Mehrsprachigkeit: Bedeutung und Sprachbegriffe
Mehrsprachig bist du, wenn du zwei oder mehr Sprachen verwenden kannst. Du musst diese Sprachen weder gleich gut noch auf höchstem Niveau beherrschen. Entscheidend ist auch nicht, wann oder wo du sie gelernt hast.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Mehrsprachigkeit?
Mehrsprachigkeit
Mehrsprachigkeit bedeutet, dass eine Person zwei oder mehr Sprachen verwenden kann. Die Sprachen können zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Wegen erworben worden sein.
Eine mehrsprachige Person muss nicht in jeder Sprache alles gleich gut können. Sie kann beispielsweise eine Sprache häufig in der Familie und eine andere vor allem in der Schule verwenden.
Für Mehrsprachigkeit gibt es kein einheitliches Sprachniveau, das in allen Sprachen erreicht werden muss. Auch ein bestimmter Erwerbsweg ist keine Voraussetzung.
Mehrsprachig bedeutet nicht automatisch: alle Sprachen gleich gut und fehlerfrei beherrschen.
Auf welchen Wegen entsteht Mehrsprachigkeit?
Menschen können auf sehr unterschiedlichen Wegen mehrsprachig werden:
- Eine Person verwendet zu Hause Türkisch und lernt später im Kindergarten oder in der Schule Deutsch.
- Eine Person hört zu Hause nur Deutsch und lernt später in der Schule Englisch oder Spanisch.
- Eine erwachsene Person wandert aus und lernt in ihrer neuen Umgebung eine weitere Sprache.
Alle drei Personen können mehrsprachig sein. Weder das Alter beim Lernen noch der Lernort entscheidet allein darüber.
Lea verwendet seit ihrer Kindheit Deutsch. In der Schule lernt sie Spanisch und kann sich später auch auf Spanisch verständigen.
Denkweg: Lea kann Deutsch und Spanisch verwenden. Damit erfüllt sie die Grundidee der Mehrsprachigkeit. Dass sie Spanisch später als Deutsch gelernt hat, ändert daran nichts.
Welche Sprachbegriffe beschreiben den Erwerbsweg?
Die folgenden Begriffe beschreiben vor allem, wann und in welchem Umfeld eine Sprache erworben wird. Sie bewerten nicht den Menschen oder den Wert einer Sprache.
Muttersprache oder Erstsprache
Eine Muttersprache beziehungsweise Erstsprache wird seit der Geburt erworben. Ein Mensch kann auch mehrere Erstsprachen haben.
Herkunftssprache
Eine Herkunftssprache ist mit der Herkunft der Familie verbunden und unterscheidet sich von der Sprache der umgebenden Gesellschaft. Sie wird meistens zu Hause innerhalb der Familie verwendet.
Zweitsprache
Eine Zweitsprache wird zusätzlich zur Muttersprache in der frühen Kindheit erworben, aber nicht seit der Geburt.
Fremdsprache
Eine Fremdsprache wird nach der frühen Kindheit gelernt, meistens in der Schule.
Um eine Sprache einzuordnen, fragst du zuerst nach ihrem Erwerbsweg: seit wann, in welchem Umfeld und auf welche Weise wurde sie gelernt?
Warum sind Sprachkenntnisse nicht überall gleich stark?
Mehrsprachige Menschen beherrschen ihre Sprachen häufig unterschiedlich gut. Eine Person kann eine Sprache öfter verwenden oder in ihr über mehr Erfahrung verfügen als in einer anderen.
Dominante Sprache
Die dominante Sprache ist die Sprache, die eine Person am besten beherrscht.
Die dominante Sprache muss nicht ein Leben lang dieselbe bleiben. Wenn sich Lebensumstände und Sprachverwendung ändern, kann sich auch die Sprachdominanz verändern.
Eine Person verwendet zunächst überwiegend eine Sprache in Familie und Alltag. Nach einer Auswanderung nutzt sie immer häufiger eine andere Sprache. Im Laufe ihres Lebens kann dadurch die andere Sprache dominant werden.
Der entscheidende Gedanke lautet: Sprachdominanz ist veränderlich. Sie sagt außerdem nicht, ob jemand mehrsprachig ist, denn dafür genügt die Fähigkeit, mindestens zwei Sprachen zu verwenden.
Wie ordnest du einen Fall Schritt für Schritt ein?
Gehe in dieser Reihenfolge vor:
- Sprachen zählen: Kann die Person mindestens zwei Sprachen verwenden?
- Erwerbsbeginn prüfen: Wurde eine Sprache seit der Geburt, in der frühen Kindheit oder später gelernt?
- Umfeld beachten: Geschah der Erwerb in der Familie, im Kindergarten, in der Schule oder in einer neuen Lebensumgebung?
- Kompetenzen trennen: Frage unabhängig davon, welche Sprache die Person am besten beherrscht.
Nora hört seit ihrer Geburt Deutsch. Nach der frühen Kindheit lernt sie Englisch in der Schule. Heute kann sie beide Sprachen verwenden, Deutsch aber deutlich sicherer.
Einordnung:
- Nora ist mehrsprachig, weil sie zwei Sprachen verwenden kann.
- Deutsch ist eine Erstsprache, weil sie es seit ihrer Geburt erwirbt.
- Englisch ist nach den beschriebenen Kategorien eine Fremdsprache, weil sie es später in der Schule lernt.
- Deutsch ist ihre dominante Sprache, weil sie es am besten beherrscht.
Die Begriffe beantworten also verschiedene Fragen: Mehrsprachigkeit beschreibt die Verwendung mehrerer Sprachen, die Sprachkategorien beschreiben den Erwerbsweg und dominante Sprache bezeichnet die stärkste Sprache.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Mehrsprachigkeit
- mindestens zwei Sprachen verwenden
- unterschiedliche Kompetenzniveaus möglich
- Erwerb in Kindheit oder Erwachsenenalter möglich
- Erstsprache: seit der Geburt
- Herkunftssprache: Familie und andere Gesellschaftssprache
- Zweitsprache: zusätzlich in früher Kindheit
- Fremdsprache: später, meist in der Schule
- dominante Sprache: am besten beherrschte Sprache
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