Chemie

Reaktionsgeschwindigkeit berechnen und erklären

Reaktionsgeschwindigkeit berechnen und erklären
Reaktionsgeschwindigkeit berechnen und erklären
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Die Reaktionsgeschwindigkeit beschreibt, wie stark sich die Konzentration, Stoffmenge oder Masse eines Stoffes pro Zeit verändert. Je mehr Stoff in derselben Zeit umgesetzt wird, desto schneller läuft die Reaktion.

Deine Lernziele

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Was misst die Reaktionsgeschwindigkeit?

Bei einer chemischen Reaktion werden Edukte, also Ausgangsstoffe, verbraucht und Produkte gebildet. Deshalb kannst du beobachten, wie eine Eduktkonzentration sinkt oder eine Produktkonzentration steigt.

Definition

Reaktionsgeschwindigkeit

Die Reaktionsgeschwindigkeit gibt an, wie stark sich eine messbare Stoffgröße während eines bestimmten Zeitintervalls verändert. Häufig verwendet man die Konzentrationsänderung pro Zeit.

Für die mittlere Geschwindigkeit gilt:

$$v=\frac{|\Delta c|}{\Delta t}$$

Dabei ist $\Delta c$ die Konzentrationsänderung und $\Delta t$ die Dauer des betrachteten Zeitintervalls. Der Betrag $|\Delta c|$ liefert eine positive Zahl für die Schnelligkeit.

Bei einer Produktbildung ist $\Delta c$ positiv. Bei einer Eduktabnahme ist die rechnerische Änderung negativ. Dann wird für die positive Reaktionsgeschwindigkeit ein Minuszeichen vor den Quotienten gesetzt oder der Betrag verwendet.

Eine typische Einheit ist $\mathrm{mol/(L\cdot s)}$ oder $\mathrm{mmol/(L\cdot s)}$.

Beispiel

Bei einer Reaktion steigt die Konzentration von Magnesium-Ionen in $40\,\mathrm{s}$ von $0$ auf $25\,\mathrm{mmol/L}$.

Zuerst bestimmst du die Änderungen:

$$\Delta c=25\,\mathrm{mmol/L}-0\,\mathrm{mmol/L}=25\,\mathrm{mmol/L}$$

$$\Delta t=40\,\mathrm{s}-0\,\mathrm{s}=40\,\mathrm{s}$$

Dann setzt du ein:

$$v=\frac{25\,\mathrm{mmol/L}}{40\,\mathrm{s}}=0{,}625\,\mathrm{mmol/(L\cdot s)}$$

In den ersten $40\,\mathrm{s}$ werden im Mittel pro Sekunde $0{,}625\,\mathrm{mmol/L}$ Magnesium-Ionen gebildet.

Merke

Berechne immer zuerst Endwert minus Anfangswert und prüfe anschließend Vorzeichen, Einheit und Bedeutung des Ergebnisses.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas bedeutet die Einheit $\mathrm{mmol/(L\cdot s)}$?
Lösung: Änderung der Konzentration in Millimol pro Liter und Sekunde — Die Einheit verbindet eine Konzentrationsänderung mit dem dafür benötigten Zeitintervall.
Wie unterscheiden sich mittlere und momentane Geschwindigkeit?

Die Geschwindigkeit einer Reaktion bleibt häufig nicht konstant. Am Anfang sind oft viele Eduktteilchen vorhanden. Mit ihrem Verbrauch werden erfolgreiche Zusammenstöße seltener, sodass die Reaktion langsamer werden kann.

Definition

Mittlere Reaktionsgeschwindigkeit

Die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit beschreibt die durchschnittliche Änderung während eines endlichen Zeitintervalls. In einem Konzentrations-Zeit-Diagramm entspricht sie der Steigung einer Sekante durch zwei Messpunkte.

Für die Magnesium-Ionen liegen außerdem folgende Messwerte vor:

Zeit $t$Konzentration $c(\mathrm{Mg^{2+}})$
$0\,\mathrm{s}$$0\,\mathrm{mmol/L}$
$20\,\mathrm{s}$$15\,\mathrm{mmol/L}$
$40\,\mathrm{s}$$25\,\mathrm{mmol/L}$

Zwischen $20$ und $40\,\mathrm{s}$ gilt:

$$v=\frac{25-15}{40-20}=0{,}5\,\mathrm{mmol/(L\cdot s)}$$

Dieser Wert ist kleiner als der Mittelwert der ersten $40$ Sekunden. Die Produktkonzentration wächst im späteren Abschnitt also langsamer.

Definition

Momentane Reaktionsgeschwindigkeit

Die momentane Reaktionsgeschwindigkeit gilt für einen bestimmten Zeitpunkt. Im Konzentrations-Zeit-Diagramm entspricht sie der Steigung der Tangente an die Kurve in diesem Punkt.

Je kürzer das untersuchte Zeitintervall wird, desto besser nähert seine Sekante die Tangente und damit die momentane Geschwindigkeit an.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Konzentrations-Zeit-Kurve steigt zunächst steil und wird dann flacher. Was folgt daraus?
Lösung: Die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt im Verlauf ab. — Die Steigung zeigt die Konzentrationsänderung pro Zeit. Eine kleinere Steigung bedeutet eine kleinere Reaktionsgeschwindigkeit.
Warum verändern Temperatur, Konzentration und Oberfläche das Tempo?

Nach dem Kollisionsmodell müssen Teilchen zusammenstoßen, damit sie reagieren können. Nicht jeder Zusammenstoß ist erfolgreich: Die Teilchen müssen genügend Energie besitzen und passend aufeinandertreffen.

Definition

Aktivierungsenergie

Die Aktivierungsenergie ist die Energiebarriere, die für eine erfolgreiche Reaktion überwunden werden muss.

Mehr erfolgreiche Kollisionen pro Zeit bedeuten eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit.

  • Höhere Temperatur: Die Teilchen bewegen sich energiereicher. Dadurch erreichen mehr Zusammenstöße die Aktivierungsenergie.
  • Höhere Eduktkonzentration: Im gleichen Volumen befinden sich mehr Teilchen. Begegnungen und damit mögliche wirksame Kollisionen werden häufiger.
  • Höherer Druck bei Gasen: Wird das Volumen verkleinert, liegen die Gasteilchen dichter zusammen und kollidieren häufiger.
  • Größere Oberfläche: Ein fein zerteilter Feststoff bietet mehr Kontaktstellen als ein gleich schweres großes Stück.
Merke

Frage bei jedem Einfluss: Verändert er die Zahl der Teilchenbegegnungen, die Energie der Zusammenstöße oder die zugängliche Kontaktfläche?

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Feststoff wird zu feinem Pulver zerkleinert. Warum kann er schneller reagieren?
Lösung: Seine größere Oberfläche bietet mehr Kontaktmöglichkeiten. — Bei gleicher Stoffmenge entstehen durch stärkere Zerteilung mehr zugängliche Kontaktstellen.
Frage 2 von 2SchwerZwei Gasreaktionen laufen bei gleicher Temperatur und Stoffmenge ab. Bei einer wird das Volumen verkleinert. Welche Vorhersage passt zum Kollisionsmodell?
Lösung: Im kleineren Volumen sind häufigere Teilchenkollisionen zu erwarten. — Die Volumenverkleinerung erhöht die Teilchendichte und gewöhnlich die Kollisionshäufigkeit.
Was bewirkt ein Katalysator?

Ein Katalysator eröffnet einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie. Dadurch können bei denselben Bedingungen mehr Kollisionen erfolgreich sein und die Reaktion läuft schneller.

Der Katalysator wird dabei nicht dauerhaft verbraucht. Er verändert weder die Energiebilanz der Gesamtreaktion noch den Gleichgewichtszustand; er sorgt lediglich dafür, dass dieser Zustand schneller erreicht werden kann.

Gut zu wissen

Eine stark exotherme Reaktion setzt viel Energie frei. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie schnell startet. Eine große Aktivierungsbarriere kann sie unter normalen Bedingungen stark hemmen. Solche Systeme heißen kinetisch gehemmt oder metastabil.

Die Reaktionsenthalpie $\Delta H$ beschreibt den Energieunterschied zwischen Produkten und Edukten:

$$\Delta H=H_{\text{Produkte}}-H_{\text{Edukte}}$$

Bei einer exothermen Reaktion ist $\Delta H<0$. Die Reaktionsenthalpie beschreibt jedoch nicht unmittelbar die Geschwindigkeit. Freigesetzte Wärme kann die Reaktion nur indirekt beschleunigen, wenn dadurch die Temperatur steigt.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche unmittelbare Wirkung hat ein Katalysator?
Lösung: Er senkt die Aktivierungsbarriere durch einen anderen Reaktionsweg. — Der alternative Reaktionsweg benötigt weniger Aktivierungsenergie. Deshalb werden mehr Kollisionen wirksam.
Frage 2 von 2SchwerEine Reaktion setzt sehr viel Energie frei, beginnt aber erst nach einer Zündung. Wie lässt sich das erklären?
Lösung: Große Energiefreisetzung und hohe Aktivierungsenergie können gleichzeitig auftreten. — Reaktionsenthalpie und Aktivierungsenergie beantworten verschiedene Fragen: wie viel Energie umgesetzt wird und welche Startbarriere überwunden werden muss.
Wie planst du eine kontrollierte Messreihe?

Wenn du den Einfluss einer Größe untersuchen willst, darfst du nur diese unabhängige Variable gezielt verändern. Alle anderen Bedingungen bleiben möglichst gleich.

Für eine Untersuchung des Temperatureinflusses gehst du so vor:

  1. Wähle mehrere Temperaturen als unabhängige Variable.
  2. Verwende bei jedem Versuch gleiche Stoffmengen, Konzentrationen, Volumina und Oberflächen.
  3. Lege vor Beginn denselben messbaren Endpunkt fest.
  4. Starte die Reaktion und Zeitmessung immer auf dieselbe Weise.
  5. Miss die Zeit bis zum Endpunkt oder erfasse eine Stoffgröße in festen Zeitabständen.
  6. Wiederhole Messungen und vergleiche die Werte.

Wird immer derselbe Stoffumsatz betrachtet, bedeutet eine kürzere benötigte Zeit eine höhere mittlere Reaktionsgeschwindigkeit.

Beispiel

Du willst prüfen, ob allein die Temperatur die Reaktionsgeschwindigkeit beeinflusst. Wenn du gleichzeitig die Konzentration erhöhst, kannst du die Ursache einer Veränderung nicht mehr eindeutig bestimmen. Deshalb muss die Konzentration in allen Ansätzen gleich bleiben.

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Frage 1 von 2MittelWelche Versuchsreihe untersucht den Temperatureinfluss kontrolliert?
Lösung: Nur die Temperatur wird verändert; Konzentration, Stoffmenge, Oberfläche und Messverfahren bleiben gleich. — Eine kontrollierte Messreihe verändert gezielt nur eine Einflussgröße und hält die übrigen Bedingungen konstant.
Frage 2 von 2SchwerIn allen Versuchen wird dieselbe Produktmenge gebildet. Bei höherer Temperatur wird sie in kürzerer Zeit erreicht. Welche Aussage ist begründet?
Lösung: Unter den kontrollierten Bedingungen ist die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit bei höherer Temperatur größer. — Gleicher Stoffumsatz in kürzerer Zeit bedeutet eine größere mittlere Geschwindigkeit. Die Schlussfolgerung gilt, wenn die übrigen Bedingungen gleich waren.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Reaktionsgeschwindigkeit
    • Messung
      • Konzentrationsänderung pro Zeit
      • mittlere Geschwindigkeit als Sekantensteigung
      • momentane Geschwindigkeit als Tangentensteigung
    • Erklärung
      • erfolgreiche Kollisionen
      • Aktivierungsenergie
    • Einflüsse
      • Temperatur
      • Konzentration und Gasdruck
      • Oberfläche
      • Katalysator
    • Abgrenzung
      • Reaktionsenthalpie bestimmt nicht unmittelbar das Tempo
      • kontrollierte Messung verändert nur eine Einflussgröße
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Formel beschreibt eine mittlere Konzentrationsgeschwindigkeit als positiven Betrag?
Lösung: $v=|\Delta c|/\Delta t$ — Teile den Betrag der Konzentrationsänderung durch die Dauer des Messintervalls.
Frage 2 von 3MittelEine Eduktkonzentration sinkt in $120\,\mathrm{s}$ von $1{,}00$ auf $0{,}90\,\mathrm{mol/L}$. Wie groß ist die mittlere positive Reaktionsgeschwindigkeit bezogen auf dieses Edukt?
Lösung: Ungefähr $0{,}00083\,\mathrm{mol/(L\cdot s)}$ — Der Betrag der Änderung ist $0{,}10\,\mathrm{mol/L}$. Geteilt durch $120\,\mathrm{s}$ ergibt das ungefähr $0{,}00083\,\mathrm{mol/(L\cdot s)}$.
Frage 3 von 3SchwerEine Reaktion wird nach Zugabe eines Katalysators schneller, die Temperatur bleibt gleich. Welche Erklärung verbindet Beobachtung und Teilchenmodell richtig?
Lösung: Der alternative Reaktionsweg besitzt eine geringere Aktivierungsenergie, sodass mehr Kollisionen erfolgreich sind. — Entscheidend ist nicht nur, dass Teilchen kollidieren, sondern ob sie die erforderliche Aktivierungsbarriere überwinden.

Du kannst eine Reaktionsgeschwindigkeit nun aus Messwerten bestimmen, ihren Verlauf in einem Diagramm deuten und Änderungen des Reaktionstempos mit erfolgreichen Teilchenkollisionen erklären.

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