Chemie

Veresterung: Reaktion, Gleichgewicht und Mechanismus

Veresterung: Reaktion, Gleichgewicht und Mechanismus
Veresterung: Reaktion, Gleichgewicht und Mechanismus
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einer Veresterung reagieren eine Carbonsäure und ein Alkohol zu einem Ester und Wasser. Die Reaktion ist umkehrbar und läuft daher nicht automatisch vollständig bis zum Ester ab.

Du lernst zuerst das Reaktionsschema und die beteiligten Gruppen kennen. Danach untersuchst du das Gleichgewicht und – als Vertiefung – den säurekatalysierten Mechanismus.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die beteiligten Gruppen erkennen

Eine Carbonsäure besitzt eine Carboxygruppe. Sie wird verkürzt als $-COOH$ geschrieben. Ein Alkohol besitzt eine Hydroxygruppe $-OH$.

Im Ester sind der Säurerest und der Alkoholrest über die Estergruppe $-COO-$ miteinander verbunden. Das Kohlenstoffatom dieser Gruppe ist doppelt an ein Sauerstoffatom und einfach an ein weiteres Sauerstoffatom gebunden.

Definition

Ester

Ein Ester ist eine organische Verbindung mit der Gruppe $R^1-COO-R^2$. $R^1$ und $R^2$ stehen für die übrigen Teile der beteiligten Moleküle.

Achte auf die gesamte Gruppe: Eine Carbonylgruppe $C=O$ allein reicht nicht aus, um einen Stoff als Ester zu erkennen. Direkt neben dem Carbonyl-Kohlenstoff muss ein weiteres Sauerstoffatom stehen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Gruppe kennzeichnet einen Carbonsäureester?
Lösung: $-COO-$ — Die Estergruppe enthält ein Carbonyl-Kohlenstoffatom und ein daran einfach gebundenes Sauerstoffatom: $-COO-$.
Das Reaktionsschema verstehen

Die allgemeine Veresterung lautet:

$$R^1-COOH + R^2-OH \rightleftharpoons R^1-COO-R^2 + H_2O$$

In Worten:

Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser

Da bei der Reaktion Wasser abgespalten wird, ist die Veresterung eine Kondensationsreaktion. Der Doppelpfeil zeigt zugleich, dass Hin- und Rückreaktion möglich sind. Die Rückreaktion heißt Esterhydrolyse oder Esterspaltung.

Merke

Bei der Veresterung entstehen Ester und Wasser. Bei der Hydrolyse reagieren Ester und Wasser wieder zu Carbonsäure und Alkohol.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei einer Veresterung reagieren eine und ein . Dabei entstehen ein und .

Lösungen: Lücke 1: Carbonsäure; Lücke 2: Alkohol; Lücke 3: Ester; Lücke 4: Wasser. Prüfe die Stoffbilanz: Carbonsäure und Alkohol stehen auf der Eduktseite, Ester und Wasser auf der Produktseite.
Ein vollständiges Beispiel formulieren

Ethansäure reagiert mit Ethanol zu Ethansäureethylester, auch Ethylacetat genannt, und Wasser.

$$CH_3-COOH + CH_3-CH_2-OH \rightleftharpoons CH_3-COO-CH_2-CH_3 + H_2O$$

So ordnest du die Formel:

  1. $CH_3-COOH$ ist die Carbonsäure, weil sie die Carboxygruppe $-COOH$ enthält.
  2. $CH_3-CH_2-OH$ ist der Alkohol, weil er eine Hydroxygruppe besitzt.
  3. Im Produkt $CH_3-COO-CH_2-CH_3$ verbindet die Estergruppe die beiden Reste.
  4. Zusätzlich entsteht Wasser.

Der Name des Esters zeigt seine Herkunft: Der Teil Ethansäure- verweist auf die Carbonsäure, der Teil -ethyl- auf den Alkohol Ethanol.

Beispiel

Pentan-1-ol kann mit Ethansäure reagieren. Das Reaktionsschema lautet:

$$CH_3-COOH + CH_3-(CH_2)_4-OH \rightleftharpoons CH_3-COO-(CH_2)_4-CH_3 + H_2O$$

Das Produkt ist Ethansäurepentylester. Dem Ester wird ein Bananengeruch zugeordnet.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Produktseite ergänzt die Reaktion von Ethansäure mit Ethanol richtig?
Lösung: Ethansäureethylester und Wasser — Verknüpfe Säure- und Alkoholrest zur Estergruppe und ergänze das abgespaltene Wasser.
Das Gleichgewicht beeinflussen

Bei einer Gleichgewichtsreaktion laufen Hin- und Rückreaktion gleichzeitig ab. Nach einiger Zeit verändern sich die Stoffmengen nicht mehr merklich, obwohl weiterhin Teilchen reagieren.

Soll mehr Ester entstehen, kann das Gleichgewicht zur Produktseite verschoben werden:

  • Wasser entfernen: Ein Produkt fehlt und wird durch weitere Hinreaktion nachgebildet.
  • Ein Edukt im Überschuss einsetzen: Mehr Carbonsäure oder Alkohol begünstigt die Bildung der Produkte.

Dafür können beispielsweise Molekularsiebe oder geeignete Destillationsverfahren Wasser aus dem Reaktionsgemisch entfernen.

Gut zu wissen

Ein Säurekatalysator beschleunigt das Erreichen des Gleichgewichts. Er verschiebt die Gleichgewichtslage jedoch nicht. Reaktionsgeschwindigkeit und Gleichgewichtslage sind deshalb verschiedene Dinge.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Veresterung hat ihr Gleichgewicht erreicht. Welche Maßnahme fördert die Bildung von weiterem Ester?
Lösung: Wasser aus dem Gemisch entfernen — Durch den Entzug eines Produkts wird weitere Hinreaktion begünstigt. Ein Katalysator verändert dagegen nur die Geschwindigkeit.
Frage 2 von 2SchwerZwei Ansätze enthalten dieselben Mengen Carbonsäure und Alkohol. Einer enthält mehr Säurekatalysator. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Dieser Ansatz kann das Gleichgewicht schneller erreichen, aber die Gleichgewichtslage bleibt gleich. — Säure wirkt katalytisch: Sie eröffnet einen schnelleren Reaktionsweg und wird regeneriert. Die Reaktion bleibt umkehrbar.
Vertiefung: Den Mechanismus erklären

Die Fischer-Veresterung ist eine säurekatalysierte Veresterung. Der Mechanismus erklärt, weshalb der Alkohol angreifen und später Wasser abgespalten werden kann.

  1. Protonierung: Die Carbonsäure nimmt ein Proton $H^+$ auf. Dadurch wird das Carbonyl-Kohlenstoffatom stärker elektrophil, also für ein elektronenreiches Teilchen leichter angreifbar.
  2. Nukleophiler Angriff: Ein freies Elektronenpaar am Sauerstoff des Alkohols greift das Carbonyl-Kohlenstoffatom an. Eine neue Bindung zwischen beiden Edukten entsteht.
  3. Protonenübertragung: Am Zwischenprodukt werden Protonen übertragen. Dadurch wird eine Hydroxygruppe in eine protonierte Gruppe umgewandelt, die als Wasser austreten kann.
  4. Wasserabspaltung: Wasser wird abgespalten und die Carbonylgruppe bildet sich erneut.
  5. Deprotonierung: Das Zwischenprodukt gibt ein Proton ab. Der Ester liegt vor und das für die Katalyse benötigte Proton ist zurückgebildet.
Merke

Die Säure macht erst das Carbonyl-Kohlenstoffatom reaktiver und später Wasser zur geeigneten Abgangsgruppe. Da das Proton am Ende zurückgebildet wird, ist es ein Katalysator.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas geschieht zu Beginn der säurekatalysierten Veresterung?
Lösung: Die Carbonsäure wird protoniert und dadurch aktiviert. — Die Protonierung erhöht die Elektrophilie des Carbonyl-Kohlenstoffatoms und erleichtert so den folgenden Angriff des Alkohols.
Frage 2 von 3MittelWarum ist die Protonenübertragung vor der Wasserabspaltung wichtig?
Lösung: Sie erzeugt eine Gruppe, die als Wasser austreten kann. — Eine nicht protonierte Hydroxygruppe ist eine ungünstige Abgangsgruppe. Nach der Protonenübertragung kann neutrales Wasser abgespalten werden.
Frage 3 von 3SchwerWoran erkennst du im Mechanismus die katalytische Wirkung des Protons?
Lösung: Es wird anfangs aufgenommen und am Ende wieder abgegeben. — Ein Katalysator wird während der Reaktionsschritte beteiligt, liegt nach dem Zyklus aber wieder vor.
Von einzelnen Estern zu Polyestern

Ester werden unter anderem als Duft- und Aromastoffe, Lösungsmittel und Bausteine von Kunststoffen verwendet. Ein Geruch allein beweist jedoch nicht sicher, welcher Ester vorliegt.

Besitzen beide Ausgangsstoffe jeweils zwei reaktionsfähige Gruppen, können sie sich wiederholt verknüpfen. Terephthalsäure hat zwei Carboxygruppen; Ethan-1,2-diol hat zwei Hydroxygruppen. Durch wiederholte Esterbildung entstehen viele Esterbindungen in einem großen Molekül: Polyethylenterephthalat, kurz PET.

Beispiel

Ein Molekül mit nur einer Carboxygruppe kann an dieser Stelle eine Esterbindung bilden. Eine Dicarbonsäure besitzt zwei Carboxygruppen und kann deshalb zwei Verknüpfungen eingehen. Zusammen mit einem Diol lässt sich so eine lange Polyesterkette aufbauen.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWarum können Terephthalsäure und Ethan-1,2-diol lange Polyesterketten bilden?
Lösung: Beide Molekülarten besitzen jeweils zwei reaktionsfähige Gruppen und können sich wiederholt verknüpfen. — Zwei Carboxygruppen und zwei Hydroxygruppen ermöglichen wiederholte Veresterungen und damit viele Esterbindungen in einer Kette.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Veresterung
    • Edukte: Carbonsäure und Alkohol
    • Produkte: Ester und Wasser
    • Kennzeichen: Kondensation und Gleichgewicht
    • Steuerung: Wasserentzug oder Eduktüberschuss
    • Katalyse: Aktivierung und Regeneration des Protons
    • Anwendung: Duftstoffe, Lösungsmittel und Polyester
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Gleichung beschreibt eine Veresterung?
Lösung: Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser — Die Veresterung verbindet den Säure- und Alkoholrest zu einem Ester; zusätzlich entsteht Wasser.
Frage 2 von 4MittelIn einem Reaktionsgemisch soll mehr Ester entstehen. Welche Begründung ist fachlich richtig?
Lösung: Wasserentzug begünstigt die Hinreaktion, weil ein Produkt entfernt wird. — Die Gleichgewichtslage lässt sich durch Stoffmengen beeinflussen. Produktentzug fördert die weitere Produktbildung.
Frage 3 von 4SchwerEin Stoff enthält eine $C=O$-Gruppe, aber kein direkt daran einfach gebundenes zweites Sauerstoffatom. Was folgt daraus?
Lösung: Die Carbonylgruppe allein beweist nicht, dass der Stoff ein Ester ist. — Prüfe immer die gesamte funktionelle Gruppe. Beim Ester ist das Carbonyl-Kohlenstoffatom zusätzlich einfach an ein Sauerstoffatom gebunden.
Frage 4 von 4SchwerOrdne die Schritte des Fischer-Mechanismus gedanklich. Welche Abfolge ist richtig?
Lösung: Protonierung → Alkoholangriff → Protonenübertragung → Wasserabspaltung → Deprotonierung — Erst aktiviert das Proton die Carbonsäure. Nach Angriff und Protonenübertragung kann Wasser austreten; abschließend wird das Proton regeneriert.

Wenn du die Gruppen sicher erkennst, kannst du die Gesamtreaktion formulieren. Wenn du zusätzlich Katalyse und Gleichgewicht auseinanderhältst, kannst du auch erklären, wie eine Estersynthese beschleunigt und ihre Produktausbeute beeinflusst wird.

Passend dazu