Glaziale Akkumulation: Moränen und Drumlins
Glaziale Akkumulation ist die Ablagerung von Lockermaterial, das ein Gletscher transportiert hat. Dabei entstehen unter anderem Moränen; auch Drumlins gehören zu den charakteristischen Formen glazial geprägter Landschaften.
Auf dieser Seite verfolgst du den Weg des Materials vom Transport bis zur Landschaftsform. Danach kannst du Ablagerungen an ihren Merkmalen erkennen und ihre Entstehung erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Gletschertransport zur Ablagerung
Ein Gletscher bewegt nicht nur Eis. Er kann Lockermaterial und sogar tonnenschwere Felsblöcke über mehr als 1.000 Kilometer transportieren. Wird dieses Material abgelagert, spricht man von glazialer Akkumulation.
Der allgemeine Begriff Sedimentation bedeutet Ablagerung. Bei der glazialen Akkumulation hängt der Transport und die Ablagerung vom Gletscher ab.
Debris
Debris ist Lockermaterial, das glazial transportiert wird. Dazu können sehr feine Bestandteile ebenso wie Kies, Steine und große Blöcke gehören.
Die Bezeichnung des Debris richtet sich nach seiner Lage:
- supraglazial: auf der Gletscheroberfläche
- englazial oder intraglazial: im Gletscherkörper
- subglazial: an der Gletscherbasis
Diese Lage kann sich ändern. Fällt Material von der Oberfläche in eine Gletscherspalte, wird es anschließend im Eis oder an der Basis weitertransportiert.
Geschiebe sind größere Gesteinsfragmente, die das Eis bewegt hat. Sie können kantengerundet sein und Ritzungen tragen.
Ein Felsbrocken fällt von einer Talwand auf die Gletscheroberfläche. Zunächst ist er supraglazial. Später gerät er in eine Spalte und wird englazial weiterbewegt. Schmilzt das Eis an der Gletscherzunge, wird der Brocken abgelagert.
Die Prozessfolge lautet: Aufnahme oder Zufuhr → Transport → mögliche Lageänderung → Ausschmelzen und Ablagerung.
Moränenmaterial richtig erkennen
Der Begriff Moräne kann zweierlei bezeichnen: abgelagertes glaziales Material und die daraus entstandene Geländeform. Eine Moräne kann daher ein Sedimentgemisch oder beispielsweise ein Wall im Gelände sein.
In der Sedimentologie wird für Moränenablagerungen häufig auch der Begriff Till verwendet.
Typisches Moränenmaterial besitzt mehrere Merkmale:
- Es enthält sehr unterschiedliche Korngrößen, von feinem Material bis zu großen Blöcken.
- Es ist schlecht oder gar nicht sortiert.
- Es besitzt gewöhnlich keine Schichtung.
- Seine Bestandteile sind meist kantig bis kantengerundet.
Der Grund für die schlechte Sortierung liegt im Transport: Das Eis kann feines und grobes Material gemeinsam bewegen. Es ordnet die Bestandteile nicht zuverlässig nach Größe oder Gewicht.
Fließendes Wasser wirkt anders. Fluviale Ablagerungen sind typischerweise stärker sortiert und ihre Bestandteile häufig stärker gerundet. Dieses Merkmal ist ein wichtiges Indiz, aber eine einzelne Beobachtung allein beweist die Entstehung noch nicht.
Unsortiert und ungeschichtet spricht für direkt vom Eis abgelagertes Moränenmaterial. Für eine sichere Deutung solltest du mehrere Merkmale gemeinsam prüfen.
In einem Aufschluss liegen feines Material, Kies, kantengerundete Steine und ein großer Block ungeordnet nebeneinander. Eine erkennbare Schichtung fehlt.
Diese Kombination passt zu Moränenmaterial: Das Eis konnte alle Korngrößen gemeinsam transportieren und ablagern. Nur die Größe des Blocks wäre dagegen kein ausreichender Nachweis.
Moränen nach ihrer Lage unterscheiden
Moränen werden nach unterschiedlichen Kriterien eingeteilt. Für den Einstieg ist ihre Lage zum Gletscher besonders hilfreich.
Seitenmoräne
Eine Seitenmoräne, auch Lateralmoräne genannt, liegt am Rand eines Gletschers. Material kann von den umgebenden Hängen auf den Eisrand fallen oder vom Gletscher dorthin transportiert und ausgeschmolzen werden.
Nach dem Abschmelzen kann der Wall die frühere Lage und Ausdehnung des Gletscherrandes anzeigen.
Endmoräne
Eine Endmoräne, auch Stirn- oder Frontalmoräne, entsteht an oder vor der Gletscherzunge. Bleibt die Gletscherfront längere Zeit in ähnlicher Lage, kann sich dort besonders viel Material ansammeln. Nach dem Abschmelzen bleibt häufig ein Höhenrücken zurück.
Mittelmoräne
Fließen zwei Gletscher zusammen, können sich zwei ihrer Seitenmoränen vereinigen. Die so entstehende Schuttbahn in der Mitte des gemeinsamen Gletschers heißt Mittelmoräne.
Grundmoräne
Eine Grundmoräne besteht aus Material, das an der Gletscherbasis transportiert und abgelagert wurde. Eine flache Grundmoräne bildet wenig Relief. Eine kuppige Grundmoränenlandschaft zeigt dagegen einen kleinräumigen Wechsel aus Kuppen und Senken; ihre Entstehung wird mit eingeschlossenem Toteis verbunden.
Zwei Talgletscher treffen zusammen. An der Berührungsstelle vereinigen sich die benachbarten Seitenmoränen. Nach dem Zusammenfluss verläuft das Material als Mittelmoräne auf dem größeren Gletscher weiter.
Entscheidend ist nicht bloß die Lage in der Mitte, sondern die Prozessfolge: zwei Gletscher → Vereinigung zweier Seitenmoränen → Mittelmoräne.
Landschaftsformen als Spuren lesen
Glaziale Ablagerungen verraten nicht nur, dass Eis vorhanden war. Lage, Form und Material können Hinweise darauf geben, wie sich das Eis bewegte und wo sein Rand lag.
Drumlins zeigen die frühere Fließrichtung
Drumlins sind stromlinienförmige, sanft geformte Hügel. Sie sind meist mehrere hundert Meter lang, können bis zu 50 Meter hoch werden und liegen mit ihrer Längsachse parallel zur ehemaligen Eisfließrichtung.
Ihre Form ist häufig asymmetrisch: talaufwärts steiler, talabwärts flacher und in Fließrichtung zunehmend schmal. Viele Drumlins zusammen bilden ein Drumlinfeld.
Ihre Entstehung ist nicht abschließend geklärt. Als wichtige Prozesse gelten subglaziale Erosion und die Verformung bereits vorhandenen, unverfestigten Lockermaterials. Deshalb solltest du Drumlins nicht einfach als gewöhnliche Schutthaufen beschreiben.
Ein Gletschertisch ist nur kurzlebig
Ein Gletschertisch entsteht auf der Eisoberfläche durch unterschiedlich schnelle Ablation, also den Verlust von Eis:
- Ein großer Block schützt das Eis direkt unter sich vor sommerlicher Schmelze.
- Das ungeschützte Eis in der Umgebung schmilzt schneller.
- Unter dem Block bleibt ein Eissockel stehen.
- Der Sockel wird schließlich instabil; der Block neigt sich und stürzt häufig ab.
Der Gletschertisch ist damit keine dauerhaft erhaltene Moräne, sondern eine vorübergehende Form auf einem noch vorhandenen Gletscher.
Vertiefung: Befunde vorsichtig deuten
Landschaftsformen sind Indizien, also Hinweise auf vergangene Prozesse. Sie sind nicht immer eindeutig. Eine gute Rekonstruktion verbindet deshalb drei Fragen:
- Material: Ist das Sediment sortiert, geschichtet, kantig oder gerundet?
- Form und Lage: Bildet es einen Wall, eine Fläche, Kuppen oder stromlinienförmige Hügel?
- Prozess: Welche Bewegung und Ablagerung des Eises kann die Beobachtungen gemeinsam erklären?
Auch die Einteilung der Moränen hängt vom gewählten Kriterium ab. Eine Bezeichnung kann sich auf die Transportlage, den Ablagerungsort, die Geländeform oder die Entstehungsweise beziehen. Verschiedene Klassifikationen müssen sich daher nicht widersprechen.
Nicht jede Form mit „Moräne“ im Namen ist sicher glazial entstanden. Bei einer sogenannten Firnmoräne rutscht Schutt auf einem Firnfeld ab und sammelt sich talseitig. Weil dieser Wall nicht durch einen eigentlichen Gletscherprozess entsteht, ist die Bezeichnung fachlich umstritten.
Du findest einen langgestreckten Wall oberhalb eines heutigen Talbodens. Das Material ist ungeschichtet und schlecht sortiert. Die Lage am ehemaligen Talrand sowie die Sedimentmerkmale sprechen gemeinsam für eine frühere Seitenmoräne.
Die Form allein wäre weniger aussagekräftig. Erst die Verbindung von Material, Lage und passendem Prozess macht die Erklärung belastbar.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Glaziale Akkumulation
- Transportlage
- supraglazial auf dem Eis
- englazial im Eis
- subglazial an der Basis
- Moränenmaterial
- heterogene Korngrößen
- schlechte Sortierung
- meist keine Schichtung
- Moränenformen
- Seitenmoräne am Rand
- Endmoräne an der Front
- Mittelmoräne nach einem Zusammenfluss
- Grundmoräne unter dem Eis
- Weitere Formen
- Drumlins zeigen die Fließrichtung
- Gletschertische sind kurzlebig
- Landschaftsdeutung
- Material prüfen
- Form und Lage prüfen
- passenden Prozess erklären
- Transportlage
Abschluss-Check
Du kannst glaziale Formen nun als Teile einer Prozesskette lesen: Der Gletscher nimmt Material auf, transportiert es in verschiedenen Lagen und lagert oder formt es um. Für eine überzeugende Rekonstruktion verbindest du immer Material, Geländeform, Lage und Prozess.
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