Chemie

Alkohole: Aufbau, Namen und Eigenschaften

Alkohole: Aufbau, Namen und Eigenschaften
Alkohole: Aufbau, Namen und Eigenschaften
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Alkohole sind organische Verbindungen mit mindestens einer Hydroxygruppe $-\mathrm{OH}$ an einem Kohlenstoffgerüst. Diese Gruppe bestimmt viele Eigenschaften: Sie ermöglicht Wasserstoffbrücken, beeinflusst die Löslichkeit und spielt bei Reaktionen eine zentrale Rolle. Hier lernst du, einfache Alkanole zu erkennen, zu benennen, einzuordnen und ihre Eigenschaften sowie ihre Oxidation aus der Struktur abzuleiten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die Hydroxygruppe erkennen
Definition

Alkohol

Ein Alkohol besitzt mindestens eine Hydroxygruppe $-\mathrm{OH}$. Bei einem Alkohol ist das Sauerstoffatom der OH-Gruppe mit einem gesättigten Kohlenstoffatom verbunden. Die Kurzschreibweise lautet $\mathrm{R-OH}$; $\mathrm R$ steht für den Kohlenwasserstoffrest.

Die Hydroxygruppe besteht aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom. Sie ist die funktionelle Gruppe: der Teil eines Moleküls, der sein typisches chemisches Verhalten besonders stark prägt.

Bei Alkanolen ist der Kohlenstoffrest von einem Alkan abgeleitet. Für offenkettige, gesättigte Alkanole mit genau einer OH-Gruppe gilt:

$$\mathrm{C_nH_{2n+1}OH}$$

Diese Formel gilt nicht unverändert für ungesättigte oder mehrwertige Alkohole.

Beispiel

Methan hat die Formel $\mathrm{CH_4}$. Ersetzt man ein H-Atom durch eine OH-Gruppe, entsteht Methanol: $\mathrm{CH_3OH}$. Bei Ethanol lautet die vereinfachte Strukturformel $\mathrm{CH_3CH_2OH}$. In beiden Formeln kannst du die OH-Gruppe direkt markieren.

Phenole besitzen ebenfalls eine OH-Gruppe, doch diese ist direkt an ein aromatisches Ringsystem gebunden. Wegen dieser anderen Bindungssituation werden Phenole nicht zu den Alkoholen gezählt.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Struktur gehört zu einem einfachen Alkanol?
Lösung: $\mathrm{CH_3CH_2OH}$ — Bei einem Alkanol suchst du nach einer Hydroxygruppe, deren Sauerstoff an einen gesättigten Kohlenstoffrest gebunden ist.
Alkanole systematisch benennen

Der Name verrät dir die Zahl der Kohlenstoffatome und die Position der OH-Gruppe.

  1. Suche die längste Kohlenstoffkette, die das C-Atom mit der OH-Gruppe enthält.
  2. Nummeriere die Kette so, dass die OH-Gruppe die kleinste mögliche Positionszahl erhält.
  3. Nimm den Namen des passenden Alkans und ersetze die Endung durch -ol.
  4. Setze die Positionszahl unmittelbar vor -ol.
Beispiel

$\mathrm{CH_3CH_2CH_2OH}$ besitzt drei C-Atome. Die OH-Gruppe sitzt am ersten C-Atom. Der Name lautet Propan-1-ol.

$\mathrm{CH_3CHOHCH_3}$ besitzt ebenfalls drei C-Atome, aber die OH-Gruppe sitzt am zweiten C-Atom. Der Name lautet Propan-2-ol.

Die ersten Glieder einer homologen Reihe unterscheiden sich jeweils um eine $\mathrm{CH_2}$-Einheit:

Zahl der C-AtomeNameVereinfachte Strukturformel
1Methanol$\mathrm{CH_3OH}$
2Ethanol$\mathrm{CH_3CH_2OH}$
3Propan-1-ol$\mathrm{CH_3CH_2CH_2OH}$
4Butan-1-ol$\mathrm{CH_3CH_2CH_2CH_2OH}$

Bei mehreren OH-Gruppen verwendest du -diol, -triol und passende Positionszahlen. So heißt $\mathrm{HOCH_2CHOHCH_2OH}$ systematisch Propan-1,2,3-triol.

Merke

Die OH-Gruppe hat beim Nummerieren Vorrang vor Alkylseitenketten und erhält eine möglichst kleine Positionszahl.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Name bezeichnet ein Molekül mit zwei OH-Gruppen?
Lösung: Butan-1,2-diol — Die Endung -diol zeigt zwei Hydroxygruppen an; die beiden Zahlen nennen ihre Positionen.
Frage 2 von 2MittelWie heißt $\mathrm{CH_3CH_2CHOHCH_3}$ systematisch?
Lösung: Butan-2-ol — Die längste Kette besitzt vier C-Atome. Vom näheren Ende gezählt sitzt die OH-Gruppe an C-2.
Primäre, sekundäre und tertiäre Alkohole unterscheiden

Für diese Einteilung zählst du nur die C-Nachbarn des C-Atoms, das die OH-Gruppe trägt. Die Position in einer gezeichneten Zeile allein reicht nicht.

AlkoholtypC-Nachbarn am OH-tragenden CAllgemeines Muster
primär0 oder 1$\mathrm{R-CH_2-OH}$; Methanol ist der Sonderfall ohne C-Nachbarn
sekundär2$\mathrm{R_2CH-OH}$
tertiär3$\mathrm{R_3C-OH}$
Beispiel

In Butan-2-ol, $\mathrm{CH_3CHOHCH_2CH_3}$, ist das OH-tragende C-Atom mit zwei weiteren C-Atomen verbunden. Butan-2-ol ist deshalb ein sekundärer Alkohol.

In 2-Methylpropan-2-ol ist das OH-tragende C-Atom mit drei weiteren C-Atomen verbunden. Dieser Alkohol ist tertiär.

Ein Alkohol kann außerdem einwertig oder mehrwertig sein. Diese Wörter geben nur die Anzahl der OH-Gruppen an. Sie sagen nicht, ob ein bestimmtes OH-tragendes C-Atom primär, sekundär oder tertiär ist.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin OH-tragendes C-Atom ist mit drei anderen C-Atomen verbunden. Wie wird der Alkohol eingeordnet?
Lösung: tertiär — Tertiär beschreibt drei C-Nachbarn am OH-tragenden C-Atom. Dreiwertig würde dagegen drei OH-Gruppen im Molekül bedeuten.
Frage 2 von 2SchwerEin Molekül besitzt zwei OH-Gruppen. Eine sitzt an einem primären, die andere an einem sekundären C-Atom. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Der Alkohol ist zweiwertig und enthält eine primäre sowie eine sekundäre OH-Position. — Bei mehreren OH-Gruppen prüfst du zuerst ihre Anzahl und dann jede OH-Position getrennt nach ihren C-Nachbarn.
Eigenschaften aus dem Molekülbau erklären

Die OH-Gruppe ist polar: Sauerstoff zieht die Bindungselektronen stärker an als Wasserstoff und Kohlenstoff. Dadurch trägt Sauerstoff eine negative, der Wasserstoff der OH-Gruppe eine positive Teilladung.

Zwischen Alkoholmolekülen können deshalb Wasserstoffbrücken entstehen. Das sind vergleichsweise starke Anziehungen zwischen dem positiv polarisierten H-Atom einer OH-Gruppe und dem negativ polarisierten O-Atom eines anderen Moleküls.

Merke

Stärkere zwischenmolekulare Anziehung bedeutet: Zum Trennen der Moleküle ist mehr Energie nötig. Deshalb sieden Alkohole höher als vergleichbare Alkane.

Ein Alkohol besitzt zugleich einen polaren OH-Teil und einen unpolaren Kohlenwasserstoffrest. Diese Verbindung zweier unterschiedlicher Bereiche nennt man amphiphil.

  • Kurze Kohlenstoffkette: Die OH-Gruppe prägt das Verhalten stark; die Wasserlöslichkeit ist hoch.
  • Längere Kohlenstoffkette: Der unpolare Anteil wird größer; die Wasserlöslichkeit nimmt ab.
  • Längere Kette: Die Anziehung zwischen den Kohlenwasserstoffresten nimmt zu; innerhalb einer vergleichbaren Alkanolreihe steigen die Siedetemperaturen im Allgemeinen.
  • Mehr OH-Gruppen: Es sind mehr Wasserstoffbrücken möglich; das erhöht meist die Schmelz- und Siedetemperaturen.
Beispiel

Propan-1-ol und Pentan-1-ol besitzen jeweils eine OH-Gruppe. Pentan-1-ol hat jedoch den größeren unpolaren Rest. Deshalb ist Pentan-1-ol schlechter in Wasser löslich. Seine größere Moleküloberfläche verstärkt zugleich die Anziehung zwischen den unpolaren Resten.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die OH-Gruppe ist . Zwischen Alkoholmolekülen entstehen deshalb . Mit wachsender Kohlenstoffkette wird der unpolare Anteil ; die Wasserlöslichkeit nimmt im Allgemeinen .

Lösungen: Lücke 1: polar; Lücke 2: Wasserstoffbrücken; Lücke 3: größer; Lücke 4: ab. Entscheidend ist das Gegenspiel von polarer OH-Gruppe und unpolarem Kohlenwasserstoffrest.

Stoffklasse, einzelner Stoff und Gemisch

Chemisch bezeichnet Alkohol eine Stoffklasse. Ethanol ist ein einzelner Stoff aus dieser Klasse. Ein alkoholisches Getränk ist dagegen ein Gemisch aus Ethanol, Wasser und weiteren Bestandteilen.

Methanol und Ethanol darfst du nicht gleichsetzen. Methanol ist stark giftig und kann unter anderem Blindheit oder Tod verursachen. Auch Ethanol kann die Gesundheit schädigen. Diese Risiken folgen nicht einfach aus dem Wort „Alkohol“, sondern müssen für den jeweiligen Stoff und die Menge betrachtet werden.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin unbekanntes Alkanol hat eine längere Kette als Propan-1-ol, aber ebenfalls nur eine OH-Gruppe. Welche Vorhersage ist begründet?
Lösung: Sein unpolarer Anteil ist größer und seine Wasserlöslichkeit tendenziell geringer. — Die Zahl der OH-Gruppen bleibt gleich, während der unpolare Kohlenwasserstoffrest wächst. Daher sinkt im Allgemeinen die Wasserlöslichkeit.
Oxidation aus dem Alkoholtyp ableiten

Bei einer Oxidation werden einem Alkohol in der vereinfachten Betrachtung Wasserstoffatome entzogen oder Sauerstoff wird aufgenommen. Das Symbol $[\mathrm O]$ steht in Reaktionsschemata für ein Oxidationsmittel; es bezeichnet kein einzelnes frei vorliegendes Sauerstoffatom.

Der Alkoholtyp hilft dir, das erste organische Produkt vorherzusagen:

  • primärer Alkohol $\rightarrow$ Aldehyd; bei weiterer Oxidation kann eine Carbonsäure entstehen,
  • sekundärer Alkohol $\rightarrow$ Keton,
  • tertiärer Alkohol $\rightarrow$ unter üblichen milden Bedingungen keine entsprechende Oxidation, ohne C-C-Bindungen zu spalten.
Beispiel

Ethanol ist primär. Seine erste Oxidationsstufe ist Ethanal:

$$\mathrm{CH_3CH_2OH + [O] \rightarrow CH_3CHO + H_2O}$$

Ethanal kann weiter zu Ethansäure oxidiert werden:

$$\mathrm{CH_3CHO + [O] \rightarrow CH_3COOH}$$

Propan-2-ol ist sekundär. Es wird zu Propanon oxidiert:

$$\mathrm{CH_3CHOHCH_3 + [O] \rightarrow CH_3COCH_3 + H_2O}$$

In jedem Schema stimmen die Anzahlen der C-, H- und O-Atome auf beiden Seiten überein.

Die Aussagen gelten als Reaktionsschemata. Ob und wie schnell eine Oxidation abläuft, hängt vom Oxidationsmittel und von den Reaktionsbedingungen ab.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelches erste organische Produkt erwartest du bei der Oxidation von Propan-2-ol?
Lösung: Propanon — Ein sekundärer Alkohol wird zum Keton oxidiert. Propan-2-ol ergibt daher Propanon.
Frage 2 von 2SchwerWarum lässt sich das Oxidationsprodukt nicht allein aus der Summenformel eines Alkohols vorhersagen?
Lösung: Die Verknüpfung und die Zahl der C-Nachbarn am OH-tragenden C-Atom sind entscheidend. — Für die Produktvorhersage brauchst du die Strukturformel: Sie zeigt, ob der Alkohol primär, sekundär oder tertiär ist.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Alkohole
    • Aufbau: Kohlenstoffgerüst und mindestens eine Hydroxygruppe
    • Benennung: Stammname, Position und Endung -ol
    • Einteilung: OH-Anzahl sowie primär, sekundär oder tertiär
    • Eigenschaften: Wasserstoffbrücken und amphiphiler Bau
    • Trends: längere Kette senkt meist die Wasserlöslichkeit und erhöht den Siedepunkt
    • Oxidation: primär zu Aldehyd, sekundär zu Keton
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWas kennzeichnet jedes Alkanol?
Lösung: Mindestens eine Hydroxygruppe an einem von einem Alkan abgeleiteten Kohlenstoffgerüst — Die funktionelle Gruppe der Alkanole ist die Hydroxygruppe; Zahl und Form der C-Kette können variieren.
Frage 2 von 4MittelEin Molekül heißt Pentan-2-ol. Welche Aussage folgt sicher aus dem Namen?
Lösung: Es besitzt fünf C-Atome und die OH-Gruppe sitzt an C-2. — Pentan bezeichnet fünf C-Atome, und 2-ol bezeichnet die OH-Gruppe an C-2. Dieses C-Atom hat in der unverzweigten Kette zwei C-Nachbarn, der Alkohol ist also sekundär.
Frage 3 von 4SchwerStoff A und Stoff B sind einwertige Alkanole. B besitzt eine längere unverzweigte Kohlenstoffkette. Welche Kombination ist im Allgemeinen zu erwarten?
Lösung: B ist schlechter wasserlöslich und hat einen höheren Siedepunkt. — Beide Stoffe bilden über ihre OH-Gruppe Wasserstoffbrücken. Bei B ist aber der unpolare Anteil größer und die Anziehung zwischen den größeren Resten stärker.
Frage 4 von 4SchwerEin Alkohol wird zu einem Keton oxidiert. Welche Strukturinformation passt dazu?
Lösung: Das OH-tragende C-Atom ist mit zwei weiteren C-Atomen verbunden. — Ketone entstehen im vereinfachten Reaktionsschema aus sekundären Alkoholen. Entscheidend sind zwei C-Nachbarn am OH-tragenden C-Atom.

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