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Postmoderne und Gegenwartsliteratur erklärt

Postmoderne und Gegenwartsliteratur erklärt
Postmoderne und Gegenwartsliteratur erklärt
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Postmoderne und Gegenwartsliteratur überschneiden sich, bedeuten aber nicht dasselbe: Gegenwartsliteratur ist ein offener Sammelbegriff für vorwiegend deutschsprachige Literatur seit 1989/1990. Postmoderne bezeichnet eine umstrittene Strömung, die häufig innerhalb dieses Zeitraums verortet wird und ältere Texte, Stile und Erzählweisen bewusst neu kombiniert.

Auf dieser Seite lernst du, beide Begriffe zu unterscheiden, typische Verfahren zu erkennen und eine begründete Einordnung zu formulieren.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zwei Begriffe, zwei verschiedene Aufgaben

Stell dir vor, ein Roman ist 2005 erschienen, erzählt von Migration und wechselt ständig zwischen verschiedenen Stimmen. Ist er postmodern, Gegenwartsliteratur oder beides?

Für die Antwort musst du zwei Arten der Einordnung unterscheiden.

Definition

Gegenwartsliteratur

Gegenwartsliteratur ist ein zeitlicher Sammelbegriff. Gemeint ist hier vorwiegend deutschsprachige Literatur, die seit dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung 1990 entstanden ist. Weil dieser Zeitraum noch nicht abgeschlossen ist, handelt es sich nicht um eine endgültig abgegrenzte Literaturepoche.

Definition

Postmoderne

Postmoderne bezeichnet eine literarische Strömung nach der Moderne. Ihre genaue Datierung und ihr Status als eigene Epoche sind umstritten. Häufig wird sie ungefähr zwischen 1990 und 2010 beziehungsweise 2011 angesetzt; andere Einordnungen lassen sie früher beginnen.

Der entscheidende Unterschied lautet:

  • Gegenwartsliteratur ordnet einen Text zunächst nach seiner Entstehungszeit ein.
  • Postmoderne beschreibt vor allem eine bestimmte Haltung zum Erzählen und typische literarische Verfahren.

Ein Werk kann daher zur Gegenwartsliteratur gehören und zugleich postmoderne Merkmale zeigen. Es kann aber auch Gegenwartsliteratur sein, ohne postmodern gestaltet zu sein.

Merke

Frage zuerst: Wann und in welchem Sprachraum entstand der Text? Frage danach: Wie ist er gestaltet und welche Themen bearbeitet er?

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage grenzt die Begriffe am besten voneinander ab?
Lösung: Gegenwartsliteratur ist ein zeitlicher Sammelbegriff; Postmoderne bezeichnet eine umstrittene Strömung mit typischen Verfahren. — Das Erscheinungsjahr kann einen Text der Gegenwartsliteratur zuordnen. Für eine postmoderne Einordnung brauchst du zusätzlich passende Gestaltungsmerkmale.
Woran du postmodernes Erzählen erkennst

Postmoderne Texte gehen häufig davon aus, dass Literatur nicht völlig neu beginnen muss. Sie greifen vorhandene Texte, Formen und Stile auf und setzen sie in neue Zusammenhänge.

Definition

Intertextualität

Intertextualität bedeutet, dass ein Text auf andere Texte verweist, etwa durch ein Zitat, eine Anspielung, eine Collage oder eine Nachahmung des Stils. Der neue Text verändert dadurch oft die Bedeutung des übernommenen Elements.

Zwei Formen solltest du unterscheiden:

  • Ein Pastiche ahmt den Stil eines anderen Autors oder Werkes möglichst genau nach.
  • Eine Parodie übernimmt erkennbare Merkmale, verändert den Inhalt aber so, dass das Vorbild komisch, kritisch oder lächerlich wirkt.

Weitere häufig genannte Verfahren sind:

  • Zeitsprünge und nicht chronologische Handlungen,
  • mehrere Perspektiven oder Erzählstränge,
  • Auslassungen, die du selbst ergänzen musst,
  • Sprachspiele und auffällige Textgestaltung,
  • die Mischung älterer und neuer Formen,
  • Figuren, die eher Außenseiter als klassische Helden sind.
Definition

Unzuverlässiges Erzählen

Ein unzuverlässiger Erzähler vermittelt Informationen so, dass du seiner Darstellung nicht vollständig vertrauen kannst. Er kann sich irren, etwas auslassen, widersprüchlich erzählen oder Ereignisse verzerren. Du musst Hinweise vergleichen und den Zusammenhang selbst rekonstruieren.

Beispiel

Ein Roman erzählt denselben Streit zuerst aus der Sicht von Mira und später aus der Sicht von Ben. Beide behaupten, die andere Person habe begonnen. Zusätzlich fehlt die entscheidende Szene.

Der Perspektivwechsel allein beweist noch keine Postmoderne. Die widersprüchlichen Berichte und die Auslassung machen jedoch sichtbar, dass keine eindeutige Erzählerwahrheit angeboten wird. Wenn der Roman außerdem ältere Texte zitiert oder verschiedene Stile mischt, wird eine postmoderne Einordnung stärker begründet.

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Frage 1 von 2LeichtWelcher Befund ist ein eindeutiger Hinweis auf Intertextualität?
Lösung: Eine Passage spielt erkennbar auf einen älteren Text an. — Intertextualität liegt vor, wenn ein Text erkennbar auf einen anderen Text oder dessen Stil Bezug nimmt.
Frage 2 von 2MittelZwei Kapitel widersprechen sich, weil verschiedene Figuren dasselbe Ereignis anders darstellen. Welche Untersuchung ist am sinnvollsten?
Lösung: Du vergleichst die Perspektiven und suchst nach Hinweisen auf Auslassungen oder Verzerrungen. — Prüfe, wer wahrnimmt und erzählt, welches Wissen die Figuren besitzen und worin sich ihre Darstellungen unterscheiden.
Was Gegenwartsliteratur beschäftigt

Gegenwartsliteratur besitzt kein einheitliches Thema. Sie verarbeitet unterschiedliche Erfahrungen, die Autoren und Leserschaft aus derselben oder einer nahen Zeit kennen.

Häufige Themenfelder sind:

  • Mauerfall, Wiedervereinigung und das Leben in der DDR,
  • Erinnerung an Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg und Nachkriegszeit,
  • Identität, Individualität und Gemeinschaft,
  • Migration, Fremdheit, Zugehörigkeit, Rassismus und Diskriminierung,
  • Globalisierung, soziale Ungleichheit und Kapitalismus,
  • Terrorismus, Flucht und gesellschaftliche Krisen,
  • Klimawandel, technische Entwicklung und Digitalisierung,
  • unterschiedliche Lebens-, Familien- und Beziehungskonzepte.

Diese Liste ist keine Merkmalsprüfung, die jedes Werk erfüllen muss. Ein historischer Roman kann zur Gegenwartsliteratur gehören, obwohl seine Handlung in einer früheren Zeit spielt. Maßgeblich ist zunächst, wann der Text entstanden ist.

Auch die Formen sind vielfältig. Neben Romanen, Gedichten und Theaterstücken treten etwa Graphic Novels und Netzliteratur. Digitale Medien verändern dabei nicht nur Themen, sondern auch Zugang, Veröffentlichung und Verbreitung.

Mehrere Bereiche begegnen besonders häufig:

  • Erinnerungsliteratur verbindet Vergangenheit mit späteren Fragen nach Identität, Verantwortung oder Schuld.
  • Popliteratur greift besonders den Zeitgeist junger Menschen auf und verwendet oft Popkultur, Marken, Musik und Umgangssprache.
  • Interkulturelle Literatur behandelt Erfahrungen von Migration, Fremdheit, Integration und Zugehörigkeit.
  • Kinder- und Jugendliteratur verbindet häufig Unterhaltung mit Orientierung oder Bildung.
Beispiel

Ein 2002 veröffentlichter Roman untersucht, wie eine Familie mit verdrängten Kriegserfahrungen umgeht. Das historische Thema macht ihn nicht zu einem Werk der Nachkriegszeit. Sein Entstehungszeitpunkt ordnet ihn zunächst der Gegenwartsliteratur zu; die Verbindung von Vergangenheit und heutiger Identität spricht zusätzlich für Erinnerungsliteratur.

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Frage 1 von 2LeichtWarum lassen sich für Gegenwartsliteratur keine vollständig einheitlichen Merkmale angeben?
Lösung: Der Zeitraum ist noch offen und umfasst sehr unterschiedliche Themen, Formen und Veröffentlichungsweisen. — Gegenwartsliteratur bezeichnet einen offenen Zeitraum. Deshalb bildet sie kein einheitliches Programm und keine abgeschlossene Epoche.
Frage 2 von 2MittelEin deutschsprachiger Roman von 2010 erzählt vom Leben in der DDR. Welche Einordnung ist zunächst am besten begründet?
Lösung: Gegenwartsliteratur, weil der Roman 2010 entstand; zugleich kann er Erinnerungsliteratur sein. — Unterscheide Handlungszeit und Entstehungszeit. Für eine genauere Einordnung untersuchst du anschließend Thema und Gestaltung.
So untersuchst du einen neuen Text

Eine gute Einordnung besteht nicht nur aus einem Etikett. Sie verbindet überprüfbare Textbeobachtungen mit einer vorsichtigen Schlussfolgerung.

Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Entstehungsdaten klären: Notiere Sprache beziehungsweise Literaturraum und Erscheinungsjahr.
  2. Themen bestimmen: Frage, welche historischen, gesellschaftlichen oder persönlichen Konflikte der Text behandelt.
  3. Form untersuchen: Achte auf Perspektiven, Zeitstruktur, Erzähler, Sprache und Gattung.
  4. Bezüge prüfen: Suche nach Anspielungen, Zitaten, Stilnachahmungen oder Mischungen verschiedener Formen.
  5. Urteil begrenzen: Erkläre, welche Einordnung gut passt und was offenbleibt.
Beispiel

Beobachtung: Ein deutschsprachiger Roman erschien 2004. Er erzählt nicht chronologisch, lässt eine Schlüsselszene aus und spielt mehrfach auf ein älteres Märchen an. Inhaltlich geht es um eine Figur, die zwischen verschiedenen kulturellen Zugehörigkeiten steht.

Auswertung: Das Erscheinungsjahr spricht für Gegenwartsliteratur. Die Identitätssuche passt zu einem häufigen Gegenwartsthema. Nicht chronologisches Erzählen, Auslassungen und die Märchenbezüge liefern darüber hinaus begründete Hinweise auf postmoderne Verfahren.

Begrenztes Urteil: Der Roman lässt sich als Gegenwartsliteratur mit postmodernen Merkmalen einordnen. Die einzelnen Merkmale beweisen jedoch keine allgemein verbindliche Epochengrenze.

Merke

Schreibe nicht nur: „Der Text ist postmodern.“ Schreibe: „Der Text zeigt postmoderne Merkmale, weil …“ und nenne konkrete Beobachtungen.

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Frage 1 von 2MittelEin Roman von 1998 enthält einen einzigen Zeitsprung. Welche Schlussfolgerung ist fachlich angemessen?
Lösung: Der Zeitsprung ist eine Textbeobachtung, reicht allein aber nicht für eine sichere postmoderne Einordnung. — Eine überzeugende Einordnung stützt sich auf mehrere zusammenhängende Beobachtungen und berücksichtigt den offenen Epochenbegriff.
Frage 2 von 2SchwerEin neuer Text zitiert einen älteren Roman, erzählt aber sonst chronologisch und besitzt einen verlässlichen Erzähler. Wie urteilst du?
Lösung: Er zeigt Intertextualität, doch für eine umfassende postmoderne Einordnung müssen weitere Merkmale und ihre Funktion geprüft werden. — Benenne zuerst den belegten Befund und untersuche anschließend, wie er mit anderen Verfahren und der Aussage des Textes zusammenwirkt.
Warum Periodisierungen Grenzen haben

Literaturepochen helfen dir, Gemeinsamkeiten zu ordnen. Sie sind aber keine Schubladen mit festen Wänden.

Bei Postmoderne und Gegenwartsliteratur ist besondere Vorsicht nötig:

  • Der Beginn der Gegenwartsliteratur wird meist mit 1989/1990 verbunden, doch der Zeitraum ist noch nicht abgeschlossen.
  • Für die Postmoderne werden unterschiedliche Anfänge und Endpunkte genannt.
  • Manche Darstellungen behandeln die Postmoderne als eigene Epoche, andere als Strömung innerhalb der Gegenwartsliteratur.
  • Einzelne Werke können zeitlich außerhalb einer bevorzugten Datierung liegen und dennoch postmoderne Verfahren zeigen.
  • Verfahren wie Perspektivwechsel oder Intertextualität kommen nicht ausschließlich in postmodernen Texten vor.

Eine Periodisierung ist deshalb dann nützlich, wenn sie Beobachtungen verständlich ordnet. Sie wird problematisch, wenn das Etikett die genaue Textanalyse ersetzt.

Gut zu wissen

Formuliere Reichweite und Grenze zusammen: „Die Bezeichnung ist hilfreich, weil sie mehrere Verfahren bündelt. Sie bleibt begrenzt, weil Datierung und Merkmalsprofil nicht einheitlich sind.“

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Frage 1 von 1SchwerZwei Darstellungen datieren die Postmoderne unterschiedlich. Wie gehst du in einer Analyse damit um?
Lösung: Du nennst die Datierungsunsicherheit und begründest die Einordnung vor allem mit Merkmalen des untersuchten Textes. — Unterschiedliche Datierungen sind kein Grund für Beliebigkeit. Du kannst ein begrenztes Urteil formulieren, das Zeitraum, Verfahren und Gegenbeispiele berücksichtigt.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Postmoderne und Gegenwartsliteratur
    • Gegenwartsliteratur: offener Zeitraum seit 1989/1990
    • Postmoderne: umstrittene Strömung und Gestaltungsweise
    • Verfahren: Intertextualität, Perspektivwechsel, Zeitsprünge, Sprachspiel
    • Themen: Erinnerung, Identität, Migration, Digitalisierung, gesellschaftliche Krisen
    • Formen: Roman, Lyrik, Drama, Graphic Novel, Netzliteratur
    • Analyse: Entstehungszeit, Thema, Form und Textbelege verbinden
    • Grenze: Einordnungen begründen, aber nicht als starre Schubladen behandeln
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Satz ist korrekt?
Lösung: Gegenwartsliteratur kann postmoderne Merkmale besitzen, muss sie aber nicht besitzen. — Gegenwartsliteratur bezeichnet vor allem einen offenen Zeitraum; Postmoderne beschreibt eine umstrittene Strömung und typische Verfahren.
Frage 2 von 3MittelEin 2008 erschienener deutschsprachiger Roman erzählt chronologisch von Klimawandel und sozialer Ungleichheit. Was kannst du sicher begründen?
Lösung: Er gehört zeitlich zur Gegenwartsliteratur und behandelt typische Gegenwartsthemen; postmoderne Merkmale sind durch die Angaben nicht belegt. — Trenne zeitliche Zuordnung und Gestaltungsanalyse. Für die Postmoderne fehlen hier Hinweise wie Intertextualität, Stilvermischung oder eine gebrochene Erzählweise.
Frage 3 von 3SchwerEin Roman von 1980 enthält zahlreiche Bezüge auf ältere Texte. Welche Aussage ist am differenziertesten?
Lösung: Er zeigt Intertextualität und kann postmoderne Verfahren vorwegnehmen oder vertreten, auch wenn er vor einer häufig genannten Datierung liegt. — Gerade Gegenbeispiele zeigen die Grenze starrer Periodisierungen. Begründe den Befund am Text und kennzeichne die zeitliche Einordnung als umstritten.

Du kannst einen Text nun differenziert einordnen: Bestimme zuerst Entstehungszeit und Literaturraum, untersuche danach Thema und Gestaltung und formuliere schließlich ein begrenztes Urteil mit konkreten Textbeobachtungen.

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