Infinitivgruppen erkennen und Kommas richtig setzen
Eine Infinitivgruppe enthält einen Infinitiv, meist mit zu, und eventuell weitere Wörter. Ob du ein Komma setzt, hängt vor allem davon ab, wie die Gruppe in den Satz eingebaut ist. Seit 2024 müssen insbesondere satzwertige erweiterte Infinitivgruppen nach Verben, Adjektiven oder Partizipien durch ein Komma abgetrennt werden.
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Wie erkennst du eine Infinitivgruppe?
Betrachte den Satz: Mira versucht, den schwierigen Text genau zu verstehen. Die Wörter den schwierigen Text genau zu verstehen bilden eine Infinitivgruppe.
Infinitivgruppe
Eine Infinitivgruppe besteht aus einem Infinitiv und den Wörtern, die zu ihm gehören. Bei den hier behandelten Gruppen steht der Infinitiv mit zu: zu verstehen, zu warten oder einzukaufen.
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, zum Beispiel verstehen. Bei einem trennbaren Verb steht zu zwischen Vorsilbe und Verbstamm: Aus einkaufen wird einzukaufen, aus ausgeben wird auszugeben.
- einfach: zu warten
- erweitert: vor dem Kino zu warten
Eine erweiterte Infinitivgruppe enthält außer zu und dem Infinitiv mindestens ein weiteres Satzglied oder eine nähere Angabe.
Noah beschließt, heute mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren.
- Der Infinitiv mit zu lautet zu fahren.
- heute und mit dem Fahrrad zur Schule gehören zu diesem Infinitiv.
- Deshalb ist heute mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren eine erweiterte Infinitivgruppe.
Wann muss ein Komma stehen?
In mehreren Fällen ist das Komma vorgeschrieben.
Einleitende Wörter
Beginnt die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als, trennst du sie mit einem Komma ab.
- Lea wiederholt die Regel, um sie sicher anzuwenden.
- Ben ging hinaus, ohne sich zu verabschieden.
- Sie übt lieber, als sofort aufzugeben.
Abhängigkeit von einem Substantiv
Bestimmt eine erweiterte Infinitivgruppe ein Substantiv näher, steht ein Komma:
Der Plan, nach der Schule gemeinsam zu lernen, gefällt uns.
Ist die Gruppe eingeschoben, setzt du an beiden Grenzen ein Komma. Der Kernsatz lautet: Der Plan gefällt uns.
Verweiswort im übergeordneten Satz
Wörter wie es, das, daran, darauf oder dazu können auf eine Infinitivgruppe hinweisen. Dann ist das Komma Pflicht:
- Mila liebt es, im Chor zu singen.
- Denk daran, das Fenster zu schließen.
- Er fordert uns dazu auf, leise zu arbeiten.
Satzwertige erweiterte Gruppen
Eine Infinitivgruppe ist satzwertig, wenn sie nebensatzartig einen eigenen Inhalt ausdrückt und als Einheit vom übergeordneten Satz abgegrenzt werden kann. Hängt eine solche erweiterte Gruppe von einem Verb, Adjektiv oder Partizip ab, muss seit dem Regelstand von 2024 ein Komma stehen.
- nach einem Verb: Wir planen, am Samstag ins Theater zu gehen.
- nach einem Adjektiv: Sie ist bereit, die Aufgabe allein zu lösen.
- nach einem Partizip: Er ist entschlossen, den Fehler zu berichtigen.
Auch eine vorangestellte Infinitivgruppe wird durch ein Komma abgetrennt:
Jeden Morgen zehn Minuten zu lesen, verbessert ihre Routine.
Bei einer satzwertigen erweiterten Infinitivgruppe ist das Komma nicht bloß eine Lesehilfe. In den genannten Fällen ist es vorgeschrieben.
Wann darf oder darf kein Komma stehen?
Nicht jede Verbindung mit einem Infinitiv wird gleich behandelt.
Einfacher Infinitiv: Komma oft freigestellt
Besteht die nachgestellte Gruppe nur aus zu und dem Infinitiv, darf das Komma häufig gesetzt oder weggelassen werden:
- Sie hat sich geweigert(,) aufzuräumen.
- Die Entscheidung(,) zu kündigen(,) traf er spontan.
Die Klammern zeigen: Beide Schreibungen sind möglich. Eine besondere Pflichtregel hat jedoch Vorrang. Bei einem einleitenden Wort oder einem Verweiswort muss das Komma auch vor einer kurzen Gruppe stehen:
- Er ging, ohne zu warten.
- Umzuziehen, das planen sie schon lange.
Teil eines mehrteiligen Prädikats: kein Komma
Manche Infinitivkonstruktionen bilden mit dem übergeordneten Verb ein eng zusammengehöriges, mehrteiliges Prädikat. Dann darfst du sie nicht mit einem Komma abtrennen:
- Sie scheint den Weg zu kennen.
- Er pflegt morgens früh aufzustehen.
- Sie wusste viel darüber zu erzählen.
Auch bei einer untrennbar eingebauten Konstruktion steht kein Komma:
Sie hat das Risiko nicht einzugehen gewagt.
Anders gebaut und satzwertig ist dagegen:
Sie hat nicht gewagt, das Risiko einzugehen.
Die Faustregel „Vor einem erweiterten Infinitiv steht immer ein Komma“ ist zu grob. Prüfe zusätzlich, ob die Wörter eine satzwertige Gruppe bilden oder eng in ein mehrteiliges Prädikat eingebaut sind.
Wie analysierst du einen komplexen Satz?
Gehe in vier Schritten vor:
- Suche alle Verbformen.
- Unterscheide finite Verben und Infinitive. Ein finites Verb ist nach Person und Zahl verändert, etwa er versucht oder der Bus ist.
- Ordne alle Ergänzungen dem passenden Verb zu.
- Prüfe die Grenzen von Hauptsatz, Nebensatz und Infinitivgruppe.
Er versucht, pünktlich zu kommen, obwohl der Bus spät ist.
- Hauptsatz: Er versucht. Das finite Verb ist versucht.
- Infinitivgruppe: pünktlich zu kommen. Sie enthält den Infinitiv zu kommen, aber kein eigenes finites Verb.
- Nebensatz: obwohl der Bus spät ist. Das einleitende Wort obwohl und das finite Verb ist kennzeichnen den Nebensatz.
Die Infinitivgruppe und der Nebensatz sind also zwei verschiedene Einheiten. Beide werden hier durch Kommas abgegrenzt.
Nebensatz
Ein Nebensatz besitzt ein eigenes finites Verb. Bei einem mit obwohl eingeleiteten Nebensatz steht dieses Verb am Ende: obwohl der Bus spät ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im Satz Lina hofft, den Zug noch zu erreichen, obwohl sie spät startet ist hofft ein . Die Wortfolge den Zug noch zu erreichen ist eine . Obwohl sie spät startet ist ein , denn die Einheit enthält mit startet ein eigenes finites Verb.
Wie triffst du die Kommaentscheidung?
Nutze diese Reihenfolge:
- Finde den Infinitiv mit zu und alle zugehörigen Wörter.
- Prüfe, ob die Gruppe vorangestellt ist oder mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als beginnt. Dann muss ein Komma stehen.
- Suche ein bestimmtes Substantiv oder ein Verweiswort wie es, daran oder dazu. Bei einer passenden Pflichtregel steht ein Komma.
- Prüfe bei einer erweiterten Gruppe, ob sie satzwertig von einem Verb, Adjektiv oder Partizip abhängt. Dann steht ein Komma.
- Prüfe als Gegenprobe, ob die Konstruktion ein enges mehrteiliges Prädikat bildet oder untrennbar eingebaut ist. Dann steht kein Komma.
- Nur beim einfachen, nachgestellten Infinitiv ohne vorrangige Pflichtregel bleibt die Wahl häufig frei.
Sara bemüht sich, morgen pünktlich zu sein.
- zu sein ist der Infinitiv.
- morgen pünktlich erweitert die Gruppe.
- Die Gruppe drückt einen eigenen, nebensatzartigen Inhalt aus und hängt von bemüht sich ab.
- Deshalb muss vor morgen ein Komma stehen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Infinitivgruppe
- erkennen: Infinitiv mit *zu* und zugehörige Wörter finden
- unterscheiden: einfach oder erweitert
- Komma muss stehen
- bei *um, ohne, statt, anstatt, außer, als*
- bei passendem Substantiv oder Verweiswort
- bei vorangestellten Gruppen
- bei satzwertigen erweiterten Gruppen nach Verb, Adjektiv oder Partizip
- Komma ist oft freigestellt
- beim einfachen nachgestellten Infinitiv ohne Pflichtregel
- Komma darf nicht stehen
- beim engen mehrteiligen Prädikat
- bei untrennbarem Einbau
- Satzstruktur prüfen
- Infinitivgruppe ohne eigenes finites Verb
- Nebensatz mit eigenem finiten Verb
Abschluss-Check
Du kannst deine Entscheidung nun mit drei Fragen prüfen: Wo beginnt und endet die Infinitivgruppe? Ist sie satzwertig oder eng eingebaut? Welche Pflicht- oder Ausnahmeregel greift?
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