallatom ein oder mehrere Außenelektronen auf ein Nichtmetallatom.

Definition

Ion

Ein Ion ist ein elektrisch geladenes Teilchen. Gibt ein Atom Elektronen ab, besitzt es danach mehr Protonen als Elektronen und wird zum positiven Kation. Nimmt ein Atom Elektronen auf, wird es zum negativen Anion.

Für viele Hauptgruppenelemente hilft die Oktettregel: Eine Außenschale mit acht Elektronen ist häufig besonders stabil. Die Regel ist ein nützliches Grundmodell, aber keine ausnahmslose Vorschrift für alle Elemente und Verbindungen.

Beispiel

Natrium besitzt ein Außenelektron, Chlor sieben. Natrium gibt ein Elektron ab, Chlor nimmt es auf:

$$\mathrm{Na \rightarrow Na^+ + e^-}$$

$$\mathrm{Cl + e^- \rightarrow Cl^-}$$

Die Zahl der Protonen ändert sich dabei nicht. Nur die Elektronenzahl ändert sich: Es entstehen das Kation $\mathrm{Na^+}$ und das Anion $\mathrm{Cl^-}$.

Merke

Elektronenabgabe macht positiv, Elektronenaufnahme macht negativ. Die Ladung zeigt die Differenz zwischen Protonen- und Elektronenzahl.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas geschieht, wenn ein neutrales Natriumatom ein Elektron abgibt?
Lösung: Es wird zum positiv geladenen Natrium-Ion. — Der Kern bleibt zwar unverändert, aber danach gibt es ein Elektron weniger als Protonen. Daher entsteht $\mathrm{Na^+}$.
Frage 2 von 2MittelEin Sauerstoffatom nimmt zwei Elektronen auf. Welche Ladung hat das Ion?
Lösung: $2-$ — Zwei zusätzlich aufgenommene Elektronen ergeben einen Ladungsüberschuss von $2-$, also $\mathrm{O^{2-}}$.
Warum ein Ionengitter entsteht

Ein einzelnes Kation zieht nicht nur ein einziges Anion an. Die elektrostatische Anziehung wirkt in alle Raumrichtungen. Deshalb ordnen sich viele entgegengesetzt geladene Ionen regelmäßig in drei Dimensionen an.

Definition

Ionengitter

Ein Ionengitter ist die regelmäßige räumliche Anordnung von Kationen und Anionen. Die Anziehung entgegengesetzter Ladungen stabilisiert den gesamten Kristall. Stoffe mit einem solchen Aufbau heißen Salze.

Beispiel

In festem Natriumchlorid wechseln sich $\mathrm{Na^+}$- und $\mathrm{Cl^-}$-Ionen im Kristall regelmäßig ab. Die Schreibweise $\mathrm{NaCl}$ gibt ihr kleinstes Zahlenverhältnis $1:1$ an. Sie bezeichnet im Feststoff kein einzelnes NaCl-Molekül.

Bei der Gitterbildung wird Energie frei. Um das Gitter vollständig in getrennte Ionen zu zerlegen, muss wieder Energie aufgewendet werden. Das erklärt, warum der Kristallverband stabil ist.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt festes Natriumchlorid richtig?
Lösung: Viele Natrium- und Chlorid-Ionen bilden ein regelmäßiges räumliches Gitter. — Die ungerichtete Anziehung wirkt in alle Raumrichtungen. Daher gehört jedes Ion zu einem ausgedehnten Ionengitter.
Frage 2 von 2MittelWarum ist das Ionengitter stabil?
Lösung: Entgegengesetzt geladene Ionen ziehen sich elektrostatisch an. — Im Ionengitter sorgt die Anziehung zwischen positiven und negativen Ionen für den Zusammenhalt.
Wie das Gitter Salzeigenschaften erklärt

Die Eigenschaften eines Salzes folgen nicht allein aus den einzelnen Ionen. Entscheidend ist, ob die Ionen im Gitter festgehalten werden oder sich bewegen können.

Hohe Schmelztemperaturen

Salze besitzen typischerweise hohe Schmelztemperaturen. Zum Schmelzen müssen die starken elektrostatischen Anziehungen im gesamten Gitter weit genug überwunden werden. Natriumchlorid schmilzt beispielsweise bei $801\,\mathrm{^\circ C}$.

Elektrische Leitfähigkeit

Im festen Kristall sind die Ionen an ihre Gitterplätze gebunden. Sie können keine Ladung durch den Stoff transportieren. In einer Salzschmelze sind die Ionen beweglich; deshalb leitet sie elektrischen Strom. Auch eine Salzlösung leitet, wenn das Salz gelöst vorliegt und bewegliche Ionen vorhanden sind.

Härte und Sprödigkeit

Ionenkristalle sind hart, aber spröde. Werden Gitterebenen gegeneinander verschoben, können gleich geladene Ionen nebeneinander geraten. Sie stoßen sich ab, und der Kristall bricht, statt sich dauerhaft zu verformen.

Merke

Frage bei der Leitfähigkeit immer: Sind geladene Teilchen vorhanden und können sie sich bewegen? Im festen Ionengitter lautet die zweite Antwort nein, in Schmelze oder Lösung ja.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWarum leitet festes Natriumchlorid keinen elektrischen Strom?
Lösung: Seine Ionen sind an feste Gitterplätze gebunden. — Für Stromtransport müssen Ladungsträger beweglich sein. Im festen Salz sind die Ionen ortsgebunden.
Frage 2 von 3MittelWarum zerbricht ein Ionenkristall bei einer starken Verschiebung von Gitterebenen?
Lösung: Gleich geladene Ionen geraten nebeneinander und stoßen sich ab. — Die Verschiebung bringt gleichnamige Ladungen in Nachbarschaft. Ihre Abstoßung spaltet den Kristall.
Frage 3 von 3SchwerEine Probe leitet als Feststoff nicht, als Schmelze aber gut. Welche Erklärung passt zum Ionenmodell?
Lösung: Erst in der Schmelze können sich die Ionen als Ladungsträger bewegen. — Der Aggregatzustand verändert die Beweglichkeit der bereits vorhandenen Ionen, nicht ihre Protonenzahl.
Wie du Verhältnisformeln aufstellst

Ein Salz ist insgesamt elektrisch neutral. Deshalb müssen sich positive und negative Ladungen ausgleichen. Die Verhältnisformel nennt das kleinste ganzzahlige Verhältnis der Ionen.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Notiere beide Ionen mit ihren Ladungen.
  2. Suche die kleinste Anzahl, bei der die positive und negative Gesamtladung gleich groß sind.
  3. Schreibe diese Anzahlen als tiefgestellte Indizes. Eine $1$ wird nicht geschrieben.
  4. Prüfe, ob die Summe aller Ladungen null ist und das Verhältnis vollständig gekürzt ist.
Beispiel

Für Magnesiumchlorid sind $\mathrm{Mg^{2+}}$ und $\mathrm{Cl^-}$ gegeben. Ein Magnesium-Ion liefert $+2$. Zwei Chlorid-Ionen liefern zusammen $2\cdot(-1)=-2$.

$$1\cdot(+2)+2\cdot(-1)=0$$

Das kleinste neutrale Verhältnis ist daher $1:2$. Die Verhältnisformel lautet $\mathrm{MgCl_2}$.

Beispiel

Für Kaliumphosphat sind $\mathrm{K^+}$ und $\mathrm{PO_4^{3-}}$ gegeben. Drei Kalium-Ionen gleichen ein Phosphat-Ion aus:

$$3\cdot(+1)+1\cdot(-3)=0$$

Die Verhältnisformel lautet $\mathrm{K_3PO_4}$.

Gut zu wissen

Die Ladungszahlen werden nicht einfach als Indizes kopiert. Entscheidend ist immer die kleinste neutrale Kombination. Aus $\mathrm{Ca^{2+}}$ und $\mathrm{O^{2-}}$ folgt deshalb $\mathrm{CaO}$, nicht $\mathrm{Ca_2O_2}$.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein Salz ist insgesamt . Ein $\mathrm{Ca^{2+}}$-Ion braucht zum Ladungsausgleich $\mathrm{F^-}$-Ionen. Die kleinste Verhältnisformel lautet deshalb .

Lösungen: Lücke 1: elektrisch neutral; Lücke 2: zwei; Lücke 3: CaF₂. Prüfe die Ladungssumme: $1\cdot(+2)+2\cdot(-1)=0$. Daher stehen Calcium- und Fluorid-Ionen im Verhältnis $1:2$.
Woran du die Ionenbindung erkennst und abgrenzt

Ein großer Unterschied der Elektronegativität begünstigt eine Elektronenübertragung. Elektronegativität beschreibt, wie stark ein Atom Bindungselektronen anzieht.

Für Natrium und Chlor kann man mit den Werten $0{,}9$ und $3{,}0$ rechnen:

$$\Delta EN=3{,}0-0{,}9=2{,}1$$

Werte um $1{,}7$ bis $1{,}9$ werden im Unterricht häufig als Richtbereich für überwiegend ionischen Charakter verwendet. Das ist keine scharfe Naturgrenze: Der Übergang zwischen polarer Elektronenpaarbindung und Ionenbindung ist fließend. Nutze daher zusätzlich die beteiligten Elemente und den Stoffaufbau.

ModellTypischer AufbauRolle der Elektronen
IonenbindungKationen und Anionen im IonengitterElektronen wurden im Grundmodell übertragen
Elektronenpaarbindungmeist Nichtmetallatome in Molekülen oder NetzwerkenAtome teilen Bindungselektronen
Metallbindungpositive Metall-Atomrümpfe und bewegliche ElektronenValenzelektronen sind im Metallgitter delokalisiert
Merke

Behaupte nicht pauschal, die Ionenbindung sei immer die stärkste Bindungsart. Bindungsstärke hängt vom konkreten Stoff und vom betrachteten Vorgang ab.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas zeigt eine große Elektronegativitätsdifferenz am zuverlässigsten?
Lösung: Sie ist ein Hinweis auf stark ionischen Bindungscharakter. — Eine große Differenz unterstützt das Ionenmodell, ersetzt aber nicht die Betrachtung von Teilchen und Stoffstruktur.
Frage 2 von 2MittelWelche Beschreibung gehört zur Metallbindung?
Lösung: Positive Metall-Atomrümpfe werden von delokalisierten, beweglichen Elektronen zusammengehalten. — Das Metallmodell erklärt bewegliche Valenzelektronen; das Ionengitter besteht dagegen aus Kationen und Anionen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Ionenbindung
    • Entstehung
      • Elektronenabgabe erzeugt Kationen
      • Elektronenaufnahme erzeugt Anionen
    • Ionengitter
      • elektrostatische Anziehung stabilisiert den Kristall
      • Verhältnisformel beschreibt das Zahlenverhältnis
    • Eigenschaften
      • starke Gitterkräfte führen zu hohen Schmelztemperaturen
      • bewegliche Ionen ermöglichen Stromleitung
      • verschobene Gitterebenen erklären Sprödigkeit
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Teilchen ziehen sich bei einer Ionenbindung an?
Lösung: Positiv geladene Kationen und negativ geladene Anionen. — Die Ionenbindung ist die elektrostatische Anziehung zwischen Kationen und Anionen im Ionengitter.
Frage 2 von 3MittelWelche Verhältnisformel entsteht aus $\mathrm{Al^{3+}}$ und $\mathrm{O^{2-}}$?
Lösung: $\mathrm{Al_2O_3}$ — Das kleinste gemeinsame Ladungsvielfache ist $6$. Zwei Aluminium-Ionen liefern $+6$, drei Oxid-Ionen $-6$.
Frage 3 von 3SchwerEin unbekannter Stoff ist spröde, leitet fest nicht und in der Schmelze gut. Welches Modell erklärt alle drei Beobachtungen am besten?
Lösung: Ein Ionengitter mit ortsfesten Ionen im Feststoff und beweglichen Ionen in der Schmelze. — Das Ionengitter verbindet die Befunde: ortsfeste Ionen verhindern feste Leitfähigkeit, bewegliche Ionen ermöglichen Schmelzleitung, und Ladungsabstoßung erklärt den spröden Bruch.

Passend dazu