Geographische Exkursion: planen und auswerten
Eine geographische Exkursion verlegt das Lernen an einen realen Ort außerhalb des Schulgebäudes. Dort beobachtest du räumliche Phänomene, erhebst Daten und verbindest deine Ergebnisse mit geographischem Wissen. Der Ortswechsel allein garantiert jedoch noch kein gutes Lernen: Entscheidend sind eine klare Frage, passende Methoden und eine sorgfältige Auswertung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was macht eine geographische Exkursion aus?
Eine Exkursion ist mehr als ein Ausflug. Sie ist eine Form des Unterrichts, bei der du geographische Inhalte in einer außerschulischen Lernumgebung untersuchst. Sie kann eine Schulstunde oder mehrere Tage dauern.
Geographische Exkursion
Eine geographische Exkursion ist unterrichtliches Lernen außerhalb des Schulgebäudes. Geographische Gegenstände werden an einem realen Ort unmittelbar beobachtet, untersucht und ausgewertet.
Der besuchte Ort wird zum Lernort, sobald er für das Lernen genutzt wird. Ist er durch Aufgaben, Materialien und methodische Hilfen für eine Lerngruppe erschlossen, kann man genauer von einem Lernstandort sprechen.
Vor Ort kannst du beispielsweise:
- beobachten, wie ein Raum genutzt wird;
- zählen oder messen;
- einen Weg oder ein Gebiet kartieren;
- Menschen befragen;
- Texte, Karten und sichtbare Phänomene vergleichen;
- räumliche Probleme beurteilen.
Dabei setzt du mehrere Sinne ein. Du siehst und hörst nicht nur, sondern kannst – sofern Regeln und Naturschutz es erlauben – auch riechen oder Gegenstände untersuchen. Wahrnehmungen sind aber noch keine fertigen Erkenntnisse: Sie müssen geordnet und gedeutet werden.
Realer Ort plus klare Frage plus passende Methode plus Auswertung ergibt geographisches Lernen im Gelände.
Welche Exkursionsformen gibt es?
Exkursionen unterscheiden sich vor allem darin, wie stark du selbst tätig wirst und wie offen dein Lernweg ist.
| Exkursionsform | Deine Tätigkeit | Grad der Offenheit |
|---|---|---|
| Überblicksexkursion | Du hörst Erklärungen und beobachtest vorgegebene Sachverhalte. | eher gering |
| Arbeitsexkursion oder Geländearbeit | Du wendest geographische Arbeitsweisen an, etwa Beobachten, Kartieren, Zählen oder Messen. | mittel |
| konstruktivistisch orientierte Exkursion | Du suchst Spuren, entwickelst Deutungen und vergleichst unterschiedliche Perspektiven. | eher hoch |
Die Bezeichnung einer Exkursion reicht nicht aus, um ihre Qualität zu beurteilen. Auch eine „Rallye“ kann hauptsächlich aus dem Abschreiben von Tafeln bestehen. Umgekehrt kann eine Führung durch gezielte Beobachtungsaufträge aktive Denkprozesse auslösen.
Bei einer stärker strukturierten, kognitivistisch orientierten Exkursion sind Ziele, Inhalte und Aufgaben weitgehend vorgegeben. Neues Wissen wird schrittweise mit deinem Vorwissen verbunden.
Bei einer konstruktivistisch orientierten Exkursion entwickelst du Wissen stärker aus eigenen Beobachtungen, Erfahrungen und Gesprächen. Verschiedene Deutungen eines Raumes können dabei sinnvoll sein, wenn sie durch Beobachtungen begründet werden.
In der Schule ist eine Verbindung aus Offenheit und Unterstützung oft sinnvoll. Zu viele Vorgaben begrenzen eigene Entdeckungen. Zu wenig Orientierung kann dagegen überfordern. Hilfen sollten deshalb dann verfügbar sein, wenn eine Gruppe sie benötigt.
Ein Moor kann gleichzeitig als schützenswerter Naturraum, touristisches Ziel und Lernraum wahrgenommen werden. Diese Perspektiven widersprechen sich nicht automatisch. Du musst jeweils untersuchen, welche Spuren im Raum die Deutung stützen: etwa Schutzregeln, Wegeführung, Informationstafeln oder touristische Einrichtungen.
Wie planst du eine Untersuchung im Gelände?
Eine gute Planung beginnt nicht mit der Auswahl eines Arbeitsblatts, sondern mit einem räumlichen Problem. Daraus entwickelst du eine Frage, die du vor Ort tatsächlich untersuchen kannst.
Schritt 1: Eine untersuchbare Frage formulieren
Eine geeignete Frage nennt einen Ort oder Raum, einen beobachtbaren Gegenstand und einen Zusammenhang.
Zu weit: „Ist der Lehrpfad gut?“
Untersuchbar: „Wie gut helfen die Informationstafeln dabei, die jeweils beschriebenen Phänomene am Lehrpfad zu erkennen?“
Schritt 2: Merkmale festlegen
Überlege, woran du eine Antwort erkennen kannst. Im Beispiel könntest du für jede Tafel festhalten:
- Ist das beschriebene Phänomen vom Standort aus sichtbar?
- Verweist die Tafel eindeutig auf seine Position?
- Ist die Erklärung für die Lerngruppe verständlich?
- Fordert die Tafel zu einer Beobachtung oder nur zum Lesen auf?
Diese Merkmale bilden dein Beobachtungsschema. Dadurch untersuchen alle Gruppen dieselben Aspekte.
Schritt 3: Methode und Material bestimmen
Wähle die Methode passend zur Frage:
| Frage richtet sich auf … | Passende Methode |
|---|---|
| sichtbare Merkmale | strukturierte Beobachtung |
| räumliche Verteilung | Kartierung |
| Häufigkeiten | Zählung |
| messbare Größen | Messung |
| Erfahrungen oder Einschätzungen | Befragung |
Plane außerdem Karte, Schreibmaterial, Messgeräte oder ein vorbereitetes Protokoll ein. Materialien müssen unter den Bedingungen vor Ort nutzbar sein.
Schritt 4: Sicherheit, Schutz und Datenschutz klären
Vor Beginn müssen Wege, Wetter, Aufsicht, Treffpunkte und Verhaltensregeln geklärt sein. Schutzgebiete oder gesperrte Flächen dürfen für eine Untersuchung nicht betreten werden.
Bei Befragungen erhebst du nur Angaben, die für deine Frage nötig sind. Informiere Befragte über den Zweck und notiere keine Namen, wenn sie für die Auswertung nicht erforderlich sind. Niemand darf zu einer Antwort gedrängt werden.
Erst die Frage, dann die Merkmale, danach Methode und Material – und vor dem Start immer Sicherheit, Schutzregeln und Datenschutz prüfen.
Wie erhebst du brauchbare Daten?
Daten sind festgehaltene Beobachtungen, Messwerte, Zählwerte oder Antworten. Damit sie vergleichbar sind, müssen alle Beteiligten nach denselben Regeln arbeiten.
Bei einer Beobachtung trennst du zunächst Beschreibung und Deutung:
- Beobachtung: „Von der Tafel aus ist das beschriebene Phänomen nicht sichtbar.“
- Deutung: „Die räumliche Entfernung erschwert vermutlich die Verbindung zwischen Text und realem Gegenstand.“
Die Beobachtung hält fest, was wahrgenommen wurde. Die Deutung erklärt, was es bedeuten könnte. Andere Ursachen müssen dabei möglich bleiben.
An einem untersuchten Moorlehrpfad behandelte eine Tafel schwerpunktmäßig Schwingrasen, während das zugehörige reale Phänomen ungefähr 50 Meter entfernt lag. Daraus lässt sich begründet folgern, dass der direkte Bezug zwischen Tafel und Beobachtungsgegenstand geschwächt war. Aus diesem einzelnen Fall folgt jedoch nicht, dass der gesamte Lehrpfad ungeeignet war.
Für verlässliche Aufzeichnungen helfen diese Regeln:
- Nutze vorher festgelegte Kategorien.
- Notiere auch Beobachtungen, die nicht zu deiner Erwartung passen.
- Halte Ort und Untersuchungsbedingungen fest.
- Wende Zähl- und Messregeln konsequent an.
- Kennzeichne fehlende oder unsichere Angaben.
- Verändere nichts am Untersuchungsort, wenn dies nicht erlaubt oder nötig ist.
Eine intensive Wahrnehmung entsteht nicht automatisch, nur weil du dich draußen befindest. Eine konkrete Such-, Vergleichs- oder Messaufgabe lenkt die Aufmerksamkeit auf das räumliche Phänomen.
Wie wertest du die Exkursion aus?
Nach der Rückkehr ordnest du die Daten und beantwortest deine Ausgangsfrage. Eine Auswertung besteht aus mehr als einer Ergebnisliste.
- Daten prüfen: Sind Einträge vollständig, vergleichbar und verständlich?
- Daten ordnen: Fasse Beobachtungen nach Orten, Kategorien oder Häufigkeiten zusammen.
- Muster beschreiben: Wo treten Gemeinsamkeiten, Unterschiede oder räumliche Häufungen auf?
- Muster erklären: Welche geographischen Zusammenhänge könnten dahinterstehen?
- Frage beantworten: Formuliere eine Antwort, die sich auf die erhobenen Daten stützt.
- Grenzen nennen: Zeige, was deine Untersuchung nicht sicher klären kann.
Unsicherheit
Eine Unsicherheit ist ein begründeter Zweifel daran, wie genau, vollständig oder übertragbar ein Ergebnis ist. Ursachen können Messfehler, uneinheitliche Beobachtungen, eine kleine Stichprobe oder besondere Bedingungen am Untersuchungstag sein.
Ausgangsfrage: Wie gut unterstützt eine Informationstafel die Beobachtung des beschriebenen Phänomens?
Beobachtung: Das zentrale Phänomen befindet sich nicht direkt an der Tafel, sondern ungefähr 50 Meter entfernt.
Auswertung: Die räumliche Trennung kann es erschweren, den Tafeltext auf den realen Gegenstand zu übertragen.
Begrenzte Antwort: Für diese Station ist der unmittelbare Bezug schwach. Ohne die übrigen Stationen nach demselben Schema zu untersuchen, lässt sich daraus kein Urteil über den gesamten Lehrpfad ableiten.
Auch positive Wirkungen einer Exkursion musst du vorsichtig formulieren. Eigenaktivität, Zusammenarbeit und Lernen am realen Ort können Motivation und Verständnis unterstützen. Daraus folgt nicht, dass jede Exkursion automatisch bessere Lernergebnisse erzeugt. Vorwissen, Aufgaben, Unterstützung, Gruppe, Wetter und Standortbedingungen beeinflussen den Lernprozess.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine Auswertung beginnt mit der Prüfung der . Danach werden Muster und mithilfe geographischer Zusammenhänge erklärt. Die Antwort auf die Ausgangsfrage muss sich auf stützen. Messfehler und Grenzen der Stichprobe werden als benannt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geographische Exkursion
- Orientierung
- realer Lernort
- klare geographische Frage
- Planung
- Merkmale und Methode
- Material und Regeln
- Untersuchung
- beobachten, kartieren, zählen, messen oder befragen
- Beobachtung von Deutung trennen
- Auswertung
- Daten ordnen und Muster erklären
- Antwort belegen und Unsicherheiten nennen
- Lernweg
- Struktur gibt Orientierung
- Offenheit ermöglicht eigene Entdeckungen
- Orientierung
Abschluss-Check
Du bist bereit für eine eigene Exkursion, wenn du den Zusammenhang in einem Satz erklären kannst: Ich untersuche eine räumliche Frage mit einer passenden Methode, stütze meine Antwort auf Daten und sage offen, wo ihre Grenzen liegen.
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