Erdkunde

Gletscherrückgang: Ursachen, Belege und Folgen

Gletscherrückgang: Ursachen, Belege und Folgen
Gletscherrückgang: Ursachen, Belege und Folgen
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Gletscher gehen zurück, wenn sie über längere Zeit mehr Eis verlieren, als durch neuen Schnee hinzukommt. Erwärmung und fehlender Schneenachschub verschieben ihre Massenbilanz ins Minus. Dadurch schrumpfen Gletscher weltweit, besonders stark in den Alpen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum schrumpft ein Gletscher?

Ein Gletscher entsteht dort, wo über längere Zeit mehr Schnee liegen bleibt, als schmilzt. Neue Schneeschichten drücken die älteren zusammen. So wird aus Neuschnee über Altschnee und Firn dichtes Gletschereis. Ist die Eismasse groß genug, fließt sie unter ihrem Eigengewicht talwärts.

Definition

Massenbilanz

Die Massenbilanz vergleicht den Zuwachs und den Verlust eines Gletschers in einem bestimmten Zeitraum. Ist der Zuwachs größer, ist die Bilanz positiv. Überwiegt der Verlust, ist sie negativ.

Im Nährgebiet sammelt sich Schnee und wird zu Eis. Im Zehrgebiet verliert der Gletscher Masse, vor allem durch Schmelzen. Auch der direkte Übergang von Eis zu Wasserdampf, die Sublimation, gehört zu den Verlusten.

Merke

Ein Gletscher kann talwärts fließen und zugleich zurückgehen. Für Wachstum oder Rückgang zählt die gesamte Massenbilanz, nicht die Fließrichtung.

Beispiel

Nach einem schneereichen Winter wächst das Nährgebiet. In einem sehr warmen Sommer schmilzt jedoch mehr Eis, als im Winter hinzukam. Die Jahresbilanz ist negativ. Wiederholt sich das über mehrere Jahre, verliert der Gletscher Masse und zieht sich zurück.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Im entsteht neues Eis. Im überwiegen die Verluste. Ist der Verlust größer als der Zuwachs, ist die Massenbilanz . Das Fließen talwärts bedeutet .

Lösungen: Lücke 1: Nährgebiet; Lücke 2: Zehrgebiet; Lücke 3: negativ; Lücke 4: nicht automatisch Wachstum. Vergleiche Zuwachs und Verlust des gesamten Gletschers. Seine Bewegung allein zeigt nicht, ob er wächst oder schrumpft.
Woran lässt sich der Rückgang erkennen?

Wiederholte Fotos aus möglichst gleicher Perspektive zeigen, wo Eisflächen verschwunden sind. Sie machen Landschaftswandel anschaulich. Ohne gleiche Jahreszeit, Position und Blickrichtung liefern sie aber keine genaue Massenmessung.

Feldmessungen und Satellitendaten erfassen Höhen-, Flächen- und Massenänderungen. Die internationale GlaMBIE-Auswertung verband beide Messwege für 2000 bis 2023. Sie zeigt:

  • Weltweit gingen seit 2000 im Durchschnitt etwa 273 Milliarden Tonnen Gletschereis pro Jahr verloren.
  • Der Gesamtverlust betrug mehr als 6.500 Milliarden Tonnen.
  • Dies trug etwa 18 Millimeter zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.
  • Die europäischen Alpen verloren gegenüber 2000 etwa 39 Prozent ihrer Gletschermasse.
  • Gletscher auf antarktischen Inseln verloren im selben Vergleich etwa 2 Prozent.
Gut zu wissen

Fläche beschreibt die Ausdehnung von oben, Masse die gesamte Menge des Eises. Prozentangaben sind nur direkt vergleichbar, wenn Messgröße, Raum und Zeitraum übereinstimmen.

Beispiel

Die geschätzte Gletscherfläche der Alpen sank von 4.474 km² im Jahr 1850 auf 2.270 km² im Jahr 2000.

Verlorene Fläche:

$4.474\,\text{km}^2 - 2.270\,\text{km}^2 = 2.204\,\text{km}^2$

Anteil am Ausgangswert:

$2.204 \div 4.474 \cdot 100 \approx 49{,}3\,\%$

Die geschätzte Fläche nahm also um rund 49 Prozent ab. Das ist keine Aussage über den Massenverlust seit 2000, denn Messgröße und Zeitraum sind andere.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Beobachtung belegt eine Veränderung der Gletschermasse am direktesten?
Lösung: Zusammengeführte Feld- und Satellitenmessungen zeigen einen Masseverlust. — Eine Massenänderung wird durch Messungen von Höhe, Volumen oder Masse über die Zeit bestimmt. Fließen ist eine normale Eigenschaft eines Gletschers.
Frage 2 von 2MittelWarum darfst du 39 Prozent Masseverlust seit 2000 nicht mit rund 49 Prozent Flächenverlust von 1850 bis 2000 gleichsetzen?
Lösung: Es sind verschiedene Messgrößen und Zeiträume. — Ein sauberer Vergleich braucht dieselbe Messgröße, denselben Raum und denselben Zeitraum.
Welche Folgen hat der Eisverlust?

Gletscher speichern Wasser. In warmen, trockenen Sommern kann Schmelzwasser Flüsse speisen. Wird ein Gletscher dauerhaft kleiner, steht langfristig weniger Eis als Reserve zur Verfügung. Das kann Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Wasserkraft und Binnenschifffahrt belasten.

Das Abschmelzen von Gletschereis und Permafrost kann Hänge instabiler machen. Permafrost ist Untergrund, der über längere Zeit gefroren bleibt. Taut er auf, können Steinschlag und Bergstürze wahrscheinlicher werden.

Schmelzwasser kann Gletscherseen vergrößern. Bricht eine natürliche Begrenzung unter dem Wasserdruck, kann eine Flutwelle Täler, Siedlungen, Leitungen oder Wasserkraftwerke treffen. Der Verlust von Gebirgsgletschern trägt außerdem zum Meeresspiegelanstieg bei.

Definition

Rückkopplung

Eine Rückkopplung verstärkt eine begonnene Veränderung. Helles Eis reflektiert viel Sonnenstrahlung. Wird dunkler Untergrund frei, nimmt er mehr Energie auf. Die zusätzliche Erwärmung kann weiteren Eisverlust fördern.

Beispiel

Du untersuchst ein Tal mit einem wachsenden Gletschersee und einem Wasserkraftwerk unterhalb des Sees:

  1. Veränderung: Der Gletscher verliert Eis; der See nimmt Schmelzwasser auf.
  2. Gefahr: Steigender Wasserdruck kann die natürliche Seegrenze schwächen.
  3. Betroffener Raum: Eine Flutwelle könnte das Tal und das Kraftwerk erreichen.
  4. Konkrete Folge: Neben Schäden könnte die Energieversorgung beeinträchtigt werden.

Die Aussage „Gletscherschmelze ist gefährlich“ wäre zu ungenau, weil die Zwischenschritte fehlen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Alpengletscher ist nach starkem Rückgang fast verschwunden. Welche Folge ist für trockene Sommer langfristig am besten begründet?
Lösung: Es steht weniger gespeichertes Eis als Wasserreserve zur Verfügung. — Trenne die kurzfristige Schmelzwassermenge vom langfristig schrumpfenden Wasserspeicher.
Frage 2 von 2SchwerOberhalb eines Tals wächst ein Gletschersee, während gefrorener Untergrund taut. Welche Wirkungskette ist schlüssig?
Lösung: Hänge und Seegrenzen können instabiler werden; eine Flut kann Siedlungen und Leitungen gefährden. — Eine gute Wirkungskette nennt Veränderung, Gefahr, betroffenen Raum und konkrete Folge.
Wie ordnest du Zukunftsaussagen ein?

Nicht jede Aussage über Gletscher entsteht auf dieselbe Weise:

  • Eine Messung beschreibt erfasste Veränderungen, etwa den Massenverlust von 2000 bis 2023.
  • Eine lineare Fortschreibung setzt eine gegenwärtige Rate unverändert in die Zukunft fort.
  • Ein Szenario beschreibt eine mögliche Zukunft unter bestimmten Bedingungen, etwa einer Begrenzung der Erwärmung.
  • Eine politische Forderung sagt, was getan werden soll. Sie ist kein Messergebnis.
Beispiel

Für die Alpen wurden noch 65 km³ Eis und ein gegenwärtiger Verlust von etwa 2 km³ pro Jahr genannt. Eine lineare Rechnung ergibt:

$65\,\text{km}^3 \div 2\,\text{km}^3/\text{Jahr} = 32{,}5\,\text{Jahre}$

Die Rechnung zeigt, was bei unveränderter Rate geschehen würde. Sie ist keine genaue Uhr: Verlustraten können sich ändern, und die vorliegenden Angaben nennen keine weiteren Modellbedingungen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage ist eine politische Forderung?
Lösung: Treibhausgasemissionen sollen stark gesenkt werden. — Wörter wie „sollen“ kennzeichnen häufig ein Ziel. Messungen berichten dagegen beobachtete Werte.
Frage 2 von 2SchwerZwei Zukunftsaussagen zum Ende der Alpengletscher weichen voneinander ab. Was prüfst du zuerst?
Lösung: Bedingungen, Bezugsgrößen und Modellannahmen vergleichen. — Szenarien und Fortschreibungen lassen sich erst vergleichen, wenn Erwärmung, Verlustrate, Eisdefinition und Zeitspanne klar sind.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gletscherrückgang
    • Ursache: negative Massenbilanz
    • Nachweise: Bildvergleiche, Feldmessungen und Satellitendaten
    • Messgrößen: Fläche, Höhe und Masse mit passendem Zeitraum
    • Wasserfolge: langfristig kleinere Reserven für trockene Sommer
    • Naturgefahren: instabile Hänge und mögliche Gletscherseeausbrüche
    • globale Folge: Beitrag zum Meeresspiegelanstieg
    • Rückkopplung: dunkler Untergrund nimmt mehr Energie auf
    • Einordnung: Messung, Fortschreibung, Szenario und Forderung trennen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWann geht ein Gletscher über längere Zeit zurück?
Lösung: Wenn sein Massenverlust größer ist als sein Massenzuwachs — Für Wachstum oder Rückgang zählt die Bilanz aus Zuwachs und Verlust.
Frage 2 von 3MittelEine Grafik nennt 39 Prozent Verlust in den Alpen. Welche Angaben brauchst du zur Deutung?
Lösung: Messgröße, Zeitraum und Bezugsraum — Gemeint sind etwa 39 Prozent Massenverlust der europäischen Alpengletscher gegenüber 2000 bis 2023.
Frage 3 von 3SchwerIn einem trockenen Sommer fließt zunächst viel Schmelzwasser. Warum kann die Versorgung später schwieriger werden?
Lösung: Der zusätzliche Abfluss verkleinert den Eisspeicher; langfristig fehlt Reservewasser. — Denke in Zeitstufen: kurzfristig mehr Schmelzwasser, langfristig ein kleinerer Speicher.

Prüfst du Massenbilanz, Messgröße, Zeitraum und Wirkungskette, kannst du den Gletscherrückgang und seine Folgen begründet erklären.

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