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Organon-Modell

Das sprachliche Zeichen als Symptom, Signal und Symbol: Lerne das klassische Kommunikationsmodell nach Karl Bühler für Sachtextanalysen im Abitur.

Wenn jemand sagt „Das Fenster ist offen“, kann das eine Information sein, ein Hinweis auf Kälte oder eine Bitte, das Fenster zu schließen. Das Organon-Modell hilft dir, solche Mehrdeutigkeit zu ordnen. Du lernst, wie Karl Bühler Sprache als Werkzeug der Kommunikation beschreibt.

Deine Lernziele
  • Ich kann die Grundidee des Organon-Modells erklären.
  • Ich kann Sender, Empfänger, Sachverhalt und sprachliches Zeichen unterscheiden.
  • Ich kann Ausdruck, Darstellung und Appell an Beispielen erkennen.
  • Ich kann das Modell auf Alltagssätze und Sachtexte anwenden.
  • Ich kann das Organon-Modell in einer Analyse begründet nutzen.

Grundidee: Sprache als Werkzeug

Karl Bühler nennt Sprache ein Organon. Das bedeutet Werkzeug. Gemeint ist: Sprache dient dazu, zwischen Menschen etwas über die Welt mitzuteilen. Bühler stellte das Modell 1934 in seiner „Sprachtheorie“ vor.

Definition

Organon-Modell

Das Organon-Modell ist ein Kommunikationsmodell von Karl Bühler. Es erklärt, dass ein sprachliches Zeichen zugleich etwas über den Sender, den Empfänger und einen Sachverhalt leistet.

Im Zentrum steht ein sprachliches Zeichen. Das kann ein Wort, ein Satz oder eine Äußerung sein. Dieses Zeichen verbindet drei Seiten: eine sprechende Person, eine hörende Person und etwas, worüber gesprochen wird.

Beispiel

Satz: „Der Bus kommt.“

Sender: eine Schülerin an der Haltestelle. Empfänger: ihr Freund. Sachverhalt: Ein Bus nähert sich. Sprachliches Zeichen: der Satz „Der Bus kommt.“

Der Satz informiert über die Welt, zeigt etwas von der Sprecherin und kann den Freund zum Einsteigen auffordern.

Merke

Bühler fragt nicht nur: Was wird gesagt? Er fragt auch: Wer sagt es, zu wem, und mit welcher Wirkung?

Die drei Seiten der Kommunikation

Das Modell unterscheidet drei Bezugspunkte. Du kannst sie dir wie ein Dreieck vorstellen: Sender, Empfänger und Gegenstand oder Sachverhalt. In typischen Schulskizzen steht das sprachliche Zeichen in der Mitte; die drei Seiten zeigen auf Sender, Empfänger und Sachverhalt.

Definition

Sender

Der Sender ist die Person, die ein sprachliches Zeichen äußert. Am Zeichen kann man oft etwas über ihre Haltung, Stimmung oder Absicht erkennen.

Definition

Empfänger

Der Empfänger ist die Person, an die sich das Zeichen richtet. Das Zeichen kann bei ihr eine Reaktion auslösen oder eine Handlung anstoßen.

Definition

Sachverhalt

Der Sachverhalt ist das, worüber gesprochen wird: eine Tatsache, ein Ereignis, ein Gegenstand, eine Meinung oder eine Situation.

Beispiel

Satz im Klassenzimmer: „Es ist sehr laut.“

Sachverhalt: Die Lautstärke im Raum ist hoch. Sender: Die Lehrerin zeigt vielleicht Ärger oder Belastung. Empfänger: Die Klasse soll vermutlich leiser werden.

Ein einziger Satz hat also mehrere Seiten.

Ausdruck, Darstellung und Appell

Zu den drei Bezugspunkten gehören drei Sprachfunktionen. Das ist der wichtigste Teil des Modells.

Definition

Darstellungsfunktion

Die Darstellungsfunktion bezieht sich auf den Sachverhalt. Sprache stellt etwas dar, berichtet über etwas oder beschreibt etwas. Bühler nennt diese Seite auch Symbol.

Definition

Ausdrucksfunktion

Die Ausdrucksfunktion bezieht sich auf den Sender. Sprache zeigt etwas über Gefühle, Haltung, Bewertung oder Zustand der sprechenden Person. Bühler nennt diese Seite auch Symptom.

Definition

Appellfunktion

Die Appellfunktion bezieht sich auf den Empfänger. Sprache soll eine Reaktion auslösen, zum Beispiel Zustimmung, Aufmerksamkeit oder eine Handlung. Bühler nennt diese Seite auch Signal.

Beispiel

Satz: „Mir ist kalt.“

Darstellung: Die Person beschreibt ihren körperlichen Zustand. Ausdruck: Sie zeigt Unwohlsein. Appell: Sie könnte indirekt bitten, das Fenster zu schließen oder eine Jacke zu holen.

Welche Funktion besonders stark ist, hängt von Situation, Tonfall und Gesprächspartner ab.

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So wendest du das Modell an

Für die Schule ist wichtig: Du sollst nicht nur Begriffe nennen, sondern zeigen, wie sie in einer konkreten Äußerung funktionieren.

Beispiel

Äußerung: „Du hast die Tür offen gelassen.“

Schritt 1: Darstellungsfunktion: Die Tür ist offen und wurde von „du“ offen gelassen. Schritt 2: Ausdrucksfunktion: Die sprechende Person wirkt vielleicht genervt oder vorwurfsvoll. Schritt 3: Appellfunktion: Der Empfänger soll die Tür schließen oder künftig aufpassen. Schritt 4: Deutung: Der Satz ist mehr als eine Information, weil er zugleich Vorwurf und Handlungsaufforderung sein kann.

Gut zu wissen

Das Organon-Modell überschneidet sich mit anderen Kommunikationsmodellen. In einer Analyse reicht es aber, sauber bei Bühler zu bleiben: sprachliches Zeichen, Sender, Empfänger, Sachverhalt und die drei Funktionen.

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Prüfungsmodus: typische Analyseaufgaben

In Prüfungen geht es oft um indirekte Sätze. Ein Satz kann höflich, ironisch, sachlich oder vorwurfsvoll wirken. Das Modell hilft dir, die Ebenen zu trennen.

Beispiel

Aufgabe: Analysiere „Hier zieht es aber.“

Darstellung: In der Umgebung gibt es Zugluft. Ausdruck: Die sprechende Person empfindet die Situation als unangenehm. Appell: Eine andere Person soll vielleicht das Fenster schließen.

Prüfungssatz: Die Äußerung besitzt neben der Darstellungsfunktion eine deutliche Appellfunktion, weil der Hinweis auf Zugluft in der Situation als indirekte Aufforderung zum Schließen des Fensters verstanden werden kann.

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Abschluss-Check

Teste das Modell an neuen Sätzen. Achte besonders darauf, welche Funktion in der Situation dominiert.

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Zusammenfassung

Das Organon-Modell erklärt Sprache als Werkzeug. Ein sprachliches Zeichen verbindet Sender, Empfänger und Sachverhalt. Daraus entstehen drei Funktionen: Ausdruck zeigt etwas vom Sender, Darstellung bezieht sich auf den Sachverhalt, Appell richtet sich an den Empfänger.

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