Deutsch

Dialekt und Standardsprache: Unterschiede erkennen

Dialekt und Standardsprache: Unterschiede erkennen
Dialekt und Standardsprache: Unterschiede erkennen
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Dialekt und Standardsprache sind unterschiedliche Formen des Deutschen. Die Standardsprache ist überregional verständlich und weitgehend geregelt. Ein Dialekt gilt nur in einem begrenzten Gebiet und kann sich in Aussprache, Wortschatz und Grammatik von ihr unterscheiden. Dazwischen liegen regionale Umgangssprachen.

Auf dieser Seite lernst du, diese Sprachformen zu erkennen, ihre Übergänge zu erklären und sie passend zur Situation zu beurteilen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Formen des Deutschen gibt es?

Deutsch klingt und wirkt nicht überall gleich. Ein Schulaufsatz, ein Gespräch in der Familie und eine Unterhaltung in einem Ortsdialekt können sich deutlich unterscheiden. Solche unterschiedlichen Formen einer Sprache heißen Varietäten.

Definition

Standardsprache

Die Standardsprache ist die überregionale mündliche und schriftliche Form des Deutschen. Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung sind weitgehend festgelegt. Sie wird besonders in öffentlichen, schulischen und offiziellen Situationen verwendet.

Definition

Dialekt

Ein Dialekt, auch Mundart genannt, ist eine regional begrenzte Varietät. Er unterscheidet sich von der Standardsprache besonders durch Aussprache und Wortschatz, teilweise auch durch grammatische Formen. Dialekte besitzen keine einheitlich amtlich geregelte Schreibweise.

Definition

Regionale Umgangssprache

Die regionale Umgangssprache liegt zwischen Standardsprache und Dialekt. Sie enthält regionale Merkmale, vermeidet aber besonders kleinräumige Dialektformen. Eine dialektnahe Umgangssprache wird auch Regiolekt genannt.

SprachformRäumliche ReichweiteTypische Merkmale
Standardspracheüberregionalweitgehend festgelegte Grammatik, Rechtschreibung und Wortwahl
regionale Umgangssprachegrößere Regionregionaler Klang oder Wortschatz, meist überregional gut verständlich
Dialektbegrenztes Gebietörtliche oder kleinräumige Aussprache, Wörter und Formen
Merke

Regional bedeutet nicht automatisch Dialekt. Auch eine regionale Umgangssprache oder eine regionale Variante der Standardsprache kann von einer Gegend geprägt sein.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt die Standardsprache am besten?
Lösung: Sie ist eine überregionale und weitgehend geregelte Sprachform. — Standardsprache ermöglicht überregionale Verständigung. Trotzdem kann ihre Aussprache regional gefärbt sein.
Frage 2 von 2MittelEine Person spricht überregional verständlich, sagt aber einzelne regional typische Wörter. Welche Einordnung passt am besten?
Lösung: regionale Umgangssprache oder regionale Standardsprache — Entscheidend ist nicht ein einzelnes Wort, sondern das Zusammenspiel aus Reichweite, Aussprache, Wortschatz und Grammatik.
Warum gibt es keine scharfe Grenze?

Im Alltag wechseln Menschen meistens nicht wie mit einem Schalter zwischen zwei völlig getrennten Sprachformen. Zwischen Ortsdialekt und Standardsprache liegen viele Zwischenstufen. Dieses abgestufte Feld heißt sprachliches Kontinuum.

Eine Person kann zum Beispiel zu Hause einen Dialekt sprechen, mit Menschen aus derselben Region eine regionale Umgangssprache verwenden und in einem Referat standardnah sprechen. Dabei können einzelne regionale Merkmale erhalten bleiben.

Beispiel

Mira sagt in einem vertrauten Gespräch ein regionales Wort. Im Unterricht verwendet sie stattdessen einen überregional verständlichen Ausdruck. Ihre Sprache kann dabei weiterhin leicht regional klingen.

Mira beherrscht also nicht nur eine einzige feste Form des Deutschen. Sie passt mehrere sprachliche Merkmale an, ohne ihre gesamte Sprechweise auf einmal zu wechseln.

Die Fähigkeit, innerhalb der eigenen Sprache verschiedene Varietäten und Stile zu verstehen und situationsgerecht zu nutzen, heißt innere Mehrsprachigkeit. Davon unterscheidet man äußere Mehrsprachigkeit: Dabei beherrscht oder lernt eine Person verschiedene Sprachen.

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Frage 1 von 1MittelWelche Beobachtung zeigt ein sprachliches Kontinuum?
Lösung: Eine Person verändert je nach Situation einzelne Wörter, Laute und Formen schrittweise. — Ein Kontinuum besteht aus Übergängen. Deshalb lassen sich viele Äußerungen nicht trennscharf nur einer von zwei Seiten zuordnen.
Welche Sprachform passt zur Situation?

Die passende Sprachform hängt vor allem von drei Fragen ab:

  1. Mit wem sprichst du? Kennt dein Gegenüber die regionalen Ausdrücke?
  2. In welcher Situation sprichst oder schreibst du? Ist sie vertraut, schulisch oder offiziell?
  3. Was möchtest du erreichen? Willst du Nähe zeigen, sachlich informieren oder möglichst viele Menschen erreichen?
Beispiel

Du erklärst Gästen aus verschiedenen Regionen den Weg. Eine überregional verständliche Form ist sinnvoll, weil nicht alle deinen Dialekt kennen.

Später erzählst du dieselbe Begebenheit in deiner Familie. Wenn dort Dialekt üblich ist, kann er Nähe und Vertrautheit ausdrücken.

Keine der beiden Formen ist grundsätzlich besser. Sie erfüllen in diesen Situationen unterschiedliche Aufgaben.

Der situationsabhängige Wechsel zwischen Varietäten oder Sprachstilen wird als Code-Switching beziehungsweise sprachliche Variation bezeichnet. Ein solcher Wechsel kann bewusst geschehen, läuft aber oft auch unbewusst ab.

Merke

Angemessen ist eine Sprachform dann, wenn sie zu Gesprächspartner, Situation und Zweck passt. Angemessen bedeutet nicht: Ein Mensch oder seine Sprache ist mehr wert als ein anderer Mensch oder dessen Sprache.

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Frage 1 von 1MittelDu hältst ein Referat vor einer Klasse, in der nicht alle deinen Ortsdialekt verstehen. Welche Entscheidung unterstützt dein Ziel am besten?
Lösung: Du verwendest überwiegend Standardsprache und erklärst notwendige regionale Wörter. — Standardsprache erleichtert hier die gemeinsame Verständigung. Eine leichte regionale Färbung ist nicht automatisch ein Problem.
Wie verändern sich Wörter und Sätze zwischen den Stufen?

Beim Annähern an die Standardsprache können sich mehrere Bereiche verändern:

  • Lautung: Wörter werden anders ausgesprochen.
  • Wortschatz: Ein regionales Wort wird durch einen überregionalen Ausdruck ersetzt.
  • Grammatik: Verbformen oder Zeitformen ändern sich.
  • Satzbau: Teile des Satzes werden anders angeordnet oder formuliert.
Beispiel

Ein sprachwissenschaftliches Beispiel aus Süddeutschland zeigt mehrere Stufen:

SprachstufeBeispielsatz
StandardspracheIch musste dort hinüber zur Arbeit.
großräumige UmgangsspracheI hab da nüber müssa ins Gschäft.
RegionalspracheI han då nom missa zom Schaffa.
OrtsmundartI hao miassa sält na ge schaffa.

Die Schreibungen geben die Aussprache nur beispielhaft wieder, denn der Dialekt besitzt keine einheitlich normierte Rechtschreibung.

Beim Übergang zur Standardsprache verändern sich unter anderem die Formen von haben und müssen. Außerdem wird das regional gebrauchte schaffen im Sinn von arbeiten durch die standardsprachliche Formulierung zur Arbeit ersetzt. Der Wechsel geschieht also nicht nur bei der Aussprache.

Gut zu wissen

Dasselbe Wort kann regional eine andere Bedeutung haben. Im süddeutschen Beispiel bedeutet schaffen „arbeiten“. Standardsprachlich kann das starke Verb schaffen mit dem Partizip geschaffen dagegen „erschaffen“ bedeuten. Für die Einordnung brauchst du deshalb immer den Satzzusammenhang.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ändert sich der Klang eines Wortes, untersuchst du die . Wird ein regionales Wort durch einen überregionalen Ausdruck ersetzt, verändert sich der . Eine andere Verbform gehört zur .

Lösungen: Lücke 1: Lautung; Lücke 2: Wortschatz; Lücke 3: Grammatik. Prüfe nacheinander Klang, Wörter und Formen. In einer Äußerung können sich mehrere Bereiche gleichzeitig verändern.
Wie beschreibst du Unterschiede ohne Abwertung?

Standardsprache und Dialekt erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die Standardsprache erleichtert die überregionale Verständigung. Ein Dialekt kann regionale Zugehörigkeit, Vertrautheit und kulturelle Identität ausdrücken.

Die Aussage „Dialekt ist falsches Deutsch“ ist deshalb unzutreffend. Ein Dialekt besitzt eigene, regelmäßig verwendete Wörter, Laute und grammatische Formen. Dass diese nicht den Regeln der Standardsprache entsprechen, macht den Dialekt nicht regellos.

Umgekehrt ist Standardsprache nicht „unnatürlich“ oder grundsätzlich unpersönlich. Sie ist eine gemeinsame Konvention, die in vielen Situationen nützlich ist.

Eine hilfreiche Untersuchungsfolge

  1. Beobachten: Was fällt an Aussprache, Wortschatz oder Grammatik auf?
  2. Einordnen: Welche Varietät oder Zwischenstufe könnte vorliegen?
  3. Situation prüfen: Wer spricht mit wem, wo und mit welchem Zweck?
  4. Wirkung erklären: Fördert die Wahl Verständlichkeit, Nähe oder regionale Zugehörigkeit?
  5. Sachlich formulieren: Beschreibe Merkmale statt Menschen zu bewerten.
Beispiel

Abwertend wäre: „Die Person spricht schlechtes Deutsch.“

Sachlich wäre: „Die Person verwendet eine regionale Verbform. Im Gespräch mit Menschen aus derselben Region kann sie gut verständlich sein; für ein überregionales Publikum wäre die standardsprachliche Form leichter verständlich.“

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Frage 1 von 1SchwerJemand sagt: „Wer Dialekt spricht, beherrscht kein richtiges Deutsch.“ Welche Antwort ist fachlich am besten begründet?
Lösung: Dialekt ist eine regionale Varietät mit eigenen Merkmalen; entscheidend ist, welche Sprachform in der jeweiligen Situation verständlich und passend ist. — Eine sachliche Beurteilung trennt sprachliche Merkmale von der Bewertung eines Menschen. Dialekt und Standardsprache haben unterschiedliche Reichweiten und Funktionen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Dialekt und Standardsprache
    • Standardsprache — überregional und weitgehend normiert
    • regionale Umgangssprache — Zwischenstufe mit regionaler Färbung
    • Dialekt — räumlich begrenzt und nicht einheitlich schriftlich normiert
    • Kontinuum — fließende Übergänge zwischen den Sprachformen
    • Sprachwahl — abhängig von Gesprächspartner, Situation und Zweck
    • innere Mehrsprachigkeit — mehrere Varietäten situationsgerecht nutzen
    • wertschätzende Analyse — Merkmale beschreiben, Menschen nicht abwerten
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas ist ein Dialekt?
Lösung: eine regional begrenzte Varietät mit eigenen sprachlichen Merkmalen — Dialekt wird durch seine regionale Reichweite und sprachliche Merkmale bestimmt, nicht allein durch lockeren Sprachgebrauch.
Frage 2 von 3MittelEine Äußerung klingt regional, ist aber überregional gut verständlich und enthält kaum Merkmale eines Ortsdialekts. Welche Einordnung ist am plausibelsten?
Lösung: regionale Umgangssprache — Regionale Umgangssprache bildet eine Zwischenstufe zwischen kleinräumigem Dialekt und Standardsprache.
Frage 3 von 3SchwerLea spricht mit ihrer Großmutter Dialekt und erklärt denselben Inhalt Gästen in Standardsprache. Was zeigt dieses Verhalten?
Lösung: Lea nutzt ihre innere Mehrsprachigkeit situationsgerecht. — Lea berücksichtigt Gesprächspartner und Verständlichkeit. Genau diese flexible Wahl gehört zur inneren Mehrsprachigkeit.

Wenn du eine Äußerung untersuchst, frage nicht nur: „Ist das Standard oder Dialekt?“ Prüfe auch die Zwischenstufen, die Situation und die beabsichtigte Wirkung. So beschreibst du sprachliche Vielfalt genauer und wertschätzend.

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