Sprachmittlung Französisch im Abitur: Methode
Bei einer Sprachmittlung überträgst du nicht jedes Wort. Du wählst die Informationen aus, die für Zielgruppe, Anlass und Textsorte wichtig sind, und vermittelst sie sinngemäß in der Zielsprache.
Auf dieser Seite lernst du eine verlässliche Arbeitsfolge kennen und wendest sie auf eine schriftliche Abituraufgabe an.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was verlangt eine Sprachmittlung?
Stell dir vor, du hast einen deutschen Artikel gelesen. Französische Leserinnen und Leser benötigen daraus bestimmte Informationen. Deine Aufgabe ist es, diese Informationen für sie verständlich aufzubereiten.
Sprachmittlung
Sprachmittlung bedeutet, relevante Inhalte zwischen Sprachen und kulturellen Zusammenhängen sinngemäß, ausgewählt und zweckgerecht zu vermitteln. Der Wortlaut des Ausgangstextes muss dabei nicht erhalten bleiben.
Eine Übersetzung folgt dem Ausgangstext meist enger. Bei der Sprachmittlung entscheidest du dagegen:
- Was ist für die angesprochene Person wichtig?
- Was kann ich weglassen?
- Welche Reihenfolge hilft beim Verstehen?
- Welche Begriffe oder kulturellen Bezüge muss ich erklären?
- Welcher Stil passt zur verlangten Textsorte?
Nicht der einzelne Satz des Ausgangstextes steuert deine Lösung, sondern die Kommunikationssituation.
Wie entschlüsselst du die Aufgabe?
Lies den Arbeitsauftrag vor dem Ausgangstext genau. Markiere vier Angaben:
- Zielgruppe: Für wen schreibst du?
- Zweck: Was sollen diese Personen nach dem Lesen wissen oder verstehen?
- Textsorte: Wird beispielsweise ein Blogbeitrag, eine E-Mail oder ein zusammenhängender Informationstext verlangt?
- Sprachrichtung: Welche Ausgangs- und Zielsprache gelten?
In einer offiziellen Beispielaufgabe sollten Prüflinge einen deutschen Artikel lesen und einen französischen Beitrag für das Blog eines Partnerschulprojekts verfassen. Sie sollten die Informationen auswählen, die für die Leserinnen und Leser dieses Blogs besonders wichtig waren.
Daraus folgen konkrete Schreibentscheidungen:
- Zielsprache: Französisch
- Zielgruppe: Leserinnen und Leser des Partnerschulblogs
- Zweck: über wichtige Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen informieren
- Textsorte: Blogbeitrag
Für diese Aufgabe gehörten eine Überschrift, eine passende Einleitung, ein geordneter Hauptteil und ein Schluss mit Bezug zum Schreibanlass zum erwarteten Blogcharakter. Andere Prüfungsaufgaben können ein anderes Format verlangen. Prüfe deshalb immer den konkreten Arbeitsauftrag.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei einer Sprachmittlung bestimmt die mit, welche Informationen wichtig sind. Die geforderte beeinflusst den Aufbau. Der entscheidet mit, worauf du deinen Text fokussierst.
Wie wählst und ordnest du Inhalte aus?
Lies den Ausgangstext zuerst auf seine Kernaussage hin. Prüfe danach jeden möglichen Inhalt mit einer Leitfrage:
Braucht meine Zielgruppe diese Information, um den verlangten Zweck zu erreichen?
Teile deine Notizen in drei Gruppen:
- unverzichtbar: trägt direkt zur Kernaussage oder zum Arbeitsauftrag bei;
- hilfreich: erklärt einen wichtigen Zusammenhang;
- verzichtbar: ist für diese Zielgruppe oder diesen Zweck nur ein Nebendetail.
Übernimm Inhalte nicht automatisch in der Reihenfolge des Ausgangstextes. Bündele zusammengehörige Punkte. So entsteht ein roter Faden statt einer Satz-für-Satz-Wiedergabe.
In der Beispielaufgabe lassen sich die erwarteten Inhalte so ordnen:
- Trotz Meinungsverschiedenheiten waren Kompromisse möglich.
- Beide Länder wussten um ihre gegenseitige Abhängigkeit.
- Die öffentliche Aufmerksamkeit war ungleich verteilt: Deutschland wurde in Frankreich häufig diskutiert, Frankreich in Deutschland deutlich weniger.
- Wirtschaftliche Vergleiche prägten das Bild des jeweils anderen Landes.
- In Frankreich konnten alte Stereotype und Ängste vor deutscher Dominanz wiederkehren.
- Die Beziehungen waren solide, aber nicht unerschütterlich.
Eine bibliografische Einzelangabe zum Ausgangstext wäre für diese Vermittlungsabsicht weniger wichtig als die genannten Zusammenhänge.
Wie formulierst du sinngemäß auf Französisch?
Formuliere aus deinen geordneten Stichpunkten neue französische Sätze. Kopiere weder deutsche Satzstrukturen noch jedes einzelne Bild oder Fachwort.
Gehe dabei in drei Schritten vor:
- Formuliere zuerst die einfache Kernaussage.
- Ergänze den nötigen Zusammenhang.
- Verbinde die Aussagen mit passenden Übergängen.
Wenn dir ein französisches Wort fehlt, kannst du den Gedanken paraphrasieren. Das bedeutet: Du umschreibst ihn mit bekannten Wörtern.
Du möchtest den Gedanken „Angst vor deutscher Hegemonie“ vermitteln, kennst aber das französische Fachwort nicht.
Statt den Satz abzubrechen, kannst du schreiben:
Certaines personnes craignent que l’Allemagne devienne trop puissante et domine les décisions en Europe.
Die Formulierung vermittelt den entscheidenden Gedanken mit gebräuchlicheren Wörtern.
Notwendige Erklärungen sind besonders wichtig, wenn deine Zielgruppe einen Begriff, eine Anspielung oder einen kulturellen Zusammenhang wahrscheinlich nicht kennt. Ergänze aber nur, was sie zum Verstehen braucht.
Achte außerdem auf das Register, also die sprachliche Stilebene. Ein Beitrag für ein Schulprojekt darf zugänglich klingen, sollte aber klar und zusammenhängend bleiben. Umgangssprachliche Elemente sind nur sinnvoll, wenn sie zur Textsorte und Zielgruppe passen.
Paraphrasieren heißt nicht, den Inhalt zu verändern. Vereinfache die Sprache, aber erhalte Aussage, Beziehung und Ton des Ausgangstextes.
Wie entsteht ein vollständiger Beispieltext?
Die folgende Modellfassung beruht auf den sichtbaren Inhalten der beschriebenen Beispielaufgabe. Sie ist eine mögliche Lösung, nicht die einzig richtige Formulierung.
Relations franco-allemandes : solides, mais à protéger
Dans le cadre de notre projet scolaire, je voudrais présenter quelques idées importantes d’un article allemand sur les relations entre la France et l’Allemagne.
Ces relations ont été mises à l’épreuve par plusieurs crises européennes. Les deux pays n’étaient pas toujours d’accord, par exemple sur la situation de la Grèce. Ils ont néanmoins réussi à trouver des compromis et savent qu’ils dépendent l’un de l’autre.
L’attention accordée au pays voisin n’est toutefois pas la même des deux côtés. En France, l’Allemagne est souvent présentée comme un modèle ou comme un exemple négatif. En Allemagne, la France occupe moins de place dans le débat public. L’économie joue un rôle central dans ces comparaisons : les difficultés françaises et la reprise allemande servent souvent à évaluer les forces et les faiblesses des deux pays.
Cette situation peut aussi faire renaître en France d’anciens stéréotypes et la peur d’une Allemagne trop puissante en Europe. De telles images empêchent de regarder le partenaire tel qu’il est aujourd’hui et peuvent provoquer des conflits inutiles.
En conclusion, l’amitié franco-allemande est solide, mais elle n’est pas indestructible. Pour la préserver, il faut dépasser les stéréotypes et mieux comprendre le point de vue du pays voisin.
Warum erfüllt diese Fassung die Aufgabe?
- Die Überschrift benennt das Thema und die Kernaussage.
- Die Einleitung stellt den Bezug zum Schulprojekt und zum deutschen Artikel her.
- Der Hauptteil ordnet die Inhalte nach Zusammenhängen statt nach einzelnen Ausgangssätzen.
- Schwierige Ideen werden sinngemäß erklärt.
- Der Schluss greift den Schreibanlass und die Kernaussage wieder auf.
Die Formulierungen müssen nicht genau so lauten. Entscheidend sind eine sachlich richtige Auswahl, verständliche Beziehungen zwischen den Aussagen und ein zur Situation passender französischer Text.
Wie prüfst du deinen Entwurf?
Plane am Ende Zeit für eine gezielte Kontrolle ein. Gehe nicht nur auf Fehlersuche, sondern prüfe zuerst, ob dein Text seine kommunikative Aufgabe erfüllt.
Inhalt und Auswahl
- Habe ich die für Zielgruppe und Zweck zentralen Inhalte vermittelt?
- Habe ich unwichtige Einzelheiten weggelassen?
- Sind Standpunkt, Beziehungen und Einschränkungen des Ausgangstextes erhalten?
Aufbau und Textsorte
- Passt mein Aufbau zur verlangten Textsorte?
- Führen Überschrift oder Einstieg verständlich zum Thema?
- Folgen die Abschnitte einem erkennbaren roten Faden?
- Bezieht sich der Schluss auf den Schreibanlass?
Sprache und Vermittlung
- Habe ich sinngemäß statt Satz für Satz formuliert?
- Sind schwierige Begriffe verständlich erklärt oder paraphrasiert?
- Passen Stil und Register zur Zielgruppe?
- Stimmen Bezüge, Verknüpfungen und Zeitformen?
Auch einen automatisch erzeugten Übersetzungsvorschlag musst du prüfen. Achte besonders auf ausgelassene Informationen, falsche Bezüge, unpassendes Register und scheinbar wörtlich richtige Formulierungen, die den gemeinten Zusammenhang verändern.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Sprachmittlung im Französisch-Abitur
- Kommunikationssituation bestimmen
- Relevante Inhalte auswählen
- Informationen sinnvoll neu ordnen
- Sinngemäß formulieren und paraphrasieren
- Notwendige Bezüge erklären
- Textsortengerecht schreiben
- Inhalt und Sprache kontrollieren
Abschluss-Check
Du bist bereit, wenn du vor dem Schreiben vier Fragen beantworten kannst: Für wen schreibe ich, mit welchem Zweck, in welcher Textsorte und welche Informationen braucht diese Zielgruppe wirklich?
Mit Google fortfahren