Nominalphrase: Kopf und Attribute erkennen
Eine Nominalphrase ist eine zusammengehörige Wortgruppe mit einem Nomen oder Pronomen als Kopf. Artikelwörter und Attribute können diesen Kopf ergänzen: In die alten Häuser am Fluss ist Häuser der Kopf; alle übrigen Bestandteile beziehen sich darauf.
Auf dieser Seite lernst du, Nominalphrasen abzugrenzen, ihren Kopf zu bestimmen, wichtige Attributformen zu unterscheiden und mehrdeutige Strukturen zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Nominalphrase?
Eine Phrase ist eine Wortgruppe, deren Teile syntaktisch zusammengehören. Bei einer Nominalphrase bildet ein Nomen oder Pronomen den Kopf. Von diesem Kopf hängen die übrigen Bestandteile ab.
Nominalphrase
Eine Nominalphrase, kurz NP, ist eine syntaktische Einheit mit einem nominalen Kopf. Sie wird auch Nominalgruppe oder Substantivphrase genannt.
Vergleiche diese Beispiele:
- der alte Baum – Kopf: Baum
- das Konzert gestern – Kopf: Konzert
- der Hamster meines Bruders – Kopf: Hamster
- sie – Kopf und vollständige Nominalphrase: sie
Eine Nominalphrase kann also aus mehreren Wörtern oder nur aus ihrem Kopf bestehen. Einwortige Nominalphrasen findest du beispielsweise bei Eigennamen, Stoffnamen, abstrakten Begriffen, artikellosen Pluralformen und Pronomen:
- Anna geht spazieren.
- Beton ist ein Baustoff.
- Geduld ist wichtig.
- Kinder spielen im Hof.
- Sie spielt Klavier.
Suche zuerst das Nomen oder Pronomen, das den Mittelpunkt der Wortgruppe bildet. Prüfe dann, welche Wörter diesen Kopf näher bestimmen.
Wie ist eine Nominalphrase aufgebaut?
Eine typische Nominalphrase folgt diesem Grundmuster:
Artikelwort → mögliche Attribute → nominaler Kopf → mögliche Attribute
Betrachte die Nominalphrase das höchst wundersame Fest anlässlich seiner Wahl.
- Fest ist der Kopf, denn alle anderen Teile bestimmen dieses Nomen näher.
- das ist das Artikelwort.
- höchst wundersame steht links vom Kopf und beschreibt das Fest.
- anlässlich seiner Wahl steht rechts vom Kopf und grenzt das Fest genauer ein.
Ohne Attribute bleibt das Fest. Die Attribute sind syntaktisch nicht notwendig, liefern aber zusätzliche Informationen.
An der Artikelposition können unterschiedliche Artikelwörter stehen:
- das Fest
- ein Fest
- unser Fest
- dieses Fest
- jedes Fest
Attribute können vor oder nach dem Kopf stehen. Eine Nominalphrase lässt sich deshalb stark erweitern:
- der Hund
- der große schwarze Hund
- der große schwarze Hund unserer Nachbarn
- der große schwarze Hund unserer Nachbarn, der am Gartenzaun steht
Nicht jede grammatische Theorie grenzt die Wortgruppe gleich ab. In einer alternativen Analyse gilt das Artikelwort als Kopf einer Determinansphrase. Für die folgenden Untersuchungen verwenden wir die schulisch verbreitete Analyse, bei der das Nomen der Kopf der gesamten Nominalphrase ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In der Nominalphrase die alten Häuser ist der Kopf. ist das Artikelwort, und ist ein adjektivisches Attribut.
Welche Attribute gehören zum Kopf?
Ein Attribut ist eine optionale Erweiterung, die ein Nomen näher bestimmt. Die Form des Attributs zeigt dir, wie es aufgebaut ist.
Adjektivisches Attribut
Ein Adjektiv vor dem Nomen beschreibt meist eine Eigenschaft, Beschaffenheit oder einen Zustand:
- die schönen Blumen
- der hölzerne Tisch
- die offene Tür
Genitivattribut
Eine Nominalphrase im Genitiv beantwortet häufig die Frage Wessen?:
- der Hund meines Bruders
- das Haus meiner Eltern
- die Macht des Staates
In der Hund meines Bruders ist Hund der Kopf der gesamten Nominalphrase. Die eingebettete Nominalphrase meines Bruders ist das Genitivattribut.
Präpositionales Attribut
Dieses Attribut beginnt mit einer Präposition und bezieht sich auf ein Nomen:
- die Blumen in meinem Garten
- der Tisch aus Holz
- die Gedanken an die Zukunft
Relativattribut
Ein Relativsatz ist ein Nebensatz, der sich auf ein Nomen bezieht:
- der Hund, der am Gartenzaun steht
- der Urlaub, auf den sich die Kinder freuen
- der Baum, der gestern umgefallen ist
Weitere Erweiterungen
Auch ein Adverb oder eine Infinitivgruppe kann einen nominalen Kopf erweitern:
- der Tisch hier
- die Party gestern
- der Wunsch, nach Paris zu fahren
- die Fähigkeit, Menschen zu begeistern
Was ist eine Apposition?
Eine Apposition ist eine zusätzliche Nominalphrase, die ein Nomen oder eine andere Nominalphrase erläutert oder genauer bezeichnet.
Apposition
Eine Apposition steht neben ihrem Bezugswort und benennt dieselbe Person oder Sache noch einmal auf andere Weise. Nachgestellte Appositionen werden häufig durch Kommas abgetrennt.
Beispiele:
- Johanna Schmidt, die Abteilungsleiterin
- unsere Ferienunterkunft, ein kleines Apartment
- mein Freund, der Lehrer
Im Satz Johanna Schmidt, die Abteilungsleiterin, eröffnet die Sitzung beziehen sich Johanna Schmidt und die Abteilungsleiterin auf dieselbe Person.
Johanna Schmidt ist das Bezugswort. Die Apposition die Abteilungsleiterin ergänzt eine erläuternde Information. Sie beschreibt nicht nur eine Eigenschaft, sondern benennt die Person mit einer zweiten Nominalphrase.
Eine Apposition ist deshalb nicht dasselbe wie ein Genitivattribut:
- der Hund meines Bruders: Hund und Bruder sind verschiedene Beteiligte; meines Bruders ist ein Genitivattribut.
- mein Bruder, der Lehrer: Bruder und Lehrer bezeichnen dieselbe Person; der Lehrer ist eine Apposition.
Wann ist eine Nominalphrase ein Satzglied?
Eine Nominalphrase und ein Satzglied sind nicht dasselbe. Nominalphrase bezeichnet den inneren Aufbau einer Wortgruppe. Satzglied bezeichnet ihre Funktion im Satz.
Eine Nominalphrase kann selbst ein vollständiges Satzglied sein:
- Die Blumen sind schön. – Die Nominalphrase ist das Subjekt.
- Ich pflücke die Blumen. – Die Nominalphrase ist das Objekt.
- Wir warteten den ganzen Abend. – Die Nominalphrase ist ein Adverbial.
- Sie sind Studentinnen im dritten Semester. – Die Nominalphrase ist ein Prädikativ.
Sie kann aber auch nur Teil eines größeren Satzglieds sein:
- Der Duft der Blumen macht gute Laune.
Das gesamte Subjekt lautet Der Duft der Blumen. Darin ist der Blumen eine eingebettete Nominalphrase und zugleich ein Genitivattribut zu Duft.
Auch eine Präpositionalphrase kann eine Nominalphrase enthalten:
- Der Hund schläft unter dem Tisch.
Unter dem Tisch ist eine Präpositionalphrase mit der Präposition unter. Darin steckt die Nominalphrase dem Tisch mit dem Kopf Tisch.
Die Form und die Satzfunktion beantworten verschiedene Fragen: Eine Wortgruppe kann ihrer Form nach eine Nominalphrase und ihrer Funktion nach beispielsweise Subjekt oder Objekt sein.
Wie zeigen Endungen die Zusammengehörigkeit?
Artikelwort, vorangestelltes Adjektiv und Nomen passen grammatisch zusammen. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz. Sie betrifft:
- Genus: Maskulinum, Femininum oder Neutrum,
- Numerus: Singular oder Plural,
- Kasus: Nominativ, Akkusativ, Dativ oder Genitiv.
Vergleiche:
- der große Hund – Nominativ Singular Maskulinum
- dem großen Hund – Dativ Singular Maskulinum
- die großen Hunde – Nominativ oder Akkusativ Plural
Die Wortgruppe die großen Hunde zeigt zugleich eine wichtige Grenze: An ihrer Form allein kannst du nicht immer eindeutig erkennen, ob sie im Nominativ oder Akkusativ steht. Erst der Satzkontext klärt den Kasus.
Artikelwort und Kopfsubstantiv bilden die Nominalklammer. Zwischen ihnen können Attribute stehen:
der → auf Gleis acht eingefahrene → Zug
Der Kopf ist Zug, nicht Gleis. Das Artikelwort der eröffnet die Klammer; das Kopfsubstantiv schließt sie.
Im Deutschen wird eine grammatische Endung häufig an einer Stelle besonders deutlich markiert. Steht eine klare Signalendung am Artikel, trägt das Adjektiv gewöhnlich -e oder -en: der schöne Garten, dem kleinen Kind. Fehlt eine solche Markierung am Artikel, kann das Adjektiv sie übernehmen: ein schöner Garten, mit großem Vertrauen. Dieses Verteilungsmuster heißt Monoflexion.
Wie erklärst du eine mehrdeutige Struktur?
Manchmal lässt die Form einer Wortgruppe mehrere Verknüpfungen zu. Dann ist die Struktur mehrdeutig.
Untersuche die Nominalphrase:
die Beobachtung des Mannes mit dem Fernglas
Die Präpositionalphrase mit dem Fernglas kann unterschiedlich angebunden werden:
- Sie kann sich auf Beobachtung beziehen. Dann wird das Fernglas zum Beobachten benutzt.
- Sie kann sich auf Mannes beziehen. Dann wird der Mann näher bestimmt: Gemeint ist der Mann, der ein Fernglas bei sich hat.
Die Wörter bleiben gleich, aber ihre Beziehungen und damit die Bedeutung ändern sich. Ohne weiteren Kontext lässt sich nicht sicher entscheiden, welche Lesart gemeint ist.
Du kannst die beiden Lesarten durch eindeutigere Formulierungen sichtbar machen:
- die mit dem Fernglas durchgeführte Beobachtung des Mannes
- die Beobachtung des Mannes, der ein Fernglas bei sich hat
Beim Analysieren genügt es daher nicht, nur Wortarten zu benennen. Du musst auch erklären, auf welchen Bestandteil sich ein Attribut bezieht.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Nominalphrase
- Kopf: Nomen oder Pronomen
- Begleiter: Artikelwort
- Erweiterungen: Attribute und Appositionen
- Formen: ein Wort oder komplexe Wortgruppe
- Satzfunktionen: Subjekt, Objekt, Adverbial oder Prädikativ
- Einbettung: Teil einer größeren Phrase
- Formmerkmale: Kongruenz und Nominalklammer
- Analysefrage: Worauf bezieht sich jede Erweiterung?
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