Im Chat schreibst du wahrscheinlich alles klein – und jeder versteht dich trotzdem. In der Klassenarbeit sieht das anders aus: Da kostet jedes falsch geschriebene „schwimmen" oder „Schwimmen" Punkte. Die gute Nachricht: Hinter der Groß- und Kleinschreibung steckt ein klares System mit wenigen Regeln. Wenn du diese Seite gelesen hast, weißt du genau, welche Wörter groß beginnen – und warum alle anderen klein bleiben.
Die Grundidee: Kleinschreibung ist der Normalfall
Im Deutschen gilt: Kleinschreibung ist der Regelfall, Großschreibung die Ausnahme. Du musst dir also nur merken, welche Wörter groß beginnen – alles andere schreibst du automatisch klein.
Großgeschrieben werden genau vier Gruppen:
- Substantive (Nomen): der Hund, die Freiheit, das Glück
- Substantivierungen: Wörter anderer Wortarten, die wie Nomen gebraucht werden (das Lesen, etwas Schönes)
- Satzanfänge sowie Überschriften und Werktitel
- Namen und Eigennamen und das höfliche Anredepronomen Sie
Kleingeschrieben werden dagegen Verben, Adjektive, Adverbien, Artikel, Pronomen, Präpositionen, Konjunktionen und Zahlwörter – solange sie nicht substantiviert sind oder am Satzanfang stehen.
Merke: Klein ist normal. Groß schreibst du nur: Nomen, Substantivierungen, Satzanfänge, Namen – und das höfliche Sie.
Substantive erkennst du an ihren Begleitern
Substantive (auch Nomen oder Namenwörter genannt) bezeichnen Lebewesen, Dinge und abstrakte Begriffe: die Katze, der Tisch, die Hoffnung. Sie werden im Deutschen immer großgeschrieben – das ist eine Besonderheit, die kaum eine andere Sprache hat.
So erkennst du ein Substantiv:
- Davor steht (oder passt) ein Artikel: der, die, das, ein, eine → ein Baum, die Schule
- Davor steht ein Adjektiv, Pronomen oder Zahlwort: mein Handy, große Ferien, zwei Wochen
- Typische Nomen-Endungen: -ung, -heit, -keit, -schaft, -nis, -tum, -chen, -lein → Hoffnung, Freiheit, Freundschaft
Beispiel: „Meine Tante hat zwei Kinder und einen Hund." – Tante (Pronomen meine davor), Kinder (Zahlwort zwei davor) und Hund (Artikel einen davor) sind Substantive und beginnen groß.
Auch bei zusammengesetzten Substantiven mit Bindestrich bleibt jedes Nomen groß: Fußball-Weltmeisterschaft, U-Bahn. Fremdwörter, die als Nomen gebraucht werden, schreibst du ebenfalls groß: das Make-up, der Swimmingpool.
Merke: Die Artikelprobe entlarvt jedes Substantiv: Passt der, die oder das davor, schreibst du groß.
Substantivierungen: Wenn Verben und Adjektive zu Nomen werden
Verben und Adjektive schreibst du normalerweise klein. Aber sie können die Wortart wechseln: Aus lesen wird das Lesen, aus schön wird etwas Schönes. Diesen Wechsel nennt man Substantivierung (oder Nominalisierung) – und substantivierte Wörter schreibst du groß, denn sie verhalten sich jetzt wie Nomen.
Substantivierungen erkennst du an diesen Signalen:
- Artikel davor: das Tanzen, die Großen
- Versteckter Artikel davor: beim (= bei dem), zum (= zu dem), am (= an dem) → beim Einkaufen, zum Lachen
- Pronomen davor: dein Schnarchen, unser Jubeln
- Mengenangaben davor: etwas, nichts, viel, wenig, alles → etwas Besonderes, nichts Neues, viel Gutes
Beispiel: „Beim heimlichen Naschen erwischte ihn seine Oma." – Beim enthält den versteckten Artikel dem, also ist Naschen substantiviert und wird großgeschrieben. Dass heimlichen dazwischensteht, ändert daran nichts.
Achtung, beliebte Falle: am schönsten ist keine Substantivierung, sondern die Steigerung des Adjektivs (Superlativ). Du testest das mit der Frage „Wie?": „Wie ist es zu Hause? – Am schönsten." Funktioniert die Wie-Frage, schreibst du klein. Vergleiche: „Sie hat sich etwas Schönes gekauft" (Mengenangabe etwas → groß), aber „Zu Hause ist es am schönsten" (Wie-Frage → klein).
Tipp: Umgekehrt gibt es auch den Weg zurück: Ehemalige Substantive, die heute als andere Wortart dienen, schreibst du klein – abends, sonntags, ich nehme teil, du bist schuld daran.
Merke: Artikel, versteckter Artikel (beim, zum, am) oder Mengenangabe (etwas, nichts, viel, alles) davor → Substantivierung → groß.
Satzanfänge, Überschriften und der Doppelpunkt
Das erste Wort eines Satzes schreibst du immer groß – egal welche Wortart es ist: „Heute regnet es." Das gilt nach dem Punkt, aber genauso nach Fragezeichen und Ausrufezeichen, wenn danach ein neuer Satz beginnt. Auch Überschriften und Werktitel beginnen groß: der Roman „Der Herr der Ringe", der Aufsatz „Mein schönstes Erlebnis".
Beim Doppelpunkt musst du genauer hinschauen:
- Folgt ein vollständiger Satz oder wörtliche Rede, schreibst du groß: „Er sagte: ‚Das schaffen wir.'" / „Sie rief: ‚Komm schnell!'"
- Folgt nur eine Aufzählung oder ein Satzteil, schreibst du klein: „Sie wünschte sich nur eins: einen bunten Ball."
Beispiel: „In der Bibliothek gilt: Man muss leise sein." → Nach dem Doppelpunkt steht ein ganzer Satz mit Subjekt und Verb, also groß. Dagegen: „Es gibt bessere Wörter als gehen: spazieren, laufen, schlendern." → Nur eine Aufzählung, also klein.
Merke: Nach dem Doppelpunkt kommt ein ganzer Satz? Dann groß. Kommt nur eine Aufzählung? Dann klein.
Namen, Eigennamen und die höfliche Anrede
Eigennamen bezeichnen eine ganz bestimmte Person, einen Ort oder eine Sache – und werden großgeschrieben:
| Art des Namens | Beispiele |
|---|---|
| Vor- und Nachnamen | Lena, Müller |
| Länder, Städte, Gewässer, Gebirge | Deutschland, Berlin, Mittelmeer, Alpen |
| Straßen | Bahnhofstraße, Tulpenweg |
| Firmen, Vereine, Zeitungen | Deutsche Bahn, Greenpeace |
| historische Ereignisse | der Zweite Weltkrieg |
Bei mehrteiligen Eigennamen wie der Zweite Weltkrieg wird sogar das Adjektiv großgeschrieben, weil es zum Namen gehört.
Bei den Anredepronomen entscheidet die Höflichkeit:
- Die Höflichkeitsform Sie mit allen ihren Formen schreibst du immer groß: „Können Sie mir helfen? Ich danke Ihnen."
- Das vertraute du und ihr schreibst du normalerweise klein: „Kommst du mit?" Nur in Briefen und persönlichen Nachrichten darfst du Du aus Höflichkeit auch großschreiben – beides ist dort erlaubt.
Merke: Das höfliche Sie ist immer groß – so kannst du es vom kleinen sie (= die anderen) unterscheiden.
Typische Stolperfallen
Ein paar Fälle sorgen immer wieder für Fehler – präge sie dir gezielt ein:
- morgen oder Morgen? Als Zeitadverb klein: „Wir sehen uns morgen." Als Tageszeit-Nomen groß: „Am Morgen ist es kühl."
- heute Abend: Tageszeiten nach gestern, heute, morgen gelten als Substantive: gestern Abend, heute Morgen, morgen Mittag.
- ein paar oder ein Paar? ein paar (klein) heißt „einige": ein paar Freunde. ein Paar (groß) heißt „genau zwei, die zusammengehören": ein Paar Schuhe.
- Zahlen als Nomen: Grundzahlwörter sind klein (zwei Hunde), aber substantivierte Zahlen sind groß: eine Fünf in Mathe, jeder Dritte, ein Drittel der Klasse.
- schuld und angst: In Verbindung mit sein sind sie keine Nomen mehr: „Du bist schuld." „Mir wurde angst." Aber mit haben: „Ich habe Angst."
Tipp: Wenn du unsicher bist, mach die Artikelprobe: Passt der/die/das direkt vor das Wort, ohne dass der Satz kaputtgeht? Dann groß – sonst klein.
Zusammenfassung
- Kleinschreibung ist der Normalfall – groß schreibst du nur vier Gruppen: Substantive, Substantivierungen, Satzanfänge/Überschriften, Namen (plus das höfliche Sie).
- Substantive erkennst du an Artikel, Adjektiv, Pronomen oder Zahlwort davor und an Endungen wie -ung, -heit, -keit.
- Substantivierte Verben und Adjektive verraten sich durch Artikel, versteckte Artikel (beim, zum, am) und Mengenangaben (etwas, nichts, viel, alles).
- Nach dem Doppelpunkt: ganzer Satz → groß, Aufzählung → klein.
- Das höfliche Sie ist immer groß, das vertraute du normalerweise klein.
- Merk dir die Stolperfallen: morgen/Morgen, ein paar/ein Paar, jeder Dritte, am schönsten.
Interaktiv üben
- Ich kann erklären, warum Kleinschreibung im Deutschen der Normalfall ist.
- Ich kann Substantive mit der Artikelprobe und an typischen Endungen erkennen.
- Ich kann Substantivierungen an Artikel, verstecktem Artikel und Mengenangabe erkennen und großschreiben.
- Ich kann nach einem Doppelpunkt entscheiden, ob es groß oder klein weitergeht.
- Ich kann Stolperfallen wie morgen/Morgen und ein paar/ein Paar sicher unterscheiden.
Klein ist normal – groß ist die Ausnahme
Im Chat schreibst du vielleicht alles klein – im Deutschen gibt es aber ein klares System, wann ein Wort groß beginnt. Das Beste daran: Du musst nur die Ausnahmen lernen.
Grundregel der Groß- und Kleinschreibung
Kleinschreibung ist der Normalfall. Großgeschrieben werden nur vier Gruppen: Substantive, Substantivierungen, Satzanfänge (auch Überschriften und Werktitel) sowie Namen und Eigennamen – dazu das höfliche Anredepronomen Sie.
Der Satz „heute spielt der kleine hund im garten" wird richtig so geschrieben:
- Heute → Satzanfang, also groß
- spielt, kleine, im → Verb, Adjektiv, Präposition mit Artikel → klein
- Hund, Garten → Substantive, also groß Richtig: „Heute spielt der kleine Hund im Garten."
Klein ist normal. Groß schreibst du nur: Nomen, Substantivierungen, Satzanfänge, Namen – und das höfliche Sie.
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Substantive sicher erkennen
Substantive sind der Kern der Großschreibung. Zum Glück verraten sie sich fast immer durch ihre Begleiter.
Substantiv
Ein Substantiv (Nomen, Namenwort) bezeichnet Lebewesen, Dinge oder abstrakte Begriffe: die Katze, der Tisch, die Hoffnung. Du erkennst es daran, dass ein Artikel (der, die, das, ein, eine), ein Adjektiv, ein Pronomen oder ein Zahlwort davor steht oder passt.
Artikelprobe am Satz „Meine Tante hat zwei Kinder und einen Hund":
- Tante → „die Tante" passt → Substantiv → groß
- Kinder → „die Kinder" passt (hier steht das Zahlwort „zwei" davor) → groß
- Hund → Artikel „einen" steht direkt davor → groß
- hat → „das hat"? Ergibt keinen Sinn → Verb → klein
Die Artikelprobe entlarvt jedes Substantiv: Passt der, die oder das davor, schreibst du groß. Zusätzlich helfen Endungen wie -ung, -heit, -keit, -schaft, -nis.
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Substantivierungen: Verben und Adjektive werden zu Nomen
Jetzt wird es spannend: Auch „lesen" und „schön" können groß werden – wenn sie die Wortart wechseln.
Substantivierung
Eine Substantivierung (Nominalisierung) liegt vor, wenn ein Verb oder Adjektiv wie ein Nomen gebraucht wird: lesen → das Lesen, schön → etwas Schönes. Signale dafür sind ein Artikel (das Tanzen), ein versteckter Artikel (beim = bei dem, zum = zu dem, am = an dem) oder eine Mengenangabe (etwas, nichts, viel, wenig, alles).
„Beim heimlichen Naschen erwischte ihn seine Oma."
- Schritt 1: „Beim" = „bei dem" → versteckter Artikel entdeckt.
- Schritt 2: Der Artikel bezieht sich auf „Naschen" → das Verb ist substantiviert.
- Schritt 3: Also groß – auch wenn das Adjektiv „heimlichen" dazwischensteht.
Artikel, versteckter Artikel (beim, zum, am) oder Mengenangabe (etwas, nichts, viel, alles) davor → Substantivierung → groß. Gegenprobe für Superlative: Funktioniert die Wie-Frage („Wie ist es? – am schönsten"), bleibt es klein.
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Satzanfänge, Doppelpunkt und das höfliche Sie
Nicht nur die Wortart entscheidet – auch die Position im Satz und die Anrede spielen mit.
Großschreibung am Satzanfang
Das erste Wort eines Satzes wird immer großgeschrieben – auch nach Fragezeichen und Ausrufezeichen, wenn ein neuer Satz beginnt. Ebenso beginnen Überschriften und Werktitel groß. Nach einem Doppelpunkt schreibst du groß, wenn ein vollständiger Satz oder wörtliche Rede folgt, und klein, wenn nur eine Aufzählung folgt.
Zwei Doppelpunkt-Fälle im Vergleich:
- „In der Bibliothek gilt: Man muss leise sein." → Nach dem Doppelpunkt steht ein ganzer Satz mit Subjekt und Verb → groß.
- „Es gibt bessere Wörter als gehen: spazieren, laufen, schlendern." → Nur eine Aufzählung → klein.
Das höfliche Sie mit allen Formen (Sie, Ihnen, Ihr) ist immer groß – so unterscheidet es sich vom kleinen „sie" (= die anderen). Das vertraute „du" schreibst du normalerweise klein; nur in Briefen und persönlichen Nachrichten ist „Du" als Höflichkeit ebenfalls erlaubt. Namen und Eigennamen sind immer groß: Lena, Berlin, Deutsche Bahn – bei mehrteiligen Namen wie „der Zweite Weltkrieg" sogar das Adjektiv.
Nach dem Doppelpunkt kommt ein ganzer Satz? Dann groß. Kommt nur eine Aufzählung? Dann klein.
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Alles auf einen Blick
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Abschluss-Check
Jetzt kombinierst du alle Regeln in neuen Situationen. Nimm dir Zeit – hier steckt in jeder Frage mehr als eine Regel.
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