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Allegorie erkennen, deuten und abgrenzen

Allegorie erkennen, deuten und abgrenzen
Allegorie erkennen, deuten und abgrenzen
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Eine Allegorie stellt einen abstrakten Begriff oder einen komplexen Zusammenhang durch ein konkretes Bild, eine Figur oder eine Erzählung dar. Das Gemeinte wird nicht direkt genannt: Du erschließt es aus mehreren Merkmalen und aus dem Kontext.

Auf dieser Seite lernst du, Allegorien zu erkennen, schrittweise zu deuten und begründet von ähnlichen Stilmitteln abzugrenzen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie funktioniert eine Allegorie?

Das Wort Allegorie geht auf einen griechischen Ausdruck für „anders sagen“ zurück. Statt einen abstrakten Gedanken unmittelbar zu benennen, zeigt eine Allegorie ein konkretes Bild. Du vollziehst beim Verstehen einen Gedankensprung vom Dargestellten zum Gemeinten.

Definition

Allegorie

Eine Allegorie ist eine indirekte Darstellung: Eine Figur, ein Bild, ein Vorgang oder eine längere sprachliche Darstellung steht für einen anderen, häufig abstrakten Sinn. Meist wirken mehrere Merkmale systematisch zusammen.

Beispiel

Justitia ist eine Allegorie der Gerechtigkeit. Die Figur trägt mehrere bedeutungsvolle Attribute:

  • Die Augenbinde steht dafür, ohne Ansehen der Person zu urteilen.
  • Die Waage steht für das sorgfältige Abwägen.
  • Das Schwert steht für Urteil und Durchsetzung des Rechts.

Nicht ein einzelnes Attribut, sondern ihr Zusammenspiel macht die Idee der Gerechtigkeit anschaulich.

Merke

Bei einer Allegorie fragst du immer zweifach: Was wird konkret gezeigt oder gesagt? Was ist damit gemeint?

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWarum ist Justitia eine Allegorie der Gerechtigkeit?
Lösung: Mehrere Attribute der Figur stellen verschiedene Aspekte der Gerechtigkeit dar. — Entscheidend ist die geordnete Verbindung zwischen der Figur, mehreren Merkmalen und dem abstrakten Gedanken.
Woran erkennst du bildliche und sprachliche Allegorien?

Eine Allegorie kann in einem sichtbaren Bild oder in Sprache auftreten. In beiden Fällen verweist die konkrete Darstellung auf eine weitere Bedeutungsebene.

Bildliche Allegorien

Eine bildliche Allegorie verkörpert einen Gedanken häufig durch eine Figur mit mehreren Attributen. Der Sensenmann stellt zum Beispiel den Tod dar: Das Skelett verweist auf das Ende des Lebens, die Sense auf das Beenden beziehungsweise „Abernten“ des Lebens.

Auch Amor ist eine bildliche Allegorie. Seine Pfeile treffen Menschen, die sich verlieben sollen; so verkörpert die Figur die Liebe.

Sprachliche Allegorien

Eine sprachliche Allegorie entfaltet ihre übertragene Bedeutung in Worten. Sie kann eine ganze Erzählung, eine Fabel, ein Sprichwort oder einen längeren Text prägen.

In der Fabel vom Wolf und vom Lamm erhebt der Wolf falsche Vorwürfe. Obwohl das Lamm sie widerlegt, frisst der stärkere Wolf das schwächere Tier. Das Geschehen steht für menschliches oder gesellschaftliches Verhalten: Macht kann sich gegen Recht und vernünftige Einwände durchsetzen.

Gut zu wissen

Bei einer längeren Erzählung kann die wörtliche Handlung bereits verständlich sein. Trotzdem kann dahinter eine zweite, allegorische Bedeutung liegen. Deshalb genügt es nicht, nur die Handlung zusammenzufassen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Eine Allegorie verbindet eine konkrete mit einer übertragenen Bedeutung. Justitia ist eine Allegorie. Eine Fabel kann als Allegorie menschliches Verhalten darstellen. Zum Entschlüsseln beachtest du Merkmale und .

Lösungen: Lücke 1: Darstellung; Lücke 2: bildliche; Lücke 3: sprachliche; Lücke 4: Kontext. Bild oder Sprache bilden die sichtbare Ebene. Merkmale und Kontext helfen dir, die übertragene Bedeutung zu erschließen.
Wie deutest du eine Allegorie Schritt für Schritt?

Eine überzeugende Deutung verbindet Beobachtung und Schlussfolgerung. Schreibe also nicht nur, wofür eine Figur steht, sondern zeige, wie ihre Merkmale diese Bedeutung stützen.

  1. Beschreibe die wörtliche Ebene. Was siehst oder liest du tatsächlich?
  2. Suche auffällige Merkmale. Welche Figuren, Gegenstände oder Handlungen wirken bedeutungsvoll?
  3. Ordne Bedeutungen zu. Wofür könnte jedes Merkmal stehen?
  4. Prüfe das Zusammenspiel. Unterstützen mehrere Merkmale denselben abstrakten Gedanken oder Zusammenhang?
  5. Beachte den Kontext. Welche historische, kulturelle oder textliche Umgebung beeinflusst die Deutung?
  6. Formuliere eine begründete Deutung. Trenne sichere Beobachtungen von deiner Schlussfolgerung.
Beispiel

Analyse des Sensenmanns

Beobachtung: Dargestellt sind ein Skelett, ein schwarzes Gewand und eine Sense.

Zuordnung: Das Skelett verweist auf vergangenes Leben. Die Sense ist ein Werkzeug des Abschneidens und wird mit dem Beenden des Lebens verbunden.

Deutung: Die Merkmale wirken zusammen und machen den abstrakten Begriff Tod als handelnde Figur vorstellbar. Deshalb lässt sich der Sensenmann als Allegorie des Todes bestimmen.

Eine passende Formulierung für deine Analyse lautet:

Die Darstellung kann als Allegorie für … gedeutet werden. Dafür sprechen …, weil …
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Frage 1 von 2MittelEine Figur trägt Augenbinde, Waage und Schwert. Welcher Analyseschritt begründet die Deutung am besten?
Lösung: Die Bedeutungsanteile der drei Attribute werden erklärt und auf Gerechtigkeit bezogen. — Eine Analyse zeigt die Verbindung zwischen beobachtbaren Merkmalen und abstrakter Bedeutung.
Frage 2 von 2SchwerWarum kann eine Allegorie ohne Kontextwissen unverständlich bleiben?
Lösung: Die Verbindung zwischen Darstellung und Bedeutung kann historisch oder kulturell geprägt sein. — Kontextwissen hilft dir zu verstehen, warum bestimmte Figuren, Gegenstände oder Handlungen eine bestimmte Idee vertreten.
Wie grenzt du die Allegorie von ähnlichen Stilmitteln ab?

Die Grenzen zwischen Allegorie, Metapher, Personifikation und Symbol sind nicht immer scharf. Nutze die folgenden Merkmale deshalb als Entscheidungshilfe und begründe Grenzfälle.

StilmittelKennzeichenBeispiel
AllegorieEin meist abstrakter Gedanke wird durch ein komplexeres Bild, mehrere Merkmale oder eine fortlaufende Darstellung ausgedrückt.Justitia steht mit Augenbinde, Waage und Schwert für Gerechtigkeit.
MetapherEin Ausdruck wird in übertragener, nicht wörtlicher Bedeutung verwendet.In „ein gebrochenes Herz“ bezeichnet „gebrochen“ eine seelische Verletzung.
PersonifikationEine Sache, ein Tier oder ein abstrakter Begriff erhält eine menschliche Eigenschaft oder Handlung.„Die Zeit rennt.“
SymbolEin einzelnes Zeichen oder ein Gegenstand steht aufgrund einer bekannten Zuordnung für eine allgemeinere Idee.Das Herz steht für Liebe.

Allegorie oder Personifikation?

Eine Personifikation vermenschlicht zunächst nur: „Die Zeit rennt.“ Eine personengestaltige Allegorie stellt dagegen einen abstrakten Gedanken durch eine Figur und meist mehrere passende Merkmale dar. Personifikation kann somit Bestandteil einer Allegorie sein, ohne dass jede Personifikation bereits eine vollständige Allegorie ist.

Allegorie oder Symbol?

Ein Herz kann als einzelnes Symbol für Liebe stehen. Amor verkörpert die Liebe dagegen als Figur mit mehreren sinntragenden Merkmalen. Diese schulische Unterscheidung ist hilfreich, aber nicht in jedem historischen oder literarischen Zusammenhang eindeutig.

Allegorie oder Metapher?

Eine Metapher kann sich auf einen einzelnen Ausdruck konzentrieren. Eine Allegorie ist häufig ausgedehnter: Mehrere Elemente eines Bildes oder einer Erzählung lassen sich auf eine zweite Bedeutungsebene beziehen.

Merke

Einzelne übertragene Wortverwendung: eher Metapher. Bloße Vermenschlichung: eher Personifikation. Konventionelles Einzelzeichen: eher Symbol. Mehrere zusammenwirkende Merkmale oder eine fortlaufende Bildebene: eher Allegorie.

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Frage 1 von 3LeichtWelches Beispiel ist eindeutig eine Personifikation?
Lösung: „Die Zeit rennt.“ — „Rennen“ ist eine menschliche beziehungsweise belebte Handlung, die der abstrakten Zeit zugeschrieben wird.
Frage 2 von 3MittelWas spricht bei Amor eher für eine Allegorie als für ein einzelnes Symbol?
Lösung: Eine Figur und mehrere Merkmale wirken zusammen, um Liebe darzustellen. — Bei der Allegorie ergibt sich die Bedeutung aus einer komplexeren Darstellung und dem Zusammenspiel ihrer Merkmale.
Frage 3 von 3SchwerEin Beispiel lässt sich sowohl symbolisch als auch allegorisch lesen. Wie gehst du vor?
Lösung: Ich nenne passende Merkmale, berücksichtige den Kontext und begründe meine Einordnung. — Bei Grenzfällen zählt eine nachvollziehbare, am Text oder Bild belegte Begründung mehr als ein unbegründetes Etikett.
Welche Wirkung hat eine Allegorie?

Eine Allegorie kann Abstraktes anschaulich und einprägsam machen. Sie kann eine komplexe Aussage verdichten, Aufmerksamkeit auf bestimmte Merkmale lenken und zum Nachdenken über die verborgene Bedeutung anregen.

Ihre Wirkung ist jedoch nicht automatisch gleich. Prüfe immer:

  • Verständlichkeit: Macht das Bild den Gedanken greifbarer oder erschwert fehlendes Vorwissen das Verständnis?
  • Aufmerksamkeit: Welche Merkmale treten besonders hervor?
  • Deutungsspielraum: Ist die Zuordnung weitgehend festgelegt oder sind mehrere Lesarten möglich?
  • Kommunikationssituation: Soll die Darstellung belehren, kritisieren, verbergen, unterhalten oder zum Nachdenken anregen?
Beispiel

In der Fabel vom Wolf und vom Lamm wird ein Machtkonflikt nicht als abstrakte Behauptung erklärt, sondern als Handlung vorgeführt. Das Verhalten der Tiere macht die Ungerechtigkeit anschaulich. Zugleich fordert die Übertragung auf menschliche Verhältnisse die Lesenden zum Nachdenken auf.

Vermeide pauschale Sätze wie „Die Allegorie macht den Text immer spannender“. Eine gute Wirkungsanalyse nennt ein konkretes Merkmal, seine mögliche Wirkung und den Kontext.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Aussage analysiert die Wirkung einer Allegorie am genauesten?
Lösung: Die Tierhandlung macht den Machtmissbrauch anschaulich; die Übertragung auf menschliches Verhalten regt zur kritischen Deutung an. — Eine tragfähige Wirkungsanalyse verbindet Gestaltung, Bedeutung, Kommunikationssituation und mögliche Reaktion der Lesenden.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Allegorie
    • verbindet konkrete Darstellung und übertragene Bedeutung
    • erscheint bildlich oder sprachlich
    • nutzt Figuren, Attribute, Handlungen oder Erzählungen
    • wird durch Beobachtung, Zuordnung und Kontext gedeutet
    • grenzt sich begründet von Metapher, Personifikation und Symbol ab
    • veranschaulicht, verdichtet, verbirgt oder regt zum Nachdenken an
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWas ist das Grundprinzip einer Allegorie?
Lösung: Eine konkrete Darstellung verweist auf einen anderen, häufig abstrakten Sinn. — Eine Allegorie sagt oder zeigt etwas Konkretes und meint damit zugleich etwas anderes.
Frage 2 von 4MittelWarum genügt bei Justitia die Aussage „Sie steht für Gerechtigkeit“ noch nicht als Analyse?
Lösung: Die Bedeutungen ihrer Attribute und deren Zusammenhang müssen erklärt werden. — Eine vollständige Analyse führt von der Beobachtung über die Merkmalsdeutung zur begründeten Gesamtaussage.
Frage 3 von 4SchwerIn einem neuen Text erhält die Zeit nur die menschliche Handlung „rennen“. Welche Einordnung ist zunächst am besten begründet?
Lösung: Personifikation, weil ein abstrakter Begriff eine menschliche beziehungsweise belebte Handlung erhält. — Die bloße Vermenschlichung spricht zunächst für eine Personifikation. Zusätzliche, systematisch ausgeführte Merkmale könnten die Einordnung verändern.
Frage 4 von 4SchwerEine Deutung nennt eine Allegorie „wirkungsvoll“, erklärt aber weder Merkmale noch Kontext. Was fehlt?
Lösung: Eine Begründung, wie die konkrete Gestaltung im jeweiligen Zusammenhang eine bestimmte Wirkung ermöglichen kann. — Wirkungsannahmen sind kontextabhängig. Belege sie an der Darstellung und formuliere mögliche Reaktionen nicht als sichere Wirkung auf alle Menschen.

Du kannst eine Allegorie sicher untersuchen, wenn du drei Fragen beantwortest: Was wird dargestellt? Was ist gemeint? Welche Merkmale und welcher Kontext verbinden beides?

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