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Brexit einfach erklärt: Gründe, Ablauf und Folgen

Brexit einfach erklärt: Gründe, Ablauf und Folgen
Brexit einfach erklärt: Gründe, Ablauf und Folgen
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Der Brexit ist der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Eine knappe Mehrheit stimmte 2016 dafür; rechtlich vollzogen wurde der Austritt am 31. Januar 2020. Seit dem Ende der Übergangsphase gelten viele gemeinsame EU-Regeln nicht mehr für das Vereinigte Königreich.

Auf dieser Seite untersuchst du nicht nur Daten, sondern auch den zentralen Konflikt: mehr nationale Entscheidungsfreiheit auf der einen Seite, weniger Vorteile und Mitspracherechte innerhalb der EU auf der anderen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wer ist eigentlich aus der EU ausgetreten?

In Nachrichten werden England, Großbritannien und das Vereinigte Königreich manchmal verwechselt. Beim Brexit ist diese Unterscheidung wichtig.

  • Großbritannien umfasst England, Schottland und Wales.
  • Das Vereinigte Königreich umfasst Großbritannien und Nordirland. Auf Englisch heißt es United Kingdom oder kurz UK.
  • Aus der EU ausgetreten ist das gesamte Vereinigte Königreich, nicht nur England.
Definition

Brexit

Das Kunstwort Brexit verbindet Britain und exit. Es bezeichnet den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.

Das UK war 1973 der Europäischen Gemeinschaft, einer Vorläuferin der heutigen EU, beigetreten. Bereits 1975 bestätigte eine deutliche Mehrheit in einem Referendum die Mitgliedschaft. 2016 fiel die Entscheidung anders aus.

Merke

Referendum und Brexit sind nicht dasselbe: Das Referendum war die Abstimmung über die politische Richtung. Der Brexit war der anschließend ausgehandelte und rechtlich vollzogene Austritt.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage ist geografisch und politisch korrekt?
Lösung: Das Vereinigte Königreich besteht aus Großbritannien und Nordirland. — Ausgetreten ist das gesamte Vereinigte Königreich. Großbritannien umfasst England, Schottland und Wales; zum UK gehört zusätzlich Nordirland.
Wie wurde aus einer Abstimmung ein Austritt?

Am 23. Juni 2016 stimmten die Bürgerinnen und Bürger des UK über die EU-Mitgliedschaft ab. 51,9 % entschieden sich für den Austritt; die Wahlbeteiligung lag bei 72,2 %. Premierminister David Cameron hatte für den Verbleib geworben und trat nach dem Ergebnis zurück.

Das Referendum beendete die Mitgliedschaft nicht sofort. Zunächst musste die Regierung das geregelte Austrittsverfahren einleiten.

Definition

Artikel 50

Artikel 50 regelt den freiwilligen Austritt eines Mitgliedstaates aus der EU. Das UK leitete dieses Verfahren am 29. März 2017 offiziell ein.

Wichtige Stationen waren:

  1. 23. Juni 2016: Eine knappe Mehrheit stimmt für den Austritt.
  2. 29. März 2017: Die britische Regierung erklärt nach Artikel 50 offiziell ihre Austrittsabsicht.
  3. 2017 bis 2019: EU und UK verhandeln. Das britische Parlament lehnt das von Theresa May ausgehandelte Abkommen mehrfach ab.
  4. 31. Januar 2020: Unter Premierminister Boris Johnson tritt das UK rechtlich aus der EU aus.
  5. Bis 31. Dezember 2020: In einer Übergangsphase gelten viele EU-Regeln zunächst weiter.
  6. 24. Dezember 2020: EU und UK einigen sich auf Regeln für ihre künftigen Beziehungen und verhindern, dass die Übergangsphase ohne Handelsabkommen endet.
  7. 1. Januar 2021: Die Übergangsphase endet; die neuen Regelungen greifen.
Gut zu wissen

Mit einem No-Deal-Brexit war hier das Ende der Übergangsphase ohne vereinbartes Handelsregime gemeint. Dann hätten unter anderem besondere Vereinbarungen für den Warenverkehr gefehlt.

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Frage 1 von 1MittelEine Schülerin sagt: „Seit dem Referendum im Juni 2016 war das UK kein EU-Mitglied mehr.“ Was ist daran falsch?
Lösung: Das Referendum gab die politische Richtung vor; der rechtliche Austritt erfolgte erst am 31. Januar 2020. — Trenne drei Schritte: Abstimmung 2016, Einleitung des Austrittsverfahrens 2017 und rechtlicher Austritt 2020.
Warum stimmten Menschen für oder gegen den Brexit?

Viele Befürworter wollten politische Entscheidungen wieder stärker auf nationaler Ebene treffen. Dafür ist der Begriff Souveränität wichtig.

Definition

Souveränität

Souveränität bedeutet hier, dass ein Staat seine Gesetze und politischen Regeln möglichst eigenständig festlegt. Beim Brexit ging es zum Beispiel um Handel, Einwanderung sowie Umwelt- und Produktstandards.

Befürworter verbanden mit dem Austritt vor allem folgende Ziele:

  • eigene Gesetze und Standards festlegen;
  • selbstständige Handelsverträge mit anderen Staaten schließen;
  • Einwanderung und den Zugang zum britischen Arbeitsmarkt stärker kontrollieren;
  • Entscheidungen ohne vorherige Abstimmung mit den EU-Institutionen treffen.

Gegner betonten dagegen die Vorteile der Mitgliedschaft:

  • Zugang zum europäischen Binnenmarkt;
  • freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen;
  • politische Mitentscheidung über gemeinsame europäische Regeln;
  • enge wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Verbindungen.
Merke

Der Brexit lässt sich als Zielkonflikt verstehen: Mehr nationale Regelungsfreiheit kann bedeuten, gemeinsame Vorteile und Einfluss innerhalb der EU aufzugeben.

Nicht alle Menschen stimmten aus demselben Grund ab. Sorgen um Arbeitsplätze und Einwanderung spielten ebenso eine Rolle wie Fragen nach Demokratie und nationaler Selbstbestimmung. Deshalb wäre es falsch, allen Brexit-Befürwortern pauschal dasselbe Motiv zuzuschreiben.

Beispiel

Das UK kann nach dem Brexit eigene Produktstandards bestimmen. Weichen diese Standards jedoch von EU-Regeln ab, müssen Unternehmen beim Export möglicherweise zusätzliche Nachweise erbringen. Dieselbe Entscheidung kann daher als Gewinn an Souveränität und als neues Handelshemmnis bewertet werden.

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Frage 1 von 1MittelWelche Aussage beschreibt den zentralen Zielkonflikt am besten?
Lösung: Das UK gewann nationale Regelungsfreiheit, verlor aber Vorteile und Mitspracherechte der EU-Mitgliedschaft. — Politische Entscheidungen haben häufig Vor- und Nachteile. Beim Brexit stehen nationale Selbstbestimmung und europäische Zusammenarbeit in einem Spannungsverhältnis.
Warum spaltete das Referendum Politik und Gesellschaft?

Das Ergebnis von 51,9 % war knapp. Außerdem stimmten Regionen und Bevölkerungsgruppen unterschiedlich:

  • In Schottland, Nordirland, London und Gibraltar gab es Mehrheiten für den Verbleib.
  • In England und Wales hatten die Befürworter des Austritts die Mehrheit.
  • Jüngere Wähler waren im Durchschnitt stärker für den Verbleib als ältere.

Diese Unterschiede verschärften bestehende Konflikte über regionale Zugehörigkeit, nationale Identität und das Verhältnis zu Europa. Die schottische Regierung verband den gewünschten EU-Verbleib beispielsweise erneut mit der Frage nach schottischer Unabhängigkeit.

Vertiefung: Volk oder Parlament – wer entscheidet?

Das Vereinigte Königreich besitzt keine einzelne, vollständig kodifizierte Verfassungsurkunde. Nach der britischen Verfassungstradition hat das Parlament bei der Gesetzgebung das letzte Wort. Das Referendum wurde politisch jedoch als Entscheidung des Volkes behandelt.

Dadurch gerieten zwei Vorstellungen in Konflikt:

  • Volkssouveränität: Die im Referendum geäußerte Entscheidung des Volkes soll umgesetzt werden.
  • Parlamentssouveränität: Das gewählte Parlament entscheidet über Gesetze und das Austrittsabkommen.

Der Konflikt wurde sichtbar, als das Parlament Theresa Mays Austrittsabkommen mehrfach ablehnte. Diese Ablehnung richtete sich nicht zwingend gegen das Ergebnis des Referendums. Umstritten war auch, wie der Austritt gestaltet werden sollte.

Beispiel

Zwei Abgeordnete können beide das Referendum anerkennen und trotzdem über ein Austrittsabkommen streiten: Eine Person hält enge Handelsbeziehungen zur EU für nötig, die andere will möglichst wenige gemeinsame Regeln. Der Streit betrifft dann die Form des Brexit, nicht unbedingt das Abstimmungsergebnis.

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Frage 1 von 1SchwerWarum führte das Referendum zu einem Verfassungskonflikt?
Lösung: Die politische Berufung auf den Volkswillen traf auf die gesetzgeberische Entscheidungsgewalt des Parlaments. — Ein Referendum gibt eine politische Entscheidung vor, ersetzt aber nicht sämtliche Gesetze und Verhandlungen zu ihrer Umsetzung.
Welche Folgen hatte der Brexit?

Die Folgen hängen mit dem Austritt aus gemeinsamen Regeln und Freiheiten zusammen. Sie betreffen Wirtschaft, Alltag, Politik und die EU selbst.

Handel und Arbeit

Für Waren entstanden zusätzliche Zollkontrollen, Erklärungen und andere Formalitäten. Solche Handelshemmnisse können Lieferungen verzögern, Verwaltungsaufwand erhöhen und Preise beeinflussen.

Die Personenfreizügigkeit zwischen EU und UK endete. EU-Bürger können deshalb nicht mehr ohne Weiteres im UK arbeiten, sondern benötigen die jeweils erforderliche Erlaubnis. Das wirkt sich auch auf Branchen wie die Landwirtschaft aus, die zuvor viele Arbeitskräfte aus EU-Staaten beschäftigten.

Zusammenarbeit und Austausch

Schüler-, Jugend-, Hochschul- und Kulturkontakte sind weniger eng in gemeinsame EU-Strukturen eingebunden als vor dem Brexit. Zugleich arbeiten EU und UK weiterhin dort zusammen, wo sie gemeinsame politische oder sicherheitspolitische Interessen haben.

Folgen für die Europäische Union

Auch die EU verlor mit dem UK ein wirtschaftlich und außenpolitisch bedeutendes Mitglied. Das UK hatte außerdem häufig die Interessen von Staaten vertreten, die nicht den Euro nutzen. Sein Austritt veränderte daher politische Bündnisse und Kräfteverhältnisse innerhalb der EU.

Merke

Eine Folge ist nicht automatisch ein Motiv: Zollformalitäten sind eine praktische Folge des Austritts. Der Wunsch nach eigener Handelspolitik war dagegen ein Motiv vieler Befürworter.

Perspektiven sorgfältig vergleichen

Eine faire Analyse trennt drei Arten von Aussagen:

  1. Fakt: Das Referendum fand am 23. Juni 2016 statt.
  2. Perspektive: Befürworter bewerten eigene nationale Regeln als Gewinn.
  3. Prognose oder Deutung: Eine Aussage über zukünftige wirtschaftliche Schäden muss mit ihrem Entstehungszeitpunkt und ihrer Unsicherheit betrachtet werden.

Gerade Texte aus den Jahren 2019 und 2020 beschreiben teilweise noch mögliche Entwicklungen. Du solltest solche Prognosen nicht nachträglich wie bereits gemessene Ergebnisse behandeln.

Aufgabe: Zwei Perspektiven erklären

Eine Person sagt: „Der Brexit gibt dem UK mehr Kontrolle.“ Eine andere sagt: „Der Brexit macht den Handel schwieriger.“ Erkläre, warum beide Aussagen gleichzeitig begründet sein können.

Lösung zur Perspektiven-Aufgabe

Die erste Person betrachtet die nationale Regelungsfreiheit: Das UK kann beispielsweise eigene Handels- und Einwanderungsregeln festlegen. Die zweite betrachtet die Folgen des Austritts aus gemeinsamen EU-Regeln: Kontrollen und Formalitäten erschweren den Warenverkehr. Die Aussagen widersprechen sich nicht zwingend, weil sie unterschiedliche Seiten desselben Zielkonflikts beschreiben.

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Frage 1 von 2MittelWelche Aussage trennt Motiv und Folge korrekt?
Lösung: Der Wunsch nach eigener Einwanderungspolitik war ein Motiv; das Ende der Personenfreizügigkeit ist eine Folge. — Motive erklären, warum Menschen eine Entscheidung unterstützen. Folgen entstehen durch die Entscheidung und ihre Umsetzung.
Frage 2 von 2SchwerEin Text von Ende 2019 sagt, das künftige Handelsverhältnis sei noch unbekannt. Wie ordnest du die Aussage ein?
Lösung: Als zeitgebundene Aussage vor der Einigung vom Dezember 2020. — Prüfe bei politischen Aussagen immer den zeitlichen Stand. Eine zutreffende Prognoselage von 2019 beschreibt nicht automatisch die Situation nach Ende der Übergangsphase.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Brexit
    • Begriff → Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU
    • Entscheidung → knappes Referendum vom 23. Juni 2016
    • Verfahren → Artikel 50, Verhandlungen und Parlamentsentscheidungen
    • Vollzug → Austritt am 31. Januar 2020, danach Übergangsphase
    • Motive → Souveränität, eigene Handels- und Einwanderungspolitik
    • Konflikte → Regionen, Generationen, Parteien, Volk und Parlament
    • Folgen → neue Handelsformalitäten, Ende der Personenfreizügigkeit, veränderte EU-Kräfteverhältnisse
    • Analyse → Fakten, Perspektiven und zeitgebundene Prognosen unterscheiden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Datum bezeichnet den rechtlichen Austritt des UK aus der EU?
Lösung: 31. Januar 2020 — Das Referendum war 2016, Artikel 50 wurde 2017 aktiviert, der rechtliche Austritt erfolgte am 31. Januar 2020 und die Übergangsphase endete mit Ablauf des Jahres 2020.
Frage 2 von 3MittelWelche Kausalkette ist fachlich schlüssig?
Lösung: Austritt aus gemeinsamen Regeln → neue Zollformalitäten → mehr Aufwand im Warenverkehr — Neue Grenzen und unterschiedliche Regelwerke erzeugen Kontrollen und Nachweise. Sie schaffen nicht einen Zustand ohne Regeln.
Frage 3 von 3SchwerZwei Materialien bewerten den Brexit unterschiedlich. Was ist der beste erste Analyseschritt?
Lösung: Zeitstand, Aussageart und betrachtete Vor- oder Nachteile bestimmen. — Trenne Fakten, Perspektiven und Prognosen. Prüfe anschließend, ob die Materialien verschiedene Zeitstände oder Seiten des Zielkonflikts betrachten.

Du hast den Kern verstanden, wenn du den Brexit nicht nur als Datum beschreiben kannst: Er war ein mehrjähriger politischer Prozess, in dem nationale Selbstbestimmung, europäische Zusammenarbeit und unterschiedliche Vorstellungen von Zugehörigkeit miteinander ausgehandelt wurden.

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