Glaziallandschaft: Formen und Entstehung
Eine Glaziallandschaft wurde durch Gletscher großflächig umgestaltet. Bewegtes Eis trägt Gestein ab, transportiert es und lagert es beim Stillstand oder Abschmelzen wieder ab. An Tälern, Moränen, Becken und Schmelzwasserablagerungen kannst du diese Entwicklung nachvollziehen.
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Wie Eis Landschaften verändert
Ein Gletscher ist kein starrer Eisblock. Er bewegt sich langsam und nimmt dabei Gestein unterschiedlicher Größe mit. So wirkt er gleichzeitig als Werkzeug, Transportmittel und Ablagerungssystem.
Glaziallandschaft
Eine Glaziallandschaft ist eine Landschaft, die durch die Bewegung und das Abschmelzen von Gletschern geformt wurde. Glazial bedeutet: durch Gletschereis verursacht.
Drei Prozesse gehören zusammen:
- Erosion: Das Eis löst Material und schleift den Untergrund ab.
- Transport: Der Gletscher bewegt das aufgenommene Material mit sich.
- Akkumulation: Das transportierte Material wird abgelagert. Akkumulation bedeutet hier Anhäufung.
Eine glaziale Form lässt sich am besten erklären, wenn du fragst: Was wurde abgetragen, wie wurde es transportiert und wo wurde es abgelagert?
Wie Gletscher Fels abtragen
Gletscher tragen den Untergrund vor allem durch Ausbrechen und Schürfung ab. Beide Prozesse hinterlassen unterschiedliche Spuren.
Ausbrechen und Schürfung
Beim Ausbrechen, auch Plucking genannt, gefriert Wasser in Rissen. Dadurch werden Felsstücke gelöst, die der Gletscher mitnimmt. Bei der Schürfung kratzen im Eis eingebettete Gesteinsstücke über den Untergrund und erzeugen unter anderem Schrammen.
Die Schürfung wirkt ähnlich wie grobes Schleifpapier. Über lange Zeit kann ein Gletscher dadurch einen ganzen Talquerschnitt verbreitern und vertiefen.
Vor der Vergletscherung besitzt ein Tal einen schmalen, V-förmigen Querschnitt. Ein Gletscher füllt das Tal aus. Mitgeführtes Gestein schleift Talboden und Talhänge ab. Zugleich bricht das Eis Felsstücke aus Rissen heraus. Nach dem Abschmelzen bleibt ein breites Tal mit steilen Hängen und relativ flachem Boden zurück: ein Trogtal oder U-Tal.
Der entscheidende Gedanke lautet: Ein Fluss wirkt vor allem in seiner Rinne, der Gletscher bearbeitet dagegen einen großen Teil des Talquerschnitts.
Kare, Trogtäler, scharfe Grate und übertiefte Becken sind typische Erosionsformen im Hochgebirge. Wird ein glazial übertieftes Trogtal später vom Meer überflutet, entsteht ein Fjord.
Welche Formen nach dem Abschmelzen bleiben
Beim Abschmelzen verliert das Eis seine Transportkraft. Das mitgeführte Gemisch aus Geröll und Sediment bleibt als Moräne zurück. Schmelzwasser sortiert und verlagert dagegen vor allem sandiges Material.
| Landschaftsraum | Typische Formen | Vorherrschende Erklärung |
|---|---|---|
| Hochgebirge | Kar, Trogtal, Grat, Zungenbecken, Seiten- und Endmoräne | Talgletscher tragen Fels ab und lagern Material an ihren Seiten und am Gletscherrand ab. |
| Früheres Inlandeisgebiet | Grundmoräne, Endmoräne, Sander, Urstromtal, Toteisloch | Ausgedehntes Eis und seine Schmelzwässer formen flachere Räume und hinterlassen Ablagerungsfolgen. |
Eine Grundmoräne bleibt unter dem Eis zurück. Eine Endmoräne bildet sich am Gletscherrand während eines längeren Stillstands. Seitenmoränen entstehen an den Rändern eines Talgletschers; beim Zusammenfluss zweier Gletscher kann daraus eine Mittelmoräne werden.
Ein vom Gletscher ausgeschürftes Zungenbecken kann sich nach dem Abschmelzen mit Wasser füllen. So entsteht ein Zungenbeckensee. Bleibt ein abgetrennter Eisrest unter Sand erhalten, spricht man von Toteis. Schmilzt er später, sackt der Boden ein und bildet ein Toteisloch, regional auch Soll oder Pfuhl genannt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein breites U-förmiges Tal heißt . Abgelagertes Gletschermaterial bildet eine . Ausgewaschene Sande vor einer Endmoräne heißen . Eine Mulde nach dem Abschmelzen eines verschütteten Eisrests ist ein .
Wie die glaziale Serie entsteht
In Norddeutschland bezeichnet die glaziale Serie eine idealisierte räumliche Abfolge:
Grundmoräne → Endmoräne → Sander → Urstromtal
Diese Reihenfolge lässt sich aus der Lage zum früheren Eisrand erklären:
- Unter dem abschmelzenden Eis wird die Grundmoränenlandschaft frei.
- An einem länger stabilen Eisrand häuft sich Material zur Endmoräne an.
- Schmelzwasser durchbricht oder überquert den Moränenbereich und lagert davor ausgewaschene Sande als Sander ab.
- Das Wasser sammelt sich weiter außerhalb in einem breiten Urstromtal und fließt am Eisrand entlang.
Die glaziale Serie ist ein Modell. In einer wirklichen Landschaft können Teile fehlen, später abgetragen oder durch jüngere Prozesse überprägt worden sein. Auf dieser Seite meint der Begriff die räumliche Formenfolge. Eine zeitliche Abfolge klimatischer Phasen ist davon zu unterscheiden.
Du gehst gedanklich vom früher eisbedeckten Gebiet nach außen. Zuerst überquerst du eine flachwellige Grundmoränenfläche. Danach folgt ein Moränenwall. Vor ihm liegt eine sandige, vom Schmelzwasser aufgeschüttete Fläche. Weiter außen erreichst du ein breites Tal.
Damit lassen sich die Befunde als Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal ordnen. Die räumliche Lage und das Material ergeben gemeinsam die Erklärung.
Wie du eine Glaziallandschaft rekonstruierst
Eine einzelne Form reicht nicht immer für eine sichere Rekonstruktion. Verbinde deshalb mehrere Befunde und prüfe, ob sie zu derselben Prozessfolge passen.
Gehe in fünf Schritten vor:
- Form beschreiben: Ist das Gelände wallförmig, beckenartig, flachwellig oder talförmig?
- Material untersuchen: Liegt unsortiertes Moränenmaterial oder vom Wasser ausgewaschener Sand vor?
- Lage beachten: Befindet sich die Form im Hochgebirge, unter einem früheren Inlandeis oder vor einem ehemaligen Eisrand?
- Prozess zuordnen: Passt Erosion, Transport, Ablagerung oder Abschmelzen am besten?
- Erklärung begrenzen: Benenne fehlende Befunde und mögliche spätere Überprägungen.
Befund: In einem Alpenvorland liegt ein langgestrecktes, heute wassergefülltes Becken. Um Teile des Beckens verlaufen Moränenwälle.
Rekonstruktion: Eine Gletscherzunge vertiefte den Untergrund durch Erosion. Während längerer Stillstandsphasen lagerte sie Material an ihrem Rand ab. Nach dem Rückzug des Eises blieb das Zungenbecken zurück und füllte sich mit Wasser.
Grenze der Aussage: Becken und Moränen stützen diese Erklärung gemeinsam. Für eine genauere zeitliche Zuordnung wären weitere Befunde nötig.
Nenne nicht nur den Namen einer Form. Begründe immer die Kette Befund → Prozess → Landschaftsform.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Glaziallandschaft
- Prozesse: Erosion, Transport, Akkumulation und Abschmelzen
- Hochgebirge: Kare, Trogtäler, Grate, Moränen und Zungenbecken
- Inlandeisgebiet: Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal
- Weitere Spuren: Schrammen, Zungenbeckenseen und Toteislöcher
- Rekonstruktion: Form, Material, Lage, Prozess und Aussagegrenze
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