Homonyme erkennen und sicher unterscheiden
Ein Homonym ist ein Wort, dessen gleiche Form für verschiedene Bedeutungen steht. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennst du meist am Satzkontext, am Artikel oder an der Pluralform.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du ein Homonym?
Stell dir das Wort Kiefer vor:
- der Kiefer ist ein Teil des Schädels;
- die Kiefer ist ein Nadelbaum.
Die sichtbare Wortform ist gleich, doch sie bezeichnet zwei verschiedene Dinge. Artikel und Kontext zeigen dir, welche Bedeutung gemeint ist.
Homonym
Ein Homonym ist einer von mehreren gleich geschriebenen und gleich ausgesprochenen Ausdrücken mit unterschiedlichen Bedeutungen. In einer engen fachlichen Definition gelten die Bedeutungen als verschiedene Wörter und haben unterschiedliche Herkunft.
Bei einem eigentlichen Homonym stimmen auch grammatische Merkmale überein:
- der Ball: Spielgerät oder Tanzveranstaltung
- das Schloss: Schließvorrichtung oder herrschaftliches Bauwerk
- der Hahn: Tier oder Teil eines Wasserhahns
Bei einem partiellen Homonym unterscheiden sich grammatische Merkmale. Das siehst du etwa an Bank:
- die Sitzbank – die Bänke
- das Geldinstitut – die Banken
Gleiche Form allein genügt nicht für die Deutung. Prüfe immer Bedeutung, Artikel, Plural und Satzkontext.
Wie löst der Kontext die Mehrdeutigkeit auf?
Ein einzelnes Homonym kann mehrdeutig sein. Im Satz liefern andere Wörter Hinweise auf die passende Bedeutung.
Satz 1: Nach dem Sturm lag ein dicker Ast unter der Kiefer.
„Ast“ und „Sturm“ passen zum Baum. Gemeint ist deshalb die Kiefer.
Satz 2: Nach dem Zusammenstoß schmerzte sein Kiefer.
„Zusammenstoß“ und „schmerzte“ weisen auf den Körperteil hin. Gemeint ist der Kiefer.
Gehe beim Deuten in drei Schritten vor:
- Sammle Wörter im Satz, die zur Bedeutung passen könnten.
- Prüfe grammatische Hinweise wie Artikel und Plural.
- Setze die vermutete Bedeutung ein und kontrolliere, ob der ganze Satz sinnvoll bleibt.
Manchmal vermeidet man Mehrdeutigkeit durch ein genaueres Wort. Statt nur Bank kann man beispielsweise Sitzbank oder Geldinstitut sagen.
Homonymie oder Polysemie?
Nicht jede Mehrdeutigkeit wird eindeutig als Homonymie eingeordnet.
Polysemie
Bei Polysemie hat ein Wort mehrere Bedeutungen, zwischen denen ein erkennbarer inhaltlicher oder geschichtlicher Zusammenhang besteht.
Die traditionelle Unterscheidung lautet:
- Homonymie: gleiche Form, aber voneinander unabhängige Bedeutungen
- Polysemie: mehrere miteinander verbundene Bedeutungen eines Wortes
Ein Beispiel für eine verbundene Mehrdeutigkeit ist Auge: Das Sehorgan und das „Auge“ eines Sturms teilen die Vorstellung eines markanten Mittelpunktes. Solche Bedeutungsübertragungen werden häufig als Polysemie behandelt.
Bei Kiefer stehen Schädelteil und Baum dagegen ohne erkennbaren Bedeutungszusammenhang nebeneinander. Das ist ein klares Beispiel für Homonymie.
Die Grenze zwischen Homonymie und Polysemie ist nicht immer stabil. Fachleute können Herkunft, heutiges Sprachgefühl oder grammatische Unterschiede verschieden gewichten. Begründe deshalb deine Einordnung mit den erkennbaren Bedeutungsbeziehungen, statt nur ein Etikett zu nennen.
Was sind Homophone und Homographen?
Drei Begriffe klingen ähnlich, bezeichnen aber unterschiedliche Arten von Formgleichheit.
Homophon
Homophone werden gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben. Beispiele sind malen und mahlen.
Homograph
Homographe werden gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen oder betont. Bei umfahren entscheidet die Betonung, ob jemand ein Hindernis umfährt oder etwas durch Anfahren zu Fall bringt.
Der Vergleich hilft dir beim Einordnen:
| Erscheinung | Schreibung | Aussprache | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Homonym im engen Sinn | gleich | gleich | Kiefer |
| Homophon | verschieden | gleich | malen – mahlen |
| Homograph | gleich | verschieden | umfahren – umfahren |
Manche weiten Begriffsbestimmungen zählen Homophone und Homographe zu den Homonymen. Im Unterricht ist es meist klarer, die drei Formen getrennt zu benennen.
Mehrdeutige Wörter selbst untersuchen
Untersuche nun das Wort Tau in zwei Sätzen:
- Am Morgen glitzerte der Tau auf dem Gras.
- Die Besatzung befestigte das Tau am Pfosten.
Im ersten Satz bezeichnet der Tau morgendlichen Niederschlag. Im zweiten Satz bezeichnet das Tau ein Seil. Artikel und Umgebung führen zur passenden Bedeutung.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei „der Kiefer“ und „die Kiefer“ sind Schreibung und Aussprache . Die Bedeutungen haben inneren Zusammenhang. Der unterschiedliche Artikel ist ein Hinweis. Daher liegt vor.
Untersuchungsauftrag: Ordne „malen – mahlen“ ein.
- Beide Wörter klingen gleich.
- Ihre Schreibung ist verschieden.
- „Malen“ bedeutet, ein Bild zu gestalten; „mahlen“ bedeutet, etwas zu zerkleinern.
- Das Paar besteht deshalb aus Homophonen, nicht aus Homonymen im engen Sinn.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Mehrdeutige Wörter
- Homonym: gleiche Form, unabhängige Bedeutungen
- Polysemie: miteinander verbundene Bedeutungen
- Homophon: gleicher Klang, andere Schreibung
- Homograph: gleiche Schreibung, andere Aussprache
- Kontext: Bedeutung durch Satz, Artikel und Plural erkennen
Abschluss-Check
Du kannst ein mehrdeutiges Wort nun systematisch untersuchen: Prüfe zuerst Schreibung und Aussprache, dann den Bedeutungszusammenhang und schließlich die Hinweise aus Kontext, Artikel und Flexion.
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