Substantivierung: Regeln, Signale und Übungen
Bei einer Substantivierung wird ein Wort einer anderen Wortart wie ein Substantiv verwendet. Deshalb schreibst du es groß: aus lesen wird das Lesen, aus neu wird etwas Neues.
Auf dieser Seite lernst du, substantivierte Verben und Adjektive zu erkennen, von ähnlichen Kleinschreibungen abzugrenzen und deine Entscheidung zu begründen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was wird bei einer Substantivierung verändert?
Substantivierung
Eine Substantivierung liegt vor, wenn ein Wort einer anderen Wortart die Aufgabe eines Substantivs übernimmt. Ein anderer Fachausdruck dafür ist Nominalisierung.
Vergleiche:
- Wir lesen eine Geschichte. – lesen ist ein Verb und wird kleingeschrieben.
- Das Lesen macht mir Freude. – Lesen ist der Kern einer Wortgruppe und wird wie ein Substantiv verwendet.
- Die neue Schülerin stellt sich vor. – neue beschreibt das Substantiv Schülerin.
- Die Neue stellt sich vor. – Neue übernimmt selbst die Rolle des Substantivs.
Entscheidend ist nicht nur die Form des Wortes, sondern seine Aufgabe im Satz. Substantivierte Wörter werden großgeschrieben.
Wie erkennst du substantivierte Verben?
Bei Verben wird meist der Infinitiv, also die Grundform, substantiviert: laufen → das Laufen. Die Form bleibt gleich; sichtbar ändern sich die Großschreibung und die Verwendung im Satz.
Substantivierte Infinitive sind Neutra. Du kannst deshalb häufig das davorsetzen:
- Das Wandern ist anstrengend.
- Sie liebt das Wandern.
- Die Vorteile des Wanderns überzeugen sie.
Artikel können mit einer Präposition verschmelzen:
- zu dem → zum: Wir treffen uns zum Lernen.
- bei dem → beim: Beim Essen reden wir leise.
- von dem → vom: Er erholt sich vom Laufen.
- in das → ins: Sie kommt ins Grübeln.
Auch andere Begleiter zeigen den substantivischen Gebrauch:
- sein Bemühen
- Lisas Lachen
- schnelles Handeln
- kein Jammern
Im Satz „Die Elefanten füttern wir nach dem Füttern der Nasenbären“ kommt dieselbe Wortform zweimal vor.
- füttern wir enthält ein gebeugtes Verb. Deshalb bleibt füttern klein.
- Vor dem zweiten Wort steht nach dem. Der Artikel dem gehört zu der Tätigkeit. Deshalb heißt es nach dem Füttern.
Zusammengesetzte Tätigkeiten können ein gemeinsames Substantiv bilden: Tee trinken → das Teetrinken, Karten spielen → das Kartenspielen.
Wie erkennst du substantivierte Adjektive?
Ein Adjektiv beschreibt normalerweise ein Substantiv:
- die schöne Landschaft
- ein neuer Rucksack
Übernimmt das Adjektiv selbst die Rolle des Substantivs, wird es großgeschrieben:
- das Schöne
- der Neue
- die Neue
- etwas Neues
Die Endung kann sich dabei verändern. Sie richtet sich wie bei einem attributiven Adjektiv nach dem Begleiter und dem Satz:
- der Fremde, die Fremde, die Fremden
- das Gute, des Guten, zum Guten
Häufige Signalwörter vor substantivierten Adjektiven sind:
- alles: alles Gute
- etwas: etwas Wichtiges
- nichts: nichts Neues
- viel: viel Interessantes
- wenig: wenig Brauchbares
„Das neue Fahrrad gehört der Neuen.“
- neue bleibt klein, weil es das folgende Substantiv Fahrrad beschreibt.
- Neuen wird großgeschrieben, weil kein Bezugsnomen folgt und das Wort selbst eine Person bezeichnet.
Wie vermeidest du falsche Artikelproben?
Ein Artikel allein reicht nicht immer als Beweis. Prüfe, zu welchem Wort der Artikel gehört.
- die schlaue Frau: Der Artikel die gehört zu Frau. Das Adjektiv bleibt klein.
- die Schlaue: Es folgt kein Bezugsnomen. Das Adjektiv übernimmt dessen Aufgabe und wird großgeschrieben.
Manchmal wurde das Bezugsnomen vorher genannt und kann eindeutig ergänzt werden. Dann bleibt das Adjektiv klein:
„Im Korb liegen rote und gelbe Blumen. Die gelben mag ich besonders.“
Hier bedeutet die gelben so viel wie die gelben Blumen. Das Adjektiv beschreibt weiterhin das ausgelassene Bezugsnomen.
Nutze deshalb diese Prüffolge:
- Suche das fragliche Wort und bestimme seine normale Wortart.
- Prüfe, ob ein ausgesprochenes oder eindeutig ergänzbares Bezugsnomen vorhanden ist.
- Suche Begleiter wie Artikel, Possessivpronomen, Präpositionen oder Mengenwörter.
- Entscheide, ob das Wort selbst den Kern der Wortgruppe bildet.
- Schreibe es nur bei substantivischem Gebrauch groß.
Die Artikelprobe ist eine Hilfe, keine automatische Lösung: Frage immer, ob der Artikel wirklich zum fraglichen Wort gehört.
Welche weiteren Formen können substantiviert werden?
Auch Partizipien und Wörter anderer Wortarten können substantivisch gebraucht werden:
- die Studierenden
- ein Angestellter
- das Gestern und das Heute
- ein klares Nein
- das Für und Wider
- die Drei als Ziffer oder Schulnote
Farb- und Sprachbezeichnungen können ohne Adjektivendung auftreten:
- ein kräftiges Blau
- ins Deutsche übersetzen
- auf Deutsch schreiben
In festen Wortpaaren werden substantivisch gebrauchte Wörter ebenfalls großgeschrieben: Arm und Reich, Jung und Alt, Gut und Böse.
Vertiefung: enge und weite Bedeutung
Der Begriff Substantivierung wird nicht immer gleich weit verwendet:
- Im engen Sinn meint er den Wortartwechsel ohne sichtbares neues Wortbildungselement: lachen → das Lachen.
- Im weiten Sinn gehören auch Ableitungen dazu: rein → Reinheit, liefern → Lieferung.
Für die Rechtschreibung ist in beiden Fällen wichtig: Das Ergebnis ist ein Substantiv und wird großgeschrieben. Bei der Ableitung helfen typische Endungen wie -heit, -keit, -ung oder -schaft.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Substantivierung
- Verb: *lesen → das Lesen*
- Adjektiv: *neu → etwas Neues*
- Signale: Artikel, Präpositionen, Possessiv- und Mengenwörter
- Gegenprobe: ausgesprochenes oder ergänzbares Bezugsnomen
- weitere Formen: *das Nein*, *die Drei*, *auf Deutsch*
- Grundregel: substantivischer Gebrauch führt zur Großschreibung
Abschluss-Check
Wenn du unsicher bist, suche zuerst das Bezugsnomen. Fehlt es, prüfe die Begleiter und frage, ob das Wort selbst den Kern der Wortgruppe bildet. So kannst du deine Groß- oder Kleinschreibung grammatisch begründen.
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