Chemie

Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz

Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
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Ein chemisches Gleichgewicht kann sich bei einer umkehrbaren Reaktion einstellen. Hin- und Rückreaktion laufen dann gleich schnell weiter. Deshalb bleiben die Konzentrationen konstant, obwohl weiterhin Teilchen reagieren.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein chemisches Gleichgewicht?

Stell dir ein geschlossenes Gefäß mit einer umkehrbaren Reaktion vor:

$$\mathrm{Edukte \rightleftharpoons Produkte}$$

Auf der Stoffebene beobachtest du nach einiger Zeit keine Änderung mehr: Die Konzentrationen der Edukte und Produkte bleiben konstant. Bei einem farbigen Stoffgemisch kann zum Beispiel die Farbe gleich bleiben.

Auf der Teilchenebene herrscht jedoch kein Stillstand. Eduktteilchen werden weiterhin zu Produktteilchen und Produktteilchen wieder zu Eduktteilchen. Hin- und Rückreaktion haben im Gleichgewicht dieselbe Geschwindigkeit. Die Stoffmengen einzelner Stoffe, die dabei umgesetzt werden, hängen von den stöchiometrischen Koeffizienten ab.

Definition

Dynamisches Gleichgewicht

Ein dynamisches Gleichgewicht ist ein Zustand, in dem Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen. Dadurch bleiben die Konzentrationen nach außen hin konstant, obwohl weiterhin Reaktionen stattfinden.

Merke

Gleiche Reaktionsgeschwindigkeiten bedeuten nicht gleiche Konzentrationen. Ein Gemisch kann beispielsweise mehr Produkte als Edukte enthalten und sich trotzdem im Gleichgewicht befinden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beobachtung passt zu einem chemischen Gleichgewicht?
Lösung: Die Konzentrationen bleiben konstant, während beide Reaktionsrichtungen weiterlaufen. — Im Gleichgewicht sind die Geschwindigkeiten gleich. Die Bestände beziehungsweise Konzentrationen müssen es nicht sein.
Wie stellt sich das Gleichgewicht ein?

Zu Beginn einer Reaktion sind meist viele Edukte und wenige oder keine Produkte vorhanden. Daher läuft die Hinreaktion zunächst schneller als die Rückreaktion.

Während Produkte entstehen, sinkt die Eduktkonzentration. Die Hinreaktion wird langsamer. Gleichzeitig steigt die Produktkonzentration, sodass die Rückreaktion schneller wird. Sobald beide Geschwindigkeiten gleich sind, ist das dynamische Gleichgewicht erreicht.

Ein Modell macht den Unterschied zwischen Bestand und Bewegung sichtbar: Zwei Personen werfen fortlaufend Bälle zwischen zwei Feldern hin und her. Liegen schließlich 15 Bälle in einem Feld und 5 im anderen, können die Bestände trotzdem konstant bleiben – nämlich dann, wenn pro Zeit gleich viele Bälle in beide Richtungen wechseln.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Am Anfang ist die meist schneller. Mit wachsender Produktkonzentration wird die schneller. Im Gleichgewicht sind die Reaktionsgeschwindigkeiten , die Konzentrationen aber nicht unbedingt gleich groß.

Lösungen: Lücke 1: Hinreaktion; Lücke 2: Rückreaktion; Lücke 3: gleich. Entscheidend ist der zeitliche Verlauf: Die Hinreaktion wird langsamer, die Rückreaktion schneller, bis beide Geschwindigkeiten übereinstimmen.
Wie beschreibst du die Gleichgewichtslage mit Kc?

Für die homogene Reaktion

$$a\,\mathrm A+b\,\mathrm B\rightleftharpoons c\,\mathrm C+d\,\mathrm D$$

lautet das Massenwirkungsgesetz:

$$K_c=\frac{c^c(\mathrm C)\,c^d(\mathrm D)}{c^a(\mathrm A)\,c^b(\mathrm B)}$$

$c(\mathrm A)$ bezeichnet die Gleichgewichtskonzentration von A. Die kleinen Buchstaben aus der Reaktionsgleichung werden im Ausdruck zu Exponenten. Produkte stehen im Zähler, Edukte im Nenner.

Definition

Gleichgewichtskonstante Kc

$K_c$ ist der Wert des Konzentrationsquotienten im Gleichgewicht bei einer bestimmten Temperatur. Er beschreibt die Gleichgewichtslage einer Reaktion.

Ein großes $K_c$ spricht für eine produktreiche Gleichgewichtsmischung, ein kleines $K_c$ für eine eduktreiche. Aus $K_c=1$ folgen bei beliebiger Reaktionsgleichung jedoch nicht automatisch gleiche Konzentrationen: Im Ausdruck können mehrere Konzentrationen und verschiedene Exponenten stehen.

Beispiel

Für die Reaktion

$$2\,\mathrm{ONCl}\rightleftharpoons2\,\mathrm{NO}+\mathrm{Cl_2}$$

sind bei $500\,\mathrm K$ folgende Gleichgewichtskonzentrationen gegeben. Da für die Ausgangswerte keine Einheiten überliefert sind, wird nur mit ihren Zahlenwerten gerechnet:

  • $c(\mathrm{NO})=0{,}91$
  • $c(\mathrm{ONCl})=0{,}09$
  • $c(\mathrm{Cl_2})=0{,}045$

Aus den stöchiometrischen Koeffizienten folgt:

$$K_c=\frac{c^2(\mathrm{NO})\,c(\mathrm{Cl_2})}{c^2(\mathrm{ONCl})}$$

Einsetzen ergibt:

$$K_c=\frac{(0{,}91)^2\cdot0{,}045}{(0{,}09)^2}\approx4{,}6$$

Der Wert liegt über 1. Der Konzentrationsquotient ist daher stärker von der Produktseite geprägt.

Vertiefung: Eine Konzentration bestimmen

Ist stattdessen $K_c=4{,}6$ gegeben und $c(\mathrm{Cl_2})$ gesucht, stellst du den Ausdruck um:

$$c(\mathrm{Cl_2})=\frac{K_c\,c^2(\mathrm{ONCl})}{c^2(\mathrm{NO})}$$

$$c(\mathrm{Cl_2})=\frac{4{,}6\cdot(0{,}09)^2}{(0{,}91)^2}\approx0{,}045$$

Die Probe durch Einsetzen führt wieder zu $K_c\approx4{,}6$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelcher Ausdruck gehört zur Reaktion $2\,\mathrm{ONCl}\rightleftharpoons2\,\mathrm{NO}+\mathrm{Cl_2}$?
Lösung: $K_c=\frac{c^2(\mathrm{NO})\,c(\mathrm{Cl_2})}{c^2(\mathrm{ONCl})}$ — Übernimm zuerst Zähler und Nenner aus der Reaktionsrichtung. Verwende danach jeden stöchiometrischen Koeffizienten als Exponenten.
Wie reagiert das Gleichgewicht auf eine Störung?

Nach dem Prinzip vom kleinsten Zwang begünstigt eine Störung die Reaktionsrichtung, die ihre Wirkung teilweise abschwächt. Danach stellt sich eine neue Gleichgewichtszusammensetzung ein.

StörungBegünstigte Richtung
Edukt wird zugegebenRichtung, die das Edukt verbraucht
Produkt wird zugegebenRichtung, die das Produkt verbraucht
Edukt wird entzogenRichtung, die das Edukt nachbildet
Produkt wird entzogenRichtung, die das Produkt nachbildet
Temperatur steigtendotherme, also wärmeverbrauchende Richtung
Temperatur sinktexotherme, also wärmeliefernde Richtung

Eine Konzentrationsänderung verändert zunächst den Konzentrationsquotienten. Das System reagiert, bis bei unveränderter Temperatur wieder die zugehörige Gleichgewichtszusammensetzung erreicht ist. Eine Temperaturänderung kann dagegen auch den Wert der Gleichgewichtskonstante verändern.

Beispiel

Ist die Produktbildung exotherm, wirkt Wärme wie ein Produkt. Eine Temperaturerhöhung begünstigt dann die endotherme Rückreaktion: Die Gleichgewichtslage verschiebt sich zur Eduktseite. Bei einer Temperaturerniedrigung wird die exotherme Hinreaktion begünstigt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelAus einem Gleichgewichtsgemisch wird fortlaufend ein Produkt entfernt. Was geschieht?
Lösung: Die Reaktion, die dieses Produkt nachbildet, wird begünstigt. — Das System wirkt dem Produktentzug entgegen, indem es die produktbildende Richtung begünstigt.
Frage 2 von 2SchwerDie Produktbildung einer Reaktion ist endotherm. Welche Wirkung hat eine Temperaturerhöhung?
Lösung: Die Produktbildung wird begünstigt. — Wärmezufuhr begünstigt die endotherme, wärmeverbrauchende Richtung. Hier ist das die Produktbildung.
Was bewirken Druck, Systemgrenze und Katalysator?

Eine Druckänderung ist vor allem bei Gasreaktionen wichtig. Wird ein Gasgemisch durch Volumenverkleinerung komprimiert, wird die Seite mit der kleineren Summe der stöchiometrischen Koeffizienten gasförmiger Stoffe begünstigt. Ist diese Summe auf beiden Seiten gleich, ist nach dieser Regel keine Verschiebung zu erwarten.

Beim Haber-Bosch-Verfahren gilt:

$$\mathrm{N_2+3\,H_2\rightleftharpoons2\,NH_3}$$

Links beträgt die Summe der Koeffizienten gasförmiger Stoffe vier, rechts zwei. Eine Druckerhöhung begünstigt deshalb die Ammoniakseite. Da die Ammoniakbildung exotherm ist, begünstigt eine Temperaturerhöhung dagegen die Eduktseite.

Auch die Systemgrenze ist entscheidend. Entweicht ein gasförmiges Produkt ständig aus einem offenen System, steht es für die Rückreaktion nicht vollständig zur Verfügung. Ein geschlossenes System hält die Reaktionspartner im betrachteten Gefäß und ermöglicht so die Einstellung des Gleichgewichts.

Definition

Katalysator

Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion. Das Gleichgewicht wird dadurch schneller erreicht, seine Zusammensetzung und $K_c$ ändern sich bei gleicher Temperatur jedoch nicht.

Merke

Ein Katalysator verändert die Einstellgeschwindigkeit, nicht die Gleichgewichtslage.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWas bewirkt ein Katalysator in einer Gleichgewichtsreaktion?
Lösung: Das Gleichgewicht wird schneller erreicht, ohne dass sich seine Lage ändert. — Der Katalysator wirkt auf beide Reaktionsrichtungen. Daher verkürzt er die Einstellzeit, verändert aber nicht die Gleichgewichtszusammensetzung.
Frage 2 von 2SchwerBei einer Gasreaktion beträgt die Summe der stöchiometrischen Koeffizienten gasförmiger Stoffe links drei und rechts eins. Was bewirkt eine Kompression?
Lösung: Die rechte Seite wird begünstigt. — Die Volumenverkleinerung erhöht den Druck. Das System weicht zur Seite mit der kleineren Summe der stöchiometrischen Koeffizienten gasförmiger Stoffe aus.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Chemisches Gleichgewicht
    • Dynamik: gleiche Geschwindigkeiten bei fortlaufenden Reaktionen
    • Beobachtung: konstante, nicht notwendig gleiche Konzentrationen
    • Beschreibung: Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante Kc
    • Konzentrationsstörung: zugegebenen Stoff verbrauchen oder entzogenen Stoff nachbilden
    • Temperaturstörung: endotherme oder exotherme Richtung begünstigen
    • Druckstörung: bei Gasen die Seite mit weniger oder mehr Gasteilchen begünstigen
    • Katalysator: Gleichgewicht schneller erreichen, Lage nicht verändern
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet Gleichgewichtslage und Reaktionsgeschwindigkeit richtig?
Lösung: Die Lage beschreibt die Zusammensetzung; die Geschwindigkeit beschreibt den Stoffumsatz pro Zeit. — Die Gleichgewichtslage zeigt, welche Seite stärker vertreten ist. Im dynamischen Gleichgewicht laufen beide Richtungen trotzdem gleich schnell weiter.
Frage 2 von 3MittelFür $\mathrm A+2\,\mathrm B\rightleftharpoons3\,\mathrm C$ soll $K_c$ aufgestellt werden. Welcher Ausdruck ist richtig?
Lösung: $K_c=\frac{c^3(\mathrm C)}{c(\mathrm A)\,c^2(\mathrm B)}$ — Produkte gehören in den Zähler, Edukte in den Nenner. Die Koeffizienten 1, 2 und 3 bestimmen die Exponenten.
Frage 3 von 3SchwerEine exotherme Gasreaktion bildet rechts weniger Gasteilchen als links. Welche Kombination begünstigt die Produktseite?
Lösung: Temperatur senken und Druck erhöhen — Wärmeentzug begünstigt die exotherme Produktbildung. Eine Druckerhöhung begünstigt zugleich die Seite mit weniger Gasteilchen – hier ebenfalls die Produktseite.

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