Erdkunde

Gletscher: Entstehung, Bewegung und Landschaft

Gletscher: Entstehung, Bewegung und Landschaft
Gletscher: Entstehung, Bewegung und Landschaft
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Ein Gletscher ist eine große, zusammenhängende Eismasse, die sich zumindest in wesentlichen Bereichen aktiv bewegt. Er entsteht dort, wo über längere Zeit mehr Schnee liegen bleibt, als wieder abschmilzt. Unter seinem eigenen Gewicht fließt das Eis langsam und formt dabei die Landschaft.

Auf dieser Seite verfolgst du den Weg vom Schnee über Firn und Eis bis zu Rundhöckern und Moränen. Außerdem lernst du, Gletscherspuren auszuwerten und Veränderungen eines Gletschers vorsichtig als Hinweise auf das Klima einzuordnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

So wird aus Schnee ein Gletscher

Warum bleibt eine große Schneemenge nicht einfach lockerer Schnee? Entscheidend sind ein dauerhafter Überschuss an Schnee und der zunehmende Druck der darüberliegenden Schichten.

Definition

Schneegrenze

Die Schneegrenze bezeichnet die Höhenlage, oberhalb der langfristig mehr Schnee liegen bleibt, als abschmilzt. Ihre genaue Lage kann sich verändern.

Im oberen Bereich eines Gebirgsgletschers, dem Nährgebiet, sammelt sich Schnee. Bleibt er mindestens ein Jahr liegen und wird wiederholt umgewandelt, entsteht körniger Firn. Neue Schneeschichten drücken auf die älteren. Dadurch wird der Firn immer dichter und schließlich zu Gletschereis.

Die Entstehung folgt dieser Kette:

  1. Oberhalb der Schneegrenze bleibt Schnee liegen.
  2. Älterer, umgewandelter Schnee wird zu Firn.
  3. Der Druck weiterer Schneeschichten verdichtet den Firn.
  4. Es entsteht dichtes Eis.
  5. Beginnt die zusammenhängende Eismasse aktiv zu fließen, handelt es sich um einen Gletscher.

Im tiefer gelegenen Zehrgebiet verliert der Gletscher vor allem durch Schmelzen Schnee und Eis. Nährgebiet und Zehrgebiet bilden zusammen seinen Massenhaushalt: Im einen Teil kommt Masse hinzu, im anderen geht Masse verloren.

Beispiel

Nach mehreren schneereichen Jahren liegt in einer geschützten Hochgebirgsmulde immer mehr Schnee. Die unteren Schichten werden erst zu Firn und dann zu Eis verdichtet. Wird die Eismasse mächtig genug, beginnt sie unter ihrem Gewicht talabwärts zu fließen. Erst die Verbindung aus dauerhafter Eisbildung und aktiver Bewegung macht sie zum Gletscher.

Merke

Schneeüberschuss → Firn → Eis → aktive Bewegung: Diese Abfolge erklärt die Entstehung eines Gletschers.

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Frage 1 von 2LeichtWelches Merkmal gehört zur Entstehung eines Gletschers?
Lösung: Über längere Zeit bleibt mehr Schnee liegen, als abschmilzt. — Der Schnee muss sich über längere Zeit ansammeln. Erst durch Umwandlung, Verdichtung und Bewegung entsteht ein Gletscher.
Frage 2 von 2MittelIn welcher Reihenfolge entwickelt sich Gletschereis?
Lösung: Schnee wird zu Firn verdichtet, Firn anschließend zu Eis. — Neue Schichten erhöhen den Druck. Dadurch wird älterer Schnee zunächst zu Firn und schließlich zu dichtem Eis.
Warum sich ein Gletscher bewegt

Gletschereis wirkt fest, kann sich unter lang anhaltendem Druck aber langsam verformen. Die Schwerkraft zieht die große Eismasse hangabwärts.

Dabei wirken zwei Bewegungsarten zusammen:

  • Beim Deformationsfließen verformt sich das Eis innerhalb des Gletschers. Obere Schichten können sich schneller bewegen als tiefere.
  • Beim basalen Gleiten gleitet der Gletscher über seinen Untergrund. Schmelzwasser an der Unterseite kann dieses Gleiten erleichtern.

Die Bewegung ist meist zu langsam, um sie beim kurzen Hinsehen zu erkennen. Veränderungen über längere Zeit oder Zeitrafferaufnahmen machen sie sichtbar. Eine nahezu unbewegte, noch mit dem Gletscher verbundene Eismasse heißt Stagnanteis.

Beispiel

Stell dir Markierungen in verschiedenen Höhen eines Gletschers vor. Verschieben sich die oberen Markierungen schneller talabwärts als die unteren, zeigt das die Verformung des Eises. Bewegt sich zugleich die gesamte Masse gegenüber dem Felsuntergrund, findet zusätzlich basales Gleiten statt.

Gut zu wissen

Die Bewegung und die Größe eines Gletschers sind nicht dasselbe. Ein Gletscher kann weiterfließen, obwohl er insgesamt Masse verliert und seine Zunge zurückweicht.

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Frage 1 von 2LeichtWas treibt das langsame Fließen eines Gebirgsgletschers hauptsächlich an?
Lösung: Sein Eigengewicht in Verbindung mit der Schwerkraft — Die Schwerkraft wirkt auf die schwere Eismasse. Das Eis verformt sich und kann zusätzlich auf seinem Untergrund gleiten.
Frage 2 von 2MittelEin Gletscher verliert an seiner Zunge mehr Eis, als von oben nachgeliefert wird. Welche Aussage ist möglich?
Lösung: Das Eis fließt weiter, während die Gletscherzunge zurückweicht. — Entscheidend für die Zungenposition ist das Verhältnis von Massennachschub und Massenverlust, nicht allein die Fließrichtung des Eises.
Wie Eis Gestein abträgt und transportiert

Ein Gletscher verändert den Untergrund in drei verbundenen Schritten: Abtragung, Transport und Ablagerung.

Definition

Glaziale Erosion

Glaziale Erosion ist die Abtragung von Gestein durch einen Gletscher. Dazu gehören das Herauslösen von Gesteinsstücken und der Schliff des Untergrunds.

Gestein kann zunächst durch Frost-Tau-Verwitterung gelockert werden. Wasser dringt in Risse ein, gefriert und dehnt sich aus. Wiederholt sich dieser Vorgang, können Gesteinsstücke abbrechen.

An der Gletscherunterseite kann Eis am Fels festfrieren und beim Weiterfließen Brocken herauslösen. Dieser Vorgang heißt Detraktion. Bereits mitgeführte Steine schleifen zugleich über den Untergrund. Diese Abrasion wirkt ähnlich wie Schmirgelpapier und kann Flächen glätten oder Rillen hinterlassen.

Das Eis transportiert das aufgenommene Material weiter. Schmilzt es, bleibt der unsortierte Gesteinsschutt zurück. Dieses abgelagerte Material heißt Moräne.

Beispiel

Ein Gesteinsstück wird durch Frost aus einer Talwand gelöst und fällt auf den Gletscher. Das Eis transportiert es talabwärts. Gelangt der Stein an die Unterseite, kann er den Fels abschleifen. Beim Abschmelzen bleibt er zusammen mit feinem und grobem Material liegen. Ein einziges Gesteinsstück kann damit Teil von Abtragung, Transport und Ablagerung sein.

Merke

Ein Gletscher formt Landschaften nicht nur durch Abtragen: Er nimmt Material auf, bewegt es und lagert es an anderer Stelle wieder ab.

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Frage 1 von 2LeichtWelcher Vorgang beschreibt den Schliff durch mitgeführte Steine?
Lösung: Abrasion — Bei der Abrasion reibt mitgeführtes Gestein über den Untergrund und glättet oder ritzt ihn.
Frage 2 von 2MittelWelche Prozessfolge erklärt, wie ein Gletscher Gestein verlagert?
Lösung: Abtragung → Transport → Ablagerung — Zuerst wird Material gelöst, dann mit dem Eis bewegt und schließlich an einem anderen Ort abgesetzt.
Welche Formen Gletscher hinterlassen

Auch wenn ein Gletscher verschwunden ist, können seine Spuren in der Landschaft erhalten bleiben. Form und Lage der Ablagerungen helfen dir, frühere Prozesse zu rekonstruieren.

Rundhöcker

Ein Rundhöcker besitzt zwei unterschiedlich geformte Seiten:

  • Auf der Seite, von der das Eis kam, schleift der Gletscher den Fels glatt. Sie heißt Luvseite.
  • Auf der abgewandten Leeseite werden eher Gesteinsstücke herausgelöst. Sie bleibt dadurch steiler und kantiger.

Die glatte und die kantige Seite können deshalb einen Hinweis auf die frühere Fließrichtung geben.

Moränen

Moränen werden nach ihrer Lage unterschieden:

  • Eine Seitenmoräne liegt am Rand eines Gletschers.
  • Treffen zwei Gletscher zusammen, können ihre benachbarten Seitenmoränen eine Mittelmoräne bilden.
  • Eine Grundmoräne besteht aus Material, das unter dem Eis transportiert und abgelagert wurde.
  • Eine Endmoräne ist ein Wall aus Material an einer früheren Gletscherfront.

Schmelzwasser kann Material aus einer Endmoräne aufnehmen und vor ihr verteilen. Dabei entsteht eine Schotterfläche, der Sander. Grobes Material bleibt eher nahe an der Moräne, während Wasser kleinere Bestandteile weiter transportieren kann. Große Schmelzwasserströme können außerdem breite Urstromtäler bilden.

Beispiel

Du findest einen Felsbuckel mit einer flachen, glatt geschliffenen Westseite und einer steilen, kantigen Ostseite. Die Form spricht dafür, dass das Eis von Westen nach Osten floss: Zuerst schliff es die Luvseite, anschließend löste es auf der Leeseite Gestein heraus.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Form markiert häufig eine frühere Lage der Gletscherfront?
Lösung: Endmoräne — Eine Endmoräne bleibt als Wall an einer früheren Position der Gletscherfront zurück.
Frage 2 von 2MittelEin Rundhöcker ist auf einer Seite glatt und auf der anderen kantig. Welche Erklärung passt?
Lösung: Schliff wirkte auf der Luvseite, Gesteinsaufnahme stärker auf der Leeseite. — Das Zusammenspiel aus Abrasion und Herauslösen von Gestein erzeugt die ungleiche Form des Rundhöckers.
Wie du Gletscherspuren und Klimahinweise einordnest

Gletscher gewinnen Masse durch Schneefall und verlieren sie vor allem durch Schmelzen. Überwiegt der Gewinn, kann ihre Masse zunehmen. Überwiegt der Verlust, schrumpfen sie. Die sichtbare Gletschergrenze reagiert dabei je nach Gletscher mit Verzögerung.

Frühere Gletscherstände lassen sich unter anderem an Moränen und anderen glazialen Formen erkennen. Solche Spuren können als Klimazeugen dienen: Sie zeigen, dass die Bedingungen für Eisbildung und Eiserhalt früher anders waren.

Eine einzelne Form beweist aber nicht, welcher einzelne Klimafaktor die Veränderung ausgelöst hat. Gletscher reagieren unterschiedlich, und ihre Entwicklung hängt nicht nur von einem einzigen Messwert ab. Für eine belastbare Deutung müssen mehrere Befunde zusammenpassen.

Wenn große Mengen von Gletschereis schmelzen und das Wasser ins Meer gelangt, trägt dies zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Weniger Schnee und Eis bedeuten außerdem weniger helle Oberfläche, die Sonnenlicht zurückwirft. Der Zufluss kalten Süßwassers kann Meeresströmungen beeinflussen.

Beispiel

Oberhalb einer heutigen Gletscherzunge liegt ein alter Endmoränenwall. Daraus kannst du begründet schließen, dass die Gletscherfront früher bis zu diesem Wall reichte. Aus dem Wall allein kannst du jedoch weder die damalige Temperatur genau berechnen noch einen einzigen Auslöser der Veränderung sicher bestimmen.

Eine Spur systematisch auswerten

  1. Beobachten: Beschreibe Form, Material und Lage ohne Deutung.
  2. Prozess zuordnen: Prüfe, ob Abtragung, Transport oder Ablagerung die Beobachtung erklären kann.
  3. Entwicklung ableiten: Ordne die nötigen Vorgänge in eine zeitliche Folge.
  4. Grenzen nennen: Halte fest, was der Befund nicht eindeutig zeigt.
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Frage 1 von 3LeichtWas zeigt ein alter Endmoränenwall zunächst am sichersten?
Lösung: Eine frühere Lage der Gletscherfront — Der Wall belegt eine frühere Position der Gletscherfront. Genauere Klimaaussagen benötigen weitere Befunde.
Frage 2 von 3MittelWelche Deutung ist fachlich vorsichtig formuliert?
Lösung: Der Rückzug ist ein Klimahinweis, seine genaue Ursache muss aber mit weiteren Daten geprüft werden. — Gletscherstände können Klimaänderungen anzeigen, reagieren aber individuell und oft zeitverzögert.
Frage 3 von 3SchwerDu findest geglätteten Fels, Rillen und weiter talabwärts einen Wall aus gemischtem Schutt. Welche Rekonstruktion passt am besten?
Lösung: Ein Gletscher schliff den Fels, transportierte Material und lagerte es an einer früheren Front ab. — Die Beobachtungen lassen sich als zusammenhängende Folge aus Erosion, Transport und Ablagerung erklären.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gletscher
    • Entstehung: Schneeüberschuss, Firn, Eis
    • Aufbau: Nährgebiet und Zehrgebiet
    • Bewegung: Verformung und basales Gleiten
    • Erosion: Detraktion und Abrasion
    • Transport: Gestein bewegt sich mit dem Eis
    • Ablagerung: Moränen, Sander und Urstromtal
    • Landschaftsspuren: Rundhöcker und frühere Gletscherstände
    • Klimaeinordnung: wichtiger Hinweis, aber keine einfache Eins-zu-eins-Deutung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 5LeichtWas unterscheidet einen Gletscher von einer bloßen Ansammlung aus Schnee und Eis?
Lösung: Zumindest wesentliche Teile des Eises bewegen sich aktiv. — Aktive Eisbewegung ist das entscheidende Abgrenzungsmerkmal. Auch flache polare Eisschilde können Gletscher sein.
Frage 2 von 5MittelWarum kann eine Gletscherzunge zurückweichen, obwohl das Eis talabwärts fließt?
Lösung: An der Zunge geht mehr Masse verloren, als durch nachfließendes Eis ersetzt wird. — Übersteigt der Massenverlust den Nachschub, verlagert sich die Zunge rückwärts, obwohl das Eis selbst weiter talabwärts fließt.
Frage 3 von 5MittelWelche Beobachtung spricht am besten für Abrasion?
Lösung: Glatt geschliffener Fels mit Rillen — Bei der Abrasion schleifen mitgeführte Gesteinsstücke über den Untergrund und erzeugen glatte Flächen oder Rillen.
Frage 4 von 5SchwerEin Tal enthält einen Rundhöcker, Grundmoränenmaterial und einen Endmoränenwall. Welche Erklärung verbindet alle drei Befunde?
Lösung: Ein Gletscher erodierte den Fels, transportierte Schutt und lagerte ihn unter dem Eis sowie an seiner Front ab. — Die Befunde dokumentieren verschiedene Abschnitte derselben Prozesskette: Abtragung, Transport und Ablagerung.
Frage 5 von 5SchwerWelche Aussage nutzt Gletscher verantwortungsvoll als Klimazeugen?
Lösung: Veränderte Gletscherstände sind wichtige Hinweise, müssen aber mit weiteren Befunden und möglichen Verzögerungen eingeordnet werden. — Gletscherspuren ermöglichen begründete Rekonstruktionen, aber keine automatische Zuordnung zu nur einem Klimaparameter.

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