Personifikation erkennen und ihre Wirkung erklären
Eine Personifikation stellt etwas Nichtmenschliches so dar, als hätte es menschliche Eigenschaften, Gefühle oder Handlungsmöglichkeiten. In „Die Sonne lacht“ erhält die Sonne zum Beispiel eine menschliche Handlung.
Auf dieser Seite lernst du, Personifikationen zu erkennen, ihre Wirkung aus dem Kontext abzuleiten und sie von ähnlichen sprachlichen Bildern abzugrenzen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Personifikation?
Personifikation
Eine Personifikation oder Personifizierung überträgt menschliche Eigenschaften, Gefühle, Körpermerkmale oder Handlungen auf Tiere, Pflanzen, Gegenstände, Naturerscheinungen oder abstrakte Begriffe.
Oft findest du ein nichtmenschliches Subjekt und ein Verb, das du vor allem mit Menschen verbindest:
- Die Sonne lacht. Eine Sonne kann nicht wirklich lachen.
- Die Zeit rennt. Zeit besitzt keine Beine und kann nicht laufen.
- Der Frühling klopft an die Tür. Eine Jahreszeit kann nicht mit der Hand klopfen.
- Die Gerechtigkeit siegt. Ein abstrakter Begriff handelt wie eine Person.
Auch ein Adjektiv oder ein anderer Ausdruck kann vermenschlichen: In „die erwachende Natur“ erscheint die Natur wie ein Mensch, der aus dem Schlaf aufwacht.
Gehe beim Erkennen in drei Schritten vor:
- Bestimme, worüber etwas ausgesagt wird.
- Markiere die auffällige Eigenschaft oder Handlung.
- Prüfe, ob diese im Satz menschlich verstanden wird und nur bildlich zum Subjekt passt.
Nicht jedes Verb bei einem Tier, Gegenstand oder Naturvorgang bildet automatisch eine Personifikation. Entscheidend ist der Kontext: „Die Sonne scheint“ beschreibt einen natürlichen Vorgang; „Die Sonne lacht“ überträgt eine menschliche Handlung.
Welche Formen kann die Vermenschlichung annehmen?
Eine Personifikation steckt nicht immer nur in einem Verb. Achte auf verschiedene sprachliche Formen:
- Verb: „Die Blätter tanzen.“
- Adjektiv oder Partizip: „die schlafende Natur“
- Name oder Bezeichnung: „Vater Staat“ oder „Mutter Erde“
- Sprechende oder handelnde Figur: In einer Fabel kann ein Tier sprechen, beraten oder täuschen wie ein Mensch.
Manche Personifikationen sind so geläufig, dass du das Bild kaum noch bemerkst. Dazu gehören Formulierungen wie „Die Zeit läuft“ oder „Der Winter steht vor der Tür“. Auch solche Wendungen übertragen menschliche Handlungen auf Nichtmenschliches.
Bei Tieren musst du besonders genau prüfen. Ein Tier kann tatsächlich laufen, schlafen oder Geräusche erzeugen. Menschlich wirkt seine Darstellung erst durch Eigenschaften oder Tätigkeiten wie vernünftiges Argumentieren, Erzählen oder das bewusste Vertreten einer Moral.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In „Die Stadt schläft“ ist die Stadt das Subjekt. Das Verb „schläft“ stellt sie dar. Deshalb liegt eine vor.
Welche Wirkung hat eine Personifikation?
Personifikationen können Sprache lebendig, anschaulich und einprägsam machen. Sie helfen außerdem dabei, schwer greifbare Begriffe wie Zeit, Liebe oder Gerechtigkeit als handelnde Kräfte vorzustellen.
Vergleiche diese Sätze:
- Sachlich: „Der Wind ist heute stark.“
- Bildhaft: „Der Wind rüttelt wütend an den Fensterläden.“
Der zweite Satz lässt den Wind wie eine zornige Person handeln. Dadurch kann eine bedrohliche oder unruhige Atmosphäre entstehen. Diese Wirkung ergibt sich jedoch nicht allein aus dem Namen des Stilmittels, sondern aus den Wörtern und dem Zusammenhang.
Eine gute Wirkungsanalyse beantwortet deshalb drei Fragen:
- Was wird vermenschlicht?
- Wie wird es dargestellt?
- Was bewirkt genau diese Darstellung an dieser Textstelle?
Schreibe nicht pauschal: „Die Personifikation macht den Text lebendig.“ Erkläre genauer, welche Vorstellung, Stimmung oder Bedeutung die gewählte Vermenschlichung unterstützt.
Im Satz „Die Zeit rennt mir davon“ erscheint die Zeit als laufende Person. Das Verb „rennt“ vermittelt nicht nur Bewegung, sondern auch hohes Tempo. Dadurch wird die Sorge anschaulich, für eine Aufgabe nicht mehr genügend Zeit zu haben.
Wie grenzt du ähnliche sprachliche Bilder ab?
Personifikation, Metapher und Allegorie sind miteinander verwandt. Ihre Grenzen können je nach Zusammenhang unscharf sein. Begründe deine Einordnung deshalb immer am konkreten Ausdruck.
Metapher
Eine Metapher überträgt einen Ausdruck aus einem Bedeutungsbereich in einen anderen. „Du bist ein Fels in der Brandung“ bezeichnet einen Menschen nicht wörtlich als Felsen, sondern hebt seine Verlässlichkeit hervor.
Die Personifikation kann als besondere Form der Metapher verstanden werden: Ihr übertragener Bereich ist gezielt das Menschliche. „Die Natur schläft“ gibt der Natur einen menschlichen Zustand.
Allegorie
Eine Allegorie stellt einen abstrakten Gedanken durch eine konkrete Figur oder ein Sinnbild dar. Justitia, häufig als menschliche Figur dargestellt, steht beispielsweise für Gerechtigkeit.
Die praktische Entscheidungshilfe lautet:
- Erhält etwas Nichtmenschliches eine menschliche Eigenschaft oder Handlung? Dann spricht viel für eine Personifikation.
- Wird allgemein eine Bedeutung aus einem anderen Bereich übertragen? Dann liegt eine Metapher vor.
- Verkörpert eine konkrete Figur einen abstrakten Gedanken? Dann handelt es sich um eine Allegorie.
Auch die Gegenrichtung ist möglich: Bei einer Depersonifikation oder Verdinglichung wird ein Mensch wie eine Sache dargestellt. Wenn Menschen etwa als „Fassaden“ erscheinen, verlieren sie in der Darstellung ihre menschliche Eigenständigkeit.
Wie analysierst du eine Personifikation im Text?
Beim Analysieren genügt es nicht, das Stilmittel nur zu benennen. Verbinde Wortlaut, Bild und mögliche Funktion.
Nutze diese Reihenfolge:
- Zitiere oder nenne die entscheidende Formulierung.
- Benenne das nichtmenschliche Subjekt.
- Erkläre, welche menschliche Eigenschaft oder Handlung übertragen wird.
- Beschreibe die dadurch entstehende Vorstellung.
- Leite eine Wirkung aus dem Textzusammenhang ab.
Textstelle: „Die müde Stadt schläft, während der Morgen schon an ihre Fenster klopft.“
Bestimmung: „Die müde Stadt schläft“ und „der Morgen klopft“ sind Personifikationen.
Begründung: Die Stadt erhält den menschlichen Zustand der Müdigkeit und des Schlafens. Der Morgen handelt wie eine Person, die Einlass verlangt.
Wirkung: Der Gegensatz zwischen der schlafenden Stadt und dem bereits klopfenden Morgen macht den Übergang von der Nacht zum Tag anschaulich. Der neue Tag wirkt aktiv, während die Stadt noch ruhig und unbewegt erscheint.
Nun bist du dran:
„Die Angst saß neben ihm und flüsterte ihm Zweifel ins Ohr.“
Überlege zuerst selbst: Was wird personifiziert, durch welche Wörter geschieht das und welche Wirkung könnte daraus entstehen?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Personifikation
- erkennen: Nichtmenschliches wird menschlich dargestellt
- belegen: auffälliges Verb oder Attribut nennen
- deuten: Vorstellung und Wirkung aus dem Kontext erklären
- abgrenzen: Metapher, Allegorie und Depersonifikation prüfen
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