Erdkunde

Glaziallandschaft: Formen und Entstehung

Glaziallandschaft: Formen und Entstehung
Glaziallandschaft: Formen und Entstehung
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Eine Glaziallandschaft wurde durch Gletscher großflächig umgestaltet. Bewegtes Eis trägt Gestein ab, transportiert es und lagert es beim Stillstand oder Abschmelzen wieder ab. An Tälern, Moränen, Becken und Schmelzwasserablagerungen kannst du diese Entwicklung nachvollziehen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie Eis Landschaften verändert

Ein Gletscher ist kein starrer Eisblock. Er bewegt sich langsam und nimmt dabei Gestein unterschiedlicher Größe mit. So wirkt er gleichzeitig als Werkzeug, Transportmittel und Ablagerungssystem.

Definition

Glaziallandschaft

Eine Glaziallandschaft ist eine Landschaft, die durch die Bewegung und das Abschmelzen von Gletschern geformt wurde. Glazial bedeutet: durch Gletschereis verursacht.

Drei Prozesse gehören zusammen:

  1. Erosion: Das Eis löst Material und schleift den Untergrund ab.
  2. Transport: Der Gletscher bewegt das aufgenommene Material mit sich.
  3. Akkumulation: Das transportierte Material wird abgelagert. Akkumulation bedeutet hier Anhäufung.
Merke

Eine glaziale Form lässt sich am besten erklären, wenn du fragst: Was wurde abgetragen, wie wurde es transportiert und wo wurde es abgelagert?

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung erfasst die Entstehung einer Glaziallandschaft vollständig?
Lösung: Bewegtes Eis trägt Material ab, transportiert es und lagert es später ab. — Glaziallandschaften entstehen durch das Zusammenwirken von Erosion, Transport, Ablagerung und Abschmelzen.
Wie Gletscher Fels abtragen

Gletscher tragen den Untergrund vor allem durch Ausbrechen und Schürfung ab. Beide Prozesse hinterlassen unterschiedliche Spuren.

Definition

Ausbrechen und Schürfung

Beim Ausbrechen, auch Plucking genannt, gefriert Wasser in Rissen. Dadurch werden Felsstücke gelöst, die der Gletscher mitnimmt. Bei der Schürfung kratzen im Eis eingebettete Gesteinsstücke über den Untergrund und erzeugen unter anderem Schrammen.

Die Schürfung wirkt ähnlich wie grobes Schleifpapier. Über lange Zeit kann ein Gletscher dadurch einen ganzen Talquerschnitt verbreitern und vertiefen.

Beispiel

Vor der Vergletscherung besitzt ein Tal einen schmalen, V-förmigen Querschnitt. Ein Gletscher füllt das Tal aus. Mitgeführtes Gestein schleift Talboden und Talhänge ab. Zugleich bricht das Eis Felsstücke aus Rissen heraus. Nach dem Abschmelzen bleibt ein breites Tal mit steilen Hängen und relativ flachem Boden zurück: ein Trogtal oder U-Tal.

Der entscheidende Gedanke lautet: Ein Fluss wirkt vor allem in seiner Rinne, der Gletscher bearbeitet dagegen einen großen Teil des Talquerschnitts.

Kare, Trogtäler, scharfe Grate und übertiefte Becken sind typische Erosionsformen im Hochgebirge. Wird ein glazial übertieftes Trogtal später vom Meer überflutet, entsteht ein Fjord.

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Frage 1 von 1MittelIn einem breiten U-Tal findest du Schrammen auf festem Fels. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Ein Gletscher hat den Talquerschnitt und den Felsuntergrund abgeschliffen. — U-förmiger Querschnitt und Schrammen sind gemeinsam starke Hinweise auf die Abtragung durch bewegtes Eis.
Welche Formen nach dem Abschmelzen bleiben

Beim Abschmelzen verliert das Eis seine Transportkraft. Das mitgeführte Gemisch aus Geröll und Sediment bleibt als Moräne zurück. Schmelzwasser sortiert und verlagert dagegen vor allem sandiges Material.

LandschaftsraumTypische FormenVorherrschende Erklärung
HochgebirgeKar, Trogtal, Grat, Zungenbecken, Seiten- und EndmoräneTalgletscher tragen Fels ab und lagern Material an ihren Seiten und am Gletscherrand ab.
Früheres InlandeisgebietGrundmoräne, Endmoräne, Sander, Urstromtal, ToteislochAusgedehntes Eis und seine Schmelzwässer formen flachere Räume und hinterlassen Ablagerungsfolgen.

Eine Grundmoräne bleibt unter dem Eis zurück. Eine Endmoräne bildet sich am Gletscherrand während eines längeren Stillstands. Seitenmoränen entstehen an den Rändern eines Talgletschers; beim Zusammenfluss zweier Gletscher kann daraus eine Mittelmoräne werden.

Ein vom Gletscher ausgeschürftes Zungenbecken kann sich nach dem Abschmelzen mit Wasser füllen. So entsteht ein Zungenbeckensee. Bleibt ein abgetrennter Eisrest unter Sand erhalten, spricht man von Toteis. Schmilzt er später, sackt der Boden ein und bildet ein Toteisloch, regional auch Soll oder Pfuhl genannt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein breites U-förmiges Tal heißt . Abgelagertes Gletschermaterial bildet eine . Ausgewaschene Sande vor einer Endmoräne heißen . Eine Mulde nach dem Abschmelzen eines verschütteten Eisrests ist ein .

Lösungen: Lücke 1: Trogtal; Lücke 2: Moräne; Lücke 3: Sander; Lücke 4: Toteisloch. Ordne jede Form ihrem Prozess zu: Trogtal zur Erosion, Moräne zur Ablagerung durch Eis, Sander zur Ablagerung durch Schmelzwasser und Toteisloch zum verzögerten Abschmelzen eines Eisrests.
Wie die glaziale Serie entsteht

In Norddeutschland bezeichnet die glaziale Serie eine idealisierte räumliche Abfolge:

Grundmoräne → Endmoräne → Sander → Urstromtal

Diese Reihenfolge lässt sich aus der Lage zum früheren Eisrand erklären:

  1. Unter dem abschmelzenden Eis wird die Grundmoränenlandschaft frei.
  2. An einem länger stabilen Eisrand häuft sich Material zur Endmoräne an.
  3. Schmelzwasser durchbricht oder überquert den Moränenbereich und lagert davor ausgewaschene Sande als Sander ab.
  4. Das Wasser sammelt sich weiter außerhalb in einem breiten Urstromtal und fließt am Eisrand entlang.
Gut zu wissen

Die glaziale Serie ist ein Modell. In einer wirklichen Landschaft können Teile fehlen, später abgetragen oder durch jüngere Prozesse überprägt worden sein. Auf dieser Seite meint der Begriff die räumliche Formenfolge. Eine zeitliche Abfolge klimatischer Phasen ist davon zu unterscheiden.

Beispiel

Du gehst gedanklich vom früher eisbedeckten Gebiet nach außen. Zuerst überquerst du eine flachwellige Grundmoränenfläche. Danach folgt ein Moränenwall. Vor ihm liegt eine sandige, vom Schmelzwasser aufgeschüttete Fläche. Weiter außen erreichst du ein breites Tal.

Damit lassen sich die Befunde als Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal ordnen. Die räumliche Lage und das Material ergeben gemeinsam die Erklärung.

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Frage 1 von 1MittelWelche Beobachtung spricht am deutlichsten für einen Sander?
Lösung: Vor einem Endmoränenwall liegt eine ausgedehnte Fläche aus ausgewaschenem Sand. — Ein Sander entsteht durch Schmelzwasser, das vor dem Eisrand sandiges Material ablagert.
Wie du eine Glaziallandschaft rekonstruierst

Eine einzelne Form reicht nicht immer für eine sichere Rekonstruktion. Verbinde deshalb mehrere Befunde und prüfe, ob sie zu derselben Prozessfolge passen.

Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Form beschreiben: Ist das Gelände wallförmig, beckenartig, flachwellig oder talförmig?
  2. Material untersuchen: Liegt unsortiertes Moränenmaterial oder vom Wasser ausgewaschener Sand vor?
  3. Lage beachten: Befindet sich die Form im Hochgebirge, unter einem früheren Inlandeis oder vor einem ehemaligen Eisrand?
  4. Prozess zuordnen: Passt Erosion, Transport, Ablagerung oder Abschmelzen am besten?
  5. Erklärung begrenzen: Benenne fehlende Befunde und mögliche spätere Überprägungen.
Beispiel

Befund: In einem Alpenvorland liegt ein langgestrecktes, heute wassergefülltes Becken. Um Teile des Beckens verlaufen Moränenwälle.

Rekonstruktion: Eine Gletscherzunge vertiefte den Untergrund durch Erosion. Während längerer Stillstandsphasen lagerte sie Material an ihrem Rand ab. Nach dem Rückzug des Eises blieb das Zungenbecken zurück und füllte sich mit Wasser.

Grenze der Aussage: Becken und Moränen stützen diese Erklärung gemeinsam. Für eine genauere zeitliche Zuordnung wären weitere Befunde nötig.

Merke

Nenne nicht nur den Namen einer Form. Begründe immer die Kette Befund → Prozess → Landschaftsform.

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Frage 1 von 1SchwerDu findest einen Moränenwall, davor eine Sandfläche und weiter außen ein breites Tal. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?
Lösung: Die Formen passen gemeinsam zu einem ehemaligen Eisrand mit Endmoräne, Sander und Urstromtal. — Erst die Kombination aus Wall, Lage der Sandfläche und äußerem Tal stützt die Rekonstruktion einer glazialen Serie.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Glaziallandschaft
    • Prozesse: Erosion, Transport, Akkumulation und Abschmelzen
    • Hochgebirge: Kare, Trogtäler, Grate, Moränen und Zungenbecken
    • Inlandeisgebiet: Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal
    • Weitere Spuren: Schrammen, Zungenbeckenseen und Toteislöcher
    • Rekonstruktion: Form, Material, Lage, Prozess und Aussagegrenze
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas ist eine Moräne?
Lösung: Vom Gletscher transportiertes und abgelagertes Material — Eine Moräne besteht aus Geröll und Sediment, das ein Gletscher mitgeführt und abgelagert hat.
Frage 2 von 3MittelWarum ist ein Trogtal meist U-förmig?
Lösung: Der Gletscher bearbeitet Talboden und Talhänge über einen großen Querschnitt. — Ausbrechen und Schürfung verbreitern und vertiefen ein vorhandenes Tal zum Trogtal.
Frage 3 von 3SchwerZwei Erklärungen stehen zur Wahl: Die Sandfläche vor einem Wall sei durch Meeresbrandung oder durch Gletscherschmelzwasser entstanden. Welcher zusätzliche Befund stützt die zweite Erklärung stärker?
Lösung: Hinter dem Wall liegt eine Grundmoränenlandschaft, weiter außen ein breites Urstromtal. — Die räumliche Folge aus Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal verbindet mehrere unabhängige Befunde zu einer glazialen Prozessfolge.

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