Nordatlantikstrom: Verlauf, Antrieb und Klimawirkung
Der Nordatlantikstrom führt warmes Oberflächenwasser aus dem westlichen Atlantik nach Nordosten in Richtung Europa. Er setzt den Golfstrom fort und ist in ein größeres System aus windgetriebenen Oberflächenströmungen und dichtegetriebener Umwälzung eingebunden. Sein Wärmetransport trägt zum milden Klima in West- und Nordeuropa bei.
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Wo verläuft der Nordatlantikstrom?
Der Golfstrom transportiert warmes Wasser aus den Subtropen an der Ostküste Nordamerikas entlang nach Norden. Bei Kap Hatteras löst er sich von der Küste und strömt ostwärts. Der nach Nordosten weiterführende Teil wird häufig Nordatlantikstrom genannt. Er zieht in Richtung Nordwesteuropa und verzweigt sich weiter.
Nordatlantikstrom
Der Nordatlantikstrom ist eine warme, nordostwärts gerichtete Meeresströmung im Nordatlantik. Er verlängert den Golfstrom in Richtung Europa, ist aber nicht mit dem gesamten Golfstrom oder der gesamten Atlantikzirkulation gleichzusetzen.
Die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation, kurz AMOC, ist umfassender. Zu ihr gehören nordwärts gerichteter Transport in oberen Wasserschichten, Absinken von dichtem Wasser im hohen Norden und südwärts gerichteter Rücktransport in der Tiefe.
Golfstrom, Nordatlantikstrom und AMOC bezeichnen verschiedene Teile beziehungsweise Ebenen des Systems. Im Alltag wird „Golfstrom“ oft weiter gefasst als in einer genauen fachlichen Erklärung.
Was treibt das Strömungssystem an?
Es gibt nicht nur einen einzigen „Motor“. Großräumige Winde treiben Oberflächenwasser an. Die Erdrotation lenkt bewegtes Wasser ab und trägt dazu bei, dass sich beckenweite Wirbel bilden. Der Golfstrom ist der starke westliche Randstrom eines solchen Wirbels.
Zusätzlich entstehen Bewegungen durch Dichteunterschiede. Dichte beschreibt hier, wie viel Masse sich in einem bestimmten Wasservolumen befindet. Kaltes Meerwasser ist bei sonst gleichen Bedingungen dichter als warmes. Salzhaltigeres Meerwasser ist bei sonst gleichen Bedingungen dichter als salzärmeres.
thermohaline Zirkulation
Eine thermohaline Zirkulation wird durch Dichteunterschiede beeinflusst, die mit Temperatur und Salzgehalt zusammenhängen. „Thermo“ verweist auf Wärme, „halin“ auf Salz.
Vergleiche zwei gleich große Wasserpakete: Paket A ist kalt und salzhaltig, Paket B warm und weniger salzhaltig. Beide Unterschiede wirken in dieselbe Richtung: Paket A ist dichter und kann unter Paket B absinken.
Bei „kalt, aber salzarm“ gegenüber „warm, aber salzreich“ reicht diese einfache Regel nicht für eine sichere Entscheidung. Dann wirken Temperatur und Salzgehalt gegeneinander; Messwerte wären nötig.
Wie wird aus Oberflächenwasser Tiefenwasser?
Warmes, salzhaltiges Wasser gelangt nach Norden und gibt Wärme an die Atmosphäre ab. Es kühlt ab und wird dadurch dichter. Bei der Bildung von Meereis bleibt ein großer Teil des Salzes im flüssigen Wasser zurück. Das umgebende Wasser wird salzhaltiger und ebenfalls dichter.
In Gebieten wie dem Europäischen Nordmeer und der Labradorsee können solche Prozesse das Absinken begünstigen. Das dichte Wasser fließt anschließend in der Tiefe südwärts. Es folgt dabei auch Tälern und Rinnen des Meeresbodens und vermischt sich unterwegs mit anderem Wasser.
Vor der warmen Karibik wird aus mehreren hundert Metern Tiefe kaltes Wasser heraufgeholt. Das ist kein Widerspruch: Die warme Oberfläche zeigt die örtliche Sonneneinstrahlung, das kalte Tiefenwasser hat dagegen eine andere Herkunft und wurde mit Tiefenströmungen südwärts transportiert.
Die Wirkungskette lautet: Abkühlung und höherer Salzgehalt können die Dichte erhöhen; dichtes Wasser kann absinken; in der Tiefe folgt ein Rücktransport nach Süden.
Warum beeinflusst der Strom Europas Klima?
Das nach Nordosten strömende Wasser transportiert Wärme. Es erwärmt das Meer und die Luft darüber. Winde tragen einen Teil dieser Wärme weiter nach West- und Nordeuropa. Das trägt dort zu milderen Wintern und eisfreien Häfen an der norwegischen Küste bei.
Der Nordatlantikstrom ist nicht allein für Europas Klima verantwortlich. Auch Atmosphäre, Breitenlage, Kontinente, Gebirge und weitere Meeresströmungen wirken mit. Deshalb ist „Zentralheizung Europas“ ein anschauliches Bild, aber kein vollständiges Klimamodell.
Zwei Orte können auf ähnlicher geografischer Breite liegen und trotzdem unterschiedliche Winter haben. Für einen Ort in Westeuropa wirken der ozeanische Wärmetransport und die vorherrschenden Winde mildernd. Aus der Breitenlage allein lässt sich das Klima daher nicht sicher ableiten.
Wie beurteilst du Aussagen zur Zukunft der AMOC?
Erwärmung kann dazu führen, dass Oberflächenwasser im Norden weniger stark abkühlt. Zusätzliches Süßwasser kann den Salzgehalt senken. Beides kann die Dichte verringern und das Absinken schwächen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass das gesamte Strömungssystem zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammenbricht.
Forschende nutzen verschiedene Arten von Hinweisen:
| Zugang | Was er zeigt | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| direkte Messung | aktuelle Strömung, Temperatur oder Salzgehalt | Messreihen sind begrenzt; kurzfristige Schwankungen können Trends verdecken |
| Proxy | frühere Bedingungen, zum Beispiel über Sedimente oder Eisbohrkerne | indirekter Hinweis, der gedeutet werden muss |
| Modell | mögliche Reaktionen unter festgelegten Annahmen | Ergebnis hängt von Annahmen und Szenario ab |
Proxy
Ein Proxy ist ein indirekter Anzeiger für eine Größe, die in der Vergangenheit nicht direkt gemessen wurde. Korngrößen in Sedimenten können zum Beispiel Hinweise auf frühere Strömungsgeschwindigkeiten geben.
Behauptung: „Eine einzelne Studie nennt ein mögliches Zeitfenster, also steht der Kollapszeitpunkt fest.“
Prüfung: Die Aussage macht aus einem Modellergebnis eine Gewissheit. Fachlich angemessen ist: Es gibt Hinweise auf eine Abschwächung und Untersuchungen möglicher Kipprisiken. Messungen, Rekonstruktionen und Modelle stimmen aber nicht vollständig überein; ein genauer Kollapszeitpunkt ist nicht etabliert.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Nordatlantikstrom und AMOC
- Verlauf: vom westlichen Nordatlantik nach Nordosten
- Oberflächenantrieb: Wind und Erdrotation
- Dichteantrieb: Temperatur und Salzgehalt
- Tiefenweg: Absinken im Norden und Rückstrom nach Süden
- Klimawirkung: Wärmetransport nach Europa
- Zukunft: Abschwächung möglich, genauer Verlauf unsicher
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