Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Ein chemisches Gleichgewicht kann sich bei einer umkehrbaren Reaktion einstellen. Hin- und Rückreaktion laufen dann gleich schnell weiter. Deshalb bleiben die Konzentrationen konstant, obwohl weiterhin Teilchen reagieren.
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Woran erkennst du ein chemisches Gleichgewicht?
Stell dir ein geschlossenes Gefäß mit einer umkehrbaren Reaktion vor:
$$\mathrm{Edukte \rightleftharpoons Produkte}$$
Auf der Stoffebene beobachtest du nach einiger Zeit keine Änderung mehr: Die Konzentrationen der Edukte und Produkte bleiben konstant. Bei einem farbigen Stoffgemisch kann zum Beispiel die Farbe gleich bleiben.
Auf der Teilchenebene herrscht jedoch kein Stillstand. Eduktteilchen werden weiterhin zu Produktteilchen und Produktteilchen wieder zu Eduktteilchen. Hin- und Rückreaktion haben im Gleichgewicht dieselbe Geschwindigkeit. Die Stoffmengen einzelner Stoffe, die dabei umgesetzt werden, hängen von den stöchiometrischen Koeffizienten ab.
Dynamisches Gleichgewicht
Ein dynamisches Gleichgewicht ist ein Zustand, in dem Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen. Dadurch bleiben die Konzentrationen nach außen hin konstant, obwohl weiterhin Reaktionen stattfinden.
Gleiche Reaktionsgeschwindigkeiten bedeuten nicht gleiche Konzentrationen. Ein Gemisch kann beispielsweise mehr Produkte als Edukte enthalten und sich trotzdem im Gleichgewicht befinden.
Wie stellt sich das Gleichgewicht ein?
Zu Beginn einer Reaktion sind meist viele Edukte und wenige oder keine Produkte vorhanden. Daher läuft die Hinreaktion zunächst schneller als die Rückreaktion.
Während Produkte entstehen, sinkt die Eduktkonzentration. Die Hinreaktion wird langsamer. Gleichzeitig steigt die Produktkonzentration, sodass die Rückreaktion schneller wird. Sobald beide Geschwindigkeiten gleich sind, ist das dynamische Gleichgewicht erreicht.
Ein Modell macht den Unterschied zwischen Bestand und Bewegung sichtbar: Zwei Personen werfen fortlaufend Bälle zwischen zwei Feldern hin und her. Liegen schließlich 15 Bälle in einem Feld und 5 im anderen, können die Bestände trotzdem konstant bleiben – nämlich dann, wenn pro Zeit gleich viele Bälle in beide Richtungen wechseln.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Am Anfang ist die meist schneller. Mit wachsender Produktkonzentration wird die schneller. Im Gleichgewicht sind die Reaktionsgeschwindigkeiten , die Konzentrationen aber nicht unbedingt gleich groß.
Wie beschreibst du die Gleichgewichtslage mit Kc?
Für die homogene Reaktion
$$a\,\mathrm A+b\,\mathrm B\rightleftharpoons c\,\mathrm C+d\,\mathrm D$$
lautet das Massenwirkungsgesetz:
$$K_c=\frac{c^c(\mathrm C)\,c^d(\mathrm D)}{c^a(\mathrm A)\,c^b(\mathrm B)}$$
$c(\mathrm A)$ bezeichnet die Gleichgewichtskonzentration von A. Die kleinen Buchstaben aus der Reaktionsgleichung werden im Ausdruck zu Exponenten. Produkte stehen im Zähler, Edukte im Nenner.
Gleichgewichtskonstante Kc
$K_c$ ist der Wert des Konzentrationsquotienten im Gleichgewicht bei einer bestimmten Temperatur. Er beschreibt die Gleichgewichtslage einer Reaktion.
Ein großes $K_c$ spricht für eine produktreiche Gleichgewichtsmischung, ein kleines $K_c$ für eine eduktreiche. Aus $K_c=1$ folgen bei beliebiger Reaktionsgleichung jedoch nicht automatisch gleiche Konzentrationen: Im Ausdruck können mehrere Konzentrationen und verschiedene Exponenten stehen.
Für die Reaktion
$$2\,\mathrm{ONCl}\rightleftharpoons2\,\mathrm{NO}+\mathrm{Cl_2}$$
sind bei $500\,\mathrm K$ folgende Gleichgewichtskonzentrationen gegeben. Da für die Ausgangswerte keine Einheiten überliefert sind, wird nur mit ihren Zahlenwerten gerechnet:
- $c(\mathrm{NO})=0{,}91$
- $c(\mathrm{ONCl})=0{,}09$
- $c(\mathrm{Cl_2})=0{,}045$
Aus den stöchiometrischen Koeffizienten folgt:
$$K_c=\frac{c^2(\mathrm{NO})\,c(\mathrm{Cl_2})}{c^2(\mathrm{ONCl})}$$
Einsetzen ergibt:
$$K_c=\frac{(0{,}91)^2\cdot0{,}045}{(0{,}09)^2}\approx4{,}6$$
Der Wert liegt über 1. Der Konzentrationsquotient ist daher stärker von der Produktseite geprägt.
Vertiefung: Eine Konzentration bestimmen
Ist stattdessen $K_c=4{,}6$ gegeben und $c(\mathrm{Cl_2})$ gesucht, stellst du den Ausdruck um:
$$c(\mathrm{Cl_2})=\frac{K_c\,c^2(\mathrm{ONCl})}{c^2(\mathrm{NO})}$$
$$c(\mathrm{Cl_2})=\frac{4{,}6\cdot(0{,}09)^2}{(0{,}91)^2}\approx0{,}045$$
Die Probe durch Einsetzen führt wieder zu $K_c\approx4{,}6$.
Wie reagiert das Gleichgewicht auf eine Störung?
Nach dem Prinzip vom kleinsten Zwang begünstigt eine Störung die Reaktionsrichtung, die ihre Wirkung teilweise abschwächt. Danach stellt sich eine neue Gleichgewichtszusammensetzung ein.
| Störung | Begünstigte Richtung |
|---|---|
| Edukt wird zugegeben | Richtung, die das Edukt verbraucht |
| Produkt wird zugegeben | Richtung, die das Produkt verbraucht |
| Edukt wird entzogen | Richtung, die das Edukt nachbildet |
| Produkt wird entzogen | Richtung, die das Produkt nachbildet |
| Temperatur steigt | endotherme, also wärmeverbrauchende Richtung |
| Temperatur sinkt | exotherme, also wärmeliefernde Richtung |
Eine Konzentrationsänderung verändert zunächst den Konzentrationsquotienten. Das System reagiert, bis bei unveränderter Temperatur wieder die zugehörige Gleichgewichtszusammensetzung erreicht ist. Eine Temperaturänderung kann dagegen auch den Wert der Gleichgewichtskonstante verändern.
Ist die Produktbildung exotherm, wirkt Wärme wie ein Produkt. Eine Temperaturerhöhung begünstigt dann die endotherme Rückreaktion: Die Gleichgewichtslage verschiebt sich zur Eduktseite. Bei einer Temperaturerniedrigung wird die exotherme Hinreaktion begünstigt.
Was bewirken Druck, Systemgrenze und Katalysator?
Eine Druckänderung ist vor allem bei Gasreaktionen wichtig. Wird ein Gasgemisch durch Volumenverkleinerung komprimiert, wird die Seite mit der kleineren Summe der stöchiometrischen Koeffizienten gasförmiger Stoffe begünstigt. Ist diese Summe auf beiden Seiten gleich, ist nach dieser Regel keine Verschiebung zu erwarten.
Beim Haber-Bosch-Verfahren gilt:
$$\mathrm{N_2+3\,H_2\rightleftharpoons2\,NH_3}$$
Links beträgt die Summe der Koeffizienten gasförmiger Stoffe vier, rechts zwei. Eine Druckerhöhung begünstigt deshalb die Ammoniakseite. Da die Ammoniakbildung exotherm ist, begünstigt eine Temperaturerhöhung dagegen die Eduktseite.
Auch die Systemgrenze ist entscheidend. Entweicht ein gasförmiges Produkt ständig aus einem offenen System, steht es für die Rückreaktion nicht vollständig zur Verfügung. Ein geschlossenes System hält die Reaktionspartner im betrachteten Gefäß und ermöglicht so die Einstellung des Gleichgewichts.
Katalysator
Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion. Das Gleichgewicht wird dadurch schneller erreicht, seine Zusammensetzung und $K_c$ ändern sich bei gleicher Temperatur jedoch nicht.
Ein Katalysator verändert die Einstellgeschwindigkeit, nicht die Gleichgewichtslage.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Chemisches Gleichgewicht
- Dynamik: gleiche Geschwindigkeiten bei fortlaufenden Reaktionen
- Beobachtung: konstante, nicht notwendig gleiche Konzentrationen
- Beschreibung: Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante Kc
- Konzentrationsstörung: zugegebenen Stoff verbrauchen oder entzogenen Stoff nachbilden
- Temperaturstörung: endotherme oder exotherme Richtung begünstigen
- Druckstörung: bei Gasen die Seite mit weniger oder mehr Gasteilchen begünstigen
- Katalysator: Gleichgewicht schneller erreichen, Lage nicht verändern
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