Groß- und Kleinschreibung: Regeln einfach erklärt
Kleinschreibung ist der Normalfall. Du schreibst ein Wort groß, wenn es dafür einen bestimmten Grund gibt: Es steht etwa am Satzanfang, ist ein Nomen, wird wie ein Nomen gebraucht, gehört zu einem Eigennamen oder ist eine höfliche Anredeform.
Auf dieser Seite lernst du ein Prüfverfahren kennen, mit dem du solche Gründe erkennst und erklärst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Mit der Grundregel beginnen
Verben, Adjektive, Adverbien, Artikel, Pronomen, Präpositionen und Konjunktionen beginnen normalerweise klein:
- Wir gehen heute ins Kino.
- Das war ein spannender Film.
- Sie kommt vermutlich später.
- Er wartet vor dem Eingang.
Für eine Großschreibung brauchst du dagegen einen erkennbaren Grund.
Prüfe nicht zuerst, warum ein Wort kleingeschrieben wird. Suche zuerst nach einem Grund für die Großschreibung. Findest du keinen, gilt in der Regel die Kleinschreibung.
Ein nützliches Prüfverfahren lautet:
- Steht das Wort am Satzanfang oder am Anfang einer Überschrift oder wörtlichen Rede?
- Ist es ein Eigenname?
- Ist es ein Nomen?
- Wird es wie ein Nomen gebraucht, also substantiviert?
- Gehört es zur höflichen Anrede?
- Steht es nach einem Doppelpunkt? Dann prüfe den folgenden Satzteil genauer.
Nomen an ihrer Funktion erkennen
Nomen
Ein Nomen, auch Substantiv genannt, bezeichnet zum Beispiel Menschen, Tiere, Dinge, Orte oder Vorstellungen. Nomen werden großgeschrieben: Hund, Berlin, Freundschaft.
Vor einem Nomen können verschiedene Begleiter stehen:
- Artikel: der Hund, eine Reise
- Possessivpronomen: mein Buch, unsere Klasse
- Demonstrativpronomen: dieser Weg
- Adjektiv: ein heißer Sommer
- Zahlwort: zwei Kinder
Auch typische Endungen können helfen. Häufige Nomenendungen sind -heit, -keit, -nis, -schaft, -tum und -ung, zum Beispiel Freiheit, Möglichkeit, Finsternis, Freundschaft, Reichtum und Entscheidung.
Ein einzelnes Signal ersetzt nicht das Nachdenken über den Satz. Prüfe immer, welche Aufgabe das Wort im Satz erfüllt.
Im Satz „Meine Tante hat zwei Kinder“ erkennst du beide Nomen an ihrer Funktion:
Tantebezeichnet eine Person und wird vonmeinebegleitet.Kinderbezeichnet Personen und wird durch das Zahlwortzweinäher bestimmt.
Deshalb beginnen beide Wörter groß.
Substantivierte Wörter prüfen
Wörter anderer Wortarten können im Satz die Aufgabe eines Nomens übernehmen. Dann spricht man von einer Substantivierung oder Nominalisierung.
Substantivierung
Bei einer Substantivierung wird ein Wort wie ein Nomen gebraucht und deshalb großgeschrieben: aus tanzen wird das Tanzen, aus neu wird etwas Neues.
Typische Signale sind:
- ein Artikel: das Schreiben, der Kleine
- ein verschmolzener Artikel: beim Essen, zum Mitnehmen, im Allgemeinen
- ein vorausgehendes Adjektiv: lautes Reden, leises Tuscheln
- ein Pronomen oder eine Mengenangabe: etwas Schönes, nichts Neues, alles Gute
- kein folgendes Nomen, auf das sich ein Adjektiv beziehen könnte
beim, im und zum enthalten jeweils einen Artikel: bei dem, in dem und zu dem.
„Das schnelle Laufen strengt mich an.“
- Das Grundwort
laufenist ein Verb. - Hier stehen der Artikel
dasund das Adjektivschnelledavor. Laufenübernimmt im Satz die Aufgabe eines Nomens.- Deshalb wird
Laufengroßgeschrieben.
Bei Adjektiven musst du besonders auf ein mögliches Bezugsnomen achten:
junge und alte Menschen: Die Adjektive beziehen sich aufMenschenund bleiben klein.Jung und Alt: Es folgt kein Bezugsnomen; die Wörter werden substantiviert und großgeschrieben.die neue oder die alte Rechtschreibung: Beide Adjektive beziehen sich aufRechtschreibungund bleiben klein.etwas Neues:Neueswird wie ein Nomen gebraucht und beginnt groß.
Der Sonderfall mit am
In am schönsten ist am Teil der Steigerungsform. Das Adjektiv bleibt klein. Die Ersatzprobe hilft:
im Grünenlässt sich sinnvoll alsin dem Grünenverstehen: substantiviertes Adjektiv, also groß.am schönstenlässt sich nicht sinnvoll zuan dem schönstenerweitern, solange kein Nomen folgt: Superlativ, also klein.
Weitere Gründe für Großschreibung erkennen
Am Anfang eines Satzes wird jedes Wort großgeschrieben, unabhängig von seiner Wortart:
- Heute scheint die Sonne.
- Laufen macht mir Spaß.
Auch das erste Wort einer Überschrift, eines Werktitels und einer wörtlichen Rede beginnt groß.
Eigennamen werden ebenfalls großgeschrieben. Dazu gehören zum Beispiel Namen von Personen und Orten: Angela Merkel, Berlin und Monaco. Ist ein Adjektiv oder Zahlwort fester Bestandteil des Namens, beginnt auch dieser Bestandteil groß: der Schiefe Turm von Pisa, der Zweite Weltkrieg.
Die höflichen Anredeformen Sie, Ihnen, Ihr und ihre gebeugten Formen werden großgeschrieben:
- Können Sie mir helfen?
- Ich danke Ihnen für Ihre Nachricht.
Die vertrauten Anredeformen du, dir, dich und dein schreibt man normalerweise klein. In Briefen und E-Mails an eine konkrete Person dürfen sie auch großgeschrieben werden.
Nach dem Doppelpunkt richtig weiterschreiben
Nach einem Doppelpunkt hängt die Schreibung davon ab, was folgt.
Folgt ein vollständiger Satz, beginnt er groß:
- Viola war sich sicher: Sie hatte die Prüfung bestanden.
Auch wörtliche Rede beginnt groß:
- Die Verkäuferin fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“
Folgt nur eine Aufzählung oder ein unselbstständiger Satzteil, beginnt dieser normalerweise klein:
- Martin kaufte ein: zwei Äpfel, eine Melone und vier Kiwis.
Prüfe nach dem Doppelpunkt: Kann der folgende Teil als selbstständiger Satz mit Satzgliedern und einem gebeugten Verb stehen? Dann beginnt er groß. Eine bloße Aufzählung beginnt klein.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Groß- und Kleinschreibung prüfen
- Satzanfang, Überschrift oder wörtliche Rede: groß
- Eigenname: groß
- Nomen: groß
- Substantivierter Gebrauch: groß
- Höfliche Anrede: groß
- Vollständiger Satz nach Doppelpunkt: groß
- Aufzählung nach Doppelpunkt: gewöhnliche Regeln
- Kein Großschreibungsgrund: klein
Abschluss-Check
Wenn du unsicher bist, benenne die Funktion des Wortes im ganzen Satz. Ein sichtbares Signal ist hilfreich – die grammatische Aufgabe des Wortes liefert die eigentliche Begründung.
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