Chemie

Neutralisation: Säuren und Basen verstehen

Neutralisation: Säuren und Basen verstehen
Neutralisation: Säuren und Basen verstehen
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Bei einer Neutralisation reagieren saure und basische Teilchen miteinander. In Wasser bilden Oxoniumionen und Hydroxidionen dabei Wasser. Sind passende Stoffmengen umgesetzt, liegt keine der beiden Teilchenarten im Überschuss vor. Der pH-Wert beträgt danach jedoch nicht automatisch 7.

Auf dieser Seite lernst du, Neutralisationen auf Stoff- und Teilchenebene darzustellen, beteiligte Ionen zu unterscheiden und den möglichen End-pH zu beurteilen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was wird bei einer Neutralisation aufgehoben?

Eine saure Lösung enthält einen Überschuss an Oxoniumionen $H_3O^+$. Eine basische Lösung, also eine Lauge, enthält einen Überschuss an Hydroxidionen $OH^-$. Treffen beide Teilchenarten im passenden Verhältnis aufeinander, reagieren sie zu Wasser:

$$H_3O^+ + OH^- \rightarrow 2H_2O$$

Dabei wird Wärme frei. Die Neutralisation ist deshalb eine exotherme Reaktion. Für starke Säuren und starke Basen beträgt die molare Neutralisationsenthalpie unter üblichen Bedingungen ungefähr $-57{,}3\,kJ/mol$. Dieser Wert lässt sich nicht ohne Einschränkung auf jede Säure-Base-Kombination übertragen.

Definition

Äquivalenzpunkt

Am Äquivalenzpunkt sind Säure und Base in dem Verhältnis umgesetzt, das ihre Reaktionsgleichung verlangt. Entscheidend ist die passende Anzahl übertragener Protonen beziehungsweise umgesetzter Oxonium- und Hydroxidionen.

Merke

Neutralisation bedeutet: Saure und basische Teilchen werden im passenden Mengenverhältnis umgesetzt. Sie bedeutet nicht automatisch: Die fertige Lösung hat pH 7.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Teilchen bilden bei der Neutralisation unmittelbar Wasser?
Lösung: Oxoniumionen und Hydroxidionen — Ein Oxoniumion reagiert mit einem Hydroxidion zu zwei Wassermolekülen.
Frage 2 von 2MittelEine saure Lösung enthält noch Oxoniumionen im Überschuss. Was bewirkt die vorsichtige Zugabe einer Lauge?
Lösung: Hydroxidionen reagieren mit Oxoniumionen; der pH-Wert steigt. — Werden Oxoniumionen verbraucht, nimmt die saure Wirkung ab und der pH-Wert steigt.
Wie sehen Stoff- und Teilchenebene aus?

Als Standardbeispiel dient die Reaktion von Salzsäure mit Natronlauge. Auf der Stoffebene lautet die Gleichung:

$$HCl + NaOH \rightarrow NaCl + H_2O$$

Sie zeigt die eingesetzten Stoffe und die Produkte: Aus Salzsäure und Natriumhydroxid entstehen Natriumchlorid und Wasser.

In wässriger Lösung liegen die Stoffe als Ionen vor. Die vollständige Ionengleichung macht das sichtbar:

$$H_3O^+ + Cl^- + Na^+ + OH^- \rightarrow Na^+ + Cl^- + 2H_2O$$

$Na^+$ und $Cl^-$ stehen auf beiden Seiten unverändert. Sie nehmen an der eigentlichen Neutralisationsreaktion nicht teil und werden deshalb Zuschauerionen genannt. Streicht man sie auf beiden Seiten, bleibt die Nettogleichung:

$$H_3O^+ + OH^- \rightarrow 2H_2O$$

Beispiel

Von der vollständigen Ionengleichung zur Nettogleichung

  1. Schreibe alle gelösten Ionen auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung auf.
  2. Suche Ionen, die auf beiden Seiten unverändert vorkommen.
  3. Streiche diese Zuschauerionen auf beiden Seiten.
  4. Prüfe, ob Atomsorten und elektrische Gesamtladung ausgeglichen sind.

Beim Beispiel sind links und rechts die Gesamtladungen ausgeglichen. Außerdem stehen auf beiden Seiten insgesamt vier Wasserstoffatome und zwei Sauerstoffatome. Die Nettogleichung ist damit ausgeglichen.

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Frage 1 von 2MittelWarum dürfen $Na^+$ und $Cl^-$ aus der vollständigen Ionengleichung gekürzt werden?
Lösung: Sie stehen unverändert auf beiden Seiten der Gleichung. — Zuschauerionen werden nicht umgesetzt. Die Nettogleichung enthält nur die tatsächlich reagierenden Teilchen.
Frage 2 von 2SchwerIn einer vollständigen Ionengleichung steht ein Ion nur auf der linken Seite. Darf es als Zuschauerion gestrichen werden?
Lösung: Nein, denn es kommt nicht unverändert auf beiden Seiten vor. — Kürzen darfst du nur Teilchen, die links und rechts in gleicher Form und Anzahl stehen.
Warum liegt der End-pH nicht immer bei 7?

Bei einer starken Säure und einer starken Base liegt der Äquivalenzpunkt unter üblichen schulischen Bedingungen ungefähr bei pH 7. Das Standardbeispiel Salzsäure und Natronlauge gehört zu diesem Fall.

Bei einer schwachen Säure und einer starken Base kann die Lösung am Äquivalenzpunkt dagegen basisch sein. Nach der Neutralisation von Essigsäure liegt Acetat vor. Acetationen reagieren teilweise mit Wasser:

$$CH_3COO^- + H_2O \rightleftharpoons CH_3COOH + OH^-$$

Die entstehenden Hydroxidionen führen zu einem pH-Wert über 7. Entsprechend kann eine starke Säure mit einer schwachen Base am Äquivalenzpunkt einen pH-Wert unter 7 ergeben.

Reaktionspartnermöglicher pH-Wert am Äquivalenzpunkt
starke Säure und starke Baseungefähr 7
schwache Säure und starke Baseüber 7
starke Säure und schwache Baseunter 7
Definition

Neutralpunkt

Am Neutralpunkt ist eine wässrige Lösung neutral. Der Äquivalenzpunkt bezeichnet dagegen das passende Stoffmengenverhältnis der Reaktionspartner. Beide Punkte fallen nicht bei jeder Säure-Base-Kombination zusammen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage ist fachlich richtig?
Lösung: Der Äquivalenzpunkt kann bei einem pH-Wert über, unter oder ungefähr bei 7 liegen. — Der End-pH hängt nicht nur von den eingesetzten Mengen, sondern auch von der Stärke der Säure und der Base sowie den Eigenschaften des entstehenden Salzes ab.
Frage 2 von 2SchwerEssigsäure wird mit einer starken Base bis zum Äquivalenzpunkt umgesetzt. Warum kann die Lösung basisch reagieren?
Lösung: Das entstandene Acetat bildet mit Wasser teilweise Hydroxidionen. — Acetat ist die konjugierte Base der schwachen Essigsäure. Seine Reaktion mit Wasser erzeugt einen kleinen, aber wirksamen Anteil an Hydroxidionen.
Wie wird eine Neutralisation kontrolliert und genutzt?

Im Unterricht kann ein Universalindikator zeigen, wie sich der pH-Bereich während einer Neutralisation verändert. Zu einer sauren Lösung wird eine verdünnte Lauge langsam und tropfenweise gegeben; zu einer basischen Lösung entsprechend eine verdünnte Säure. In der Nähe des gewünschten Bereichs muss besonders vorsichtig dosiert werden, damit kein Überschuss entsteht.

Eine genauere Methode ist die Säure-Base-Titration. Dabei wird eine Maßlösung bekannter Konzentration zu einer Analysenlösung unbekannter Konzentration gegeben. Aus der bis zum Äquivalenzpunkt verbrauchten Menge lässt sich die unbekannte Konzentration berechnen.

Neutralisationen werden unter anderem bei der Einstellung des pH-Werts von Abwasser eingesetzt. Auch Antazida vermindern die saure Wirkung von Magensäure durch basisch reagierende Inhaltsstoffe. Natriumhydrogencarbonat bildet dabei zusätzlich Kohlenstoffdioxid, das ein Völlegefühl verursachen kann.

Merke

Ein passender pH-Wert beweist nicht, dass eine Lösung gefahrlos ist. Andere gelöste Stoffe können weiterhin gefährlich sein. Chemikalien dürfen deshalb nur nach Laboranweisung geprüft und entsorgt werden.

Bei Versuchen mit Säuren und Laugen arbeitest du nur unter fachkundiger Aufsicht, trägst die vorgeschriebene Schutzausrüstung und gibst Reagenzien langsam hinzu. Eine Neutralisation kann die Lösung erwärmen.

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Frage 1 von 2MittelWarum wird das Gegenreagenz gegen Ende einer Neutralisation besonders langsam zugegeben?
Lösung: Ein kleiner Überschuss kann den pH-Wert bereits über den gewünschten Bereich hinaus verschieben. — In der Nähe des Zielbereichs können schon wenige weitere Tropfen einen Überschuss an sauren oder basischen Teilchen erzeugen.
Frage 2 von 2SchwerEine neutralisierte Laborlösung zeigt ungefähr pH 7. Darf sie deshalb in den Ausguss gegeben werden?
Lösung: Nur wenn die Laboranweisung dies nach Prüfung aller enthaltenen Stoffe erlaubt. — Der pH-Wert beschreibt nur die saure oder basische Wirkung. Für die Entsorgung müssen auch alle anderen Inhaltsstoffe berücksichtigt werden.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Neutralisation
    • Teilchenebene: Oxoniumionen und Hydroxidionen bilden Wasser
    • Stoffebene: Säure und Base ergeben beim Standardbeispiel Salz und Wasser
    • Gleichungen: Zuschauerionen entfallen in der Nettogleichung
    • Energie: Reaktion setzt Wärme frei
    • pH-Wert: am Äquivalenzpunkt nicht immer 7
    • Kontrolle: Indikator oder Titration
    • Anwendungen: pH-Einstellung, Abwasserbehandlung und Antazida
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Gleichung beschreibt den chemischen Kern einer Neutralisation in Wasser?
Lösung: $H_3O^+ + OH^- \rightarrow 2H_2O$ — Die Nettogleichung enthält nur die tatsächlich umgesetzten Oxonium- und Hydroxidionen.
Frage 2 von 3MittelWelche Teilchen werden aus der vollständigen Ionengleichung von Salzsäure und Natronlauge gestrichen, um die Nettogleichung zu erhalten?
Lösung: Natriumionen und Chloridionen — $Na^+$ und $Cl^-$ stehen unverändert auf beiden Seiten. Sie sind die Zuschauerionen.
Frage 3 von 3SchwerEine Lösung befindet sich am Äquivalenzpunkt, hat aber pH 9. Welche Erklärung passt?
Lösung: Eine schwache Säure wurde mit einer starken Base umgesetzt; das entstandene Anion reagiert basisch mit Wasser. — Äquivalenz beschreibt das Mengenverhältnis. Der pH-Wert wird zusätzlich durch die Stärke der Reaktionspartner und das Verhalten der Salzionen bestimmt.

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