Erdkunde

Push-Pull-Modell: Migration einfach erklären

Push-Pull-Modell: Migration einfach erklären
Push-Pull-Modell: Migration einfach erklären
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Das Push-Pull-Modell ordnet Gründe für eine Wanderung nach ihrem Ort: Push-Faktoren stoßen Menschen vom Herkunftsort ab, Pull-Faktoren ziehen sie zu einem Zielort. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen. Außerdem können erhoffte Vorteile von der Wirklichkeit am Zielort abweichen.

Deine Lernziele

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Push und Pull sicher unterscheiden

Stell dir eine Person vor, die über einen Umzug nachdenkt. Welche Bedingungen sprechen gegen den bisherigen Wohnort? Was macht einen anderen Ort attraktiv? Genau diese beiden Seiten ordnet das Modell.

Definition

Push-Faktor

Ein Push-Faktor ist eine abstoßende Bedingung am Herkunftsort. Sie fördert das Wegziehen. Beispiele sind Arbeitslosigkeit, Krieg, schlechte medizinische Versorgung oder hohe Wohnkosten.

Definition

Pull-Faktor

Ein Pull-Faktor ist eine anziehende Bedingung am Zielort. Sie fördert das Hinziehen. Beispiele sind Arbeitsmöglichkeiten, Sicherheit, gute Bildungsangebote oder bezahlbarer Wohnraum.

Merke

Entscheidend ist nicht, ob ein Faktor allgemein gut oder schlecht klingt, sondern an welchem Ort er wirkt: Herkunftsort bedeutet Push, Zielort bedeutet Pull.

Beispiel

Eine Jugendliche kann an ihrem Wohnort keine weiterführende Schule besuchen. In einer anderen Stadt gibt es einen passenden Ausbildungsplatz.

  • Die fehlende Bildungsmöglichkeit am Herkunftsort ist ein Push-Faktor.
  • Der Ausbildungsplatz am Zielort ist ein Pull-Faktor.

Beide Faktoren können dieselbe Wanderungsentscheidung beeinflussen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt einen Push-Faktor?
Lösung: Am Herkunftsort fehlen Arbeitsmöglichkeiten. — Push-Faktoren wirken am Herkunftsort und fördern das Wegziehen.
Frage 2 von 2MittelEine Familie zieht in eine andere Region, weil dort Wohnungen bezahlbarer sind. Wie ordnest du diesen Grund ein?
Lösung: Als Pull-Faktor des Zielortes — Der bezahlbare Wohnraum macht den Zielort attraktiv und wirkt deshalb als Pull-Faktor.
Faktoren nach Lebensbereichen ordnen

Push und Pull können aus verschiedenen Lebensbereichen stammen. Die Zuordnung hilft dir, eine Erklärung vollständig aufzubauen.

LebensbereichMöglicher Push-FaktorMöglicher Pull-Faktor
Arbeit und EinkommenArbeitslosigkeit, niedriger LohnArbeitsnachfrage, höherer Lohn
Bildungfehlende Ausbildungsmöglichkeitenpassende Schulen oder Ausbildungsplätze
Gesundheitschlechte medizinische Versorgungbesser erreichbare medizinische Versorgung
Sicherheit und FreiheitKrieg, Gewalt, VerfolgungFrieden, Sicherheit, größere Freiheit
Infrastrukturschlechte Verkehrs- oder Versorgungsnetzebessere Verkehrs- und Versorgungsangebote
Umwelt und WohnenNaturkatastrophen, schlechte Luft, hohe Mietenbessere Umweltbedingungen, bezahlbarer Wohnraum
Soziale Beziehungenfehlende UnterstützungFamilienzusammenführung oder soziale Netzwerke

Faktoren müssen keine festen Paare bilden. Ein Push-Faktor kann wirken, ohne dass ihm genau ein entsprechender Pull-Faktor gegenübersteht.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Arbeitslosigkeit am ist ein Push-Faktor. Ein Ausbildungsplatz am ist ein Pull-Faktor. Für die Zuordnung prüfst du zuerst den des Faktors.

Lösungen: Lücke 1: Herkunftsort; Lücke 2: Zielort; Lücke 3: Ort. Push gehört zum Herkunftsort, Pull zum Zielort. Erst danach untersuchst du den Lebensbereich und die Bedeutung für die Entscheidung.
Eine Land-Stadt-Wanderung erklären

Bei einer Land-Stadt-Wanderung zieht eine Person oder Familie aus einem ländlichen Gebiet in eine Stadt. Das Modell kann zeigen, welche Bedingungen diese Bewegung fördern.

Beispiel

Eine Familie lebt in einem ländlichen Gebiet. Dort gibt es kaum Erwerbsmöglichkeiten, die ärztliche Versorgung ist schlecht und eine weiterführende Schule ist schwer erreichbar. In einer Stadt erwartet die Familie mehr Arbeitsplätze, ein dichteres medizinisches Angebot und bessere Bildungsmöglichkeiten.

Der Denkweg lautet:

  1. Herkunft bestimmen: Das ländliche Gebiet ist der Herkunftsort.
  2. Push erkennen: Fehlende Arbeit, schlechte medizinische Versorgung und schwer erreichbare Bildung stoßen ab.
  3. Ziel bestimmen: Die Stadt ist der Zielort.
  4. Pull erkennen: Erwartete Arbeits-, Gesundheits- und Bildungsangebote ziehen an.
  5. Zusammenspiel erklären: Die Wanderung wird nicht mit einem einzigen Grund, sondern durch mehrere zusammenwirkende Faktoren verständlich.

Eine passende Erklärung lautet: Die Familie zieht möglicherweise in die Stadt, weil geringe Erwerbs- und Versorgungsmöglichkeiten auf dem Land als Push-Faktoren wirken. Erwartete Arbeitsplätze sowie bessere medizinische und schulische Angebote in der Stadt wirken als Pull-Faktoren.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum ist die Aussage „Die Familie zieht nur wegen der Arbeit um“ für das Beispiel unvollständig?
Lösung: Weil auch medizinische Versorgung und Bildung die Entscheidung beeinflussen können. — Eine tragfähige Erklärung verbindet alle im Fall genannten Faktoren, ohne einen davon automatisch zum einzigen Grund zu machen.
Frage 2 von 2SchwerIn einer Stadt werden viele Arbeitsplätze erwartet, doch das tatsächliche Angebot reicht nicht für alle Zugewanderten. Was zeigt dieser Fall?
Lösung: Ein Pull-Faktor kann auf einer Hoffnung beruhen, die sich nicht vollständig erfüllt. — Das Modell erfasst auch wahrgenommene oder erwartete Vorteile. Deshalb musst du Erwartung und tatsächliche Lage unterscheiden.
Eine Stadt-Umland-Wanderung untersuchen

Das Modell erklärt nicht nur Bewegungen in Städte. Bei einer Stadt-Umland-Wanderung verlassen Menschen den Stadtkern und ziehen in das umliegende Gebiet, etwa in einen Vorort.

Beispiel

Eine Familie empfindet ihre kleine, teure Stadtwohnung, den Verkehrslärm und den fehlenden Bewegungsraum für Kinder als belastend. Im Umland findet sie eine bezahlbarere Wohnung, mehr Grün sowie gut erreichbare Schulen und Freizeitangebote.

  • Kleine Wohnung, hohe Kosten, Lärm und fehlender Bewegungsraum sind Push-Faktoren der Stadt.
  • Bezahlbarer Wohnraum, Grün, Schulen und Freizeitangebote sind Pull-Faktoren des Umlands.

Der Zielort hängt also von der betrachteten Wanderungsrichtung ab. Dieselbe Stadt, die bei einer Land-Stadt-Wanderung Zielort ist, kann bei einer Stadt-Umland-Wanderung Herkunftsort sein.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Person zieht wegen hoher Stadtmieten und eines günstigeren Grundstücks im Umland um. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Hohe Stadtmieten sind Push; das günstigere Grundstück im Umland ist Pull. — Auch wenn beide Faktoren zum Lebensbereich Wohnen gehören, entscheidet ihr jeweiliger Ort über die Zuordnung.
Was das Modell leistet – und was nicht

Das Push-Pull-Modell hilft dir, mögliche Wanderungsgründe übersichtlich zu ordnen. Es lässt sich auf Wanderungen innerhalb eines Staates und zwischen Staaten sowie auf verschiedene Wanderungsrichtungen anwenden.

Es erklärt eine Entscheidung aber nicht vollständig von selbst:

  • Menschen können dieselbe Situation unterschiedlich bewerten.
  • Mehrere wirtschaftliche, soziale, politische und ökologische Faktoren können zusammenwirken.
  • Ein Pull-Faktor kann eine Erwartung sein, die sich am Zielort nicht erfüllt.
  • Faktorenlisten zeigen nicht automatisch, welcher Grund besonders stark ist.
  • Das Modell allein klärt weder Dauer und Reichweite einer Wanderung noch ihren rechtlichen Kontext oder den Grad der Freiwilligkeit.
Gut zu wissen

In einer vereinfachenden, deterministischen Sicht erscheinen Push und Pull wie Kräfte, die eine Wanderung bewirken. Reale Entscheidungen hängen jedoch auch von individuellen Erwartungen, sozialen Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten ab. Formuliere deshalb vorsichtig: Ein Faktor kann eine Wanderung fördern; er beweist nicht allein, warum eine bestimmte Person wandert.

Beispiel

Die Aussage „Krieg verursacht Migration“ nennt nur einen möglichen Push-Faktor. Genauer ist: Krieg kann Menschen zum Verlassen ihres Herkunftsortes drängen. Ob, wann und wohin sie gehen können, lässt sich aus diesem Faktor allein nicht ableiten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt eine Grenze des Modells?
Lösung: Es zeigt nicht automatisch, wie stark einzelne Faktoren wirken. — Faktorenlisten ordnen mögliche Einflüsse, liefern aber keine Messwerte für deren Stärke.
Frage 2 von 2SchwerZwei Personen erleben am selben Herkunftsort Arbeitslosigkeit. Nur eine zieht fort. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?
Lösung: Der Push-Faktor kann für beide bestehen, wird aber unterschiedlich bewertet und führt nicht automatisch zur Wanderung. — Das Modell ordnet Bedingungen. Individuelle Entscheidungen und Handlungsmöglichkeiten können trotzdem verschieden sein.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Push-Pull-Modell
    • Herkunftsort: Push-Faktoren stoßen ab
    • Zielort: Pull-Faktoren ziehen an
    • Lebensbereiche: Arbeit, Bildung, Sicherheit, Umwelt, Wohnen, Beziehungen
    • Anwendungen: Land-Stadt und Stadt-Umland sowie weitere Wanderungen
    • Zusammenspiel: Mehrere Faktoren können gleichzeitig wirken
    • Grenze: Erwartungen, Bewertungen und Handlungsmöglichkeiten bleiben wichtig
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du einen Pull-Faktor?
Lösung: Er beschreibt eine attraktive Bedingung am Zielort. — Pull wird über den Zielort bestimmt, nicht über einen bestimmten Lebensbereich.
Frage 2 von 3MittelEine Person verlässt eine Stadt wegen schlechter Luft und zieht wegen bezahlbaren Wohnraums ins Umland. Welche Erklärung ist richtig?
Lösung: Schlechte Luft in der Stadt wirkt als Push, bezahlbarer Wohnraum im Umland als Pull. — Die Stadt ist hier der Herkunftsort, das Umland der Zielort.
Frage 3 von 3SchwerIn einem ländlichen Gebiet fehlen Arbeitsplätze. Eine Stadt verspricht bessere Verdienstmöglichkeiten, doch eine Person bleibt wegen ihrer Familie am Herkunftsort. Was zeigt das am besten?
Lösung: Push und Pull können vorhanden sein, ohne automatisch zu einer Wanderung zu führen. — Das Modell ordnet mögliche Einflüsse. Eine konkrete Entscheidung entsteht aus ihrem Zusammenspiel und den Handlungsmöglichkeiten der Person.

Du kannst das Modell nun anwenden, indem du Herkunftsort und Zielort bestimmst, die Faktoren nach ihrem Ort zuordnest, ihr Zusammenspiel erklärst und anschließend die Grenzen deiner Erklärung prüfst.

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