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Sprachwandel im Deutschen: Arten erkennen

Sprachwandel im Deutschen: Arten erkennen
Sprachwandel im Deutschen: Arten erkennen
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Sprachwandel bedeutet: Eine Sprache verändert sich mit der Zeit – bei Lauten, Wörtern, Bedeutungen und Grammatik. Das ist bei lebenden Sprachen normal. Entscheidend ist, eine neue Form zuerst genau zu beschreiben und erst danach passend zum Kontext zu bewerten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum verändert sich Sprache?

Menschen brauchen Sprache für neue Gegenstände, neue Situationen und neue Formen der Kommunikation. Deshalb entstehen Bezeichnungen wie Smartphone. Wenn ein Gegenstand aus dem Alltag verschwindet, kann auch sein Name seltener werden, etwa Walkman oder Bandsalat.

Außerdem treffen Sprachen, Gruppen und Medien aufeinander. Wörter werden übernommen, Formen verkürzt oder vorhandene Muster auf neue Fälle übertragen. Solche Veränderungen verlaufen häufig unbewusst. Sie können gleichzeitig neben älteren Formen bestehen und sich regional, sozial oder situationsabhängig unterschiedlich ausbreiten.

Definition

Sprachwandel

Sprachwandel ist die Veränderung einer Sprache im Verlauf der Zeit. Betroffen sein können Aussprache, Wortschatz, Wortformen, Satzbau und Bedeutungen.

Merke

Eine auffällige Form ist noch kein Beweis für Sprachwandel. Wandel erkennst du erst durch den Vergleich von Sprachgebrauch zu verschiedenen Zeiten und in passenden Gruppen oder Situationen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beobachtung zeigt sicher, dass Sprache auf neue Gegenstände reagiert?
Lösung: Für ein neues Gerät wird die Bezeichnung „Smartphone“ verwendet. — Neue Gegenstände erzeugen Benennungsbedarf. Ein Einzelversehen oder persönlicher Geschmack zeigt dagegen noch keine dauerhafte Veränderung des Sprachgebrauchs.
Welche Arten von Sprachwandel gibt es?

Du kannst Wandel danach ordnen, welcher Bereich der Sprache betroffen ist.

Wortschatz verändert sich

Beim lexikalischen Wandel entstehen neue Wörter, Wörter werden aus anderen Sprachen übernommen oder ältere Wörter werden seltener. Beispiele sind Smartwatch, skypen und der zurückgehende Gebrauch von Bandsalat.

Bedeutungen verschieben sich

Beim semantischen Wandel verändert sich die Bedeutung oder Wertung eines Wortes. Geil konnte früher „fruchtbar“ oder „üppig“ bedeuten. Heute kann es umgangssprachlich „toll“ heißen, aber auch eine sexuelle Bedeutung haben. Der Kontext entscheidet, welche Lesart passt.

Formen und Sätze verändern sich

Morphologischer Wandel betrifft Wortformen. Bei Verben können starke und schwache Formen konkurrieren, zum Beispiel buk und backte.

Syntaktischer Wandel betrifft den Satzbau. In Äußerungen wie „Ich geh’ Schulhof“ fehlen gegenüber einer standardsprachlichen Langform Artikel und Präposition. Ob eine solche Form eine einzelne Abweichung, eine gruppentypische Variante oder Teil eines Wandels ist, muss untersucht werden.

Laute verändern sich

Beim Lautwandel ändert sich die Aussprache über längere Zeit. Regionale Unterschiede bei Apfel und Appel zeigen, dass sich ein Lautwandel nicht überall gleich durchsetzen muss.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Wandeltyp liegt bei „geil“ vor, wenn das Wort im Sinn von „toll“ verwendet wird?
Lösung: semantischer Wandel — Eine neue oder verschobene Wortbedeutung ist semantischer Wandel.
Frage 2 von 2MittelWelcher Bereich ist bei der Konkurrenz von „buk“ und „backte“ betroffen?
Lösung: die Bildung von Wortformen — Morphologischer Wandel betrifft den Aufbau und die Formen von Wörtern, hier die Verbflexion.
Welche Kräfte treiben den Wandel an?

Mehrere Mechanismen können zusammenwirken. Eine Ursache darfst du nicht allein aus der Form erraten.

  • Benennungsbedarf: Neue Technik oder neue Lebensbereiche benötigen Namen.
  • Sprachkontakt: Eine Sprache übernimmt Wörter oder andere Einflüsse aus einer Kontaktsprache. Viele Anglizismen gelangen so aus dem Englischen ins Deutsche.
  • Analogie: Eine Form nähert sich einem bekannten Muster an. Als mögliche Erklärung wird etwa genannt, dass sich backen an das ähnlich klingende packen anlehnt.
  • Regularisierung: Seltene unregelmäßige Formen können nach einem häufigen regelmäßigen Muster gebildet werden.
  • gesellschaftliche Neubewertung: Gruppen können die Wertung und Verwendung eines Wortes verändern.
  • mediale Bedingungen: Zeitnahe schriftliche Gespräche in Chats begünstigen kurze, kontextabhängige Formulierungen.
Beispiel

Eine Person schreibt im Chat: „Nein, erst Mensa.“ Die Äußerung ist verkürzt, bleibt aber im passenden Gespräch verständlich. Der gemeinsame Kontext ergänzt sinngemäß fehlende Informationen. Daraus folgt noch nicht, dass diese Form in jedem Medium üblich oder in einem formellen Text passend ist. Für einen Wandelbefund müsste man viele vergleichbare Belege aus unterschiedlichen Zeiten untersuchen.

Gut zu wissen

Mögliche Erklärungen sind Hypothesen, solange passende Belege fehlen. Ähnlicher Klang kann zum Beispiel eine Analogie vermuten lassen; beweisen kann er sie allein nicht.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Neue Geräte erzeugen oft . Die Übernahme aus dem Englischen ist ein Fall von . Die Angleichung an ein bekanntes Muster heißt . Kurze Chatäußerungen können durch den gemeinsamen verständlich bleiben.

Lösungen: Lücke 1: Benennungsbedarf; Lücke 2: Sprachkontakt; Lücke 3: Analogie; Lücke 4: Kontext. Ordne Ursache und Beobachtung getrennt: Neue Dinge brauchen Namen, Entlehnungen entstehen durch Sprachkontakt, Analogie gleicht Formen an Muster an und Kontext kann Auslassungen verständlich machen.
Wann wird aus einer Abweichung ein Wandelbefund?

Eine einzelne neue Form kann ein Versprecher, Tippfehler, persönlicher Stil oder eine situationsbedingte Variante sein. Um Sprachwandel zu belegen, brauchst du einen diachronen Vergleich: Du vergleichst Sprachmaterial aus verschiedenen Zeiten.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Beobachten: Was ist tatsächlich anders – Laut, Wort, Bedeutung, Wortform oder Satzbau?
  2. Vergleichen: Wie wurde dieselbe Funktion früher oder in anderem Material ausgedrückt?
  3. Verbreitung prüfen: Kommt die Form wiederholt vor? In welchen Gruppen, Regionen, Medien und Situationen?
  4. Deuten: Welche Erklärung passt zu den Belegen, und welche bleibt nur eine Vermutung?
Definition

Variante

Eine Variante ist eine von mehreren Formen, die dieselbe oder eine ähnliche sprachliche Funktion erfüllen. Varianten können an Region, Gruppe, Medium oder Situation gebunden sein. Nicht jede Variante verdrängt eine andere Form.

Beispiel

Du findest einmal „Ich geh’ Schulhof“. Sicher beobachten kannst du die ausgelassene Präposition und den ausgelassenen Artikel gegenüber „Ich gehe auf den Schulhof“. Noch nicht sicher ist, wie verbreitet die Kurzform ist oder ob ihre Häufigkeit zunimmt. Dafür brauchst du weitere, zeitlich zuordenbare Belege.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Schülerin findet in einer heutigen Chatnachricht einmal die Form „erst Mensa“. Was darf sie daraus schließen?
Lösung: Die Äußerung ist verkürzt; ein allgemeiner Sprachwandel ist damit noch nicht belegt. — Beschreibe zuerst nur das Sichtbare. Aussagen über Verbreitung, Fähigkeiten oder Wandel benötigen weitere Belege.
Frage 2 von 2SchwerWelche Untersuchung liefert den stärksten Wandelbefund?
Lösung: Viele vergleichbare Texte aus verschiedenen Zeiten zeigen, dass eine Form häufiger und in mehreren Kontexten verwendet wird. — Ein überzeugender Wandelbefund verbindet Zeitvergleich, wiederholte Belege und Angaben zu Kontext und Verbreitung.
Wie beurteilst du Sprachwandel sachlich?

Ein deskriptiver Befund beschreibt, welche Form wo, wann und von wem verwendet wird. Ein normatives Urteil bewertet eine Form als passend, unpassend, richtig oder falsch. Beides darf nicht unbemerkt vermischt werden.

Beispiel

Befund: „Smartphone“ ist eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung für ein technisches Gerät.

Wertung: „Das Wort schadet dem Deutschen.“

Der Befund ordnet das Wort als Anglizismus und damit als Sprachkontakt ein. Die Wertung geht weiter. Wer sie begründen will, muss einen Maßstab nennen und Belege liefern. Allein die englische Herkunft beweist weder einen Schaden noch einen Nutzen.

Ein tragfähiges Urteil berücksichtigt den Kontext. Eine knappe Form kann in einem schnellen Chat verständlich und funktional sein, während in einer Bewerbung andere Erwartungen an Vollständigkeit, Höflichkeit und Standardsprache gelten. Das ist eine Beurteilung der Verwendungssituation, keine Abwertung der sprechenden Person.

Nutze diese Prüffragen:

  • Was ist der überprüfbare Sprachbefund?
  • Welcher Wandeltyp oder welche Variante liegt vor?
  • Welche Belege stützen die behauptete Entwicklung?
  • Welcher Wertmaßstab steckt im Urteil?
  • Passt die Form zur Situation und zum Zweck?
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Frage 1 von 2MittelWelche Aussage trennt Befund und Urteil sauber?
Lösung: „Smartphone“ ist ein Anglizismus; ob man ihn passend findet, hängt vom begründeten Maßstab und vom Kontext ab. — Eine sachliche Analyse beschreibt zunächst Herkunft und Gebrauch. Eine Bewertung nennt anschließend ihren Maßstab und prüft ihn am Kontext.
Frage 2 von 2SchwerEine verkürzte Form ist im Chat verständlich, in einer Bewerbung aber missverständlich. Welches Urteil ist am besten begründet?
Lösung: Die Angemessenheit hängt von Medium, Zweck und Adressaten ab. — Sprachliche Formen erfüllen je nach Situation verschiedene Funktionen. Bewerte deshalb die konkrete Verwendung, nicht die Person pauschal.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Sprachwandel
    • Bereiche: Wortschatz, Bedeutung, Wortform, Satzbau, Laut
    • mögliche Kräfte: Benennungsbedarf, Sprachkontakt, Analogie, Neubewertung, Medien
    • Nachweis: Zeitvergleich, Wiederholung, Kontext, Verbreitung
    • Beurteilung: Befund beschreiben, Maßstab nennen, Kontext prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas ist Sprachwandel?
Lösung: die Veränderung einer Sprache im Verlauf der Zeit — Sprachwandel kann Laute, Wortschatz, Bedeutungen, Wortformen und Satzbau betreffen und zeigt sich als Entwicklung über Zeit.
Frage 2 von 3MittelDas Wort „geil“ wird je nach Kontext mit „toll“ oder mit sexueller Bedeutung gebraucht. Welche Analyse passt?
Lösung: Das Beispiel zeigt semantischen Wandel und gleichzeitig mehrere kontextabhängige Bedeutungen. — Wenn sich Bedeutung oder Wertung eines Wortes verändert und ältere Lesarten weiterbestehen, liegt semantischer Wandel mit kontextabhängiger Mehrdeutigkeit vor.
Frage 3 von 3SchwerEine Person behauptet: „Verkürzte Chatsätze zerstören die Grammatik.“ Wie prüfst du diese Aussage am besten?
Lösung: Ich trenne die beobachtete Verkürzung vom Werturteil, untersuche Belege aus verschiedenen Zeiten und Kontexten und prüfe den Bewertungsmaßstab. — Eine differenzierte Prüfung verbindet genaue Beschreibung, Wandeltyp, Zeitvergleich, Verbreitung, Kontext und den offengelegten Maßstab des Urteils.

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