Gerund oder Infinitiv: Regeln und Unterschiede
Ob du im Englischen ein Gerund auf -ing oder einen to-Infinitiv verwendest, hängt meist vom vorausgehenden Ausdruck ab. Nach Präpositionen und Verben wie enjoy steht das Gerund; Verben wie want und decide verlangen den to-Infinitiv. Bei einigen Verben verändert die Form sogar die Bedeutung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
So triffst du die Grundentscheidung
Stell dir bei einer Lücke nach einem Verb nicht nur die Frage „Vergangenheit oder Zukunft?“. Prüfe zuerst den Ausdruck direkt vor der Lücke:
- Steht dort eine Präposition wie after, without, by oder at? Dann folgt ein Gerund.
- Verlangt das vorausgehende Verb ein festes Muster? Lerne dieses Muster als Einheit, etwa enjoy reading oder want to read.
- Erlaubt das Verb beide Formen? Prüfe, ob sich dadurch die Bedeutung ändert.
Die zeitliche Perspektive hilft besonders bei remember und forget: Das Gerund blickt dort auf ein Erlebnis zurück, der to-Infinitiv bezeichnet eine Handlung, an die jemand denken soll. Als allgemeine Regel für alle Verben funktioniert diese Merkhilfe jedoch nicht.
Lerne nicht nur ein einzelnes Verb, sondern den ganzen Sprachblock: enjoy doing, want to do, good at doing.
Wann steht das Gerund?
Gerund
Das Gerund ist die -ing-Form eines Verbs, die eine Tätigkeit bezeichnet: reading, swimming, writing. Es kann im Satz ähnlich wie ein Nomen verwendet werden.
Als Subjekt nennt das Gerund eine Tätigkeit allgemein:
- Swimming is healthy. – Schwimmen ist gesund.
- Reading helps you learn. – Lesen hilft dir beim Lernen.
Nach bestimmten Verben steht ebenfalls das Gerund. Häufige Beispiele sind enjoy, avoid, finish, keep, mind und suggest:
- I enjoy reading novels.
- She avoids driving at night.
- He suggested going by train.
Wenn auf eine Präposition ein Verb folgt, verwendest du dessen Gerund:
- He left without saying goodbye.
- She got better by practising.
- After finishing his work, he left.
- She is good at drawing.
Im Satz Mia is interested in learning Spanish steht vor dem zweiten Verb die Präposition in. Deshalb lautet das Muster interested in learning und nicht interested in to learn.
Die Schreibweise der -ing-Form
Meist hängst du -ing an: read → reading. Einige Schreibweisen verändern sich:
- Ein stummes
eentfällt: dance → dancing. - Ein Endkonsonant kann nach einem kurzen betonten Vokal verdoppelt werden: run → running.
iewird zuy: die → dying.- Ein
ybleibt erhalten: play → playing.
Wann steht der to-Infinitiv?
To-Infinitiv
Der to-Infinitiv besteht aus to und der unveränderten Grundform: to read, to swim, to write.
Er steht häufig nach Verben, die einen Wunsch, einen Plan, eine Entscheidung, ein Versprechen oder eine Absicht ausdrücken. Wichtige Muster sind:
- want to do
- decide to do
- hope to do
- plan to do
- promise to do
- refuse to do
Leah decided to leave early.
Decide bezeichnet eine Entscheidung und wird hier mit dem festen Muster decide to do verbunden. Deshalb folgt to leave.
Der to-Infinitiv steht außerdem nach vielen Adjektiven:
- It is easy to understand.
- I am happy to see you.
- It is important to be careful.
Mit too und enough beschreibt er eine Folge oder Möglichkeit:
- He is too tired to work.
- She is strong enough to lift it.
Er kann auch einen Zweck ausdrücken:
- We went home to have dinner. – Wir gingen nach Hause, um zu Abend zu essen.
Es gibt auch Infinitive ohne to, etwa nach dem Modalverb can in We can run. Auf dieser Seite geht es bei der Wahl zwischen den beiden Verbmustern hauptsächlich um den to-Infinitiv.
Wann sind beide Formen möglich?
Nach einigen Verben können Gerund und to-Infinitiv nahezu dieselbe Kernaussage ausdrücken. Dazu gehören häufig begin, start, continue, hate, love und prefer.
- At six o’clock it started snowing.
- At six o’clock it started to snow.
Beide Sätze bedeuten: Um sechs Uhr fing es an zu schneien.
Auch nach like kommen beide Formen vor:
- I like swimming. betont eine allgemeine Vorliebe und ähnelt I enjoy swimming.
- I like to swim after work. kann eine bevorzugte Gewohnheit oder Routine hervorheben.
Der Unterschied ist hier viel kleiner als bei Verben wie stop. Du darfst daraus keine Regel ableiten, nach der Gerund und Infinitiv immer austauschbar wären.
Wie verändert die Form die Bedeutung?
Bei bestimmten Verben musst du nicht nur die Grammatik, sondern den ganzen Handlungsablauf beachten.
Stop: beenden oder unterbrechen?
- stop doing: mit der genannten Tätigkeit aufhören
- stop to do: eine andere Tätigkeit unterbrechen, um die genannte Tätigkeit auszuführen
Noah stopped playing football.
Noah hörte mit dem Fußballspielen auf.
Noah stopped to drink some water.
Noah unterbrach seine bisherige Tätigkeit, um Wasser zu trinken. Das Trinken ist der Zweck des Anhaltens.
Remember und forget: Rückblick oder noch offene Handlung?
- remember doing: sich daran erinnern, etwas getan zu haben
- remember to do: daran denken, etwas zu tun
- forget doing: keine Erinnerung daran haben, etwas getan zu haben
- forget to do: eine nötige Handlung nicht ausführen, weil man sie vergisst
I remember locking the door. – Ich erinnere mich daran, die Tür abgeschlossen zu haben.
Remember to lock the door. – Denk daran, die Tür abzuschließen.
Try: Methode testen oder sich bemühen?
- try doing: etwas als mögliche Methode ausprobieren
- try to do: sich bemühen, ein Ziel zu erreichen
Der Computer reagiert nicht. Jemand sagt: Try restarting it. Du sollst einen Neustart als Lösungsmethode ausprobieren.
I tried to restart it, but the button did not work. Hier hast du dich um den Neustart bemüht, das Ziel aber nicht erreicht.
Weitere wichtige Bedeutungswechsel
- go on doing: dieselbe Tätigkeit fortsetzen
- go on to do: anschließend zu einer neuen Tätigkeit übergehen
- mean doing: etwas bedeuten oder nach sich ziehen
- mean to do: beabsichtigen, etwas zu tun
- regret doing: eine ausgeführte Handlung bereuen
- regret to say/tell: bedauern, etwas mitteilen zu müssen
So wendest du die Muster an
Gehe bei einer Aufgabe in drei Schritten vor:
- Markiere das Wort oder den Ausdruck vor der Lücke.
- Ordne ihn einem bekannten Muster zu, etwa Präposition + Gerund oder want + to-Infinitiv.
- Prüfe bei Verben mit zwei Formen, welche Bedeutung zum Zusammenhang passt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
I enjoy detective stories. Mia decided the bus. He left without goodbye. Remember your grandma tonight.
Eigene Sätze bilden
Formuliere je einen Satz mit diesen Mustern:
- enjoy doing
- want to do
- stop doing
- stop to do
Achte bei den beiden stop-Sätzen darauf, dass zwei unterschiedliche Abläufe erkennbar werden.
Mögliche Lösung:
- I enjoy listening to music.
- I want to learn Italian.
- We stopped playing when it got dark.
- We stopped to look at the map.
Im dritten Satz endet das Spielen. Im vierten Satz wird eine andere Tätigkeit unterbrochen, um auf die Karte zu schauen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gerund oder Infinitiv
- Gerund
- nach Präpositionen
- nach Verben wie *enjoy* und *avoid*
- als Bezeichnung einer Tätigkeit
- To-Infinitiv
- nach Verben wie *want* und *decide*
- nach vielen Adjektiven
- für einen Zweck
- Beide Formen
- nahezu gleiche Aussage bei *start*
- Bedeutungswechsel bei *stop*, *remember* und *try*
- Lernstrategie
- Ausdruck vor der Lücke prüfen
- feste Sprachblöcke lernen
- Bedeutung im Zusammenhang kontrollieren
- Gerund
Abschluss-Check
Du kannst die Wahl nun systematisch prüfen: Suche zuerst den Auslöser, rufe das feste Verbmuster ab und kläre bei zwei möglichen Formen den Bedeutungsunterschied.
Mit Google fortfahren