Bruttoinlandsprodukt (BIP): einfach erklärt
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Geldwert der Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Landes oder einer Region in einem bestimmten Zeitraum produziert werden. Es zeigt wirtschaftliche Leistung, aber nicht automatisch den Wohlstand oder die Lebensqualität der Menschen.
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Was misst das BIP?
Stell dir vor, du möchtest wissen, wie viel eine Volkswirtschaft in einem Jahr produziert hat. Dafür werden die erstellten Waren und Dienstleistungen mit ihrem Geldwert zusammengefasst.
Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt ist der Geldwert der Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Wirtschaftsraums in einem festgelegten Zeitraum produziert werden. Der Zeitraum ist meist ein Jahr oder ein Vierteljahr.
Entscheidend ist das Inlandsprinzip: Es zählt der Ort der Produktion. Produziert ein ausländisches Unternehmen in Deutschland, gehört diese Leistung zum deutschen BIP. Eine von Deutschen im Ausland erbrachte Leistung gehört dagegen nicht dazu.
Das Bruttonationaleinkommen (BNE) grenzt anders ab: Hier ist entscheidend, wem die bei der Produktion entstandenen Einkommen zufließen. BIP und BNE beantworten deshalb unterschiedliche Fragen.
BIP: Wo wurde produziert? BNE: Wem fließen die Einkommen zu?
Wie wird das BIP berechnet?
Derselbe wirtschaftliche Vorgang lässt sich von verschiedenen Seiten betrachten: Wo entsteht die Leistung, und wofür wird sie verwendet? Beide Perspektiven sollen zum selben BIP führen.
Entstehungsrechnung
Die Entstehungsrechnung beginnt mit dem Produktionswert. Davon werden Vorleistungen abgezogen. Vorleistungen sind Waren oder Dienstleistungen, die bei der Herstellung anderer Produkte verbraucht werden. So wird dieselbe Leistung nicht doppelt gezählt.
$$BIP = Produktionswert - Vorleistungen + Gütersteuern - Gütersubventionen$$
Eine Modellwirtschaft erzeugt Waren und Dienstleistungen im Wert von 104 Milliarden Euro. Sie verbraucht Vorleistungen von 40 Milliarden Euro. Hinzu kommen 8 Milliarden Euro Gütersteuern; 2 Milliarden Euro Gütersubventionen werden abgezogen.
$$104 - 40 + 8 - 2 = 70$$
Das BIP beträgt 70 Milliarden Euro. Das Abziehen der Vorleistungen verhindert beispielsweise, dass Mehl und das daraus gebackene Brot vollständig doppelt gezählt werden.
Verwendungsrechnung
Die Verwendungsrechnung fragt, wofür die im Inland produzierten Güter eingesetzt werden.
$$BIP = privater Konsum + staatlicher Konsum + Investitionen + Exporte - Importe$$
Importe werden abgezogen, weil sie im Ausland produziert wurden. Exporte werden addiert, weil ihre Produktion im Inland stattfand.
In einer zweiten Modellwirtschaft betragen privater Konsum 60, staatlicher Konsum 20, Investitionen 25, Exporte 15 und Importe 10 Milliarden Euro.
$$60 + 20 + 25 + 15 - 10 = 110$$
Das BIP beträgt 110 Milliarden Euro. Der Außenbeitrag ist dabei $15 - 10 = 5$ Milliarden Euro.
Grundsätzlich gibt es zusätzlich die Verteilungsrechnung. Sie betrachtet die bei der Produktion entstandenen Einkommen. In Deutschland wird das BIP jedoch originär über Entstehungs- und Verwendungsseite berechnet und anschließend abgestimmt. Eine vollständige eigenständige Verteilungsrechnung ist wegen unvollständiger Basisdaten zu Unternehmens- und Vermögenseinkommen nicht möglich.
Wann wächst die Wirtschaft wirklich?
Steigt das BIP, kann das zwei Ursachen haben: Es wurden mehr Waren und Dienstleistungen produziert, oder die Preise sind gestiegen. Das nominale BIP wird zu den jeweiligen Preisen berechnet und enthält beide Veränderungen.
Das preisbereinigte BIP, auch reales BIP genannt, soll Preiseinflüsse herausrechnen. Seine Veränderungsrate wird als Wirtschaftswachstum bezeichnet.
Eine Volkswirtschaft stellt in zwei Jahren dieselbe Menge her. Der Geldwert steigt nur wegen höherer Preise von 100 auf 110 Milliarden Euro, also um 10 Prozent. Das nominale BIP steigt, obwohl die Produktionsmenge unverändert bleibt. Eine Preisbereinigung soll genau diesen Preiseffekt entfernen.
Erst das preisbereinigte BIP zeigt, ob die wirtschaftliche Leistung unabhängig von Preisänderungen gestiegen oder gesunken ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Das BIP zu den jeweiligen Preisen heißt BIP. Für die reale Wirtschaftsentwicklung betrachtet man das BIP. Steigen nur die Preise, muss die produzierte nicht zugenommen haben.
Was zeigt das BIP pro Kopf?
Ein großes Land hat häufig schon wegen seiner Bevölkerungszahl ein höheres BIP als ein kleines Land. Für einen bevölkerungsbezogenen Vergleich wird deshalb das BIP durch die Einwohnerzahl geteilt.
$$BIP pro Kopf = BIP / Einwohnerzahl$$
Eine stark vereinfachte Modellwirtschaft hat ein BIP von 3.000 Euro und drei Einwohner. Das BIP pro Kopf beträgt:
$$3000 / 3 = 1000$$
Der Durchschnitt liegt bei 1.000 Euro pro Person. Daraus folgt aber nicht, dass jede Person 1.000 Euro verdient oder besitzt.
Das BIP pro Kopf erleichtert Vergleiche zwischen unterschiedlich großen Staaten. Als Durchschnitt verdeckt es jedoch Unterschiede zwischen hohen und niedrigen Einkommen sowie zwischen wirtschaftlich starken Städten und schwächeren ländlichen Räumen.
Warum ist das BIP kein vollständiges Wohlstandsmaß?
Ein hohes BIP zeigt eine hohe bewertete Produktion. Wohlstand umfasst jedoch mehr als wirtschaftliche Produktion.
Das BIP bildet unter anderem nur unvollständig ab:
- wie Einkommen und Vermögen verteilt sind;
- ob wirtschaftliche Stärke in allen Regionen ankommt;
- unbezahlte Hausarbeit und handwerkliche Eigenleistungen;
- nicht amtlich erfasste Tätigkeiten;
- soziale und ökologische Folgen wirtschaftlicher Aktivität.
Auch die Bewertung zu Marktpreisen hat Grenzen. Monopolpreise oder staatliche Eingriffe können ausgewiesene Werte beeinflussen. Für öffentliche Leistungen ohne Marktpreis werden Hilfsgrößen wie Herstellungskosten verwendet. Steigende Kosten können dann den rechnerischen Wert erhöhen, obwohl die Leistung nicht im gleichen Maß zunimmt.
Das BIP beantwortet vor allem die Frage: Wie groß ist die wirtschaftliche Leistung? Für eine umfassende Beurteilung von Lebensbedingungen braucht man zusätzliche soziale, ökologische und politische Indikatoren.
Warum ändern sich veröffentlichte BIP-Zahlen?
BIP-Ergebnisse werden für Jahre und Vierteljahre berechnet. Frühe Veröffentlichungen müssen aktuell sein, beruhen aber noch auf einer unvollständigen Datengrundlage.
Treffen später weitere statistische Informationen ein, werden frühere Ergebnisse revidiert, also neu berechnet. Vorläufige und spätere Werte können deshalb voneinander abweichen.
Eine Revision ist nicht automatisch ein Fehler. Sie entsteht häufig aus dem Zielkonflikt zwischen schneller Information und möglichst vollständigen Daten.
Daneben können umfassende Generalrevisionen lange Zeitreihen überarbeiten, etwa wenn neue Datenquellen, geänderte Basisdaten oder neue Vorgaben einbezogen werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Bruttoinlandsprodukt
- misst wirtschaftliche Leistung nach dem Inlandsprinzip
- entsteht aus Produktionswert, Vorleistungen, Steuern und Subventionen
- wird über Konsum, Investitionen und Außenbeitrag verwendet
- zeigt preisbereinigt die reale Wirtschaftsentwicklung
- wird pro Kopf für bevölkerungsbezogene Vergleiche genutzt
- bleibt als Wohlstandsindikator begrenzt
- wird bei neuen Daten revidiert
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