Anglizismen erkennen und richtig verwenden
Anglizismen sind Wörter, Ausdrücke oder andere sprachliche Formen, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurden. Beispiele sind Team, Meeting, cool und mailen. Im Deutschen erhalten viele dieser Wörter deutsche Schreib- und Grammatikformen.
Auf dieser Seite lernst du, Anglizismen sachlich einzuordnen, Scheinanglizismen zu erkennen und englisch beeinflusste Wörter verständlich und korrekt zu verwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Anglizismen?
Anglizismen begegnen dir in vielen Bereichen: Job und Meeting in der Arbeitswelt, Social Media und online in den Medien oder cool und chillen in der Alltagssprache.
Anglizismus
Ein Anglizismus ist ein englischer Einfluss auf die deutsche Sprache. Meist handelt es sich um ein übernommenes Wort oder einen Ausdruck. Der Einfluss kann aber auch Aussprache, Schreibweise oder Satzbau betreffen.
Englische Ausdrücke verbreiten sich besonders durch internationale Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Medien und Jugendkultur. Sie können neue Dinge benennen, Bedeutungen genauer unterscheiden oder innerhalb einer Gruppe Zugehörigkeit zeigen.
Ein englisch wirkender Klang ist nur ein Hinweis. Er beweist die Herkunft nicht. Auch ein längst eingebürgertes Wort wie Team oder Internet kann ein Anglizismus sein, obwohl es vielen Menschen nicht mehr fremd erscheint.
Im Satz „Unser Team hat ein Online-Meeting“ stammen Team, Online und Meeting aus dem Englischen. Die Großschreibung von Team und Meeting zeigt zugleich: Die Wörter werden im Deutschen als Substantive verwendet.
Nach welchen Merkmalen lassen sie sich unterscheiden?
Anglizismen können nach unterschiedlichen Fragen geordnet werden. Die Einteilungen erfüllen verschiedene Zwecke und dürfen nicht vermischt werden.
| Blickrichtung | Leitfrage | mögliche Gruppen |
|---|---|---|
| sprachliche Integration | Wie stark ist die Form ins Deutsche eingegliedert? | Fremdwort, Lehnwort |
| Verhältnis zum englischen Gebrauch | Wird der Ausdruck im Englischen in derselben Form und Bedeutung verwendet? | reguläre Entlehnung, Scheinanglizismus |
| Funktion im Wortschatz | Was leistet der Ausdruck im Deutschen? | ergänzend, differenzierend, verdrängend |
Fremdwörter und Lehnwörter
Ein Fremdwort wird noch deutlich als fremd wahrgenommen und ist wenig an deutsche Sprachmuster angepasst. Ein Lehnwort ist stärker integriert. Es erhält beispielsweise einen Artikel, deutsche Endungen oder eine deutsche Verbform.
Team ist grammatisch integriert: Es heißt das Team, des Teams und die Teams. Das Verb mailen bekommt deutsche Endungen: ich maile, du mailst, wir mailen.
Die Grenze zwischen Fremdwort und Lehnwort ist nicht immer scharf. Integration kann schrittweise erfolgen, und die Vertrautheit mit einem Wort unterscheidet sich von Person zu Person.
Scheinanglizismen
Scheinanglizismus
Ein Scheinanglizismus wirkt englisch, wird im Englischen aber nicht in derselben Form oder Bedeutung verwendet. Der Begriff umfasst je nach Einteilung deutsche Neubildungen und Wörter mit einer im Deutschen veränderten Bedeutung.
Das deutsche Substantiv Handy bezeichnet ein Mobiltelefon. Im Englischen ist handy dagegen vor allem ein Adjektiv mit der Bedeutung „praktisch“ oder „handlich“. Auch Beamer bezeichnet im Deutschen einen Projektor, während das Wort im Englischen nicht die übliche Bezeichnung für dieses Gerät ist.
Ergänzend, differenzierend oder verdrängend
Ein Anglizismus kann eine Benennungslücke ergänzen, eine Bedeutung genauer differenzieren oder mit einem vorhandenen deutschen Ausdruck konkurrieren und ihn möglicherweise verdrängen. Diese Wirkung hängt vom Gebrauch und vom jeweiligen Kontext ab.
„Fremdwort oder Lehnwort?“ fragt nach der Integration. „Reguläre Entlehnung oder Scheinanglizismus?“ vergleicht den deutschen und englischen Gebrauch. „Ergänzend oder verdrängend?“ fragt nach der Funktion im deutschen Wortschatz.
Wie schreibst und formst du Anglizismen im Deutschen?
Sobald ein englisches Wort in einem deutschen Satz verwendet wird, gelten häufig deutsche Rechtschreib- und Grammatikregeln.
Substantive großschreiben
Substantive beginnen im Deutschen mit einem Großbuchstaben: das Team, die Fitness, das Feedback. Sie erhalten außerdem ein grammatisches Geschlecht und einen Artikel, zum Beispiel der Job, die E-Mail und das Baby.
Deutsche Pluralformen bilden
Bei Substantiven auf -y bleibt das y im Deutschen erhalten. Meist kommt ein -s hinzu:
- die Party – die Partys
- die Story – die Storys
- das Hobby – die Hobbys
Die englischen Formen parties oder stories werden nicht als deutsche Pluralformen übernommen.
Verben deutsch konjugieren
Übernommene Verben erhalten deutsche Personalendungen:
| Person | Form von mailen |
|---|---|
| ich | maile |
| du | mailst |
| er, sie, es | mailt |
| wir | mailen |
| ihr | mailt |
| sie | mailen |
Auch das Partizip richtet sich nach der eingebürgerten Form: gemailt, designt, gescannt oder upgedatet. Nicht jedes Verb bildet das Partizip auf dieselbe Weise. Deshalb solltest du unsichere Einzelformen prüfen, statt eine Regel blind auf jedes Wort zu übertragen.
Zusammensetzungen übersichtlich schreiben
Zusammengesetzte Substantive werden zusammengeschrieben oder durch Bindestriche gegliedert. Belegte Formen sind beispielsweise Homeoffice und Home-Office. Bei längeren Verbindungen machen Bindestriche die Bestandteile sichtbar, etwa E-Mail-Account oder Work-Life-Balance.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im Deutschen schreibt man das Substantiv groß. Der deutsche Plural von Party lautet . In „Du mir die Datei“ erhält das Verb eine deutsche Endung. Eine übersichtlich gekoppelte Verbindung lautet .
Wann ist ein Anglizismus passend?
Anglizismen sind nicht von sich aus gut oder schlecht. Entscheidend ist, ob sie in einer bestimmten Situation verständlich, genau und nützlich sind.
Sie können sinnvoll sein, wenn sie:
- eine Benennungslücke schließen;
- in einer Fach- oder Berufsgruppe allgemein verstanden werden;
- einen Sachverhalt genauer bezeichnen;
- internationale Zusammenarbeit erleichtern.
Sie können stören, wenn sie:
- für die Zielgruppe unverständlich sind;
- nur Modernität vortäuschen;
- eine klare deutsche Bezeichnung unnötig ersetzen;
- einen Text schwerer lesbar machen.
In einem IT-Team kann Login eine vertraute und genaue Bezeichnung sein. In einer Anleitung für Menschen ohne entsprechende Vorkenntnisse könnte „Anmeldung“ verständlicher sein. Die passendere Wahl hängt nicht nur vom Wort, sondern auch von Zielgruppe, Textart und Situation ab.
Die Behauptung „Anglizismen bereichern immer die Sprache“ ist ebenso pauschal wie „Anglizismen zerstören die Sprache“. Eine sachliche Beurteilung untersucht den konkreten Ausdruck, seine Funktion und seine Wirkung auf die Verständlichkeit.
Wie untersuchst du einen Ausdruck Schritt für Schritt?
Mit diesem Prüfmuster kannst du einen unbekannten oder umstrittenen Anglizismus untersuchen:
- Herkunft klären: Stammt die Form oder Verwendung tatsächlich aus dem Englischen?
- Bedeutung vergleichen: Hat der Ausdruck im Deutschen und Englischen dieselbe Bedeutung?
- Funktion bestimmen: Schließt er eine Lücke, unterscheidet er genauer oder konkurriert er mit einer deutschen Bezeichnung?
- Integration prüfen: Wie werden Großschreibung, Artikel, Plural und Verbformen im Deutschen gebildet?
- Kontext beurteilen: Versteht die Zielgruppe den Ausdruck, und passt er zur Textart?
- Alternative abwägen: Wäre eine deutsche Bezeichnung genauer oder leichter verständlich?
Untersuchung von Handy:
- Das Wort wirkt englisch.
- Im Deutschen bezeichnet es ein Mobiltelefon; im Englischen hat handy gewöhnlich eine andere Wortart und Bedeutung.
- Es benennt im Deutschen einen alltäglichen Gegenstand.
- Es ist integriert: das Handy, die Handys.
- Für ein deutschsprachiges Alltagspublikum ist es meist verständlich.
- Mobiltelefon ist eine mögliche deutsche Alternative.
Ergebnis: Handy ist ein integrierter Scheinanglizismus. Diese Einordnung sagt noch nicht, dass das Wort in jedem Text passend oder unpassend ist.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Anglizismen
- erkennen: englischen Ursprung oder Einfluss untersuchen
- unterscheiden: Integration, englischen Gebrauch und Funktion getrennt prüfen
- Funktion prüfen: ergänzen, differenzieren oder verdrängen
- integrieren: Großschreibung, Artikel, Plural und Verbformen
- verwenden: Zielgruppe, Textart und Verständlichkeit beachten
- bewerten: konkrete Wirkung statt pauschaler Urteile begründen
Abschluss-Check
Du kannst Anglizismen nun nicht nur finden, sondern aus mehreren Blickrichtungen untersuchen: Woher kommt die Form, wie ist sie ins Deutsche integriert, welche Funktion erfüllt sie und wie wirkt sie auf die jeweilige Zielgruppe? So gelangst du zu einem begründeten Urteil statt zu einem pauschalen Verbot oder Lob.
Mit Google fortfahren