Gletscherrückgang: Ursachen, Belege und Folgen
Gletscher gehen zurück, wenn sie über längere Zeit mehr Eis verlieren, als durch neuen Schnee hinzukommt. Erwärmung und fehlender Schneenachschub verschieben ihre Massenbilanz ins Minus. Dadurch schrumpfen Gletscher weltweit, besonders stark in den Alpen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum schrumpft ein Gletscher?
Ein Gletscher entsteht dort, wo über längere Zeit mehr Schnee liegen bleibt, als schmilzt. Neue Schneeschichten drücken die älteren zusammen. So wird aus Neuschnee über Altschnee und Firn dichtes Gletschereis. Ist die Eismasse groß genug, fließt sie unter ihrem Eigengewicht talwärts.
Massenbilanz
Die Massenbilanz vergleicht den Zuwachs und den Verlust eines Gletschers in einem bestimmten Zeitraum. Ist der Zuwachs größer, ist die Bilanz positiv. Überwiegt der Verlust, ist sie negativ.
Im Nährgebiet sammelt sich Schnee und wird zu Eis. Im Zehrgebiet verliert der Gletscher Masse, vor allem durch Schmelzen. Auch der direkte Übergang von Eis zu Wasserdampf, die Sublimation, gehört zu den Verlusten.
Ein Gletscher kann talwärts fließen und zugleich zurückgehen. Für Wachstum oder Rückgang zählt die gesamte Massenbilanz, nicht die Fließrichtung.
Nach einem schneereichen Winter wächst das Nährgebiet. In einem sehr warmen Sommer schmilzt jedoch mehr Eis, als im Winter hinzukam. Die Jahresbilanz ist negativ. Wiederholt sich das über mehrere Jahre, verliert der Gletscher Masse und zieht sich zurück.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im entsteht neues Eis. Im überwiegen die Verluste. Ist der Verlust größer als der Zuwachs, ist die Massenbilanz . Das Fließen talwärts bedeutet .
Woran lässt sich der Rückgang erkennen?
Wiederholte Fotos aus möglichst gleicher Perspektive zeigen, wo Eisflächen verschwunden sind. Sie machen Landschaftswandel anschaulich. Ohne gleiche Jahreszeit, Position und Blickrichtung liefern sie aber keine genaue Massenmessung.
Feldmessungen und Satellitendaten erfassen Höhen-, Flächen- und Massenänderungen. Die internationale GlaMBIE-Auswertung verband beide Messwege für 2000 bis 2023. Sie zeigt:
- Weltweit gingen seit 2000 im Durchschnitt etwa 273 Milliarden Tonnen Gletschereis pro Jahr verloren.
- Der Gesamtverlust betrug mehr als 6.500 Milliarden Tonnen.
- Dies trug etwa 18 Millimeter zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.
- Die europäischen Alpen verloren gegenüber 2000 etwa 39 Prozent ihrer Gletschermasse.
- Gletscher auf antarktischen Inseln verloren im selben Vergleich etwa 2 Prozent.
Fläche beschreibt die Ausdehnung von oben, Masse die gesamte Menge des Eises. Prozentangaben sind nur direkt vergleichbar, wenn Messgröße, Raum und Zeitraum übereinstimmen.
Die geschätzte Gletscherfläche der Alpen sank von 4.474 km² im Jahr 1850 auf 2.270 km² im Jahr 2000.
Verlorene Fläche:
$4.474\,\text{km}^2 - 2.270\,\text{km}^2 = 2.204\,\text{km}^2$
Anteil am Ausgangswert:
$2.204 \div 4.474 \cdot 100 \approx 49{,}3\,\%$
Die geschätzte Fläche nahm also um rund 49 Prozent ab. Das ist keine Aussage über den Massenverlust seit 2000, denn Messgröße und Zeitraum sind andere.
Welche Folgen hat der Eisverlust?
Gletscher speichern Wasser. In warmen, trockenen Sommern kann Schmelzwasser Flüsse speisen. Wird ein Gletscher dauerhaft kleiner, steht langfristig weniger Eis als Reserve zur Verfügung. Das kann Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Wasserkraft und Binnenschifffahrt belasten.
Das Abschmelzen von Gletschereis und Permafrost kann Hänge instabiler machen. Permafrost ist Untergrund, der über längere Zeit gefroren bleibt. Taut er auf, können Steinschlag und Bergstürze wahrscheinlicher werden.
Schmelzwasser kann Gletscherseen vergrößern. Bricht eine natürliche Begrenzung unter dem Wasserdruck, kann eine Flutwelle Täler, Siedlungen, Leitungen oder Wasserkraftwerke treffen. Der Verlust von Gebirgsgletschern trägt außerdem zum Meeresspiegelanstieg bei.
Rückkopplung
Eine Rückkopplung verstärkt eine begonnene Veränderung. Helles Eis reflektiert viel Sonnenstrahlung. Wird dunkler Untergrund frei, nimmt er mehr Energie auf. Die zusätzliche Erwärmung kann weiteren Eisverlust fördern.
Du untersuchst ein Tal mit einem wachsenden Gletschersee und einem Wasserkraftwerk unterhalb des Sees:
- Veränderung: Der Gletscher verliert Eis; der See nimmt Schmelzwasser auf.
- Gefahr: Steigender Wasserdruck kann die natürliche Seegrenze schwächen.
- Betroffener Raum: Eine Flutwelle könnte das Tal und das Kraftwerk erreichen.
- Konkrete Folge: Neben Schäden könnte die Energieversorgung beeinträchtigt werden.
Die Aussage „Gletscherschmelze ist gefährlich“ wäre zu ungenau, weil die Zwischenschritte fehlen.
Wie ordnest du Zukunftsaussagen ein?
Nicht jede Aussage über Gletscher entsteht auf dieselbe Weise:
- Eine Messung beschreibt erfasste Veränderungen, etwa den Massenverlust von 2000 bis 2023.
- Eine lineare Fortschreibung setzt eine gegenwärtige Rate unverändert in die Zukunft fort.
- Ein Szenario beschreibt eine mögliche Zukunft unter bestimmten Bedingungen, etwa einer Begrenzung der Erwärmung.
- Eine politische Forderung sagt, was getan werden soll. Sie ist kein Messergebnis.
Für die Alpen wurden noch 65 km³ Eis und ein gegenwärtiger Verlust von etwa 2 km³ pro Jahr genannt. Eine lineare Rechnung ergibt:
$65\,\text{km}^3 \div 2\,\text{km}^3/\text{Jahr} = 32{,}5\,\text{Jahre}$
Die Rechnung zeigt, was bei unveränderter Rate geschehen würde. Sie ist keine genaue Uhr: Verlustraten können sich ändern, und die vorliegenden Angaben nennen keine weiteren Modellbedingungen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gletscherrückgang
- Ursache: negative Massenbilanz
- Nachweise: Bildvergleiche, Feldmessungen und Satellitendaten
- Messgrößen: Fläche, Höhe und Masse mit passendem Zeitraum
- Wasserfolge: langfristig kleinere Reserven für trockene Sommer
- Naturgefahren: instabile Hänge und mögliche Gletscherseeausbrüche
- globale Folge: Beitrag zum Meeresspiegelanstieg
- Rückkopplung: dunkler Untergrund nimmt mehr Energie auf
- Einordnung: Messung, Fortschreibung, Szenario und Forderung trennen
Abschluss-Check
Prüfst du Massenbilanz, Messgröße, Zeitraum und Wirkungskette, kannst du den Gletscherrückgang und seine Folgen begründet erklären.
Mit Google fortfahren