Aminosäuren: Aufbau und Peptidbindung verstehen
Wie sind Aminosäuren aufgebaut und wie werden daraus Proteine? Aminosäuren enthalten eine Aminogruppe und eine Carboxylgruppe. Bei den hier betrachteten α-Aminosäuren unterscheidet eine Seitenkette die einzelnen Bausteine. Über Peptidbindungen lassen sie sich zu Ketten verknüpfen, aus denen Proteine bestehen.
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Das gemeinsame Grundgerüst erkennen
Bei den für Proteine wichtigen α-Aminosäuren ist die Aminogruppe an das Kohlenstoffatom direkt neben der Carboxylgruppe gebunden. Es heißt α-Kohlenstoffatom. Amino- und Carboxylgruppe sind funktionelle Gruppen: Das sind Atomgruppen, die typische chemische Reaktionen eines Stoffes ermöglichen.
Bei Glycin, Alanin und den meisten üblichen proteinogenen Aminosäuren sind an dieses Kohlenstoffatom gebunden:
- eine Aminogruppe: $-\mathrm{NH_2}$
- eine Carboxylgruppe: $-\mathrm{COOH}$
- ein Wasserstoffatom: $-\mathrm{H}$
- eine veränderliche Seitenkette: $-\mathrm{R}$
Vereinfacht lässt sich das Grundgerüst so schreiben:
$$\mathrm{H_2N-CH(R)-COOH}$$
Diese Schreibweise zeigt die ungeladene Form. In Wasser ist der Ladungszustand von den Bedingungen abhängig. Eine Besonderheit ist Prolin: Seine Seitenkette bildet mit dem Stickstoff einen Ring. In der ungeladenen Form trägt dieser Stickstoff deshalb nur ein Wasserstoffatom statt zweier.
Seitenkette
Die Seitenkette, auch Rest genannt, ist der veränderliche Teil einer Aminosäure. Das Zeichen $R$ steht als Platzhalter für diesen Teil. Die Seitenkette beeinflusst unter anderem, wie die Aminosäure mit Wasser und mit anderen Teilchen wechselwirkt.
Bei Glycin ist die Seitenkette nur ein Wasserstoffatom. Seine vereinfachte Strukturformel lautet:
$$\mathrm{H_2N-CH_2-COOH}$$
Bei Alanin ist die Seitenkette eine Methylgruppe $-\mathrm{CH_3}$:
$$\mathrm{H_2N-CH(CH_3)-COOH}$$
Beide Stoffe besitzen dasselbe Grundgerüst. Der Unterschied liegt in der Seitenkette.
Warum Glycin ein Zwitterion bildet
Ein Proton ist hier ein positiv geladenes Wasserstoffion. Eine Carboxylgruppe kann ein Proton $\mathrm{H^+}$ abgeben. Eine Aminogruppe kann ein Proton aufnehmen. Bei Glycin wird dadurch aus $-\mathrm{COOH}$ eine negativ geladene Carboxylatgruppe $-\mathrm{COO^-}$ und aus $-\mathrm{NH_2}$ eine positiv geladene Ammoniumgruppe $-\mathrm{NH_3^+}$.
Als vereinfachte Darstellung eines Protonenübergangs:
$$\mathrm{H_2N-CH_2-COOH \rightleftharpoons H_3N^+-CH_2-COO^-}$$
In festem Glycin und in einer annähernd neutralen wässrigen Lösung überwiegt die rechte Form. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. In stark saurer Lösung überwiegt beim Glycin eine insgesamt positiv geladene Form, in stark basischer Lösung eine insgesamt negativ geladene Form. Die dargestellte Form liegt also nicht unter allen Bedingungen vor.
Zwitterion
Ein Zwitterion trägt im selben Teilchen positive und negative Ladungen, deren Summe null ist. Beim Glycin ergibt sich die Gesamtladung aus $+1+(-1)=0$.
Gesamtladung null bedeutet also nicht, dass keine geladenen Bereiche vorhanden sind. Zwischen den entgegengesetzt geladenen Bereichen verschiedener Teilchen wirken starke Anziehungskräfte. Das erklärt, warum Glycin bei Raumtemperatur ein kristalliner Feststoff ist. Es ist zugleich gut in Wasser löslich: Auch Wasser besitzt unterschiedlich geladene Bereiche, die mit den Ladungszentren des Glycins wechselwirken können.
Ein Zwitterion ist nach außen insgesamt neutral, besitzt aber positive und negative Ladungszentren.
Wie Peptidbindungen entstehen
Eine Peptidbindung verknüpft den Kohlenstoff der Carboxylgruppe einer Aminosäure mit dem Stickstoff der Aminogruppe einer anderen. Vergleicht man zwei freie Aminosäuren mit dem verknüpften Produkt, fehlen diesem die Atome eines Wassermoleküls. Deshalb stellt man die Verknüpfung vereinfacht als Wasserabspaltung dar.
Peptidbindung
Die Peptidbindung ist eine Kohlenstoff-Stickstoff-Bindung in einer Amidgruppe, meist dargestellt als $-\mathrm{C(=O)-NH}-$. Dabei bedeutet $\mathrm{C(=O)}$, dass Kohlenstoff und Sauerstoff durch eine Doppelbindung verbunden sind. Beim Stickstoff des Prolins steht anstelle des Wasserstoffatoms ein weiterer Kohlenstoffrest. Ein Produkt aus zwei verbundenen Aminosäuren heißt Dipeptid.
So leitest du die vereinfachte Reaktionsbilanz ab:
- Die Carboxylgruppe liefert einen $-\mathrm{OH}$-Teil.
- Die Aminogruppe liefert ein Wasserstoffatom.
- Daraus entsteht Wasser $\mathrm{H_2O}$.
- Der Carboxyl-Kohlenstoff und der Amino-Stickstoff werden miteinander verbunden.
Das ist eine Bilanz der beteiligten Atome, kein vollständiger Reaktionsmechanismus. Beim bloßen Mischen von Aminosäuren in Wasser entsteht nicht einfach eine Proteinkette. In Zellen werden Aminosäuren unter Energieverbrauch an Trägermoleküle gebunden und an Ribosomen, den Orten der Proteinherstellung, verknüpft.
Eine Reaktion, bei der sich Teilchen unter Abspaltung eines kleinen Moleküls verbinden, heißt Kondensation. Die umgekehrte Spaltung einer Bindung mithilfe von Wasser heißt Hydrolyse.
Zwei Glycinmoleküle verknüpfen: Du verwendest zur Übersicht die ungeladenen Formeln. An einem Glycin markierst du die Carboxylgruppe, am anderen die Aminogruppe. Nach Abzug von $\mathrm{OH}$ und $\mathrm{H}$ bleibt folgende Bilanz:
$$\mathrm{2\,H_2N-CH_2-COOH \rightarrow H_2N-CH_2-C(=O)-NH-CH_2-COOH + H_2O}$$
Das Dipeptid heißt Glycylglycin. In seiner Mitte erkennst du die neue Gruppe $-\mathrm{C(=O)-NH}-$. Die Seitenketten, hier jeweils ein Wasserstoffatom, bleiben erhalten. Prüfe die Atome: Zwei Glycinmoleküle haben zusammen zehn Wasserstoffatome; acht bleiben im Dipeptid und zwei stecken im Wasser.
Werden viele Aminosäuren nacheinander verbunden, entsteht eine lange Kette. Entscheidend ist nicht nur, welche Aminosäuren vorkommen, sondern auch ihre Reihenfolge, die Aminosäuresequenz. Unterschiedliche Sequenzen können Proteine mit unterschiedlichen Eigenschaften ergeben.
Bei der Verdauung helfen Enzyme, Peptidbindungen in Nahrungsproteinen schrittweise durch Hydrolyse zu spalten. Enzyme beschleunigen chemische Reaktionen. Die frei werdenden Aminosäuren kann der Körper anschließend als Bausteine verwenden.
Welche Rolle die Seitenkette spielt
Alle α-Aminosäuren besitzen ein ähnliches Grundgerüst. Ihre Seitenketten können sich jedoch deutlich unterscheiden. Sie können beispielsweise polar oder unpolar sein sowie saure oder basische Eigenschaften besitzen.
Polar bedeutet hier, dass durch eine ungleichmäßige Elektronenverteilung deutlich unterschiedlich geladene Bereiche entstehen. Unpolare Gruppen besitzen solche Bereiche kaum. Saure Gruppen können Protonen abgeben, basische Gruppen können sie aufnehmen.
Polare Seitenketten können günstige Wechselwirkungen mit dem ebenfalls polaren Wasser eingehen. Unpolare Seitenketten wechselwirken weniger günstig mit Wasser. Solche Einteilungen beschreiben die Seitenketteneigenschaften; sie sagen nicht, dass jedes vollständige Aminosäureteilchen unter allen Bedingungen gleich reagiert. Auch pH-Wert und Ladungszustand spielen eine Rolle.
Glycin und Alanin besitzen dieselbe Amino- und Carboxylgruppe. Trotzdem sind sie nicht identisch:
- Glycin hat als Seitenkette ein Wasserstoffatom.
- Alanin hat als Seitenkette eine Methylgruppe.
So zeigt bereits ein kleiner Unterschied am Rest, dass eine andere Aminosäure vorliegt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Das gemeinsame Grundgerüst einer α-Aminosäure enthält eine und eine . Der veränderliche Teil heißt . Viele Aminosäuren werden durch zu einer Kette verbunden.
Begriffe unterscheiden und Fehler vermeiden
Aminosäure und Protein: Eine Aminosäure ist ein einzelner Baustein. Ein Protein besteht aus einer oder mehreren langen Aminosäureketten. Ein proteinreiches Lebensmittel ist deshalb kein reiner Stoff aus freien Aminosäuren, sondern ein Gemisch, das unter anderem Proteine enthält.
Proteinogen und essentiell: Diese Begriffe beantworten verschiedene Fragen.
- Proteinogen bedeutet: Die Aminosäure wird als Baustein für Proteine verwendet. Im Unterricht werden meist die 20 üblichen, sogenannten kanonischen Aminosäuren betrachtet. Daneben gibt es seltene zusätzliche proteinogene Aminosäuren.
- Essentiell bedeutet: Der menschliche Körper kann die benötigte Aminosäure nicht ausreichend selbst herstellen; sie muss über die Nahrung aufgenommen werden.
Eine Aminosäure kann somit zugleich proteinogen und essentiell sein. „Essentiell“ bedeutet dagegen nicht einfach „in Lebensmitteln vorhanden“.
Neutral und ungeladen: Ein Zwitterion hat die Gesamtladung null, ist aber nicht an jeder Stelle ungeladen.
Seitenkette und Peptidbindung: Die Seitenkette unterscheidet Aminosäuren. Die Peptidbindung verbindet sie. Beides darf nicht verwechselt werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Aminosäuren
- Grundgerüst: Aminogruppe, Carboxylgruppe, Wasserstoff und Seitenkette
- Seitenkette: unterscheidet Aminosäuren und beeinflusst Eigenschaften
- Zwitterion: positive und negative Ladungen, insgesamt neutral
- Kondensation: Peptidbindung und Wasser in der vereinfachten Bilanz
- Hydrolyse: spaltet Peptidbindungen mithilfe von Wasser
- Protein: eine oder mehrere Aminosäureketten mit bestimmter Sequenz
- Begriffe: proteinogen und essentiell beantworten verschiedene Fragen
Abschluss-Check
Wenn du das Grundgerüst erkennst, kannst du neue Strukturformeln systematisch untersuchen: Markiere zuerst Amino- und Carboxylgruppe, bestimme dann die Seitenkette und prüfe zuletzt, ob Peptidbindungen vorhanden sind.
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