Britisches Parlament: Aufbau, Wahl und Macht
Das britische Parlament beschließt Gesetze und kontrolliert die Regierung. Es besteht formal aus dem gewählten House of Commons, dem nicht direkt gewählten House of Lords und dem Monarchen. Die politische Hauptrolle spielt das Unterhaus.
Auf dieser Seite lernst du die wichtigsten englischen Begriffe kennen und kannst erklären, wie Wahl, Gesetzgebung und Regierungsbildung zusammenhängen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wer gehört zum britischen Parlament?
Wenn im Englischen von Parliament die Rede ist, ist damit nicht nur eine Gruppe gewählter Abgeordneter gemeint. Zum Parlament des Vereinigten Königreichs gehören drei Bestandteile. Beide Kammern tagen im Palace of Westminster in London.
| Bestandteil | Zusammensetzung | Hauptaufgabe |
|---|---|---|
| House of Commons – Unterhaus | gewählte Members of Parliament, kurz MPs | Gesetze beraten und beschließen, Finanzen kontrollieren, Regierung zur Rechenschaft ziehen |
| House of Lords – Oberhaus | vor allem ernannte Life Peers sowie Bischöfe der Church of England | Gesetzentwürfe prüfen, Änderungen vorschlagen und die Regierung befragen |
| Monarch | Staatsoberhaupt | Gesetzen mit dem Royal Assent formal zustimmen |
House of Commons
Das House of Commons ist die gewählte und politisch stärkere Kammer. Commons bezieht sich hier auf Gemeinden oder örtliche Bezirke, nicht einfach auf „gewöhnliche Menschen“.
House of Lords
Das House of Lords ist die nicht direkt gewählte zweite Kammer. Zu seinen Mitgliedern gehören weltliche Lords und Bischöfe der Church of England. Seit dem Ende der Sitzungsperiode 2024–26 verleiht ein erblicher Adelstitel allein kein Sitzrecht mehr.
Der Monarch gehört formal zur gesetzgebenden Gewalt. Die politische Entscheidung trifft er dabei nicht selbstständig: Der Royal Assent, die königliche Zustimmung zu einem Gesetz, ist heute ein zeremonieller Schritt.
Parliament und government sind nicht dasselbe. Das Parlament berät Gesetze und kontrolliert. Die Regierung unter Leitung des Premierministers führt Politik aus und bringt gewöhnlich eigene Gesetzesvorhaben ein.
Wie wird aus einem Vorschlag ein Gesetz?
Stell dir vor, die Regierung möchte mit einem neuen Gesetz den Energieverbrauch öffentlicher Gebäude senken. Ein solcher Vorschlag heißt Bill, also Gesetzentwurf.
Der vereinfachte Weg sieht so aus:
- Die Regierung bringt ihren Entwurf gewöhnlich im House of Commons ein.
- Die Abgeordneten beraten den Text, prüfen Einzelheiten und stimmen darüber ab.
- Das House of Lords untersucht den Entwurf und kann Änderungen vorschlagen.
- Nach Abschluss der parlamentarischen Beratungen folgt der Royal Assent.
- Erst danach ist aus der Bill ein Gesetz, ein Act of Parliament, geworden.
Das Oberhaus entdeckt im Entwurf eine unklare Regel. Es schlägt eine genauere Formulierung vor und sendet den Text zurück. Das Unterhaus entscheidet über diese Änderung. So kann das Oberhaus einen Entwurf verbessern, obwohl das Unterhaus am Ende die stärkere Stellung besitzt.
Das Oberhaus kann gewöhnliche Gesetzesvorhaben ablehnen und dadurch verzögern. Es kann sie jedoch nicht dauerhaft gegen den Willen des Unterhauses blockieren. Bei Finanzgesetzen sind seine Möglichkeiten noch stärker eingeschränkt.
Commons entscheidet stärker, Lords prüft zusätzlich, der Monarch bestätigt formal.
Wie werden Unterhaus und Regierung bestimmt?
Das Vereinigte Königreich ist in einzelne Wahlkreise eingeteilt. Jeder Wahlkreis entsendet genau einen Abgeordneten in das House of Commons.
Das Wahlsystem heißt first past the post oder relative Mehrheitswahl:
- Jede wahlberechtigte Person stimmt in ihrem Wahlkreis für einen Kandidaten.
- Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt den Sitz.
- Eine absolute Mehrheit im Wahlkreis ist nicht erforderlich.
In einem Wahlkreis erhält Kandidatin A mehr Stimmen als jeder ihrer Gegner, aber weniger als die Hälfte aller Stimmen. Trotzdem gewinnt sie den einzigen Sitz des Wahlkreises. Für first past the post zählt der Vorsprung vor jedem einzelnen Gegenkandidaten, nicht das Überschreiten der 50-Prozent-Marke.
Dadurch können landesweiter Stimmenanteil und Sitzanteil deutlich voneinander abweichen. Stimmen für unterlegene Kandidaten führen in ihrem Wahlkreis zu keinem Sitz.
Bei 650 Unterhaussitzen liegt eine absolute Mehrheit bei 326 Sitzen: Eine Partei benötigt mehr als die Hälfte aller Sitze, um allein über eine sichere Mehrheit zu verfügen.
Erreicht keine Partei die absolute Mehrheit, spricht man von einem hung parliament. Dann sind mehrere Wege möglich:
- Parteien bilden eine Koalition und regieren gemeinsam.
- Eine Partei bildet eine Minderheitsregierung.
- Eine kleinere Partei unterstützt eine Minderheitsregierung bei wichtigen Abstimmungen, ohne vollständig in die Regierung einzutreten.
Die Wahl von 2017 zeigt, dass eine vorgezogene Wahl die Regierungsmehrheit auch schwächen kann. Keine Partei erreichte damals die absolute Mehrheit. Die Conservatives bildeten anschließend eine Minderheitsregierung, die sich auf Unterstützung der nordirischen DUP stützte.
Wie kontrolliert das Parlament die Regierung?
Die Regierung kann nicht allein deshalb handeln, weil der Premierminister einen Plan ankündigt. Für Gesetze, Steuern und staatliche Ausgaben braucht sie das Parlament, besonders das House of Commons.
Wichtige Kontrollmöglichkeiten sind:
- Regierungsmitglieder müssen parlamentarische Fragen beantworten.
- Select Committees, also Fachausschüsse, untersuchen Themen und die Arbeit von Ministerien.
- Abgeordnete können Probleme ihrer Wahlkreise öffentlich machen.
- Das Unterhaus entscheidet über Steuern und staatliche Finanzmittel.
- Verliert eine Regierung das Vertrauen des Unterhauses, kann sie nicht einfach wie bisher weiterregieren.
Opposition
Die Opposition besteht aus Parteien und Abgeordneten, die die Regierung nicht tragen. Sie kritisiert deren Vorhaben, stellt Alternativen vor und versucht, bei einer späteren Wahl selbst die Regierung zu bilden.
Vertiefung: Was bedeutet Parlamentssouveränität?
Das Vereinigte Königreich besitzt keine Verfassung, die vollständig in einem einzigen übergeordneten Dokument zusammengefasst ist. Verfassungsregeln ergeben sich unter anderem aus Gesetzen, Konventionen und anerkannten Rechtsgrundsätzen.
Parlamentssouveränität bedeutet, dass das Parlament formal Gesetze beschließen, ändern oder aufheben kann, ohne dass ein Verfassungsgericht seine Gesetze wie in manchen anderen Staaten wegen eines höherrangigen Verfassungstextes aufhebt.
Diese rechtliche Befugnis ist nicht mit grenzenloser politischer Macht gleichzusetzen. Wahlen, öffentliche Zustimmung, internationale Bindungen und die übertragenen Zuständigkeiten Schottlands, Wales’ und Nordirlands begrenzen, was politisch tatsächlich durchsetzbar ist.
Wie klingen und wirken Debatten?
Im Sitzungssaal des House of Commons sitzen sich Regierung und Opposition auf grünen Bänken gegenüber. Der Speaker leitet die Sitzung unparteiisch, erteilt das Wort und sorgt für Ordnung.
Diese Ausdrücke begegnen dir häufig:
| Ausdruck | Bedeutung im Parlament |
|---|---|
| Aye | Zustimmung, also „Ja“ |
| No | Ablehnung |
| Hear, hear! | hörbare Zustimmung zu einem Redebeitrag |
| Order, order! | Ordnungsruf des Speakers |
| Aye Lobby / No Lobby | Bereiche, durch die Mitglieder bei einer förmlichen Abstimmung gehen |
| backbencher | Abgeordneter ohne Regierungsamt oder führende Oppositionsfunktion |
Im Unterhaus können Debatten laut und konfrontativ wirken. Das House of Lords gilt im Vergleich häufig als ruhiger. Solche Rituale zeigen die lange Tradition des Parlaments, können den Ablauf für Außenstehende aber zunächst schwer verständlich machen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die gewählten MPs sitzen im . Für Ordnung sorgt der . Zustimmung wird mit ausgedrückt. Der letzte formale Schritt eines Gesetzes heißt . Eine Situation ohne absolute Mehrheit einer Partei heißt .
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Britisches Parlament
- House of Commons: gewählt, Gesetzgebung, Finanzen, Kontrolle
- House of Lords: Prüfung, Änderungen, Verzögerung
- Monarch: Royal Assent
- Wahl und Regierung
- first past the post: ein Sieger pro Wahlkreis
- absolute Mehrheit: 326 von 650 Sitzen
- hung parliament: Koalition oder Minderheitsregierung möglich
- Parlamentarische Kontrolle
- Fragen und Debatten
- Select Committees
- Vertrauen des Unterhauses
Das Zusammenspiel lässt sich als Kette lesen: Wahlverfahren → Sitzverteilung → Regierungsmehrheit → Handlungsspielraum der Regierung. Gleichzeitig kontrolliert das Parlament die Regierung, die aus seiner Mehrheit hervorgeht.
Abschluss-Check
Kannst du nun in eigenen Worten erklären, warum die Regierung eine Unterhausmehrheit braucht? Eine vollständige Antwort verbindet drei Gedanken: Die Regierung will Gesetze und Ausgaben beschließen, das Unterhaus entscheidet darüber, und es kann der Regierung das Vertrauen entziehen.
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