Metapher einfach erklärt: erkennen und deuten
Eine Metapher ist ein sprachliches Bild: Ein Wort oder Ausdruck wird nicht nur wörtlich verwendet, sondern überträgt Eigenschaften aus einem Bildbereich auf ein anderes Thema. So bedeutet „ein Berg von Arbeit“ nicht, dass Arbeit aus Stein besteht, sondern dass sehr viel Arbeit vor dir liegt.
Auf dieser Seite lernst du, Metaphern im Kontext zu erkennen, ihre Bedeutungsübertragung zu erklären und ihre mögliche Wirkung begründet zu deuten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Metapher?
Metapher
Eine Metapher ist ein sprachliches Bild, bei dem Bedeutung zwischen zwei Bereichen übertragen wird. Die Formulierung ist im gegebenen Kontext nicht rein wörtlich gemeint.
Prüfe eine auffällige Formulierung mit drei Fragen:
- Wäre die Aussage im Zusammenhang wörtlich sinnvoll?
- Entsteht vor deinem inneren Auge ein Bild?
- Werden Eigenschaften eines Bereichs auf ein anderes Thema übertragen?
Im Satz „Vor mir liegt ein Berg von Hausaufgaben“ ist kein wirklicher Berg gemeint. Das Bild eines großen Berges wird auf die Hausaufgaben übertragen. Gemeint ist: Es sind sehr viele Aufgaben, die überwältigend wirken können.
Der Kontext entscheidet. „Sie ist eine Löwin“ kann in einem Text über eine mutige Frau metaphorisch gemeint sein. In einer Tierdokumentation kann der gleiche Satz eine wirkliche Löwin bezeichnen.
Nicht jedes auffällige Wort ist automatisch eine Metapher. Prüfe immer, ob im konkreten Zusammenhang Bedeutung übertragen wird.
Wie untersuchst du die Bedeutungsübertragung?
Für eine genaue Erklärung kannst du zwei Bereiche bestimmen:
- Der Bildspender liefert das Bild. Er wird auch Ausgangsbereich genannt.
- Der Bildempfänger ist das eigentliche Thema. Er wird auch Zielbereich genannt.
Danach suchst du die Eigenschaft, die beide Bereiche verbindet.
Metapher: „Ein Meer von Möglichkeiten liegt vor uns.“
- Bildspender: das Meer
- Bildempfänger: die Möglichkeiten
- Übertragene Eigenschaften: große Ausdehnung, Fülle und Vielfalt
- Bedeutung: Es gibt sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten.
- Mögliche Wirkung: Die Auswahl erscheint weit und offen. Je nach Zusammenhang kann sie aber auch unübersichtlich wirken.
Bei literarischen Texten reicht es nicht, nur die Metapher zu benennen. Verbinde das Bild mit dem Satz, der Situation und der Gesamtaussage des Textes.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In „Ein Berg von Hausaufgaben“ ist der Berg der . Die Hausaufgaben sind der . Übertragen wird vor allem die Vorstellung einer . Eine überwältigende Wirkung ist eine Wirkung im passenden Kontext.
Wie grenzt du ähnliche Stilmittel ab?
Mehrere Stilmittel arbeiten mit Bedeutungen, doch ihre Beziehungen unterscheiden sich.
| Stilmittel | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Metapher | direkte bildhafte Übertragung | „Ihr Mut ist ein Fels.“ |
| Vergleich | ausdrückliche Beziehung, häufig mit „wie“ oder „als“ | „Ihr Mut ist wie ein Fels.“ |
| Metonymie | Ersetzung durch einen sachlich eng verbundenen Ausdruck | „Brüssel verhandelt.“ für dort ansässige EU-Institutionen |
| Symbol | ein vereinbartes oder kulturell bekanntes Zeichen steht für etwas Abstraktes | Kleeblatt für Glück |
| Personifikation | Nichtmenschliches erhält menschliche Eigenschaften | „Die Sonne lacht.“ |
| Allegorie | mehrere zusammengehörige Merkmale stellen einen abstrakten Gedanken dar | Justitia mit Waage, Schwert und verbundenen Augen für Gerechtigkeit |
Eine Personifikation kann als besondere Form bildhafter Übertragung verstanden werden. In einer schulischen Analyse benennst du bei einer deutlichen Vermenschlichung gewöhnlich das genauere Stilmittel Personifikation.
Ein Vergleich signalisiert die Beziehung häufig mit „wie“ oder „als“. Eine Metapher setzt das Bild direkt ein: „Er ist stark wie ein Löwe“ ist ein Vergleich, „Er ist ein Löwe“ eine mögliche Metapher.
Wie deutest du Bedeutung und Wirkung?
Metaphern können etwas veranschaulichen, Gefühle ansprechen, eine Aussage verdichten oder eine bestimmte Sichtweise nahelegen. Keine dieser Wirkungen tritt automatisch ein. Du musst sie aus der konkreten Wortwahl und dem Zusammenhang begründen.
Nutze dafür diese Reihenfolge:
- Nenne die Metapher.
- Bestimme Bildspender und Bildempfänger.
- Erkläre die übertragene Eigenschaft.
- Beschreibe eine mögliche Wirkung.
- Verbinde die Wirkung mit der Aussage des Textes.
Satz: „Ihre Hoffnung war ein kleines Licht in der Nacht.“
Das „Licht“ ist der Bildspender, die „Hoffnung“ der Bildempfänger. Licht macht in der Dunkelheit etwas sichtbar und kann Orientierung geben. Das Adjektiv „klein“ zeigt zugleich, dass die Hoffnung noch schwach ist. Die Metapher kann deshalb eine vorsichtige Zuversicht anschaulich machen.
Eine passende Analyse lautet: Die Metapher stellt die Hoffnung als kleines Licht dar. Dadurch erscheint sie schwach, aber richtungsweisend. Das passt zu einer Situation, in der die Schwierigkeiten noch bestehen, jedoch eine erste Lösung erkennbar wird.
Auch politische und journalistische Metaphern können einen Sachverhalt rahmen. Eine Formulierung wie „Flüchtlingswelle“ überträgt Eigenschaften einer großen Wasserbewegung auf Menschen. Dadurch kann Zuwanderung als unkontrollierbare Gefahr erscheinen. Das ist eine mögliche Wirkung der Bildwahl, kein automatisch bewiesener Effekt auf alle Lesenden.
Vertiefung: Metaphern bewusst verwenden
Wähle beim eigenen Schreiben ein Bild, dessen Eigenschaften zum Thema passen. Vermische nicht mehrere unvereinbare Bildbereiche. In sachlichen oder wissenschaftlichen Texten solltest du außerdem prüfen, ob eine direkte Formulierung präziser ist.
Bildhaft: „Die Gründung war ein Meilenstein der Entwicklung.“
Sachlicher: „Die Gründung war ein bedeutsames Ereignis der Entwicklung.“
Die zweite Fassung vermeidet zusätzliche Deutungsarbeit. Fest etablierte Fachausdrücke, die metaphorisch entstanden sind, können dennoch nötig sein, etwa „schwarzes Loch“ oder „Zahnrad“.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Metapher
- erkennen: nichtwörtliche Übertragung im Kontext
- zerlegen: Bildspender und Bildempfänger
- erklären: gemeinsame oder übertragene Eigenschaft
- abgrenzen: Vergleich, Metonymie, Symbol, Personifikation, Allegorie
- deuten: Wortwahl mit Aussage und möglicher Wirkung verbinden
- verwenden: passendes, klares Bild wählen
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