Chemie

Pufferlösung: Wirkung und pH-Wert berechnen

Pufferlösung: Wirkung und pH-Wert berechnen
Pufferlösung: Wirkung und pH-Wert berechnen
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Eine Pufferlösung enthält ein korrespondierendes Säure-Base-Paar in merklichen Mengen. Sie fängt kleine Zugaben starker Säure oder Base chemisch ab, sodass sich der pH-Wert viel weniger ändert als in Wasser. Ihre Wirkung ist jedoch begrenzt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du eine Pufferlösung?

Stell dir zwei Bechergläser mit gleichem pH-Wert vor. In eines kommt Wasser, in das andere ein Acetatpuffer. Nach wenigen Tropfen Salzsäure ändert sich der pH-Wert des Wassers stark, der des Puffers dagegen nur wenig. Warum?

Definition

Pufferlösung

Eine Pufferlösung ist eine wässrige Lösung mit merklichen Mengen einer schwachen Säure und ihrer korrespondierenden Base. Die beiden Teilchen unterscheiden sich um ein Proton. Kleine Mengen zugeführter starker Säure oder Base werden umgesetzt, bevor sie den pH-Wert stark verändern können.

Beim Acetatpuffer bilden Essigsäure und Acetat das Paar:

$$\mathrm{CH_3COOH + H_2O \rightleftharpoons CH_3COO^- + H_3O^+}$$

Essigsäure ist die schwache Säure: Sie kann ein Proton abgeben. Acetat ist ihre korrespondierende Base: Es kann ein Proton aufnehmen. Natriumacetat ist eine mögliche Quelle für Acetat-Ionen; das Natrium-Ion gehört nicht zum wirksamen Säure-Base-Paar.

Merke

Ein Puffer hält den pH-Wert nicht exakt konstant. Er schwächt eine Änderung ab, solange beide Partner noch in ausreichender Menge vorhanden sind.

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Frage 1 von 1LeichtWelches Gemisch bildet einen Säure-Base-Puffer?
Lösung: Essigsäure und Acetat in merklichen Mengen — Ein Puffer braucht ein korrespondierendes Paar aus schwacher Säure und zugehöriger Base.
Wie fängt der Puffer Säure und Base ab?

Die beiden Pufferpartner teilen sich die Arbeit. Acetat fängt zugeführte Säure ab, Essigsäure zugeführte Base.

Bei Säurezugabe

Eine starke Säure erhöht die Menge an Oxonium-Ionen. Acetat nimmt ein Proton auf:

$$\mathrm{CH_3COO^- + H_3O^+ \rightarrow CH_3COOH + H_2O}$$

Dabei wird Pufferbase verbraucht und Puffersäure gebildet. Der pH-Wert sinkt, aber nur wenig, solange genügend Acetat vorhanden ist.

Bei Basezugabe

Eine starke Base liefert Hydroxid-Ionen. Essigsäure gibt ein Proton ab:

$$\mathrm{CH_3COOH + OH^- \rightarrow CH_3COO^- + H_2O}$$

Dabei wird Puffersäure verbraucht und Pufferbase gebildet. Der pH-Wert steigt nur wenig, solange genügend Essigsäure vorhanden ist.

Beispiel

Ein Acetatpuffer enthält anfangs $0{,}100\,\mathrm{mol}$ Essigsäure und $0{,}100\,\mathrm{mol}$ Acetat. Werden $0{,}010\,\mathrm{mol}$ starke Säure zugegeben, reagieren sie zuerst mit Acetat. Danach liegen näherungsweise $0{,}110\,\mathrm{mol}$ Essigsäure und $0{,}090\,\mathrm{mol}$ Acetat vor. Erst mit diesen Stoffmengen wird der neue Puffer-pH berechnet.

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Frage 1 von 2MittelWas geschieht bei Zugabe einer kleinen Menge Natronlauge zu einem Acetatpuffer?
Lösung: Essigsäure wird verbraucht und Acetat entsteht. — Hydroxid-Ionen reagieren mit der Puffersäure zu Wasser; dabei entsteht die korrespondierende Base.
Frage 2 von 2SchwerEin Puffer enthält fast kein Acetat mehr. Welche Zugabe kann er besonders schlecht abfangen?
Lösung: Weitere starke Säure — Starke Säure wird von der Pufferbase gebunden. Ist fast kein Acetat mehr vorhanden, ist diese Richtung nahezu erschöpft.
Wie berechnest du den pH-Wert?

Für eine schwache Säure $\mathrm{HA}$ und ihre korrespondierende Base $\mathrm{A^-}$ gilt näherungsweise die Henderson-Hasselbalch-Gleichung:

$$\mathrm{pH}=pK_\mathrm{S}+\lg\left(\frac{c(\mathrm{A^-})}{c(\mathrm{HA})}\right)$$

Im Zähler steht die Pufferbase, im Nenner die Puffersäure. Ein größerer Base/Säure-Quotient erhöht den pH-Wert; ein kleinerer senkt ihn.

Sind beide Konzentrationen gleich, ist der Quotient $1$. Weil $\lg(1)=0$ gilt dann:

$$\mathrm{pH}=pK_\mathrm{S}$$

Merke

Base durch Säure: $\frac{c(\mathrm{A^-})}{c(\mathrm{HA})}$. Mehr Base bedeutet einen höheren pH-Wert.

Beispiel

Für Essigsäure sei $pK_\mathrm{S}=4{,}75$. Ein Puffer enthält $c(\mathrm{CH_3COO^-})=0{,}30\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$ und $c(\mathrm{CH_3COOH})=0{,}10\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$.

  1. Verhältnis bilden: $\frac{0{,}30}{0{,}10}=3$.
  2. Einsetzen: $\mathrm{pH}=4{,}75+\lg(3)$.
  3. Berechnen: $\lg(3)\approx0{,}477$.
  4. Ergebnis: $\mathrm{pH}\approx5{,}23$.

Das Ergebnis passt: Es ist mehr Base als Säure vorhanden, daher liegt der pH-Wert über dem $pK_\mathrm{S}$-Wert.

Erst reagieren lassen, dann rechnen

Für das Beispiel aus dem vorigen Kapitel gilt nach der Säurezugabe:

$$\mathrm{pH}=4{,}75+\lg\left(\frac{0{,}090}{0{,}110}\right)\approx4{,}66$$

Der pH-Wert sinkt von $4{,}75$ nur um etwa $0{,}09$. Konzentrationen und Stoffmengen liefern hier denselben Quotienten, weil beide Komponenten dasselbe Lösungsvolumen haben.

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Frage 1 von 2MittelEin Puffer hat $pK_\mathrm{S}=6{,}20$ und gleich große Konzentrationen von Säure und Base. Welchen pH-Wert erwartest du näherungsweise?
Lösung: $6{,}20$ — Bei gleichen Konzentrationen ist der Quotient $1$ und der Logarithmus gleich $0$.
Frage 2 von 2SchwerDie Pufferbase ist zehnmal so konzentriert wie die Puffersäure. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Der pH-Wert liegt ungefähr eine Einheit über dem $pK_\mathrm{S}$-Wert. — Aus $\mathrm{pH}=pK_\mathrm{S}+\lg(10)$ folgt $\mathrm{pH}=pK_\mathrm{S}+1$.
Wann funktioniert ein Puffer gut – und wann nicht?

Ein Puffer arbeitet meist besonders ausgewogen, wenn Säure und Base ungefähr gleich konzentriert sind. Dann kann er Zugaben in beide Richtungen gut abfangen.

Als Faustregel gilt der Bereich

$$pK_\mathrm{S}-1\ \text{bis}\ pK_\mathrm{S}+1$$

In diesem Bereich liegt das Base/Säure-Verhältnis ungefähr zwischen $1:10$ und $10:1$. Das sind keine scharfen Grenzen: Welche pH-Änderung noch akzeptabel ist, hängt von der Anwendung und von den Stoffmengen ab.

Definition

Pufferkapazität

Die Pufferkapazität beschreibt, wie viel starke Säure oder Base ein bestimmtes Puffervolumen aufnehmen kann, bevor sich sein pH-Wert deutlich ändert. Sie ist endlich und steigt mit den vorhandenen Mengen der Pufferpartner.

Zwei Puffer können denselben pH-Wert, aber unterschiedliche Kapazitäten besitzen. Je $1\,\mathrm{L}$ eines Puffers mit $1{,}0\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$ Säure und Base kann mehr Zugabe abfangen als je $1\,\mathrm{L}$ mit $0{,}10\,\mathrm{mol\,L^{-1}}$ Säure und Base.

Verdünnung ist nicht dasselbe wie Kapazität

Beim Verdünnen mit Wasser sinken beide Konzentrationen im gleichen Verhältnis. Der Quotient in der Henderson-Hasselbalch-Gleichung bleibt deshalb gleich; der berechnete pH-Wert bleibt näherungsweise gleich.

Die Pufferkapazität pro Liter sinkt aber, denn ein Liter der verdünnten Lösung enthält weniger Säure- und Baseteilchen. Betrachtest du dagegen die gesamte verdünnte Lösung, bleiben die ursprünglichen Stoffmengen erhalten. Entscheidend ist also, ob du die Kapazität pro Volumen oder die gesamte Stoffmenge meinst.

Grenzen des Modells

Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung ist eine Näherung. Beachte:

  • Beide Pufferpartner müssen noch in merklicher Menge vorhanden sein.
  • Zugefügte starke Säure oder Base wird zuerst stöchiometrisch mit dem passenden Pufferpartner umgesetzt.
  • Die Rechnung mit Konzentrationen setzt voraus, dass diese die wirksamen Aktivitäten ausreichend gut annähern.
  • Bei sehr verdünnten Lösungen oder extremen Konzentrationsverhältnissen werden Wasser, Nebenreaktionen und Aktivitätseinflüsse wichtiger.
  • Ist ein Pufferpartner fast aufgebraucht, versagt die einfache Pufferrechnung und der pH-Wert kann stark springen.
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Frage 1 von 2MittelEin Puffer wird mit Wasser auf das doppelte Volumen verdünnt. Beide Pufferpartner werden gleich stark verdünnt. Was folgt im idealisierten Modell?
Lösung: Der pH-Wert bleibt näherungsweise gleich, die Pufferkapazität pro Liter sinkt. — Gleiche Verdünnung lässt das Verhältnis unverändert, halbiert aber in diesem Fall die Konzentrationen beider Partner.
Frage 2 von 2SchwerWarum ist $pK_\mathrm{S}\pm1$ keine harte Naturgrenze?
Lösung: Die akzeptable pH-Änderung und die vorhandenen Stoffmengen hängen von der Anwendung ab. — Der Bereich folgt aus der praktischen Verhältnis-Faustregel von ungefähr $1:10$ bis $10:1$, nicht aus einem plötzlichen Umschalten.
Kannst du eine Zugabe vollständig auswerten?

Ein Acetatpuffer enthält $0{,}200\,\mathrm{mol}$ Essigsäure und $0{,}100\,\mathrm{mol}$ Acetat. Es gilt $pK_\mathrm{S}=4{,}75$. Nun werden $0{,}020\,\mathrm{mol}$ Natriumhydroxid zugegeben. Nimm an, dass die Henderson-Hasselbalch-Näherung anwendbar ist.

Überlege in dieser Reihenfolge:

  1. Welcher Pufferpartner reagiert mit $\mathrm{OH^-}$?
  2. Welche Stoffmengen liegen nach der Reaktion vor?
  3. Wie lautet der neue Base/Säure-Quotient?
  4. Ist das Ergebnis größer oder kleiner als $pK_\mathrm{S}$?
Beispiel

Lösung: Hydroxid-Ionen reagieren mit Essigsäure. Daher sinkt deren Stoffmenge auf $0{,}180\,\mathrm{mol}$; Acetat steigt auf $0{,}120\,\mathrm{mol}$.

$$\mathrm{pH}=4{,}75+\lg\left(\frac{0{,}120}{0{,}180}\right)$$

$$\mathrm{pH}=4{,}75+\lg(0{,}667)\approx4{,}57$$

Das Ergebnis liegt unter $pK_\mathrm{S}$, weil trotz Basezugabe noch mehr Puffersäure als Pufferbase vorhanden ist. Gegenüber dem Anfangswert $4{,}75+\lg(0{,}5)\approx4{,}45$ ist der pH-Wert aber erwartungsgemäß gestiegen.

Gut zu wissen

Ein Pufferabschnitt kann Teil einer Titrationskurve sein. Der Halbäquivalenzpunkt einer einprotonigen schwachen Säure ist der besondere Punkt, an dem Säure und korrespondierende Base in gleichen Stoffmengen vorliegen und näherungsweise $\mathrm{pH}=pK_\mathrm{S}$ gilt. Äquivalenzpunkt und Neutralpunkt sind andere Begriffe und nicht automatisch identisch mit diesem Punkt.

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Frage 1 von 1SchwerBei einer Rechnung bleiben nach der Zugabe $0{,}005\,\mathrm{mol}$ Pufferbase, aber es wurden insgesamt $0{,}008\,\mathrm{mol}$ starke Säure zugegeben. Was ist der entscheidende Befund?
Lösung: Die Pufferbase reicht nicht aus; nach ihrem Verbrauch bleibt starke Säure übrig. — Die starke Säure verbraucht zunächst die gesamte Pufferbase. Für den Überschuss braucht man anschließend ein anderes Rechenmodell.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Pufferlösung
    • Aufbau: schwache Säure und korrespondierende Base
    • Säurezugabe: Base fängt Oxonium-Ionen ab
    • Basezugabe: Säure setzt Hydroxid-Ionen um
    • Berechnung: pH = pKs + lg(Base/Säure)
    • Optimum: gleiche Mengen ergeben pH = pKs
    • Arbeitsbereich: ungefähr pKs plus oder minus 1
    • Kapazität: endlich und von Stoffmengen abhängig
    • Modellgrenze: erst reagieren lassen, dann Näherung prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt einen Puffer korrekt?
Lösung: Er vermindert pH-Änderungen bei kleinen Säure- oder Basezugaben. — Die Wirkung ist relativ und begrenzt: Der pH-Wert ändert sich weniger stark als ohne Puffer.
Frage 2 von 3MittelFür einen Puffer gilt $pK_\mathrm{S}=7{,}20$ und $c(\mathrm{A^-})/c(\mathrm{HA})=0{,}10$. Welcher pH-Wert folgt näherungsweise?
Lösung: $6{,}20$ — Weil $\lg(0{,}10)=-1$ gilt, folgt $\mathrm{pH}=7{,}20-1=6{,}20$.
Frage 3 von 3SchwerZwei Puffer haben dasselbe Base/Säure-Verhältnis. Puffer X enthält von beiden Partnern zehnmal so viel pro Liter wie Puffer Y. Was ist richtig?
Lösung: Beide haben näherungsweise denselben pH-Wert, aber X hat die größere Pufferkapazität pro Liter. — Das Verhältnis bestimmt im Modell den pH-Wert. Die absoluten Mengen bestimmen, wie viel Zugabe abgefangen werden kann.

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