Kaufkraftparität einfach erklärt und berechnet
Kaufkraftparität (KKP) zeigt, wie viel verschiedene Währungen im jeweiligen Land tatsächlich kaufen können. Statt nur den Marktwechselkurs zu betrachten, vergleicht sie die Preise eines gleichen oder möglichst vergleichbaren Warenkorbs.
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Gleicher Warenkorb, gleiche Kaufkraft
Stell dir vor, derselbe Warenkorb kostet in Land A 100 Währungseinheiten und in Land B 150 Währungseinheiten. Die KKP beschreibt diese Preisrelation: Für den gleichen Korb werden in Land B 1,5-mal so viele Währungseinheiten benötigt.
Kaufkraftparität
Die Kaufkraftparität ist eine Umrechnungsrelation zwischen Währungen. Sie gibt an, wie viele Einheiten einer Währung nötig sind, um im jeweiligen Land dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen zu kaufen wie mit einer Einheit der Vergleichswährung im anderen Land.
Kaufkraft meint die Gütermenge, die du für einen Geldbetrag erhältst. Ein höherer Geldbetrag bedeutet nicht automatisch eine höhere Kaufkraft: Entscheidend sind auch die Preise.
Alex verdient 2.500 Dollar. Ein Brot kostet 0,50 Dollar. Mit dem Einkommen wären rechnerisch 5.000 Brote möglich.
Sam verdient 4.000 Euro. Ein Brot kostet 1 Euro. Mit diesem Einkommen wären 4.000 Brote möglich.
Obwohl Sams Einkommen nach einer Umrechnung zum Marktwechselkurs höher erscheinen könnte, reicht es in diesem vereinfachten Vergleich für weniger Brote. Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen einem nominalen Geldbetrag und seiner realen Kaufkraft.
Vergleiche nicht nur Geldbeträge. Frage immer: Welche Menge desselben Warenkorbs kann man damit am jeweiligen Ort kaufen?
Eine Kaufkraftrelation berechnen
Für ein einzelnes Gut lässt sich die Grundidee leicht berechnen. Kostet 1 kg Zucker in Deutschland 2 Euro und in den USA 1 Dollar, dann gilt für dieses Gut:
$$KKP = \frac{2\,\text{Euro je kg}}{1\,\text{Dollar je kg}} = 2\,\text{Euro je Dollar}$$
Die Einheit ist wichtig: Hier entsprechen 2 Euro deutscher Kaufkraft der Kaufkraft von 1 Dollar in den USA, bezogen auf Zucker.
Ein Einkommen von 8.000 Euro wird mit der Kaufkraftrelation 2 Euro je Dollar kaufkraftbereinigt:
$$\frac{8.000\,\text{Euro}}{2\,\text{Euro je Dollar}} = 4.000\,\text{Dollar}$$
Kontrolle im Sachzusammenhang: In Deutschland lassen sich für 8.000 Euro bei 2 Euro je Kilogramm 4.000 kg Zucker kaufen. In den USA kosten 4.000 kg bei 1 Dollar je Kilogramm genau 4.000 Dollar. Beide Beträge kaufen im Modell dieselbe Menge.
Ein einzelnes Gut erklärt das Verfahren, bildet die Lebenshaltungskosten aber nicht zuverlässig ab. Haushalte kaufen schließlich nicht nur Zucker.
Marktwechselkurs und KKP unterscheiden
Der nominale Wechselkurs sagt, zu welchem Verhältnis Währungen getauscht werden. Die KKP sagt dagegen, welches Tauschverhältnis sich aus vergleichbaren Preisen ergibt. Beide Werte können voneinander abweichen.
Das ist für Ländervergleiche wichtig. Wird ein Bruttoinlandsprodukt nur zum aktuellen Marktwechselkurs umgerechnet, können Auf- und Abwertungen der Währung den Vergleich stark verändern, obwohl sich die produzierte Gütermenge nicht im selben Maß verändert hat. Eine KKP-Umrechnung verringert diesen Wechselkurseffekt und berücksichtigt unterschiedliche Preisniveaus.
Für Juni 2022 gelten in diesem Beispiel folgende KKP-Werte:
- Schweiz: 1,6998
- Deutschland: 1,0676
1.000 Euro in Deutschland werden in einen kaufkraftgleichen Betrag für die Schweiz umgerechnet:
$$\frac{1{,}6998}{1{,}0676} \cdot 1.000\,\text{Euro} = 1.592{,}17\,\text{Schweizer Franken}$$
Das Ergebnis bedeutet: Nach diesen KKP-Werten besitzen 1.592,17 Schweizer Franken in der Schweiz dieselbe Kaufkraft wie 1.000 Euro in Deutschland. Es ist kein Versprechen, dass eine Bank Euro zu diesem Kurs tauscht.
Für die umgekehrte Richtung wird auch das Verhältnis umgekehrt:
$$\frac{1{,}0676}{1{,}6998} \cdot 4.000\,\text{Schweizer Franken} = 2.512{,}30\,\text{Euro}$$
Amtliche KKP aus vielen Preisen gewinnen
Amtliche KKP beruhen nicht auf einem einzigen Produkt. Im Europäischen Vergleichsprogramm werden Endverbraucherpreise für mehrere tausend Waren und Dienstleistungen erhoben. Dazu gehören private und staatliche Konsumausgaben sowie Investitionen, etwa Bauten und Ausrüstungen.
Die Produkte sollen in mehreren Staaten verfügbar, für den jeweiligen Markt bedeutsam und möglichst gut vergleichbar sein. Erhoben werden genau beschriebene Angebote unter anderem in Geschäften, bei Onlinehändlern und bei Dienstleistungsbetrieben. Aus den Daten entstehen nationale Durchschnittspreise und stark zusammengefasste Ergebnisse.
Kaufkraftstandard
Der Kaufkraftstandard, kurz KKS, ist eine künstliche Vergleichswährung. Er wird im europäischen Vergleich verwendet, damit wirtschaftliche Größen verschiedener Länder in einer gemeinsamen Einheit dargestellt werden können.
Monatliche Werte können fortgeschrieben werden. Dafür werden unter anderem Preisindizes und Wechselkurse genutzt. Sie sind dann keine vollständig neue Preiserhebung für jeden Monat.
Je breiter und vergleichbarer der Warenkorb ist, desto belastbarer ist der Kaufkraftvergleich. Ein Ein-Gut-Index bleibt eine anschauliche Näherung.
Messkonzept und Wechselkurstheorie trennen
KKP wird in zwei Zusammenhängen verwendet:
- Messkonzept: Einkommen, BIP oder Konsumausgaben werden so umgerechnet, dass Preisniveaus besser vergleichbar sind.
- Wechselkurstheorie: Langfristig sollen sich Preise und Wechselkurse in Richtung gleicher Kaufkraft bewegen.
Die theoretische Idee beginnt beim Gesetz des einheitlichen Preises: Ein gleiches handelbares Gut sollte auf einem idealen Markt nach Währungsumrechnung gleich viel kosten. Sonst könnten Händler es am günstigeren Ort kaufen und am teureren Ort verkaufen. Solches Ausnutzen von Preisunterschieden heißt Arbitrage.
Die absolute KKP beschreibt gleiche Kaufkraft zu einem Zeitpunkt. Die relative KKP betrachtet, wie sich Preisniveaus und Wechselkurse über die Zeit zueinander entwickeln. Beides sind Modellideen; tatsächliche Wechselkurse können davon abweichen.
Die Realität erfüllt die Modellbedingungen nicht vollständig. Abweichungen entstehen unter anderem durch:
- Transportkosten, Zölle, Steuern und Handelsbeschränkungen,
- unterschiedliche Produktqualität und Verbrauchsgewohnheiten,
- schwer vergleichbare Dienstleistungen,
- politische Ereignisse und Spekulation am Devisenmarkt.
Auch ein Big-Mac-Index ist nur eine Illustration. Ein Big Mac wird nicht zwischen Ländern gehandelt; sein Preis kann daher nicht durch den grenzüberschreitenden Handel mit genau diesem Produkt ausgeglichen werden.
KKP in Ländervergleichen richtig deuten
KKP verbessert bestimmte Vergleiche, beantwortet aber nicht jede Frage. Ein kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf zeigt wirtschaftliche Aktivität als Durchschnitt in vergleichbarer Kaufkraft. Es zeigt nicht automatisch, wie Einkommen innerhalb eines Landes verteilt sind oder wie gut Bildung, Gesundheit, Umwelt und politische Teilhabe ausgeprägt sind.
Gehe bei einem Ländervergleich in drei Schritten vor:
- Benenne genau, welche Größe verglichen wird, etwa BIP pro Kopf in KKS.
- Erkläre, welchen Unterschied die KKP-Umrechnung macht: Preisniveaus und Wechselkurse werden anders berücksichtigt.
- Nenne die Aussagegrenze: Durchschnittswerte können regionale und gesellschaftliche Ungleichheiten verdecken; weitere Indikatoren sind für eine umfassende Beurteilung nötig.
Eine passende Deutung lautet: „Land A hat ein höheres kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf als Land B. Das deutet auf eine höhere durchschnittliche wirtschaftliche Aktivität in vergleichbarer Kaufkraft hin. Daraus folgt aber nicht, dass alle Menschen in Land A wohlhabender sind oder die Lebensbedingungen insgesamt besser sind.“
Unpassend wäre: „Land A ist weiter entwickelt.“ Diese Aussage macht aus einer einzelnen Kennzahl ein umfassendes Urteil.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kaufkraftparität
- Grundidee: gleicher Warenkorb, vergleichbare Kaufkraft
- Berechnung: nationale Preise als Relation
- Anwendung: Einkommen und BIP kaufkraftbereinigen
- Messpraxis: viele Produkte, Gewichtungen, Durchschnittspreise
- Theorie: langfristige Annäherung durch Arbitrage
- Grenzen: Kosten, Zölle, Qualität, Gewohnheiten, Dienstleistungen
- Deutung: eine Kennzahl, kein Gesamturteil über Entwicklung
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