Chemie

Säure-Base-Titration: Ablauf und Berechnung

Säure-Base-Titration: Ablauf und Berechnung
Säure-Base-Titration: Ablauf und Berechnung
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Mit einer Säure-Base-Titration bestimmst du die unbekannte Konzentration einer Säure oder Base. Dazu gibst du eine Maßlösung bekannter Konzentration zur Probe, ermittelst den Äquivalenzpunkt und wertest das verbrauchte Volumen stöchiometrisch aus.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Das Prinzip verstehen

Stell dir vor, du kennst das Volumen einer Salzsäureprobe, aber nicht ihre Konzentration. Du lässt Natronlauge bekannter Konzentration zufließen. Aus der Menge, die bis zur vollständigen Umsetzung benötigt wird, berechnest du die Konzentration der Salzsäure.

Definition

Probelösung und Maßlösung

Die Probelösung enthält die Säure oder Base mit unbekannter Konzentration. Die Maßlösung besitzt eine genau bekannte Konzentration und wird aus der Bürette zugegeben.

Bei einer sauren Probe verwendest du eine basische Maßlösung. Bei einer basischen Probe verwendest du eine saure Maßlösung. Die entscheidende Neutralisationsreaktion lautet:

$$H_3O^+ + OH^- \rightarrow 2\,H_2O$$

Starke Säuren und starke Basen werden in diesem Zusammenhang als vollständig dissoziiert behandelt. Ihre Oxonium- beziehungsweise Hydroxid-Ionen reagieren schnell und vollständig miteinander.

Definition

Äquivalenzpunkt

Am Äquivalenzpunkt liegen Probe und Maßlösung genau in dem Stoffmengenverhältnis vor, das die ausgeglichene Reaktionsgleichung verlangt. Keiner der Reaktionspartner bleibt entsprechend dieser Stöchiometrie im Überschuss.

Merke

Äquivalente Mengen sind nicht immer gleiche Stoffmengen. Entscheidend sind die Koeffizienten der Reaktionsgleichung.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt den Äquivalenzpunkt richtig?
Lösung: Probe und Maßlösung liegen im stöchiometrisch passenden Stoffmengenverhältnis vor. — Den Äquivalenzpunkt bestimmt das Reaktionsverhältnis. Sein pH-Wert hängt davon ab, welche Säure und Base miteinander reagieren.
Den Versuch aufbauen und durchführen

Die Probelösung befindet sich meist in einem Erlenmeyerkolben oder Becherglas. Eine Bürette enthält die Maßlösung und zeigt an, welches Volumen abgegeben wurde. Ein Indikator oder ein pH-Messgerät macht den Verlauf beobachtbar.

Ein sinnvoller Ablauf ist:

  1. Miss ein genau bekanntes Volumen der Probelösung mit einer Pipette ab.
  2. Gib die Probe in einen Erlenmeyerkolben.
  3. Fülle die Bürette mit der Maßlösung und notiere den Anfangsstand.
  4. Gib einen passenden Indikator hinzu oder setze eine pH-Elektrode ein.
  5. Lasse die Maßlösung unter ständigem Mischen zufließen.
  6. Dosiere in der Nähe des erwarteten Endpunkts nur noch tropfenweise.
  7. Beende die Zugabe am erkennbaren Endpunkt und lies den Bürettenstand ab.
  8. Berechne das verbrauchte Volumen aus Endstand minus Anfangsstand.

Wird die abgemessene Probe vor der Titration mit Wasser verdünnt, bleibt die Stoffmenge des gelösten Probenstoffes gleich. Für die spätere Konzentrationsberechnung verwendest du deshalb das ursprünglich abgemessene Probenvolumen.

Gut zu wissen

Die konkrete Gefährdungsbeurteilung hängt von den verwendeten Stoffen und ihren Konzentrationen ab. Führe den praktischen Versuch nur nach der geltenden Laboranweisung durch.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die unbekannte Konzentration gehört zur . Die Lösung bekannter Konzentration befindet sich in der . Kurz vor dem Endpunkt wird die Maßlösung zugegeben. Das verbrauchte Volumen ergibt sich aus .

Lösungen: Lücke 1: Probelösung; Lücke 2: Bürette; Lücke 3: tropfenweise; Lücke 4: Endstand minus Anfangsstand. Trenne die Rollen klar: Die Bürette dosiert die bekannte Maßlösung; das abgelesene Verbrauchsvolumen dient anschließend der Berechnung.
Die Konzentration berechnen

Beginne jede Auswertung mit der ausgeglichenen Reaktionsgleichung. Erst daraus erkennst du, wie die Stoffmengen zusammenhängen.

Für die Maßlösung gilt:

$$n_\mathrm{M}=c_\mathrm{M}\cdot V_\mathrm{M}$$

Dabei ist $n$ die Stoffmenge in Mol, $c$ die Stoffmengenkonzentration in Mol pro Liter und $V$ das Volumen in Litern.

Besitzen Probe und Maßlösung in der Reaktionsgleichung die Koeffizienten $\nu_\mathrm{P}$ und $\nu_\mathrm{M}$, gilt am Äquivalenzpunkt:

$$\frac{n_\mathrm{P}}{\nu_\mathrm{P}}=\frac{n_\mathrm{M}}{\nu_\mathrm{M}}$$

Daraus folgt:

$$c_\mathrm{P}=\frac{\nu_\mathrm{P}}{\nu_\mathrm{M}}\cdot\frac{c_\mathrm{M}V_\mathrm{M}}{V_\mathrm{P}}$$

Vollständiges Beispiel: Schwefelsäure im Abwasser

Gegeben sind $20\,\mathrm{mL}=0{,}020\,\mathrm{L}$ Probe. Bis zum Äquivalenzpunkt werden $5\,\mathrm{mL}=0{,}005\,\mathrm{L}$ Natronlauge mit $c=0{,}1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$ verbraucht.

Die Reaktionsgleichung lautet:

$$H_2SO_4 + 2\,NaOH \rightarrow Na_2SO_4 + 2\,H_2O$$

1. Stoffmenge der Natronlauge berechnen:

$$n(NaOH)=0{,}1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\cdot0{,}005\,\mathrm{L}=0{,}0005\,mathrm{mol}$$

2. Stoffmengenverhältnis anwenden:

Ein Mol Schwefelsäure reagiert mit zwei Mol Natriumhydroxid. Deshalb gilt:

$$n(H_2SO_4)=\frac{0{,}0005\,\mathrm{mol}}{2}=0{,}00025\,\mathrm{mol}$$

3. Probenkonzentration berechnen:

$$c(H_2SO_4)=\frac{0{,}00025\,\mathrm{mol}}{0{,}020\,\mathrm{L}}=0{,}0125\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$$

Die Schwefelsäurekonzentration der Probe beträgt also $0{,}0125\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$. Das Ergebnis ist plausibel: Wegen des Verhältnisses $1:2$ ist die Schwefelsäurestoffmenge halb so groß wie die verbrauchte Natriumhydroxidstoffmenge.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelIm Beispiel werden $0{,}0005\,\mathrm{mol}$ Natriumhydroxid verbraucht. Welche Stoffmenge Schwefelsäure war enthalten?
Lösung: $0{,}00025\,\mathrm{mol}$ — Teile die Natriumhydroxidstoffmenge durch 2, weil $n(H_2SO_4):n(NaOH)=1:2$ gilt.
Frage 2 von 2SchwerEine Person setzt bei jeder Säure-Base-Titration $n(\mathrm{Säure})=n(\mathrm{Base})$. Wann ist dieses Vorgehen richtig?
Lösung: Wenn die ausgeglichene Reaktionsgleichung ein Stoffmengenverhältnis von 1:1 zeigt. — Ob die Stoffmengen gleich sind, erkennst du ausschließlich an den Koeffizienten der Reaktionsgleichung.
Drei wichtige Punkte unterscheiden

Äquivalenzpunkt, Neutralpunkt und Umschlagspunkt beantworten verschiedene Fragen.

PunktBedeutungWoran bestimmst du ihn?
ÄquivalenzpunktDie Stoffmengen passen genau zur Reaktionsgleichung.Aus Reaktionsverhältnis und Messkurve
NeutralpunktDie Lösung hat $pH=7$.Durch pH-Messung
UmschlagspunktDer Indikator zeigt seinen beobachtbaren Farbumschlag.Durch die Farbänderung

Bei einer starken Säure und einer starken Base liegt der Äquivalenzpunkt ungefähr bei $pH=7$. Dann fallen Äquivalenz- und Neutralpunkt zusammen. Bei einer schwachen Säure und einer starken Base liegt der Äquivalenzpunkt dagegen im basischen Bereich.

Der beobachtete Umschlagspunkt ist ein experimenteller Endpunkt. Er stimmt nur dann hinreichend mit dem Äquivalenzpunkt überein, wenn der Umschlagsbereich des Indikators im steilen Bereich der Titrationskurve liegt.

Merke

Wähle den Indikator nach dem erwarteten pH-Sprung, nicht nach der einfachen Regel „neutral bedeutet pH 7“.

Für Salzsäure und Natronlauge eignet sich beispielsweise Bromthymolblau. Sein Umschlagsbereich von ungefähr $pH=6{,}0$ bis $7{,}6$ liegt im pH-Sprung dieser Titration.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelcher Indikator ist für eine Titration grundsätzlich geeignet?
Lösung: Ein Indikator, dessen Umschlagsbereich im steilen pH-Sprung um den Äquivalenzpunkt liegt. — Ein geeigneter Indikator wechselt seine Farbe dort, wo schon ein kleiner Volumenzusatz eine große pH-Änderung bewirkt.
Titrationskurven und Messverfahren deuten

Eine Titrationskurve trägt den pH-Wert der Probe gegen das zugegebene Volumen der Maßlösung auf. Bei einer sauren Vorlage und basischen Maßlösung steigt der pH-Wert. Bei einer basischen Vorlage und sauren Maßlösung sinkt er.

Starke Säure und starke Base

Die Kurve beginnt bei niedrigem pH-Wert. Vor dem Äquivalenzpunkt sind Oxonium-Ionen im Überschuss. In seiner Nähe entsteht ein steiler pH-Sprung. Danach bestimmen überschüssige Hydroxid-Ionen den pH-Wert. Der Äquivalenzpunkt liegt ungefähr bei $pH=7$.

Vertiefung: Schwache Säure und starke Base

Eine schwache Säure ist nur teilweise dissoziiert. Ihre Kurve beginnt bei gleicher Konzentration mit einem höheren pH-Wert als die einer starken Säure. Während der Zugabe entsteht ein Pufferbereich, in dem sich der pH-Wert vergleichsweise wenig ändert.

Am Halbäquivalenzpunkt ist genau die Hälfte der Säure neutralisiert. Säure und zugehörige Base liegen dann in gleicher Konzentration vor, sodass gilt:

$$pH=pK_\mathrm{S}$$

Am Äquivalenzpunkt liegt die zugehörige Base der schwachen Säure vor. Daher befindet sich dieser Punkt im basischen Bereich und nicht bei $pH=7$.

Vertiefung: Mehrprotonige Säuren

Mehrprotonige Säuren geben Protonen stufenweise ab und können deshalb mehrere Äquivalenzpunkte besitzen. Nicht jeder zugehörige pH-Sprung ist experimentell deutlich erkennbar.

pH-Wert oder Leitfähigkeit messen

Eine pH-Elektrode zeichnet die Titrationskurve unabhängig von einer Farbwahrnehmung auf. Bei der Leitfähigkeitstitration wird stattdessen die elektrische Leitfähigkeit gegen das Maßlösungsvolumen aufgetragen.

Für die Titration von Salzsäure mit Natronlauge sinkt die Leitfähigkeit zunächst: Sehr bewegliche Oxonium-Ionen werden umgesetzt und im Ionenbestand durch weniger bewegliche Natrium-Ionen ersetzt. Am Äquivalenzpunkt erreicht die Leitfähigkeit ein Minimum. Danach erhöhen überschüssige Hydroxid-Ionen die Leitfähigkeit wieder. Diese genaue Kurvenform darf nicht ungeprüft auf jede andere Titration übertragen werden.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWas zeigt der flache Bereich bei der Titration einer schwachen Säure mit einer starken Base?
Lösung: Dort wirkt ein Gemisch aus schwacher Säure und zugehöriger Base als Puffer. — Im Pufferbereich verändert sich das Verhältnis von schwacher Säure und zugehöriger Base, während der pH-Wert vergleichsweise langsam steigt.
Frage 2 von 2SchwerEine Titrationskurve besitzt einen Äquivalenzpunkt deutlich oberhalb von $pH=7$. Welche Deutung passt?
Lösung: Eine schwache Säure kann mit einer starken Base titriert worden sein. — Äquivalenz und Neutralität sind verschiedene Eigenschaften. Die am Äquivalenzpunkt vorhandenen Teilchen können den pH-Wert beeinflussen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Säure-Base-Titration
    • Aufbau: Probelösung, Maßlösung, Bürette
    • Reaktion: Oxonium-Ionen und Hydroxid-Ionen bilden Wasser
    • Messung: Indikator, pH-Elektrode oder Leitfähigkeit
    • Äquivalenzpunkt: stöchiometrisch passende Stoffmengen
    • Berechnung: Reaktionsgleichung, n gleich c mal V, Probenkonzentration
    • Auswertung: Neutralpunkt und Umschlagspunkt getrennt prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe liest du bei der Titration an der Bürette ab?
Lösung: Das abgegebene Volumen der Maßlösung — Die Bürette liefert das verbrauchte Maßlösungsvolumen. Zusammen mit der bekannten Konzentration ergibt es die Stoffmenge der Maßlösung.
Frage 2 von 3MittelWelche Reihenfolge führt zuverlässig zur unbekannten Konzentration?
Lösung: Reaktionsgleichung ausgleichen, Maßlösungsstoffmenge berechnen, Stoffmengenverhältnis anwenden, durch Probenvolumen teilen — Die Reaktionsgleichung steht am Anfang, weil sie das Verhältnis zwischen Proben- und Maßlösungsstoffmenge festlegt.
Frage 3 von 3SchwerBei einer Titration liegt der Indikatorumschlag außerhalb des steilen Bereichs der pH-Kurve. Welche Folge ist zu erwarten?
Lösung: Der beobachtete Endpunkt kann merklich vom Äquivalenzpunkt abweichen. — Ein Indikator dient nur zum Erkennen des Endpunkts. Sein Umschlagsbereich muss zum pH-Sprung passen, damit der Ablesefehler klein bleibt.

Wenn du Reaktionsgleichung, Volumina und Einheiten sauber ordnest, wird die Titrationsrechnung zu einer festen Kette: messen, Stoffmenge berechnen, stöchiometrisch umrechnen und durch das Probenvolumen teilen.

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