Chemie

Proteine: Aufbau, Struktur und Nachweise

Proteine: Aufbau, Struktur und Nachweise
Proteine: Aufbau, Struktur und Nachweise
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Proteine, auch Eiweiße genannt, sind biologische Makromoleküle aus miteinander verbundenen Aminosäuren. Ihre Aminosäurefolge und räumliche Faltung bestimmen wesentlich ihre Eigenschaften und Funktionen. Du lernst hier, wie Peptidbindungen entstehen, wie die vier Strukturebenen zusammenhängen und was Proteinreaktionen tatsächlich nachweisen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Aus welchen Bausteinen bestehen Proteine?

Proteine sind lange Ketten aus Aminosäuren. Die in Proteinen häufig behandelten Aminosäuren besitzen dasselbe Grundgerüst:

  • eine Aminogruppe,
  • eine Carboxylgruppe,
  • ein Wasserstoffatom,
  • einen variablen Rest R

am zentralen Kohlenstoffatom.

Definition

Aminosäure

Eine Aminosäure ist ein Molekül mit Amino- und Carboxylgruppe. Der variable Rest R unterscheidet die Aminosäuren voneinander und beeinflusst ihre chemischen Eigenschaften.

Die Reste können beispielsweise unpolar, polar, sauer, basisch, schwefelhaltig oder aromatisch sein. Dadurch können verschiedene Seitenketten später unterschiedliche Wechselwirkungen eingehen.

Merke

Das gemeinsame Grundgerüst ermöglicht die Verknüpfung der Aminosäuren. Die unterschiedlichen Reste prägen die Faltung und Oberfläche eines Proteins.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Bestandteil unterscheidet die verschiedenen Aminosäuren hauptsächlich voneinander?
Lösung: Der variable Rest R — Amino- und Carboxylgruppe kommen im gemeinsamen Grundgerüst vor. Die chemische Vielfalt entsteht vor allem durch den variablen Rest R.
Frage 2 von 2MittelEine Seitenkette enthält einen aromatischen Ring. Welche Aussage passt?
Lösung: Sie kann bei der Xanthoproteinreaktion zum Nachweissignal beitragen. — Die Xanthoproteinreaktion reagiert auf aromatische Aminosäurereste. Peptidbindungen entstehen dagegen zwischen Amino- und Carboxylgruppen.
Wie entsteht aus Aminosäuren eine Kette?

Die Carboxylgruppe einer Aminosäure kann mit der Aminogruppe einer zweiten Aminosäure reagieren. Dabei wird Wasser abgespalten und eine Peptidbindung gebildet. Diese Reaktionsart heißt Kondensation.

Definition

Peptidbindung

Die Peptidbindung ist die kovalente Verbindung zwischen dem Carboxylgruppen-Anteil einer Aminosäure und dem Aminogruppen-Anteil einer anderen Aminosäure.

Beispiel

Zwei Aminosäuren reagieren miteinander:

  1. Die Carboxylgruppe der ersten und die Aminogruppe der zweiten Aminosäure treten miteinander in Reaktion.
  2. Bestandteile beider Gruppen werden als Wasser abgespalten.
  3. Zwischen den Aminosäuren entsteht eine Peptidbindung.
  4. Das Produkt aus zwei verbundenen Aminosäuren heißt Dipeptid.

Werden auf diese Weise viele Aminosäuren verknüpft, entsteht eine Polypeptidkette. Die Grenze zwischen Peptid und Protein ist eine Konvention; häufig bezeichnet man Ketten mit mehr als ungefähr 100 Aminosäuren als Proteine.

Die Gegenreaktion ist die Hydrolyse. Dabei wird unter Aufnahme von Wasser eine Peptidbindung gespalten. So können aus Proteinen kleinere Peptide und schließlich Aminosäuren entstehen.

Merke

Kondensation baut Peptidbindungen unter Wasserabgabe auf. Hydrolyse spaltet sie unter Wasseraufnahme.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der werden Aminosäuren unter Wasserabgabe verbunden. Die entstandene kovalente Verbindung heißt . Bei der wird diese Bindung unter Wasseraufnahme gespalten. Zwei verbundene Aminosäuren bilden ein .

Lösungen: Lücke 1: Kondensation; Lücke 2: Peptidbindung; Lücke 3: Hydrolyse; Lücke 4: Dipeptid. Achte auf die Richtung: Kondensation verknüpft Bausteine, Hydrolyse trennt sie. Eine Peptidbindung verbindet dabei zwei Aminosäurereste kovalent.
Wie wird aus einer Kette ein funktionsfähiges Protein?

Eine bloße Aminosäurekette erklärt noch nicht die vollständige Gestalt eines Proteins. Man unterscheidet vier Strukturebenen:

  1. Primärstruktur: die genaue Reihenfolge der Aminosäuren in einer Polypeptidkette.
  2. Sekundärstruktur: lokale Faltungen wie α-Helix und β-Faltblatt. Sie werden vor allem durch Wasserstoffbrücken zwischen Gruppen des Peptidrückgrats stabilisiert.
  3. Tertiärstruktur: die gesamte dreidimensionale Gestalt einer einzelnen Polypeptidkette. Dazu tragen Wechselwirkungen der Seitenketten bei, etwa Wasserstoffbrücken, Ionenbindungen, Van-der-Waals-Kräfte und Disulfidbrücken.
  4. Quartärstruktur: die Anordnung mehrerer bereits gefalteter Polypeptidketten zu einem Proteinkomplex.
Beispiel

Hämoglobin besitzt eine Quartärstruktur: Vier Untereinheiten bilden gemeinsam den funktionellen Proteinkomplex. Jede Untereinheit besitzt zuvor ihre eigene Tertiärstruktur.

Nicht jedes Protein hat eine Quartärstruktur. Sie liegt nur vor, wenn mehrere Polypeptidketten zusammenarbeiten.

Merke

Sequenz → lokale Faltung → Gesamtform einer Kette → Komplex aus mehreren Ketten.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Strukturebene beschreibt ausschließlich die Aminosäuresequenz?
Lösung: Primärstruktur — Die Primärstruktur gibt an, welche Aminosäuren in welcher Reihenfolge durch Peptidbindungen verbunden sind.
Frage 2 von 3MittelEin Protein besteht aus einer einzigen gefalteten Polypeptidkette. Welche höchste der vier Ebenen muss es besitzen?
Lösung: Eine Tertiärstruktur — Eine einzelne Kette kann Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur besitzen. Die Quartärstruktur setzt mehrere Untereinheiten voraus.
Frage 3 von 3SchwerEine Veränderung ersetzt eine Aminosäure durch eine andere. Warum kann das die Proteinfunktion beeinflussen?
Lösung: Der neue Rest kann andere Wechselwirkungen eingehen und dadurch Faltung oder Oberfläche verändern. — Eine veränderte Primärstruktur kann andere Seitenkettenwechselwirkungen hervorrufen. Dadurch können sich räumliche Gestalt, Oberfläche und Funktion ändern.
Warum kann ein Protein seine Funktion verlieren?

Die Funktion vieler Proteine hängt von ihrer räumlichen Gestalt ab. Hitze, Strahlung, Säuren, organische Lösungsmittel oder Schwermetallionen können strukturstabilisierende Wechselwirkungen stören.

Definition

Denaturierung

Denaturierung ist die Veränderung höherer Proteinstrukturen. Sekundär-, Tertiär- oder Quartärstruktur können verloren gehen, während die Aminosäuresequenz und damit die Primärstruktur gewöhnlich erhalten bleiben.

Beispiel

Beim Erhitzen von Eiklar verändern sich die räumlichen Strukturen seiner Proteine. Die Moleküle ordnen sich neu an und das zuvor flüssige Eiklar wird fest. Diese Veränderung lässt sich beim gekochten Ei nicht rückgängig machen.

Denaturierung ist nicht grundsätzlich dasselbe wie Hydrolyse: Bei der Denaturierung verändert sich vor allem die Faltung. Bei der Hydrolyse werden Peptidbindungen der Kette gespalten. Je nach Protein, Ausmaß der Veränderung und Umgebungsbedingungen kann Denaturierung irreversibel oder in manchen Fällen reversibel sein.

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Frage 1 von 2MittelEine erhitzte Proteinprobe verliert ihre Funktion, ihre Peptidbindungen bleiben aber erhalten. Welcher Vorgang passt am besten?
Lösung: Denaturierung — Der Funktionsverlust entsteht hier durch eine veränderte räumliche Struktur. Die Primärstruktur bleibt erhalten.
Frage 2 von 2SchwerZwei Proben werden untersucht. In Probe A ist nur die Faltung verändert, in Probe B sind Peptidbindungen gespalten. Wie ordnest du sie zu?
Lösung: A: Denaturierung; B: Hydrolyse — Entscheidend ist die betroffene Strukturebene: Denaturierung verändert höhere Strukturen, Hydrolyse zerlegt die Kette chemisch.
Wie weist du Proteine chemisch nach?

Ein Nachweis zeigt immer ein bestimmtes chemisches Merkmal. Er beweist nicht automatisch, dass die untersuchte Probe aus einem einzigen reinen Stoff besteht.

Biuretreaktion: Peptidbindungen erkennen

Bei der Biuretreaktion werden Natronlauge und wenig Kupfersulfatlösung zur Probe gegeben. Eine violette Färbung zeigt Peptidbindungen an.

Xanthoproteinreaktion: aromatische Reste erkennen

Bei der Xanthoproteinreaktion führt konzentrierte Salpetersäure bei aromatischen Aminosäureresten, beispielsweise von Tyrosin, zu einer Gelbfärbung. Sie prüft somit ein anderes Merkmal als die Biuretreaktion.

Gut zu wissen

Natronlauge und konzentrierte Salpetersäure sind stark ätzend. Kupfersulfatlösung darf nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Führe diese Versuche nur nach Anweisung und unter fachkundiger Aufsicht mit Schutzbrille und geeigneter Schutzkleidung durch.

Für eine aussagekräftige Untersuchung vergleichst du die Probe mit Kontrollen:

  • Eine Positivkontrolle enthält einen Stoff, bei dem die erwartete Reaktion sicher auftreten soll. Sie zeigt, ob Reagenzien und Durchführung funktionieren.
  • Eine Negativkontrolle enthält das gesuchte Merkmal nicht. Sie zeigt, wie die Mischung ohne positiven Befund aussieht.
  • Alle Ansätze werden bis auf die untersuchte Probe gleich behandelt.
Beispiel

Du untersuchst eine unbekannte Lebensmittelprobe mit der Biuretreaktion. Die Probe und die Positivkontrolle werden violett, die Negativkontrolle nicht.

Auswertung: Die Reaktion hat funktioniert und die unbekannte Probe enthält Verbindungen mit Peptidbindungen. Du darfst daraus nicht schließen, dass die Probe ausschließlich aus Protein besteht oder welches bestimmte Protein enthalten ist. Ein Lebensmittel kann ein Gemisch vieler Stoffe sein.

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Frage 1 von 3LeichtWelches Merkmal zeigt die Biuretreaktion an?
Lösung: Peptidbindungen — Die violette Biuretreaktion weist Peptidbindungen nach.
Frage 2 von 3MittelEine Probe wird bei der Xanthoproteinreaktion gelb. Welche Schlussfolgerung ist fachlich passend?
Lösung: Die Probe enthält aromatische Aminosäurereste, die unter den Versuchsbedingungen reagiert haben. — Die Xanthoproteinreaktion zeigt ein bestimmtes Strukturmerkmal. Sie bestimmt weder die Reinheit noch die genaue Zusammensetzung der Probe.
Frage 3 von 3SchwerDie Positivkontrolle bleibt bei einer Biuretuntersuchung ohne erwartete Violettfärbung. Wie wertest du die unbekannte Probe aus?
Lösung: Noch nicht zuverlässig, weil Reagenzien oder Durchführung fehlerhaft sein könnten. — Erst eine erfolgreiche Positivkontrolle zeigt, dass der Nachweis unter den gewählten Bedingungen grundsätzlich funktioniert.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Proteine
    • Bausteine: Aminosäuren mit variablem Rest R
    • Verknüpfung: Peptidbindungen durch Kondensation
    • Zerlegung: Hydrolyse der Peptidbindungen
    • Struktur: Primär-, Sekundär-, Tertiär- und mögliche Quartärstruktur
    • Funktion: abhängig von Sequenz, Faltung und Oberfläche
    • Denaturierung: Veränderung höherer Strukturen
    • Nachweise: Biuret für Peptidbindungen, Xanthoprotein für aromatische Reste
    • Auswertung: Probe mit Positiv- und Negativkontrolle vergleichen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage trennt Protein und proteinreiches Lebensmittel korrekt?
Lösung: Ein Protein ist eine chemische Stoffklasse; ein Lebensmittel kann Proteine zusammen mit vielen anderen Stoffen enthalten. — Stoffklasse und Stoffgemisch sind verschiedene Ebenen: Proteine können Bestandteile eines Lebensmittelgemisches sein.
Frage 2 von 4MittelBei einer Reaktion wird Wasser aufgenommen und eine Polypeptidkette in kleinere Stücke gespalten. Was geschieht?
Lösung: Peptidbindungen werden hydrolysiert. — Wasseraufnahme und Kettenspaltung kennzeichnen die Hydrolyse.
Frage 3 von 4MittelWelche Kombination ist richtig?
Lösung: Biuretreaktion – Peptidbindungen – violettes Signal — Ordne immer Nachweismerkmal und Signal gemeinsam zu: Biuret weist Peptidbindungen violett nach; Xanthoprotein zeigt aromatische Reste gelb an.
Frage 4 von 4SchwerEine Probe reagiert bei der Biuretreaktion positiv, bei der Xanthoproteinreaktion aber nicht sichtbar. Welche Deutung ist am besten begründet?
Lösung: Peptidbindungen wurden nachgewiesen; aromatische Aminosäurereste wurden mit diesem Versuch nicht nachgewiesen. — Biuret- und Xanthoproteinreaktion messen nicht dasselbe. Bewerte jedes Ergebnis nur für das jeweils geprüfte Strukturmerkmal.

Du kannst Proteine nun über drei zusammenhängende Ebenen charakterisieren: ihre Aminosäurebausteine und Peptidbindungen, ihre räumliche Struktur sowie einen kontrollierten chemischen Nachweis.

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