ENSO erklärt: El Niño, La Niña und ihre Folgen
Die El Niño Southern Oscillation (ENSO) ist ein gekoppeltes Zirkulationssystem von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik. Änderungen des Luftdrucks und der Passatwinde beeinflussen das Oberflächenwasser, den Auftrieb kalten Tiefenwassers und die Niederschläge. ENSO umfasst die Neutralphase, El Niño und La Niña.
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Wie Ozean und Atmosphäre zusammenarbeiten
ENSO entsteht nicht allein im Meer und nicht allein in der Luft. Beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig:
- Luftdruckunterschiede setzen die Passatwinde in Bewegung.
- Die Passatwinde verschieben warmes Oberflächenwasser.
- Die Wassertemperatur beeinflusst Verdunstung und aufsteigende Luft.
- Aufsteigende Luft verändert Wolken und Niederschläge.
- Die veränderte Wärmeverteilung wirkt wiederum auf den Luftdruck zurück.
Passatwinde
Passatwinde sind beständige Winde in den Tropen. Im betrachteten Teil des Pazifiks wehen sie bodennah normalerweise von Osten nach Westen.
Auftrieb
Beim Auftrieb steigt kaltes Tiefenwasser zur Meeresoberfläche. Vor Südamerika bringt es Nährstoffe nach oben und unterstützt dadurch Plankton, Fische und die Fischerei.
Der großräumige Luftkreislauf über dem tropischen Pazifik heißt Walkerzirkulation. In der Neutralphase steigt Luft über dem warmen Westpazifik auf. In großer Höhe strömt sie ostwärts, sinkt über dem kühleren Ostpazifik ab und fließt bodennah zurück.
Wind bewegt Wasser, warmes Wasser fördert Verdunstung und aufsteigende Luft, und aufsteigende Luft begünstigt Wolken und Regen.
Was in der Neutralphase geschieht
In der Neutralphase ist der Luftdruck im östlichen Pazifik vor Südamerika höher als im westlichen Pazifik vor Australien und Indonesien. Die Passatwinde wehen deshalb westwärts.
Sie schieben warmes Oberflächenwasser nach Westen. Dort sammelt sich Wasser; der Meeresspiegel kann im Westpazifik bis zu 40 Zentimeter höher liegen. Vor Südamerika wird das fortbewegte Oberflächenwasser durch aufsteigendes kaltes Tiefenwasser ersetzt.
Verfolge die Wirkungskette im Westpazifik:
Passatwinde transportieren warmes Wasser nach Westen → das Meer ist dort besonders warm → mehr Wasser verdunstet → feuchte Luft steigt auf und kühlt ab → Wolken und Niederschläge entstehen.
Über dem kühleren Ostpazifik sinkt Luft ab und erwärmt sich. Weil absinkende Luft die Wolkenbildung erschwert, bleibt die südamerikanische Pazifikküste vergleichsweise trocken.
Der Temperaturunterschied zwischen westlichem und östlichem Pazifik kann an der Meeresoberfläche bis zu 10 °C betragen.
Wie El Niño den Normalzustand verändert
Bei El Niño wird der Luftdruckunterschied zwischen Ost- und Westpazifik kleiner oder kehrt sich um. Die Passatwinde werden schwächer oder setzen zeitweise aus.
Dadurch wird weniger warmes Oberflächenwasser westwärts transportiert. Warmes Wasser und die zugehörige atmosphärische Aktivität verlagern sich nach Osten. Vor Südamerika erwärmt sich die obere Wasserschicht, während der Auftrieb von kaltem, nährstoffreichem Tiefenwasser abnimmt.
Die Folgen für die Fischerei lassen sich als Kette erklären:
schwächere Passatwinde → weniger westwärtiger Wassertransport → schwächerer Auftrieb vor Südamerika → weniger Nährstoffe an der Oberfläche → weniger Plankton → gestörte Nahrungsketten → sinkende Fischbestände
Peruanische Fischer bemerkten solche Jahre an geringeren Fängen um die Weihnachtszeit. Daher stammt der Name El Niño, der hier „Christkind“ bedeutet.
Mit dem warmen Wasser verlagert sich auch die Zone aufsteigender, feuchter Luft nach Osten. An der südamerikanischen Pazifikküste können deshalb starke Regenfälle, Überschwemmungen und Hangrutschungen auftreten. Über Australien und Indonesien sinkt dagegen häufiger Luft ab; dort können Trockenheit und Dürren entstehen.
El Niño bedeutet nicht, dass jedes betroffene Gebiet immer dieselben Folgen erlebt. Stärke, Dauer und räumliche Wirkung unterscheiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Wodurch sich La Niña unterscheidet
La Niña verstärkt im Wesentlichen die Verhältnisse der Neutralphase. Der Luftdruckunterschied wächst und die Passatwinde werden stärker. Sie transportieren besonders viel warmes Oberflächenwasser nach Westen.
Im Ostpazifik vor Südamerika wird der Auftrieb verstärkt und das Oberflächenwasser kühlt weiter ab. Über Australien und Indonesien fällt häufig besonders viel Regen, während Peru und Chile besonders trocken sein können.
| Merkmal | Neutralphase | El Niño | La Niña |
|---|---|---|---|
| Passatwinde | beständig | schwach oder zeitweise aussetzend | besonders stark |
| Warmes Oberflächenwasser | vor allem im Westen | weiter nach Osten verlagert | besonders stark im Westen gesammelt |
| Auftrieb vor Südamerika | vorhanden | abgeschwächt | verstärkt |
| Ostpazifik | kühl | ungewöhnlich warm | besonders kühl |
| Regenzone | vor allem im Westpazifik | weiter nach Osten verlagert | im Westpazifik verstärkt |
El Niño schwächt den neutralen Zustand ab und verlagert Wärme nach Osten. La Niña verstärkt den neutralen Zustand.
Wie du Fernwirkungen richtig beurteilst
ENSO kann Wettermuster weit außerhalb des tropischen Pazifiks beeinflussen. Solche räumlich entfernten Zusammenhänge heißen Fernwirkungen. Mögliche Folgen betreffen Niederschläge, Dürren, Ökosysteme, Landwirtschaft und tropische Wirbelstürme.
Eine Fernwirkung ist jedoch keine einfache Regel nach dem Muster „El Niño verursacht überall genau dieses Wetter“. Andere Einflüsse können gleichzeitig wirken, etwa die globale Erwärmung oder weitere Schwankungen im Ozean-Atmosphäre-System.
Während eines El-Niño-Ereignisses tritt in einer Region eine Überschwemmung auf. Das zeitliche Zusammentreffen zeigt zunächst nur, dass El Niño als Einfluss geprüft werden sollte.
Für eine begründete Aussage müsste untersucht werden:
- Passt der beobachtete Mechanismus zu einer bekannten ENSO-Fernwirkung?
- Wie stark war der Einfluss von El Niño?
- Welche weiteren Faktoren wirkten gleichzeitig?
- Wäre das Ereignis ohne diese Faktoren weniger wahrscheinlich oder schwächer gewesen?
Erst eine solche Untersuchung kann zwischen bloßem Zusammentreffen, einem Mitbeitrag und einer Hauptursache unterscheiden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- ENSO
- Kopplung: Luftdruck, Passatwinde, Wasser und Niederschlag beeinflussen sich gegenseitig
- Neutralphase: Westtransport, Auftrieb im Osten, Regen im Westen
- El Niño: schwache Passate, Erwärmung im Osten, weniger Auftrieb
- La Niña: starke Passate, Abkühlung im Osten, mehr Auftrieb
- Ökosystem: Nährstoffe steuern Plankton, Nahrungsketten und Fischbestände
- Fernwirkungen: regional verschieden und von weiteren Einflüssen überlagert
Abschluss-Check
Du hast ENSO verstanden, wenn du nicht nur die drei Phasen benennen, sondern eine Veränderung vom Luftdruck über Wind und Wasser bis zu Niederschlag oder Ökosystem begründen kannst.
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