Chemie

Titrationskurve auswerten und berechnen

Titrationskurve auswerten und berechnen
Titrationskurve auswerten und berechnen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eine Titrationskurve zeigt, wie sich der pH-Wert einer Probelösung verändert, während du eine Maßlösung zugibst. An ihrem Verlauf erkennst du unter anderem den Pufferbereich, den Halbäquivalenzpunkt und den Äquivalenzpunkt. Das zugehörige Maßlösungsvolumen ermöglicht dir, eine unbekannte Konzentration zu berechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

So liest du eine Titrationskurve

Stell dir vor, du gibst Natronlauge aus einer Bürette zu einer sauren Probelösung. Nach jeder Zugabe misst du den pH-Wert. Die Messpunkte ergeben die Titrationskurve.

  • Die x-Achse zeigt das zugegebene Volumen der Maßlösung, meist in Millilitern.
  • Die y-Achse zeigt den pH-Wert der Lösung.
  • Der Startpunkt beschreibt die Probe vor der ersten Zugabe.
  • Vor dem Äquivalenzpunkt bestimmt der Überschuss der Probe den pH-Wert.
  • Im pH-Sprung führt eine kleine weitere Zugabe zu einer großen pH-Änderung.
  • Nach dem Äquivalenzpunkt bestimmt der Überschuss der Maßlösung den weiteren Verlauf.
Definition

Äquivalenzpunkt

Am Äquivalenzpunkt wurden Säure und Base genau im Verhältnis der Reaktionsgleichung umgesetzt. Bei einer einprotonigen Säure und einer einwertigen Base im Verhältnis 1 : 1 sind ihre umgesetzten Stoffmengen gleich.

Der Äquivalenzpunkt ist eine stöchiometrische Aussage. Er bedeutet nicht automatisch, dass der pH-Wert 7 beträgt.

Merke

Lies einen Kurvenpunkt immer mit beiden Koordinaten: pH-Wert auf der y-Achse und zugegebenes Maßlösungsvolumen auf der x-Achse.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Größe steht bei einer üblichen Titrationskurve auf der x-Achse?
Lösung: Das zugegebene Volumen der Maßlösung — Die Kurve ordnet jedem zugegebenen Maßlösungsvolumen einen gemessenen pH-Wert zu.
Frage 2 von 2MittelEine Kurve steigt innerhalb eines kleinen Volumenbereichs sehr steil an. Was zeigt dieser Abschnitt?
Lösung: Den pH-Sprung in der Nähe des Äquivalenzpunkts — Nahe dem Äquivalenzpunkt kann schon eine geringe weitere Zugabe den pH-Wert stark verändern.
Starke Säure und starke Base

Bei der Titration von Salzsäure mit Natronlauge reagieren Oxonium- und Hydroxidionen zu Wasser:

$H₃O⁺ + OH⁻ → 2 H₂O$

Die Salzsäure startet mit einem niedrigen pH-Wert. Durch die Zugabe der Natronlauge steigt der pH-Wert zunächst vergleichsweise langsam. In der Nähe des Äquivalenzpunkts folgt ein steiler pH-Sprung. Danach bestimmen überschüssige Hydroxidionen den pH-Wert.

Bei einer starken Säure und einer starken Base liegt der Äquivalenzpunkt in wässriger Lösung ungefähr bei pH 7. Hier fallen Äquivalenzpunkt und Neutralpunkt zusammen.

Wird umgekehrt eine starke Base mit einer starken Säure titriert, verläuft die Kurve spiegelbildlich: Sie beginnt bei hohem pH-Wert und fällt im Bereich des Äquivalenzpunkts steil ab.

Beispiel

Eine Kurve beginnt stark sauer, besitzt keinen ausgeprägten Pufferbereich und zeigt einen steilen Anstieg um pH 7. Das passt zur Titration einer starken Säure mit einer starken Base.

Der entscheidende Hinweis ist nicht allein der Start-pH. Erst die Verbindung aus fehlendem Pufferbereich und Äquivalenzpunkt bei ungefähr pH 7 macht die Zuordnung überzeugend.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelZwei Kurven gehören zu gleich konzentrierten Säuren, die mit derselben starken Base titriert werden. Welche Beobachtung spricht für die starke Säure?
Lösung: Sie beginnt bei einem niedrigeren pH-Wert und besitzt keinen ausgeprägten Pufferbereich. — Eine starke Säure bildet bei gleicher Konzentration mehr Oxoniumionen als eine schwache Säure. Deshalb startet sie saurer.
Schwache Säure, Puffer und Halbäquivalenzpunkt

Eine schwache Säure gibt in Wasser nur einen Teil ihrer Protonen ab. Deshalb beginnt ihre Titrationskurve bei gleicher Anfangskonzentration mit einem höheren pH-Wert als die Kurve einer starken Säure.

Gibst du eine starke Base hinzu, wird ein Teil der schwachen Säure in ihre korrespondierende Base umgewandelt. Bei Essigsäure entsteht beispielsweise Acetat:

$CH₃COOH + OH⁻ → CH₃COO⁻ + H₂O$

Ein Gemisch aus der schwachen Säure und ihrer korrespondierenden Base wirkt als Puffer. Es fängt kleine Säure- oder Basezugaben teilweise ab:

  • Zugegebene Hydroxidionen reagieren überwiegend mit der schwachen Säure.
  • Zugegebene Oxoniumionen reagieren überwiegend mit der korrespondierenden Base.

Darum ändert sich der pH-Wert im Pufferbereich vergleichsweise wenig.

Definition

Halbäquivalenzpunkt

Am Halbäquivalenzpunkt ist genau die Hälfte der ursprünglich vorhandenen schwachen Säure neutralisiert. Säure und korrespondierende Base liegen dann in gleicher Stoffmenge vor.

Für den Pufferbereich gilt unter den Voraussetzungen der Henderson-Hasselbalch-Näherung:

$pH = pKₛ + log(c(\text{Base})/c(\text{Säure}))$

Am Halbäquivalenzpunkt ist das Konzentrationsverhältnis 1. Weil $log(1)=0$ ist, folgt:

$pH = pKₛ$

Bei einer Titration im Verhältnis 1 : 1 liegt der Halbäquivalenzpunkt außerdem beim halben Äquivalenzvolumen. Werden am Äquivalenzpunkt beispielsweise 20 mL Maßlösung benötigt, liegt er bei 10 mL.

Am Äquivalenzpunkt ist die schwache Säure vollständig umgesetzt. Ihre korrespondierende Base reagiert mit Wasser basisch. Deshalb liegt der Äquivalenzpunkt bei der Titration einer schwachen Säure mit einer starken Base oberhalb von pH 7. Der genaue pH-Wert ist kein allgemeiner Festwert.

Merke

Halbäquivalenzpunkt: halbe Neutralisation und $pH=pKₛ$. Äquivalenzpunkt: vollständige stöchiometrische Umsetzung.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Beziehung gilt am Halbäquivalenzpunkt einer schwachen Säure?
Lösung: $pH=pKₛ$ — Am Halbäquivalenzpunkt liegen schwache Säure und korrespondierende Base in gleicher Menge vor. Daher wird der Logarithmusterm null.
Frage 2 von 3MittelWarum verläuft die Kurve im Pufferbereich vergleichsweise flach?
Lösung: Schwache Säure und korrespondierende Base fangen kleine Base- beziehungsweise Säurezugaben ab. — Die beiden Pufferbestandteile reagieren mit zugesetzten Hydroxid- oder Oxoniumionen. Dadurch ändert sich deren freie Konzentration weniger stark.
Frage 3 von 3SchwerEine aufsteigende Kurve besitzt einen Pufferbereich und einen Äquivalenzpunkt oberhalb von pH 7. Welche Kombination passt?
Lösung: Schwache Säure als Probe und starke Base als Maßlösung — Der Pufferbereich weist auf eine schwache Säure mit ihrer korrespondierenden Base hin. Die korrespondierende Base verursacht am Äquivalenzpunkt den basischen pH-Wert.
Charakteristische Punkte sicher unterscheiden

Vier Begriffe werden leicht verwechselt:

  • Pufferbereich: flacher Kurvenabschnitt mit schwacher Säure und korrespondierender Base beziehungsweise schwacher Base und korrespondierender Säure.
  • Halbäquivalenzpunkt: Die Hälfte der Ausgangsmenge ist umgesetzt. Bei einer schwachen Säure gilt $pH=pKₛ$.
  • Äquivalenzpunkt: Säure und Base sind im Verhältnis der Reaktionsgleichung vollständig umgesetzt.
  • Neutralpunkt: Der pH-Wert beträgt 7.

Nur bei der Kombination starke Säure plus starke Base fallen Äquivalenzpunkt und Neutralpunkt ungefähr zusammen. Bei einer schwachen Säure und einer starken Base liegt der Äquivalenzpunkt im basischen Bereich. Bei einer schwachen Base und einer starken Säure liegt er im sauren Bereich.

Den Indikator auswählen

Ein Indikator zeigt durch seinen Farbumschlag einen experimentellen Endpunkt an. Sein Umschlagsbereich muss innerhalb des steilen pH-Sprungs und möglichst nahe am erwarteten Äquivalenzpunkt liegen.

Für eine starke Säure und eine starke Base ist zum Beispiel Bromthymolblau mit einem Umschlagsbereich von ungefähr pH 6,0 bis 7,6 geeignet. Bei einer schwachen Säure und einer starken Base brauchst du einen Indikator, dessen Umschlag im basischen Teil des pH-Sprungs liegt.

Nahe dem pH-Sprung musst du die Maßlösung langsam zugeben und gut mischen. Sonst überschreitest du den Endpunkt und liest ein zu großes Volumen ab. Auch vom Indikator werden nur wenige Tropfen verwendet, weil er selbst als schwache Säure oder Base reagieren kann.

Vertiefung: Mehrprotonige Säuren

Mehrprotonige Säuren geben Protonen stufenweise ab. Deshalb können ihre Kurven mehrere Äquivalenzpunkte besitzen. Nicht jeder Punkt ist experimentell deutlich sichtbar: Liegen die Reaktionsstufen ungünstig oder werden die pH-Sprünge zu klein, können sie ineinander übergehen oder schwer bestimmbar sein.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der ist ein vergleichsweise flacher Kurvenabschnitt. Am gilt bei einer schwachen Säure $pH=pKₛ$. Der wird durch das Stoffmengenverhältnis der Reaktion bestimmt. Nur der ist durch pH 7 definiert.

Lösungen: Lücke 1: Pufferbereich; Lücke 2: Halbäquivalenzpunkt; Lücke 3: Äquivalenzpunkt; Lücke 4: Neutralpunkt. Entscheide nach dem kennzeichnenden Merkmal: flacher Verlauf, halbe Neutralisation, stöchiometrische Umsetzung oder pH 7.
Aus dem Äquivalenzvolumen die Konzentration berechnen

Für eine Reaktion im Stoffmengenverhältnis 1 : 1 gilt am Äquivalenzpunkt:

$n(\text{Probe})=n(\text{Maßlösung})$

Mit $n=c·V$ folgt:

$c(\text{Probe})·V(\text{Probe})=c(\text{Maßlösung})·V(\text{Maßlösung, ÄP})$

Nach der gesuchten Konzentration umgestellt:

$c(\text{Probe})=c(\text{Maßlösung})·V(\text{Maßlösung, ÄP})/V(\text{Probe})$

Diese einfache Gleichung darfst du nur verwenden, wenn die Reaktionsgleichung tatsächlich das Verhältnis 1 : 1 vorgibt. Bei einem anderen Verhältnis musst du die stöchiometrischen Koeffizienten berücksichtigen.

Beispiel

10 mL Salzsäure werden mit Natronlauge der Konzentration 0,1 mol/L titriert. Die Kurve zeigt den Äquivalenzpunkt bei 40 mL zugegebener Natronlauge.

  1. Wandle die Volumina für $n=c·V$ in Liter um: 40 mL = 0,040 L und 10 mL = 0,010 L.
  2. Berechne die Stoffmenge der Maßlösung: $n=0{,}1\,mol/L·0{,}040\,L=0{,}004\,mol$.
  3. Salzsäure und Natronlauge reagieren im Verhältnis 1 : 1. Daher enthielt die Probe ebenfalls 0,004 mol Salzsäure.
  4. Berechne die Probenkonzentration: $c=0{,}004\,mol/0{,}010\,L=0{,}4\,mol/L$.

Die Salzsäure besitzt eine Konzentration von 0,4 mol/L. Das Ergebnis ist plausibel: Für nur 10 mL Probe wurden 40 mL der 0,1-molaren Maßlösung benötigt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine 10-mL-Probe wird im Verhältnis 1 : 1 mit einer Maßlösung der Konzentration 0,1 mol/L titriert. Der Äquivalenzpunkt liegt bei 25 mL. Welche Probenkonzentration ergibt sich?
Lösung: 0,25 mol/L — Mit gleichen Volumeneinheiten gilt $c(\text{Probe})=0{,}1·25/10=0{,}25\,mol/L$.
Frage 2 von 2SchwerWarum reicht das Äquivalenzvolumen allein bei einer unbekannten Reaktion nicht für die Berechnung?
Lösung: Zusätzlich werden Maßlösungskonzentration, Probenvolumen und Stoffmengenverhältnis benötigt. — Die Rechnung verbindet Stoffmengen über $n=c·V$ und über das Verhältnis der ausgeglichenen Reaktionsgleichung.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Titrationskurve
    • Achsen: Maßlösungsvolumen und pH-Wert
    • Kurvenverlauf: Start, Pufferbereich, pH-Sprung und Überschuss
    • Halbäquivalenzpunkt: halbe Neutralisation und pH = pKₛ
    • Äquivalenzpunkt: stöchiometrisch vollständige Umsetzung
    • Neutralpunkt: pH 7
    • Auswertung: Stoffmengenverhältnis, Äquivalenzvolumen und Konzentration
    • Versuch: geeigneter Indikator, langsame Zugabe und gute Durchmischung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet Äquivalenzpunkt und Neutralpunkt korrekt?
Lösung: Der Äquivalenzpunkt ist stöchiometrisch definiert, der Neutralpunkt durch pH 7. — Frage zuerst: Geht es um umgesetzte Stoffmengen oder um einen bestimmten pH-Wert?
Frage 2 von 3MittelDer Äquivalenzpunkt einer Titration liegt bei 30 mL. Wo erwartest du bei einer einprotonigen schwachen Säure den Halbäquivalenzpunkt?
Lösung: Bei 15 mL — Bei einer 1 : 1-Titration ist am halben Äquivalenzvolumen die Hälfte der Säure umgesetzt.
Frage 3 von 3SchwerEine aufsteigende Kurve beginnt mäßig sauer, besitzt einen flachen Bereich und hat ihren Äquivalenzpunkt oberhalb von pH 7. Wie wertest du sie aus?
Lösung: Sie passt zu einer schwachen Säure mit starker Base; im flachen Bereich liegt der Halbäquivalenzpunkt mit pH = pKₛ. — Verbinde drei Merkmale: steigender Verlauf, Pufferbereich und basischer Äquivalenzpunkt.

Du kannst eine Titrationskurve nun systematisch auswerten: Achsen lesen, Kurventyp erkennen, charakteristische Punkte unterscheiden, einen Indikator passend zum pH-Sprung wählen und das Äquivalenzvolumen für die Konzentrationsberechnung nutzen.

Passend dazu