Chemie

Prinzip von Le Chatelier: Gleichgewichte vorhersagen

Prinzip von Le Chatelier: Gleichgewichte vorhersagen

Prinzip von Le Chatelier: Gleichgewichte vorhersagen
Prinzip von Le Chatelier: Gleichgewichte vorhersagen
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Wie reagiert ein chemisches Gleichgewicht auf eine Änderung? Le Chatelier sagt voraus: Wird das Gleichgewicht durch eine Konzentrations-, Druck- oder Temperaturänderung gestört, wird die Reaktionsrichtung begünstigt, die der Änderung entgegenwirkt. Die Änderung wird dadurch abgeschwächt, aber nicht einfach rückgängig gemacht.

Auf dieser Seite lernst du, die Verschiebungsrichtung systematisch vorherzusagen und mehrere Einflüsse bei der Ammoniaksynthese gegeneinander abzuwägen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum reagiert ein Gleichgewicht auf eine Störung?

In einem dynamischen chemischen Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion gleichzeitig ab. Beide sind gleich schnell. Deshalb bleiben die Konzentrationen der beteiligten Stoffe konstant, obwohl auf Teilchenebene weiterhin Reaktionen stattfinden. Konstant bedeutet dabei nicht, dass Edukte und Produkte dieselbe Konzentration haben.

Definition

Prinzip von Le Chatelier

Wird ein System im chemischen Gleichgewicht durch eine äußere Änderung gestört, verschiebt sich das Gleichgewicht so, dass die Wirkung dieser Änderung vermindert wird. Typische Änderungen betreffen Konzentration, Gasdruck und Temperatur. Nicht jede Änderung stört das Gleichgewicht; die Bedingungen sind entscheidend.

Das Prinzip sagt die bevorzugte Reaktionsrichtung nach einer Störung voraus. Es sagt allein weder, wie groß die Verschiebung ist, noch wie schnell das neue Gleichgewicht erreicht wird.

Merke

Frage immer: Was wurde geändert, und welche Reaktionsrichtung vermindert genau diese Änderung?

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Frage 1 von 1LeichtWoran erkennst du ein dynamisches Gleichgewicht?
Lösung: Hin- und Rückreaktion laufen gleich schnell; die Konzentrationen bleiben konstant. — „Dynamisch“ bedeutet, dass beide Reaktionsrichtungen weiterlaufen. Konstant bleibt die Zusammensetzung im Gleichgewicht, nicht die Tätigkeit der Teilchen.
Wie wirkt eine Konzentrationsänderung?

Bei unveränderter Temperatur und ansonsten gleichen Bedingungen gilt für einen gasförmigen oder gelösten Reaktionspartner: Wird seine Konzentration erhöht, wird die Reaktionsrichtung begünstigt, die diesen Stoff verbraucht. Wird ein Stoff entfernt, wird die Richtung begünstigt, die ihn nachbildet.

Beispiel

Für das Gleichgewicht der gasförmigen Stoffe

$$\mathrm{H_2 + I_2 \rightleftharpoons 2\,HI}$$

gilt:

  • Gibst du mehr $\mathrm{I_2}$ hinzu, wird die Hinreaktion begünstigt. Sie verbraucht $\mathrm{I_2}$ und bildet mehr $\mathrm{HI}$.
  • Gibst du mehr $\mathrm{HI}$ hinzu, wird die Rückreaktion begünstigt. Sie verbraucht einen Teil des zugesetzten Produkts.
  • Entfernst du $\mathrm{HI}$, wird die Hinreaktion begünstigt. Sie bildet das entfernte Produkt nach.

Nach einem einmaligen Eingriff stellt sich wieder ein Gleichgewicht ein. Bei fortlaufender Entnahme wird das System dagegen ständig weiter gestört.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Kurzregel passt zu einer erhöhten Stoffkonzentration?
Lösung: Begünstigt wird die Richtung, die den zugesetzten Stoff verbraucht. — Suche den zugesetzten Stoff in der Reaktionsgleichung und wähle dann die Richtung, in der er verbraucht wird.
Frage 2 von 2MittelBeim Gleichgewicht $\mathrm{H_2 + I_2 \rightleftharpoons 2\,HI}$ wird fortlaufend $\mathrm{HI}$ entfernt. Was folgt?
Lösung: Die Hinreaktion wird begünstigt, weil sie $\mathrm{HI}$ nachbildet. — Entfernen bedeutet Konzentrationssenkung. Das System vermindert diese Änderung, indem es die Bildung des entfernten Stoffes begünstigt.

Reine Feststoffe und reine Flüssigkeiten sind ein Sonderfall: Solange die jeweilige Phase vorhanden bleibt, verschiebt die bloße Änderung ihrer Menge das Gleichgewicht nicht.

Wie entscheidest du bei einer Druckänderung?

Die Druckregel gilt für Gasgleichgewichte bei Volumenänderung und konstanter Temperatur. Im Modell idealer Gase begünstigt Kompression die Seite mit weniger gasförmigen Teilchen. Vergrößerst du das Volumen, sinkt der Druck; begünstigt wird die Seite mit mehr gasförmigen Teilchen.

Zähle dafür die Koeffizienten, also die Zahlen vor den Formeln, der gasförmigen Stoffe. Die Zeichen $(g)$ und $(s)$ bedeuten gasförmig und fest. Feste und flüssige Stoffe werden bei diesem Gasvergleich nicht mitgezählt.

Beispiel

Gegeben ist:

$$\mathrm{2\,CO(g) \rightleftharpoons CO_2(g) + C(s)}$$

  1. Links stehen zwei gasförmige Teilchenanteile: $2\,\mathrm{CO(g)}$.
  2. Rechts steht ein gasförmiger Teilchenanteil: $1\,\mathrm{CO_2(g)}$. Der feste Kohlenstoff $\mathrm{C(s)}$ zählt nicht mit.
  3. Wird der Druck durch Kompression bei konstanter Temperatur erhöht, wird die rechte Seite mit weniger Gasteilchen begünstigt.

Unter diesen Bedingungen entstehen im neuen Gleichgewicht mehr $\mathrm{CO_2}$ und $\mathrm{C}$ als vor der Druckänderung.

Gut zu wissen

Stehen auf beiden Seiten gleich viele gasförmige Teilchenanteile, verschiebt eine Volumenänderung bei konstanter Temperatur das ideale Gasgleichgewicht nicht.

„Druck erhöht“ allein reicht nicht: Gibst du ein nicht reagierendes Gas (Inertgas) bei konstantem Volumen und konstanter Temperatur hinzu, steigt zwar der Gesamtdruck. Die Konzentrationen der Reaktionspartner bleiben aber gleich; das ideale Gasgleichgewicht verschiebt sich nicht.

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Frage 1 von 1MittelFür $\mathrm{N_2(g) + 3\,H_2(g) \rightleftharpoons 2\,NH_3(g)}$ wird der Druck erhöht. Wohin verschiebt sich das Gleichgewicht?
Lösung: Bei Kompression und konstanter Temperatur zur Produktseite, weil dort zwei statt vier gasförmige Teilchenanteile stehen. — Links ist die Summe der Koeffizienten $1+3=4$, rechts beträgt sie $2$. Bei Kompression vermindert die Produktbildung den Druckanstieg. Ohne Angabe der Ursache der Druckänderung ist die Vorhersage nicht eindeutig.
Wie wirkt eine Temperaturänderung?

Behandle Wärme gedanklich wie einen Bestandteil der Reaktion:

  • Eine exotherme Reaktionsrichtung gibt Wärme ab.
  • Eine endotherme Reaktionsrichtung nimmt Wärme auf.
  • Erwärmen begünstigt die endotherme Richtung, die zugeführte Wärme aufnimmt.
  • Abkühlen begünstigt die exotherme Richtung, die Wärme freisetzt.
Beispiel

Für diese Beispielaufgabe ist die Reaktionsenthalpie $\Delta H$ der Bildung von Distickstofftetraoxid angegeben:

$$\mathrm{2\,NO_2(g) \rightleftharpoons N_2O_4(g)} \qquad \Delta H=-58\,\frac{\mathrm{kJ}}{\mathrm{mol}}$$

Die Einheit bezieht sich hier auf einen Formelumsatz: Aus zwei Mol $\mathrm{NO_2}$ entsteht ein Mol $\mathrm{N_2O_4}$. Das negative $\Delta H$ kennzeichnet die Hinreaktion als exotherm. Beim Erwärmen wird deshalb die endotherme Rückreaktion begünstigt: Mehr $\mathrm{N_2O_4}$ zerfällt zu braunem $\mathrm{NO_2}$, und das Gasgemisch wird dunkler.

Beim Abkühlen wird die exotherme Hinreaktion begünstigt: Mehr farbloses $\mathrm{N_2O_4}$ entsteht, und das Gemisch wird heller.

Merke

Wärme zu: endotherme Richtung. Wärme weg: exotherme Richtung.

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Frage 1 von 1MittelDie Hinreaktion eines Gleichgewichts ist exotherm. Was geschieht beim Abkühlen?
Lösung: Die Hinreaktion wird begünstigt, weil sie Wärme freisetzt. — Beim Abkühlen wird Wärme entzogen. Das System wirkt dem entgegen, indem es die wärmefreisetzende, exotherme Richtung begünstigt.
Wie kombinierst du die Einflüsse bei Ammoniak?

Für die Ammoniaksynthese gilt:

$$\mathrm{N_2(g) + 3\,H_2(g) \rightleftharpoons 2\,NH_3(g)}$$

Die Hinreaktion ist exotherm. Daraus folgen drei qualitative Vorhersagen:

  • Kompression bei gleicher Temperatur begünstigt $\mathrm{NH_3}$, weil auf der Produktseite zwei statt vier gasförmige Teilchenanteile stehen.
  • Niedrigere Temperatur begünstigt die exotherme Produktbildung.
  • Entnahme von $\mathrm{NH_3}$ begünstigt seine Nachbildung.

Technische Bedingungen richten sich aber nicht nur nach der Gleichgewichtslage. Eine niedrige Temperatur begünstigt zwar die Produktseite, kann die Einstellung des Gleichgewichts jedoch verlangsamen. Sehr hoher Druck begünstigt Ammoniak, stellt aber höhere technische Anforderungen. Deshalb ist die reale Wahl von Druck und Temperatur ein Kompromiss aus günstiger Gleichgewichtslage, ausreichender Geschwindigkeit und technischer Umsetzbarkeit.

Definition

Katalysator

Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion und sorgt dafür, dass das Gleichgewicht schneller erreicht wird. Er verschiebt die Gleichgewichtslage nicht und erhöht die Gleichgewichtsausbeute nicht.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Begründung bewertet die Bedingungen der Ammoniaksynthese vollständig?
Lösung: Hoher Druck und niedrige Temperatur begünstigen die Ammoniakseite; praktisch müssen Gleichgewichtslage, Geschwindigkeit und technische Anforderungen abgewogen werden. — Eine technische Entscheidung verbindet die qualitative Gleichgewichtsvorhersage mit Reaktionsgeschwindigkeit und Umsetzbarkeit. Der Katalysator verkürzt nur die Zeit bis zum Gleichgewicht.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Prinzip von Le Chatelier
    • Ausgangslage
      • dynamisches Gleichgewicht
      • gleich schnelle Hin- und Rückreaktion
    • Äußerer Zwang
      • Konzentration ändern
      • Gasdruck ändern
      • Temperatur ändern
    • Vorhersage
      • zugesetzten Stoff verbrauchen
      • entfernten Stoff nachbilden
      • bei Kompression und gleicher Temperatur weniger Gasteilchen begünstigen
      • bei Erwärmung endotherme Richtung begünstigen
    • Technische Anwendung
      • Gleichgewichtslage beachten
      • Geschwindigkeit und Umsetzbarkeit abwägen
      • Katalysator von Verschiebung unterscheiden

Gehe bei jeder Aufgabe in derselben Reihenfolge vor: Änderung benennen, passende Regel auswählen, Reaktionsgleichung auswerten und die Verschiebungsrichtung mit einem vollständigen Satz begründen.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt das Prinzip von Le Chatelier richtig?
Lösung: Ein gestörtes Gleichgewicht verschiebt sich so, dass die Wirkung der Störung vermindert wird. — Das Prinzip ist eine qualitative Regel für die bevorzugte Verschiebungsrichtung nach einer äußeren Änderung.
Frage 2 von 3MittelBei $\mathrm{2\,NO_2(g) \rightleftharpoons N_2O_4(g)}$ wird der Druck erhöht. Welche Vorhersage ist richtig?
Lösung: Bei Kompression und konstanter Temperatur verschiebt es sich nach rechts, weil dort weniger gasförmige Teilchenanteile stehen. — Zuerst muss geklärt sein, wie der Druck erhöht wird. Für Kompression bei gleicher Temperatur vergleichst du die gasförmigen Koeffizienten: links $2$, rechts $1$.
Frage 3 von 3SchwerEin exothermes Gasgleichgewicht bildet auf der Produktseite weniger Gasteilchen. Bei welcher Kombination begünstigt jeder einzelne Eingriff die Produktseite?
Lösung: Das Gemisch komprimieren, abkühlen und gasförmiges Produkt entnehmen. — Prüfe jeden Einfluss getrennt: Kompression begünstigt bei gleicher Temperatur weniger Gasteilchen, Abkühlen die exotherme Richtung und die Entnahme eines gasförmigen Produkts dessen Nachbildung.

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